Eric Malpass: Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung (OA 1965; deutsche Ausgabe 1967)

Morgendämmerung und ein Himmel wie kalter Haferbrei. In den Winkeln des Daches noch ein paar Flecken nassen Schnees. In dem großen, weitläufigen Haus lag die Familie im sonntagmorgendlichen Winterschlaft, eingekuschelt gegen die Kälte und den kommenden Tag. Aber Gaylord war gegen Kälte unempfindlich. Der junge Gaylord Pentecost war gegen die meisten Dinge unempfindlich. Gleich nach dem Aufwachen hopste er erst mal ein bißchen auf dem Bett herum. Als ihm das langweilig wurde, zog er die Schlafanzughose auf seine nicht vorhandene Taille herauf und machte sich auf eine Besuchstour durch das Haus. Zuerst war Opa an der Reihe. In seinem Zimmer war es noch dunkel. Gaylord zog die Vorhänge auf. Die Vorhänge hingen an Messingringen. Wenn andere sie zurückzogen, klapperten sie wie Kastagnetten. Wenn Gaylord sie zurückzog, klang es wie eine Maschinengewehrsalve.

So beginnt

Eric Malpass: Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung; im englischen Original: Morning’s at Seven (1965) – übersetzt von Brigitte Roeseler

Malpass fand den größten Anklang mit den insgesamt sieben Bänden um die englische Familie Pentecost in Deutschland, was vermutlich auch an den Verfilmungen der ersten beiden Bände liegt.

Aus heutiger Sicht wirkt der Humor ziemlich angestaubt. Die angebliche Komik resultiert denn auch eher daraus, dass der kleine Gaylord, ein warmherziges und lebhaftes Bürschchen, die Fähigkeit hat, just im ungünstigsten Moment irgendwo aufzutauchen und mit seinen ehrlichen Kommentaren für manch peinliche Situation bei den Erwachsenen zu sorgen. Damals fand man die Familiengeschichte um Opa, Großtante, Eltern und zwei Tanten eher nett und warmherzig. Happy End vorprogrammiert, auch wenn das Böse nicht geleugnet wird und dem kleinen  Gaylord sogar bedrohlich nahekommt.

Zwei nutzlose Details: In den zwei Verfilmungen (1968 und 1969) spielte Wolfgang Petry mit und die Titelmusik, komponiert von James Last, kenne ich tatsächlich, obwohl ich die Filme nie gesehen habe. Im Übrigen war im Original am Anfang nicht von Maschinengewehren die Rede, dort hieß es:

The curtains were on brass rings. Drawn by anyone they made a noise like castanets. Drawn by Gaylord they sounded like a pile-up on the M1.

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