Martin Doerry: Mein verwundetes Herz. Das Leben der Lilli Jahn 1900 – 1944 (2002)

Martin Doerry – langjähriger ehemaliger Chefredakteur des Spiegel – war die treibende Kraft bei der Veröffentlichung des bewegenden Briefwechsels zwischen seiner Großmutter, der jüdischen Ärztin Lilli Jahn (1900 – 1944) und ihren Kindern. Diese Briefe wurden erst 1998 im Nachlass seines Onkels, des ehemaligen Bundesjustizministers Gerhard Jahn, entdeckt. Er stammt vor allem aus der Zeit, als Lilli Jahn in dem Arbeitserziehungslager Breitenau nahe Kassel interniert war und ihre fünf Kinder nahezu auf sich alleine gestellt waren. Doerry veröffentlichte – auch wenn das familiär sehr kontrovers diskutiert wurde und seelische Belastungen für die Kinder Lilli Jahns bedeutete – 2002 eine Auswahl der Briefe als Buch unter dem Titel „Mein verwundetes Herz – das Leben der Lilli Jahn“.  2018 veröffentlichte der Penguin Verlag eine Neuauflage.

Zu Recht. Heute gelten die Briefe, auch international, als wichtiges, eindrückliches und bewegendes Dokument.

Der Mann Lillis war „Arier“ und trennte sich ganz opportunistisch von seiner jüdischen Frau und versagte ihr damit den einzigen denkbaren Schutz vor der Verfolgung.

Diese Briefe machen aus einer anonymen Zahl von nicht zu zählenden Ermordeten eine Person, einen einzelnen und unverwechselbaren Menschen, eine Mutter, die ihre Kinder nicht mehr sehen wird. Die Lektüre ist – wie könnte es anders sein – schmerzhaft.

Am 25. November 1943 schreibt die älteste Tochter Ilse an ihre inhaftierte Mutter das Aufsatzthema, das sie in der Schule zu bearbeiten hatte: „Was bedeuten dir die Umgangsformen.“

Was kann man da noch zu sagen?

Autor: buchpost

- mein buchregal: schon lange ein gegengewicht zu beruf und engstirnigkeit - ziele: horizont weiten, mich vergnügen und das wichtige behalten

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