Matthew Green: memoirs of an imaginary friend (2012)

Here is what I know: My name is Budo. I have been alive for five years. Five years is very long for someone like me to be alive. Max gave me my name. Max is the only human person who can see me. Max’s parents call me an imaginary friend. I love Max’s teacher, Mrs Gosk. I do not like Max’s other teacher, Mrs Patterson. I am not imaginary.

So fängt einer der größten Leseflops der letzten Monate an. Eigentlich heißt der Autor Matthew Dicks, aber in Großbritannien werden seine Bücher unter Green vermarktet.

Matthew Green: memoirs of an imaginary friend (2012)

Auf Deutsch erschien das Buch unter dem Titel Der beste Freund, den man sich denken kann (2013).

Inhalt

Da gerade keine gute Zeit für Klassiker oder große Romane ist, die der Ruhe und Konzentration bedürfen, aber trotzdem ein Buch her musste, schien mir die Idee von Green zunächst sehr reizvoll:

Budo ist der imaginäre Freund des ca. zehnjährigen Max. Er ist nur so lange existent, wie Max an ihn glaubt und ihn sieht. Er hat auch nur die Eigenschaften und verfügt auch nur über die Fähigkeiten, mit denen ihn sein menschlicher „Schöpfer“ ausgestattet hat. Und dieser Budo nun veröffentlicht seine Memoiren, immer in der Angst, dass er irgendwann – wie alle imaginären Freunde – verschwindet, wenn Max erwachsen(er) wird und seiner nicht mehr bedarf.

Aber noch braucht Max seinen Freund, zumal er autistisch veranlagt ist, am liebsten mit seinem Kriegsspielzeug und unzähligen Soldaten irgendwelche Schlachten nachspielt und menschliche Gesellschaft vermeidet, wo immer es geht. Den Gute-Nacht-Kuss gibt ihm seine Mutter immer erst dann, wenn er schon schläft, da er keine Berührungen mag.

He likes people, but it’s a different kind of liking. He likes people from far away. The farther you stay away from Max, the more he will like you. (S. 10)

Max‘ Eltern gehen ganz unterschiedlich mit seiner Krankheit um. Sein Vater versucht zu verdrängen, dass sein Sohn anders ist, so kommt es öfter zu Auseinandersetzungen und der geneigte Leser erhält dann gleich ein paar Ehetipps.

Sometimes I wish I could tell Max’s mom to be nicer to Max’s dad. She is the boss of the house, but she’s also the boss of Max’s dad, and I don’t think it’s good for him. It makes him feel small and silly. Like when he wants to play poker with friends on a Wednesday night, but he can’t just tell his friends that he will play. He has to ask Max’s mom if it’s okay for him to play, and he has to ask at the right time, when she is in a good mood, or he might not be able to play. (S. 23)

Eher widerwillig geht Max in die Schule, hat Probleme mit einem fiesen Mitschüler und liebt, wie alle anderen auch, die Stunden bei Mrs Gosk, die so ist, wie eine Lehrerin sein sollte.

It’s strange how teachers can go off to college for all those years to learn to become teachers, but some of them never learn the easy stuff. Like making kids laugh. And making sure they know that you love them. (S. 10)

Doch dann wird ein dunklerer Ton angeschlagen: Die unheimliche Aushilfslehrerin Mrs Patterson schafft es, das Vertrauen des Jungen zu erschleichen, und versucht durch ihn, ihren eigenen Dämonen zu entkommen, dafür würde sie über Leichen gehen. Und nun ist Budo gefragt: Wird er – mit Hilfe anderer imaginary friends – es schaffen, seinen menschlichen Freund zu retten? Und wird Max, als es darauf ankommt, es schaffen, eigenständig zu handeln?

Fazit

Man verrühre eine charmante Grundidee mit ein bisschen Spannung, banalem Geplänkel über den Tod, einer ordentlichen Portion Grusel, garniere das Ganze mit einer Spur Autismus und einer extrem schlichten Sprache, und fertig ist das Machwerk, das mir für ein Kinderbuch viel zu bedrohlich wäre und für ein Erwachsenenbuch entschieden zu platt.

Mit Freude zitiere ich Jane Housman. Sie schrieb im Guardian:

The trend for unworldly child narrators (Room, Pigeon English, Extremely Loud and Incredibly Close) is becoming tiresome. The Curious Incident of the Dog in the Night Time kicked off this particular iteration of the trope and felt fresh and engaging. Now one begins to suspect that a narrator on the autistic spectrum is little more than an excuse for artless prose. (20. März 2012)

11 thoughts on “Matthew Green: memoirs of an imaginary friend (2012)

  1. Sowohl Deine als auch die Einschätzung des Guardian machen mir wenig Mut, was dieses Buch angeht. Ich hatte zunächst in einem englischen Frauenmagazin davon gelesen, wo es ziemlich gut ankam. Dann war „Friedelchen’s Bücherstube“ ebenfalls ganz begeistert. Also war mein Interesse geweckt.
    Nun verhält es sich aber so, dass ich Dir und dem Guardian irgendwie mehr vertraue, als der „Glamour“ und einer Jugendbuchbloggerin, die mir schon öfter schlechte Bücher empfohlen hat😉 Also Finger weg von diesem Roman, dann lese ich an dieser Stelle wohl lieber Mark Haddon oder Jonathan Foer.

    LG, Katarina🙂

    • Hallo Katarina, danke für dein Vertrauen🙂 Auch wenn es natürliche unterschiedliche Geschmäcker gibt, würde ich dir doch empfehlen, eher Mark Haddon zu lesen. Matthew Greens Buch kam mir wie ein billiger und mies gemachter Abklatsch vor. Also viel Freude mit dem nächsten Buch, welchem auch immer. LG Anna (PS: Kann es sein, dass zwei weitere Kommentare von dir nur versehentlich bei mir gelandet sind?)

      • Den Rat nehme ich mir zu Herzen. „Supergute Tage“ habe ich ohnehin schon im Regal stehen und „Memoirs of an imaginery friend“ streiche ich nun von der Wunschliste.

        Ich seh es gerade, die Kommentare gehören wirklich nicht zu Dir. Da hat meine WordPress App wohl verrückt gespielt. So ein Schlamassel. Du kannst die ruhig löschen. Und danke, dass Du mich darauf aufmerksam gemacht hast.

        LG, Katarina🙂

  2. LIebe Anna,
    es ist ja auch mal richtig schön, einen Verriss zu lesen. Zum einen entspannt das den eigenen Bücherstapel, zum anderen macht es natürlich auch Spaß (oh je, ganz niedrige Beweggründe) zu lesen, was in einem Roman eben gar nicht geklappt hat. So fand ich Deinen Rezeptabsatz (Man verrühre…) besonders schön zu lesen🙂, man muss ja auch mal grinsen dürfen, denn im Moment ist ja nicht alles, was man so lesen und begutachten muss, eine reine Freude… Und auch wenn mein Englisch schon Jahrzehnte zurückliegt, fand ich doch die Sprache in den von Dir ausgewählten Zitaten reichlich – platt, dämlich? Auch Kinder und Jugendliche dürfen doch ruhig mit etwas komplexeren Sätzen und ebensolchen Inhalten gefordert werden, oder?
    Ich habe mich grade mal in Erwin Kochs Reportagensammlung „Von dieser Liebe darf keiner wissen“ vertieft. Koch schreibt super anschauliche Geschichten, das liest sich richtig gut, denn er kann mit ein paar Worten ganze Situationen, Atmosphären, Menschen zum Leben erwecken. Sein Themenspektrum ist durchaus anspruchsvoll (Liebe und Tod, was will man mehr). So schreibt er seine Geschichten auch viel mitreißender als Cole (wir sprachen darüber….) oder Rainer Merkel (durch seinen „Bo“ arbeite ich mich jetzt schon gefühlte Monate). Genau die richtige Lektüre zur Jahresabschlussralley. Vielleicht liest ja jemand mit…
    Einen schönen sonnigen Sonnatg wünscht Claudia

    • Hallo Claudia,
      schön, wenn du ein wenig Freude an meinem Verriss hattest. Und glaube mir, ich habe mich noch zurückgenommen, weil ich niemandem zu nahe treten wollte, dem das Buch möglicherweise gefallen hat. Manchmal macht es mir auch Spaß, ein bisschen boshaft zu formulieren, denn wer richtig begeistert von Büchern sein kann, ist natürlich auf der anderen Seite auch mal richtig arg enttäuscht. Aber selbst das Verreißen hat hier keinen Spaß mehr gemacht …
      Erwin Koch hatte ich noch gar nicht auf dem Schirm, das klingt aber sehr interessant, um nicht zu sagen verlockend. Kommt auf die Liste. Liebe Grüße und ganz tapfer sein bei allem, was an zu Lesendem zur Zeit so auf dich zukommt🙂 Anna

  3. Liebe Anna,

    mit viel Vergnügen habe ich diesen herrlichen Verriss gelesen, das Vergnügen wurde lediglich dadurch geschmälert, dass das Buch hier noch als Rezensionsexemplar liegt und gelesen werden möchte.😉
    Ich hatte bei der Bibliophilin eine begeisterte Besprechung dazu gelesen: http://www.bibliophilin.de/?p=10305 – nun bin ich schon sehr gespannt, wie ich die Lektüre empfinden werde.🙂

    Viele Grüße
    Mara

    • Hallo Mara, Danke für den Hinweis auf die Besprechung bei bibliophilin, da werde ich doch gleich mal schauen. Gerade das ist dann ja ganz spannend, wenn man sieht, wie ein Buch von jemand anderem wahrgenommen wurde. Und ich bin nun natürlich neugierig, in welche Richtung du tendieren wirst. Eigentlich müsste ich mir jetzt ja Mark Haddon noch einmal in Erinnerung rufen, es ist leider schon ziemlich lange her, dass ich „The curious incident of the dog in the nighttime“ gelesen habe. LG Grüße Anna

  4. Ich freue mich, dass du deine Meinung so sachlich eindeutig aber direkt verlautbarst. Wunderbar. Man kann kritisch und ehrlich sein ohne persönlich verletzend zu werden und Kritik ist durchaus erlaubt, wenn einem das Buch nunmal gar nicht überzeugen konnte aus Gründen die dargelegt werden. Viel zu inflationär geht so mancher Blogger mit Gelsenem als „für gut befunden“ um, dass es mir immer seltsam vorkommt … und solche Besprechungen langweilen auf Dauer. Man liest eben nicht immer nur Gutes. Danke für den „Verriss“ und viel Spaß mit „besseren“ Büchern. =)

    • Liebe Katja,
      natürlich liest man nicht immer nur Gutes, doch ich versuche zum Beispiel anhand der Verlagsvorschauen eine sehr gezielte Auswahl von dem zu treffen, das ich lesen möchte. Trotzdem kann ich natürlich ab und an daneben liegen, da ich aber keine Spontankäufe mache, gefallen mir die Bücher die ich lese, häufig auch gut. Das hat für mich nichts mit „inflationär“ zu tun, ich glaube einfach, dass viele Blogger lieber über die guten Bücher schreiben und die, die ihnen nicht gefallen haben, unter den Tisch fallen lassen. Eine Haltung, für die ich auf jeden Fall Verständnis habe, auch wenn ich ab und an ganz gerne auch eine kritische Auseinandersetzung mit einem Buch lese …
      Liebe Grüße
      Mara

    • Hallo, Danke für deinen Kommentar. „Verrisse“ sind wirklich eine Gratwanderung. Ich möchte niemanden verletzen, auch andere LeserInnen nicht, gleichzeitig meine Meinung deutlich und hoffentlich begründet zum Ausdruck bringen. Und Widerspruch und Ergänzungen von anderen Lesern sind da immer willkommen. Außerdem ist es immer auch die Frage, inwieweit ich noch Zeit in eine Besprechung zu einem Buch stecke, das mir nicht gefallen hat. Aber genau das war ja auch eines der Anliegen, als ich mit meinem Blog angefangen habe: mir selbst Klarheit über das Gelesene zu verschaffen, und das gilt eben auch für die Bücher, die mir nicht gefallen haben. Auch dir viel Spaß mit neuer und alter Lektüre. Anna

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