Susie Kelly: Best Foot Forward – A 500-mile walk through hidden France (2003)

January – Message posted to Internet: ‚Free use of French farm house in Poitou-Charentes in return for caring for animal (horses, dogs, cat, parrots, geese, fish) for six weeks while owner walks across France.‘

So beginnt der Reisebericht der Engländerin

Susie Kelly: Best Foot Forward – A 500-mile walk through hidden France (2003)

Ein sehr vergnügliches Buch: Susie Kelly lebt in Frankreich und war 52, als sie beschließt, ihren Vorsatz, einmal quer durch Frankreich – von La Rochelle bis zum Genfer See – zu wandern, in die Tat umzusetzen.

It was not a project to undertake rashly, so I thought about it very carefully for twenty minutes before going to visit my friend and neighbour Gloria, to announce my intentions. (S. 1)

Mit Hilfe der Internetanzeige findet sie eine mutige Dame names Jennifer aus Texas, des Französischen nicht mächtig, die bereit ist, so lange Haus und Hof und ständig ausbüchsende Tiere zu hüten.

Susie ist trotz angeblicher monatelanger Übungsmärsche nicht sonderlich durchtrainiert und erschreckend schlecht ausgerüstet, als sie sich auf den Weg macht. Ihr Rucksack ist viel zu schwer, ihr Schlafsack zwar leicht, aber nicht warm genug und das Zelt hält weder Feuchtigkeit noch Kälte ab, dafür hat sie dann auch kein Handy und die Füße sind nach wenigen Tagen völlig kaputt und von Blasen übersät. Bereits nach sechs Tagen und knapp über 84 Meilen muss sie sich reumütig von ihren Freunden abholen lassen. Sie ist völlig erschöpft.

It had been a half-witted idea anyway. (S. 37)

Doch zurück zu Hause meldet sich eine trotzige Stimme in ihr, sie will nicht einfach aufgeben. Also überprüft sie, welche Gegenstände sie nicht wirklich braucht, packt ihren Rucksack neu, der dann immer noch 13 Kilo (ohne Wasservorräte und Nahrung) wiegt und packt ihre Füße in mehrere Lagen Watte und Pflaster ein. Und sie marschiert wieder los, diesmal wird sie nicht mittendrin aufgeben.

Der Leser begleitet sie, wie sie gemächlich von Campingplatz zu Campinglatz wandert, oft bis zur totalen Erschöpfung, wie sie sich immer wieder verläuft, Hunde, die sich ihr anschließen wollen, zu ihren Herrchen zurückbringt und wie sie die Natur genießt – sie ist ausgesprochen tierlieb und muss jeden Käfer und jede Raupe von der Straße tragen. Doch wir erfahren auch viel über die Sehenswürdigkeiten am Wegesrand, die manchmal auch geöffnet haben (die Touristensaison hat noch nicht begonnen und eine Reihe von Campingplätzen und Museen sind noch geschlossen), und die allgegenwärtige Geschichte, wie sie z. B. in jedem Dorf, jeder Stadt Denkmale sieht, die an die Opfer der Nazis erinnern. Ab und an stilisiert sie sich vielleicht ein wenig als „eccentric foreigner“, aber das stört nicht wirklich. Aber so ganz kann sie ihre Nationalität auch nicht verleugnen:

Every day when I set out for a new destination, I had no idea where, what or when my next meal would be, which was rather disconcerting. The remedy was to carry plenty of provisions, despite the unwelcome extra weight. […] I frequently craved something piquant, and would have sold my soul for a jar of Marmite, that quintessentially English delicacy that only the English palate seems able to appreciate. When I had given Jennifer a taste she had pulled a face and asked incredulously: ‚Do you mean you eat this for PLEASURE?‘ (S. 113)

Der eigentliche Charme des Buches liegt darin, dass sie sich Zeit für die Menschen nimmt und sie mit offenen Augen betrachtet. Mit viel menschenfreundlichem Humor schildert sie die Gespräche und Begegnungen, die sich während ihrer Wanderungen, in den Cafes und Restaurants und auf den Campinglätzen ergeben. So werden manchmal auf einer halben Seite ganze Lebensgeschichten wie unter einem Scheinwerfer beleuchtet, ohne dass sie sich zum Richter aufschwingt.

Walking back to the campsite I passed an English couple unloading their car outside a small hotel and enjoying a bitter row. The female of the pair unloaded the luggage, her face pale and tight with anger, while her short, fat spouse stood stamping his little foot and spluttering, his face red with rage. As I passed I said: ‚I do hope you’ll enjoy your stay here.‘ They both stared open-mouthed. (S. 155)

Man kann die Menschen manchmal geradezu hören und sie wiedererkennen. Besonders die Holländer haben es ihr angetan: Immer wieder trifft sie liebenswürdige und hilfsbereite Menschen, die sie auf einen Tee oder ein Essen einladen, sich ihrer geschundenen Füße annehmen oder einfach einen netten Abend mit ihr verplaudern.

Ich konnte bei diesem Buch „mitwandern“ und bekam Lust, das mir unbekannte Frankreich zu bereisen, auch wenn es anscheinend immer noch einzelne Cafes oder Orte gibt, wo man als Deutscher offensichtlich nicht willkommen ist und nicht oder nur sehr widerwillig bedient wird.

Die einzigen Wermutstropfen: Sie hatte einen Fotoapparat dabei und das ganze Buch enthält exakt null Fotos. Das ist doch mehr als ärgerlich. Und ich vermisste den Zusammenhang zu ihrem übrigen Leben. Man erfährt, außer dieser Wanderung, sehr wenig von ihr und dadurch hängt diese Reise ein bisschen „in der Luft.“

Wer bei diesem Buch ernsthafte und existenielle Reiseliteratur erwartet hat, wird allerdings dem namenlosen Reiselliteratur-Blogger zustimmen: „I … found her lack of fitness, preparation, suitable equipment, or abilities to read a map or use a compass only partially endearing. It’s true that she has some funny encounters, and her self-deprecating style makes for an easy read. But that’s almost the problem: it’s too easy. There’s information and background on the places she visits, again told wittily; but the book lacks the depth of Bryson’s comedy travels or the insights of Nick Crane’s eccentric hikes.“

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