Schmöker

Der Duden definiert Schmöker als die umgangssprachliche Bezeichnung für ein „dickeres, inhaltlich weniger anspruchsvolles Buch, das die Lesenden oft in besonderer Weise fesselt.“ Der Begriff stamme aus der Studentensprache: Man schmökte sein Pfeife und dazu riss man übermütig aus einem alten oder schlechten Buch Seiten heraus, um daraus seine Fidibusse zum Anzünden zu drehen (siehe auch den Artikel der GfdS).

Für mich ist der Begriff „Schmöker“ jedoch nicht negativ besetzt: Ein Schmöker muss spannend sein, uns eine kleine Alltagsflucht ermöglichen – deswegen spielt er vorzugsweise an geografisch von uns entfernten Orten und vielleicht auch in einer anderen Zeit. Außerdem muss er viele, viele Seiten haben. Das aktuelle Weltgeschehen bleibt mal einige Stunden außen vor. Man entspannt wie an einem gelungenen Kinoabend und ist gefesselt von der Geschichte, der vorwärts eilenden Handlung, man begleitet die Sympathieträger und will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Und wenn das Buch zu Ende ist, hätte man gern noch weitergelesen anstatt sich wieder im Alltag einzufinden.

Dabei darf die Lektüre keinesfalls trivial, eindimensional oder verkitscht sein. Ich möchte mich ja nicht für dumm verkauft fühlen. Aber sicherlich werde ich auch nicht so gefordert wie bei einem anspruchsvolleren Roman. Man wird mit seinen Ansichten und seinem Stückwerk an Erkenntnissen nicht in Frage gestellt. Das zeigt, dass der Begriff Schmöker ein höchst subjektiver ist: Was für den einen ein Schmöker ist, ist für den anderen schon Trivial- oder einfach Unterhaltungsliteratur.

Die schönste Erklärung, der wirklich nichts mehr hinzugefügt werden muss, stammt von e. o. plauen (eigentlich Erich Ohser), der 1944 Suizid beging. Seine reizende Bildergeschichte trägt den Titel Der Schmöker (auch bekannt unter dem Titel Das interessante Weihnachtsbuch). Der Südverlag war sogar so nett und erteilte mir eine Abdruckerlaubnis, wenn ich mit vaterundsohn.de verlinke und die „Unterdrückung der Download-Möglichkeit über die rechte Maustaste“ sicherstelle. Falls jemand weiß, was damit gemeint ist, let me know.

Was aber ist für euch ein wunderbarer und empfehlenswerter Schmöker?

Immer weitere Kommentare von euch trudeln ein, deshalb hier eine gern zu ergänzende Liste der genannten Titel (in Klammern Mehrfachnennungen):

  • Graphic Novel “The Walking Dead Compendium Vol. 1&2″
  • Jane Austen: Pride and Prejudice (2)
  • Jean-Luc Bannalec
  • Emily Bronte: Wuthering Heights
  • Raymond Chandler
  • James Clavell: Shogun
  • Dostojewski: Die Brüder Karamasow
  • Alexandre Dumas: Der Graf von Monte Christo
  • Daphne du Maurier: Rebecca (2)
  • Umberto Eco: Der Name der Rose
  • Ildefonso Falcones: Die Kathedrale des Meeres
  • Ken Follett: Die Säulen der Erde/Die Tore der Welt (2)
  • Jonathan Franzen: Freiheit
  • Lee Harper: Wer die Nachtigall stört
  • Yu Hua: Brüder
  • James Jones: Verdammt in alle Ewigkeit
  • Stephen King: Es
  • Elisabeth Kostova: Der Historiker
  • John Ajvide Linqvist: So finster die Nacht
  • Jonathan Littell: Die Wohlgesinnten
  • Margaret Mitchell: Vom Winde verweht (2)
  • James Albert Michener: Hawaii/Die Bucht
  • Paul Murray: Skippy stirbt
  • Gregory David Roberts: Shantaram
  • Willy Russell: Der Fliegenfänger
  • Dorothy Sayers
  • Lisa See: Der Seidenfächer
  • Diane Setterfield: Die dreizehnte Geschichte (2)
  • John Steinbeck: Jenseits von Eden (2)
  • Donna Tart: Die geheime Geschichte
  • Tiziano Terzani: Das Ende ist mein Anfang
  • J. R. R. Tolkien: Herr der Ringe
  • Leo Tolstoi: Anna Karenina (2)
  • Leon Uris: Exodus
  • Martin Walker
  • Edith Wharton: Ein altes Haus am Hudson River

25 thoughts on “Schmöker

  1. Also ein echt dicker Schmöker, den ich in diesem Jahr las und den ich einfach bis zur letzten Seite mochte, war „Die dreizehnte Geschichte“ von Setterfield. Und ich denke, „Die Säulen der Erde“ und „Die Tore der Welt“ von Ken Follet und „Die Kathedrale des Meeres“ von Falcone gehören für mich auf jeden Fall dazu.

    • Hallo B.ee, stimmt: „Die Säulen der Erde“ war ein echter Schmöker, mit dem ich mir damals halbe Nächte um die Ohren gehauen habe. „Die Kathedrale des Meeres “ kenne ich nicht. Da war ich mir unsicher, ob es mir gefallen würde. Und ihr macht mich ja wirklich neugierig. Auch Petra empfiehlt „Die dreizehnte Geschichte“. Da fällt mir ein, vor Jahren habe ich mich durch die (ungekürzte) Ausgabe von „Der Graf von Monte Christo“ geackert und ich wurde relativ unleidlich, wenn man mich davon weglocken wollte. LG Anna

  2. Ich scheue oft vor allzu dicken Büchern zurück, kann also nur eine Empfehlung aus zweiter Hand aussprechen. Mein Vater hat sich gerade in Jonathan Frantzen verliebt (genau gesagt in den Roman „Freiheit“) und würde da sicher sofort einziehen, wenn er denn nur könnte😉
    Ich meinerseits will mich diesen, vielleicht nächsten Monat an „Die Tochter des Glücks“ von Lisa See versuchen. Mit 500 Seiten (für mich) sehr umfangreich, dafür geht es aber auch nach China und das wiederum finde ich an Schmökern so toll, dass man mit ihnen ferne Länder und vergangene Zeiten entdecken kann.

    LG, Katarina🙂

    • Hallo Katharina, wie nett, dass du gleich zwei Titel nennst, die ich noch nicht gelesen habe. Lisa See ist mir noch gar kein Begriff, da muss ich doch gleich mal recherchieren… Du schreibst, dass du vor „allzu dicken Büchern“ eher zurückscheust. Liegt das daran, dass die Zeit knapp bemessen ist? Wenn mir das Buch gefällt, kann es gar nicht dick genug sein. Gleichzeitig greife ich im normalen Alltagstrubel auch eher zu dünneren Büchern. Viel Freude mit deinen nächsten Lektüren. Anna

      • Ich denke meine Scheu vor Schmökern hat vor allem damit zu tun, dass ich noch so, so viele Bücher lesen will und mich für ein paar Wochen auf ein einziges davon festzulegen fällt da schwer.

  3. Austens Pride and Prejudice und Tolstois Anna Karenina sind wunderbare Schmoeker. Sie sind natuerlich auch Klassiker und haben deshalb hier vielleicht nichts zu suchen, aber sie hatten auf mich genau den Effekt, den ein Schmoeker hat. Gruss, Peggy

    • Hallo Peggy, aber natürlich haben auch Klassiker hier etwas zu suchen🙂 „Anna Karenina“ wurde inzwischen auch von Petra als Schmöker genannt (ein großartiger Roman, unglaublich) und du hast völlig Recht, eigentlich gehören für mich alle Austen-Romane und auch „Wuthering Heights“ von Emily Bronte in meine Schmökerliste. Viele Grüße auf die Insel! Anna

  4. „Rebecca“ ist schon mal ein perfekter Schmöker, ich finde übrigens, dass Klassiker durchaus auch Schmöker sein dürfen, ich verstehe unter Schmöker einfach sehr gute, spannende, dicke Bücher. „Die dreizehnte Geschichte“, „Ein altes Haus am Hudson River“ oder „Vom Winde verweht“ sind daher für mich ebenso Schmöker wie „Anna Karenina“, „Die Brüder Karamasow“ oder „Wer die Nachtigall stört“.

    • Freut mich, dass dir Rebecca auch gut gefallen hat. Und du hast selbstverständlich recht, wenn du schreibst, dass auch Klassiker Schmöker sein können und dürfen. Und wie schön, dass du gleich zwei Titel nennst, die ich noch gar nicht kenne. „Die dreizehnte Geschichte“ wurde ja schon von B.ee erwähnt. Liste, wo bist du? Auch „Ein altes Haus am Hudson River“ ist mir noch kein Begriff. Herrlich, dass du „Die Brüder Karamosow“ nennst, die waren für mich das genaue Gegenteil eines Schmökers. Ich hätte Dostojewski am liebsten geschüttelt, weil er sich so gar nicht um das Wohlbefinden seiner Leser kümmert. LG Anna

  5. Mein Verständnis von „Schmöker“ entspricht eher der Duden-Definition, d.h., der Begriff hat für mich schon einen negativen Beiklang (auch wenn „negativ“ sicher zu hart ist, sagen wir besser: einen nicht zu hohen Anspruch), der sich auf die inhaltliche, formale oder ästhetische Qualität bezieht. Das hat aber nichts damit zu tun, dass, je nach Geschmack, auch ein Roman „weggeschmökert“ werden kann, der eine kompliziertere Sprache, mehrere Deutungsebenen usw. aufweist, weil der Leser eben das genau interessant und spannend findet und das Buch gar icht mehr aus der Hand legen mag. Da jetzt konkrete Beispiele für zu finden, ohne den Büchern dann doch unrecht zu tun, bräuchte mehr Zeit, als ich gerade im Moment (hetz, hetz zwischen zwei Terminen) gerade habe.
    Viele Grüßem Claudia

    • Danke für deinen Kommentar! Mara sieht das ähnlich wie du und hört bei dem Begriff auch eher die negativen Konnotationen heraus. Ich denke auch, dass ein Schmöker keinen hohen literarischen Anspruch erfüllt, aber trotzdem wäre der Begriff für mich auch nicht einfach identisch mit Unterhaltungsliteratur oder gar Trivialliteratur. Dass auch ein anspruchsvoller Roman „weggeschmökert“ (tolles Verb!) werden kann, stimmt, man denke an den Namen der Rose. Dann wünsche ich dir, dass die Hetze nicht überhand nimmt🙂 Anna

      • So, nach ein bisschen Nachdenken (Konferenzen eignen sich prima zum Sinnieren und Nachdenken) würden mir hier ein paar Krimis einfallen, die ich für mich in der Rubrik Schmöker ablegen würde. Da steht dann mehr das Miträtseln und die Spannung im Vordergrund und gerne auch Beschreibungen schöner Umgebungen. Vor vielen, vielen Jahren waren das die Krimis von Donna Leon (vor allem auch, weil dort nicht immer die Gerechtigkeit wieder hergestellt wurde), später dann die Mankell-Krimis und in letzter Zeit bin ich schon mal mit Martin Walkers Polizist Bruno und seinen sehr sympathischen Freunden im Périgord unterwegs (die Fälle sind nicht immer so sympathisch, manche geradezu brutal, aber es gibt viel über Frankreich, seine Geschichte und gesellschaftliche Probleme zu lernen, wie es sich für einen ordentlichen Krimi gehört) und mit Kommissar Dupin (Jean-Luc Bannalec ist der Autor) in der Bretagne. Das ist dann aber wirklich wie mit dem Eis (an anderer Stelle ist ja von meiner Spaghetti-Eis Liebe schon mal die Rede): ein oder zwei Krimis reichen, um mich wieder in die Arme der schönen und anspruchsvollen Romane zu treiben.
        Noch einen schönen sonnigen Nachmittag, Claudia

      • Ach, nett, dass du noch mal – den Konferenzen sei Dank🙂 – über das Schmökern sinniert hast. Stimmt, Krimis eignen sich da gut – aber da geht es mir wie dir, zu viel davon ist unbekömmlich und fühlt sich dann für mich wie Zeitverschwendung an. Aber ich mag es auch nicht, wenn es so brutal wird, dann lieber Dorothy Sayers und wer mich begeistert hat: Chandler, der für seinen Helden eine eigene unverwechselbare Stimme gefunden hat. Martin Walker kenne ich noch gar nicht. Den sonnigen Abend werde ich leider über Prüfungsarbeiten gebeugt am Wohnzimmertisch verbringen… Wat mutt, dat mutt oder so ähnlich. LG Anna

  6. Ich habe mit dem Begriff Schmöker bisher auch eher immer etwas seichtere Literatur verbunden. Schmöker sind ja häufig dicke Bücher, aber nicht jedes dicke Buch ist auch ein Schmöker. Vor kurzem habe ich Perlmans „Tonspuren“ gelesen, ein Buch, das ich förmlich verschlungen habe, das für mich aber nicht in die Definition Schmöker passen würde. Auf Anhieb fällt mir da in der Tat nicht viel ein, auch wenn ich viele dicke Bücher lese. Ich werde noch einmal in mich gehen müssen …🙂

    • Hallo Mara, dann geht es dir wie Claudia, die mit dem Wort Schmöker auch eher etwas Negatives, Seichtes verbindet. Für mich klingt bei dem Begriff etwas sehr Angenehmes und Entspannendes mit, so etwas wie in der Sonne sitzen und Eis essen. Aber sich nur von Eis zu ernähren, wäre auf Dauer weder lecker noch nahrhaft. Das Anspruchslose bei einem Schmöker wäre für mich, dass ich danach nicht anders über die Welt denke als vorher. Mein Horizont hat sich nicht erweitert. Falls dir doch noch ein Schmöker einfällt, der dir gefällt, würde ich mich freuen, von dir zu hören. LG Anna

      • Liebe Anna,
        den Vergleich mit dem Eis empfinde ich irgendwie als sehr passend … vergleichbares in der Bücherwelt habe ich aber irgendwie nicht. Ich bin nun noch einmal in mich gegangen und eingefallen sind mir z.B. Shantaram von Gregory David Roberts oder Der Historiker von Elisabeth Kostova. Beides waren für mich Bücher, die ich so weggeschmökert habe, die aber vielleicht nicht den bleibendsten Eindruck hinterlassen haben …🙂

      • Oh, das ist nett, dass du noch zwei Titel nennst, die werde ich mal recherchieren. Obwohl – meine Liste … Seufz. LG Anna

  7. Liebe Anna

    Bei Schmöker denke ich eigentlich an nichts Negatives, sondern vor allem an dicke Bücher von mehr als fünfhundert Seiten. Solch einen Schmöker lese ich aber nur gerne, wenn die Geschichte mich gefangen nimmt. Dann liest sich so ein Buch ratzfatz weg und ich bedaure dann sogar, dass es nicht noch weiter geht. Ich werde mal durch meine Bibliothek streifen und hier nochmals berichten. Aber auf alle Fälle gehören „Vom Winde verweht“, das schon genannt wurde, und „Jenseits von Eden“ von John Steinbeck dazu.

    LG buechermaniac

    • Liebe Büchermaniac, schön von dir zu hören, und das wäre prima, wenn du dich nochmals meldest und die Liste noch ein wenig ergänzt. Stimmt, Steinbeck würde ich auch gern mal wieder lesen, das ist schon sooo lange her. LG Anna

      • Liebe Anna

        Ich habe ja versprochen, mich nochmals zu melden: James Jones „Verdammt in alle Ewigkeit“ ist für mich ebenfalls ein Schmöker oder James A. Michener „Die Bucht“. Die Amerikaner überwiegen bereits in Sachen Schmöker schreiben😉 Bei mir stehen nicht so viele im Regal, denn ich erschrecke mich immer, wenn ein Buch mehr als vierhundert Seiten hat.

        Herzliche Grüsse
        buechermaniac

      • Das freut mich, dass du dich noch einmal zum Thema Schmöker zu Wort meldest. Gern ergänze ich die Liste mit den entsprechenden Titeln. Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass Amerikaner da überproportional häufig genannt werden. Sie haben wohl ein stärkeres Faible fürs Geschichtenerzählen. LG Anna

  8. Schöne Liste und tatsächlich zwei drauf, die ich noch nicht kenne. Auch von mir ein Votum für Lisa See: Der Seidenfächer. Eine Frauengeschichte aus dem China des Füßebindens. Konnte ich nicht mehr weglegen. Eine Neuentdeckung für mich. Und ein paar Klassiker für lange Schmökernächte: Clavells Shogun, Micheners Hawai und Leon Uris Exodus….

  9. Das ist ja schon mal eine schöne Liste. Hier noch meine Vorschläge.
    Mein Lieblingsbuch „Die geheime Geschichte“ von Donna Tartt
    Die beiden Coming of Age Schmöker „Der Fliegenfänger“ von Willy Russell & „Skippy stirbt“ von Paul Murray
    Der spirituelle Schmöker „Das Ende ist mein Anfang“ von Tiziano Terzani
    Der Schmökerklassiker „Es“ von Stephen King
    Die Schmöker Graphic Novel „The Walking Dead Compendium Vol. 1&2“
    Der intellektuelle Schmöker mit hohem Unterhaltungswert „Brüder“ von Yu Hua
    Der Vampir Schmöker mit Anspruch „So finster die Nacht“ von John Ajvide Linqvist
    Der Tour de Force Schmöker „Die Wohlgesinnten“ von Jonathan Littell

    Alles dicke Schinken mit einem sehr hohen Unterhaltungswert (außer vielleicht letzteres). Absolut lesenswert. Dafür stehe ich mit meinem Namen :o)

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