Andreas Montag: Lothar König (2012)

Lothar König? Natürlich hatte ich den Namen schon gehört. Er stand ja in allen Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen berichteten über ihn. Der Mann aus Jena war im Februar des Jahres 2011 als evangelischer Pfarrer bei einer Demonstration gegen Rechtsextremismus in Dresden mit der sächsischen Polizei  zusammengeraten. Oder die Staatsmacht mit ihm?

So beginnt

Andreas Montag: Lothar König: Eine rebellische Seele (2012)

Vorsichtshalber schreibt Montag, der vom Kreuz Verlag angefragt worden war, ob er nicht Lust habe, über König zu schreiben, gleich in der Einleitung:

Die hier vorliegenden Anmerkungen zur Person wird man als eine Annäherung an Lothar König verstehen müssen, eine umfassende Biografie ist es nicht, schon gar keine letztgültige. (S. 10)

Ich habe mich über dieses Büchlein von 160 Seiten vor allem geärgert. Lothar König ist aus mancherlei Gründen ein interessanter Mensch, über den ich gern etwas erfahren hätte. Ein Glaubender, der sich einmischt, der nicht wegguckt, wenn die Rechten aufmarschieren, der nun wegen Landfriedensbruch angeklagt ist, einer, der immer wieder auf das Problem der „Mittelextremisten“ aufmerksam macht, die durch ihr Schweigen das Tun der Randalierer und Rechtsextremen gutheißen und in der Mitte der Gesellschaft salonfähig machen, einer, der schon so rein äußerlich weder in konservative noch evangelikale Schubladen passt und der die Junge Gemeinde in Jena leitet.

(Quelle: Wikipedia; Fotograf: Ingo Jürgensmann,  CC-BY-3.0)

Doch das ist eben das Dilemma des Buches. Man liest Heldenverehrung. Allgemeinplätze und nebulöse Andeutungen. Wenn Lothar König keine Lust hat, über sein Privatleben zu sprechen, dann ist für Herrn Montag das Thema sofort vom Tisch.

Montag bescheinigt ihm tiefe Spiritualität. Doch woran soll die der Leser festmachen? Belege und Beispiele: Fehlanzeige. Auch falls der Leser etwa wissen möchte, was nun genau auf dieser verhängnisvollen Demo passiert ist, Montag wird es ihm nicht verraten. Das muss man sich dann schon selbst im Internet zusammensuchen, hingewiesen sei hier beispielsweise auf die Reportage bei Frontal 21.

Spannend und konkret wurde es dort, wo nicht Herr Montag schreibt, sondern Originalquellen zitiert werden, z. B. der Brief des Jenaer Oberbürgermeisters an den Ministerpräsidenten von Sachsen und die Antwort des sächsischen Generalstaatsanwaltes, nachdem die Durchsuchung der Wohnung des Stadtjugendpfarrers König durch die Dresdener Staatsanwaltschaft im August 2011 große öffentliche Empörung ausgelöst hatte.

Ich wünschte, Montag hätte sich die Worte Königs zu Herzen genommen:

Du musst schärfer fragen, ermahnt er seinen Gesprächspartner gern. (S. 31)

Außer seiner Tochter wurde niemand sonst von Montag zu König befragt. Sinnvollerweise hätte man die Interviews aufzeichnen sollen oder König hätte das Buch selbst schreiben müssen, stattdessen muss der Leser nun seitenweise indirekte Rede und salbungsvolle Interpretationen des Autors lesen. Schade, denn es könnte stimmen:

Christen, Gläubige überhaupt, können sich in ihrem Gottvertrauen als äußerst harte Nüsse erweisen. Und sie müssen deshalb keine Fundamentalisten sein. Fundamentalismus ist antiaufklärerisch, borniert und engstirnig. Auf Lothar König trifft nichts von alledem zu, im Gegenteil. Denn er hat ein großes Herz und so viel Liebe darin, wie man es jedem Zeitgenossen wünschen sollte. (S. 9)

Das Landgericht Dresden teilte übrigens am 22. Oktober 2012 mit, dass es immer noch keinen Verhandlungstermin festgelegt habe. Man erinnere sich, die Demonstration fand im Februar 2011 statt.

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