Fundstück von Jakob Wassermann

Ihr lest ein schönes Buch, ihr seht ein ergreifendes Theaterstück und seid erschüttert von diesen nur eingebildeten Leiden […] Ein trauriges Lied kann die Tränen entlocken […] Du konntest eine Nacht lang nicht schlafen, als man uns erzählte, drüben in Weinberge habe eine Mutter ihr eignes Kind verhungern lassen. Warum ist es immer nur das Unwirkliche oder das Ferne, woran ihr eure Teilnahme verschwendet? Warum immer nur dem Wort, dem Klang, dem Bild glauben und nicht dem lebendigen Menschen, dessen Not handgreiflich ist? Ich versteh‘ es nicht, versteh‘ es nicht, das quält mich, daran, ja daran verbrenn‘ ich.

Clara von Kannawurf in Jakob Wassermann: Caspar Hauser oder die Trägheit des Herzens (1908)

Autor: buchpost

- mein buchregal: schon lange ein gegengewicht zu beruf und engstirnigkeit - ziele: horizont weiten, mich vergnügen und das wichtige behalten

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