Claudia Metz; Klaus Schubert: Abgefahren (1999)

Die Motoren laufen. Beide. Gleichmäßig stampfen sie in beruhigendem Rhythmus. Heute geht es los. Wir erreichen die Autobahn und beschleunigen auf 120. Abgefahren – endlich! Die Hochhäuser des Kölner Nordens bleiben hinter uns zurück. Ein Autofahrer schließt rechts auf, kurbelt das Fenster runter und ruft: ‚Wo soll es denn hingehen?‘ ‚Nach Japan!‘ brülle ich zurück. Er lacht erst, schaut noch mal rüber und schüttelt den Kopf. Soll er denken, was er will. Mir geht es auf einmal viel besser. Jetzt habe ich unser Ziel ausgesprochen. Wir sind tatsächlich unterwegs.

So beginnen die Reiseerinnerungen von

Claudia Metz; Klaus Schubert: Abgefahren – In 16 Jahren um die Welt (1999)

Klaus, Zivildienstleistender (23) und seine Freundin Claudia (20) versprechen der Schwester von Klaus, sie in Japan zu besuchen. Und so fahren sie 1981 mit ihren Motorrädern los. Geplant sind 10 Monate, doch sie stellen fest, dass es viel zu anstrengend ist, sich an feste Kilometerzahlen zu halten. Außerdem sieht man zu wenig von Land und Leuten, wenn man nur hetzt, also beschließen sie, als sie in Indien ankommen, sich die Zeit zu lassen, die sie brauchen. Insgesamt 16 Jahre.

Bin erst auf S. 81 von 318 und ein bisschen enttäuscht. Die beiden erleben auf ihrer Weltreise ‚Planet Earth Expedition‘ so unglaublich viel – ihre Schutzengel müssen ständig in Alarmbereitschaft gewesen sein. Überfälle, Bürokratie, wunderschöne Landschaften, Hilfsbereitschaft der Einheimischen, korrupte Beamte, Unfälle, Frauenfeindlichkeit, rechtlose Gebiete, wo Banditen das Sagen hatten, andere Kulturen, Begegnungen mit anderen Reisenden, lebensgefährliche Straßenverhältnisse, Arbeitserfahrungen … Aber um als Leser da mitzukommen, ist das manchmal zu straff hintereinander aufgereiht. Der Verlag hatte wohl konkrete Vorstellungen von der Länge des Buches und am Ende musste gekürzt werden.

Vermutlich hätte das Buch eine bessere Betreuung gebraucht, entweder mehr Seiten oder eine behutsamere Kürzung, sodass vielleicht nicht alles hätte erzählt werden können, das dann aber im Detail, damit dieser doch einmalige Erlebnisbericht – der abwechselnd aus der Perspektive der Frau und des Mannes erzählt wird – auch für den Leser eine Wirkung entfalten kann und ich nicht einfach einer mal mehr, mal weniger oberflächlich geschilderten Stationenkette nachhecheln muss. Mir bleiben auch die beiden Hauptpersonen sehr fremd, da die Schilderung der Gefühle und Wahrnehmungen doch oft zugunsten der abenteuerlichen Handlung zurückstehen muss. Und ein bisschen knausrig bei der Zahl der gezeigten Fotos ist das Buch auch.

Über Neuseeland heißt es beispielsweise:

Irgendwie fühlten wir uns nicht willkommen in diesem Land. Dies war wohl ein subjektiver Eindruck, doch konnten wir nicht so recht nachvollziehen, was andere Reisende so von diesem Land schwärmen ließ – mit Ausnahme vielleicht der steilen Berge zwischen den Fjorden auf der Südinsel, wo sich die Abholzung zur Schaffung von Weideland nicht lohnte. (S. 66)

Unklar bleibt hier, was sie eigentlich erwartet haben und wieso sie die Schönheit Neuseelands nicht sehen konnten.

Diverse Aussagen zur Umweltzerstörung sind zwar richtig, wirken aber sehr schlicht, weil sie eben alle Fragen nach politscher Umsetzung oder der konkreten Veränderung unserer Konsumgewohnheiten ausklammern:

Mir wird dann immer wieder bewußt, welche Kraft die Natur hat, wie sehr wir Menschen in unserem Allmachtswahn glauben, sie völlig berechnen und bezwingen zu können. Wir sind dabei, die Grundlagen unseres Lebens zu zerstören. Doch die Natur als gestaltende Kraft wird bleiben. Sie hat Zeit. Unendlich viel Zeit. Verglichen damit dauert die menschliche Existenz nur einen Augenblick. Aber dennoch maßen wir uns an, mit unserer überschätzten Intelligenz in das natürliche Gleichgewicht beliebig eingreifen zu dürfen – ohne die Konsequenzen auch nur zu erahnen. Jeder Eingriff zieht unvorhersehbare Folgen nach sich, die mit immer neuen Eingriffen korrigiert werden. Ein Lauffeuer, das bald zum Flächenbrand wird, dem die menschliche Intelligenz am Ende vielleicht nichts mehr entgegensetzen kann – es sei denn, wir denken um und nehmen die Natur wieder ernst. (S. 68)

Ich weiß noch nicht, ob ich weiterlesen möchte.

Die beiden haben es übrigens nach ihrer Rückkehr nicht sehr lange in Deutschland ausgehalten und leben nun mit ihrer Familie auf einer Farm in Patagonien.

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