Ben Aaronovitch: Rivers of London (2011)

It started at one thirty on a cold Tuesday morning in January when Martin Turner, street performer and, in his own words, apprentice gigolo, tripped over a body in front of the East Portico of St Paul’s at Covent Garden. Martin, who was none too sober himself, at first thought the body was that of one of the many celebrants who had chosen the Piazza as a convenient outdoor toilet and dormitory. Being a seasoned Londoner, Martin gave the body the ‚London once-over‘ – a quick glance to determine whether this was a drunk, a crazy or a human being in distress. The fact that it was entirely possible for someone to be all three simultaneously is why good-Samaritanism in London is considered an extreme sport – like base-jumping or crocodile-wrestling.

So beginnt der erste Band einer Reihe um den Polizisten Peter Grant:

Ben Aaronovitch: Rivers of London (2011); auf Deutsch: Die Flüsse von London

Zum Inhalt

Peter Grant, ein junger Polizist, der am Ende seiner zweijährigen Probezeit unbedingt vermeiden möchte, dauerhaft auf der Schreibstube eingesetzt zu werden, muss also eines Morgens einen Tatort bewachen, bis die Kollegen eintreffen. Dabei wird er von einem Geist angesprochen, der ihm Details zum Tathergang nennt, die tatsächlich nur ein Augenzeuge wissen kann. Dass Peter zunächst gar nicht an die Existenz von Geistern glaubt, macht die Sache nicht einfacher.

Erstaunlicherweise wird er von seinen Vorgesetzten nicht für verrückt erklärt, sondern in die Lehre bei Inspector Nightingale geschickt, der zaubern kann und ihm nun mühsam alte Sprachen und die ersten Zauberkunststücke beibringt. Ohne zu viel vorwegzunehmen, es geht um den Geist eines längst verstorbenen Schauspielers, der nun auf einen immer stärker außer Kontrolle geratenden Feldzug geht. Nightingale und Grant sollen ihn stoppen und so nebenher noch die zwei verfeindeten Clans der Themse-Flussgottheiten dazu bringen, den vereinbarten Waffenstillstand zu halten.

Der Leser erfährt nicht nur etwas über die Geschichte der Flüsse Londons, den „Großen Gestank“ (the Big Stink) von 1858, als der Gestank der Abfälle in Teilen Londons schier unerträglich wurde, sondern gewinnt auch Einblicke in einige kulturhistorische Besonderheiten und Orte, vor allem Covent Garden.

Fazit

Zunächst war ich sehr angetan und ich fragte mich, wie die Briten das bloß immer wieder hinbekommen, so schräge und witzige Geschichten zu schreiben.

Das Buch beginnt spannend und mit trockenem Humor, z. B. als Peter versteht, dass Nightingale kein ganz alltäglicher Vorgesetzter ist:

‚You put a spell on that dog,‘ I said as we left the house. ‚Just a small one,‘ said Nightingale.
‚So magic is real,‘ I said. ‚Which makes you a … what?‘
‚A wizard.‘
‚Like Harry Potter?‘ Nightingale sighed. ‚No,‘ he said, ’not like Harry Potter.‘
‚In what way?‘
‚I’m not a fictional character,‘ said Nightingale. (S. 45)

Mal ganz abgesehen von der ständigen Wiederholung des Wörtchens ’said‘ in so einem kurzen Absatz verlor die Geschichte selbst für mich allmählich ihren Reiz.

Zwischendurch wird der Handlungsfaden zu dünn, die Charaktere werden nur noch durch die Handlung gehetzt und ich hatte keine Lust mehr, tröpfenweise hirnverbrannte Theorien übers Geisterwesen zu lesen.

Der Londonist schrieb am 28. Januar 2011:

Believability is also its flaw. The main character seems unfazed to learn the truth about ghosts and vampires and water spirits. Maybe it’s his police training, but we suspect even a constable of the force would go through some kind of personal struggle after witnessing the mutilation of innocent faces, or upon discovering he could conjure up balls of fire. Emotion is almost entirely absent. If you’re looking for a deep novel, this is more trickling Walbrook than mighty Thames.

Der Leser erfährt zu wenig über die Regeln, nach denen diese ausgedachte Welt funktioniert. Die Geistesblitze, die Peter dann hin und wieder hat, kommen sehr aus heiterem Himmel.

Eine Bloggerin schrieb, sie habe den Eindruck gehabt, Aaronovitch habe zwar immer gewusst, wo er hinwollte, nicht jedoch, wie er dahin kommen könnte. Mir ging es eher so, dass ich befürchtete, Aaronovitch hätte eine Seite zuvor auch noch nicht mehr gewusst als der Leser.

Am Ende war ich noch nicht mal mehr an der Auflösung interessiert. Die Nachfolgebände also ohne mich.

Aaronovitchs Fans seien hier aber noch auf seinen Blog hingewiesen.

4 thoughts on “Ben Aaronovitch: Rivers of London (2011)

  1. Ich fand das Buch eigentlich ganz unterhaltsam, aber zum Ende fand ich es recht langatmig. Mein Mann liest auch schon seit einigen Wochen an den letzten 100 Seiten. Ich habe mir letztens die Fortsetzung gekauft (ich habe mal wieder im Waterstones gestoebert und brauchte noch ein drittes Buch fuer das 3 for 2 Angebot. Noch liegt es auf dem GUB, aber ich lass Dich wissen, ob es lesenswert ist. Lieben Gruss aus London, Peggy

    • Hallo Peggy,
      erst mal freue ich mich sehr, Grüße aus London zu erhalten! Dort habe ich mal 9 Monate als language assistant gearbeitet und das war eine tolle Zeit🙂 Ja, an die Verlockungen „three for two“ erinnere ich mich. Und ich hoffe, du hast viel Freude an den Büchern. Ich bin gespannt, wie dir die Fortsetzung gefällt. Grüße aus der deutschen Provinz, Anna

  2. Nach vielen guten und weniger guten Rezensionen,weiß ich noch immer nicht, ob ich dieses Buch lesen soll. Nach deiner etwas weniger positiven Rezension bin ich mir jedoch sicher, dass es für mich nicht eilt, dieses Buch zu lesen. Mal sehen, vielleicht leihe ich es ja, dann hab ich nichts zu verlieren.

    LG, Katha

    • Hallo Katha, willkommen auf meinem Blog🙂 Das Buch auszuleihen, ist sicherlich eine gute Idee. Manche fanden es ja auch ganz toll. Dann kann man immer noch entscheiden, ob man es sich zulegen möchte. LG, Anna

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