Alan Bradley: The Sweetness at the Bottom of the Pie (2009)

It was as black in the closet as old blood. They had shoved me in and locked the door. I breathed heavily through my nose, fighting desperately to remain calm. I tried counting to ten on every intake of breath, and to eight as I released each one slowly into the darkness. Luckily for me, they had pulled the gag so tightly into my open mouth that my nostrils were left unobstructed, and I was able to draw in one slow lungful after another of the stale, musty air.

So beginnt der erste Band um die Amateurdetektivin Flavia de Luce, der mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde

Alan Bradley: The Sweetness at the Bottom of the Pie (2009); auf Deutsch: Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet (2009)

Der Kanadier Alan Bradley (*1938) hat seine Romane um die elfjährige Flavia im England der fünfziger Jahre angesiedelt. Dort lebt sie mit ihren Schwestern Daphne (Daffy) und Ophelia (Feely) und ihrem Vater Colonel Haviland de Luce in dem großen alten Herrenhaus Buckshaw, das praktischerweise auch ein fantastisch ausgestattetes Chemielabor – eingerichtet von einem der Vorfahren – enthält, denn Flavia ist mit ganzem Herzen Chemikerin. Die Fehden zwischen ihr und den Schwestern enden schon mal damit, dass sie Ophelia ein bisschen Gift des Kletternden Giftsumachs in ihren Lippenstift schmuggelt und sie die allergischen Beschwerden fein säuberlich protokolliert.

Die Mutter Harriet starb, als Flavia ein Jahr alt war, und der Vater nimmt seine Töchter eher selten wahr und kümmert sich vor allem um seine große Leidenschaft, die Welt der Briefmarken. Das Personal besteht aus der Haushälterin Mrs Mullet und dem Gärtner Arthur Dogger, der von Kriegstraumata gezeichnet ist und öfter Gedächtnisaussetzer und Zitteranfälle hat. Im Krieg hat er Flavias Vater das Leben gerettet und er ist der Familie der de Luces treu ergeben.

Im ersten Band der auf sechs Bände angelegten Reihe gerät Flavias Vater unter Mordverdacht, als einer seiner ehemaligen Mitschüler, Horace Bonepenny, tot im Gurkenbeet der de Luces aufgefunden wird. Zunächst schweigt sich der Vater aus, da er befürchtet, dass Dogger für den Mord verantwortlich sein könnte, denn der hatte, zusammen mit Flavia, heimlich gelauscht, als Bonepenny versucht hatte, Flavias Vater zu erpressen.

So liegt es nun an Flavia, ihren Vater von diesem schrecklichen Verdacht reinzuwaschen und herauszufinden, was wirklich passiert ist. Das Verbrechen hat seine Wurzeln in der Jugend des Vaters. Zusammen mit Bonepenny war er auf einem Internat, in dem sich ein allseits beliebter Lehrer in den Tod gestürzt hatte.

Bradley schafft es durchaus, für seine Ich-Erzählerin einen eigenen Ton zu finden, frech, altklug und vorlaut, ihren Schwestern in inniger Hassliebe verbunden, aber letztlich mit dem Herz am richtigen Fleck. Auch wimmelt das Buch von gelehrten Anspielungen, bei denen man sogar das ein oder andere nachschlagen kann, sei es zu Naturwissenschaften oder Büchern. Das zeigt sich schon am englischen Originaltitel, einem Zitat von William King „Unless some sweetness at the bottom lie, who cares for all the crinkling of the pie“ (The Art of Cookery, 1708).

Doch manchmal wird die Geduld des Lesers arg überstrapaziert. Wie glaubwürdig sind die folgenden Sätze aus dem Mund einer Elfjährigen?

As I expected, Father’s room war in near-darkness as I stepped inside. […] From inside, it possessed all the gloom of a museum after hours. The strong scent of Father’s colognes and shaving lotions suggested open sarcophagi and canopic jars that had once been packed with ancient spices. The finely curved legs of a Queen Anne washstand seemed almost indecent beside the gloomy Gothic bed in the corner, as if some sour old chamberlain were looking on dyspeptically as his mistress unfurled silk stockings over her long, youthful legs. (S. 146 – 147)

Auch die Handlung weist, gerade was die Motive des Bösewichts angeht, einige logische Löcher auf.

Wie schrieb Laura Wilson im Guardian so nett: „The Sweetness at the Bottom of the Pie reads like a cross between Dodie Smith’s I Capture the Castle (posh family fallen on hard times, dead mother, disengaged father, crumbling pile) and the Addams family (Flavia has a well-appointed laboratory where she makes poisons to test on her spiteful elder sisters). A strong plot, involving philately, ornithology and prestidigitation, and a wonderful supporting cast make this Canadian novelist’s debut delightfully entertaining.“

Fazit: Krimi-Unterhaltung, nett und mit skurril-überzeichneten Charakteren ansprechend gemacht, aber – meinen SUB wird’s freuen – die nächsten Bände erst einmal ohne mich.

Hier noch ein Link zu Literaturen: Sophie mochte besonders die ersten beiden Bände sehr.

4 thoughts on “Alan Bradley: The Sweetness at the Bottom of the Pie (2009)

  1. Also ich liebe Flavia ja und habe alle bisher erschienenen Bände gelesen. Liegt aber vielleicht auch daran, dass ich das Setting mag, ich liebe alte Krimis á la Holmes und Marple und Flavias Art trägt für mich eher zur Unterhaltung bei als ich sie einem elfjährigen Mädchen unangemessen finde. Ich glaube, dass die ganze Geschichte in ihrem Aufbau unrealistisch ist, ist klar. Das ist ein bisschen wie mit den Fünf Freunden, denen man ja auch unwidersprochen glaubt, dass sie all diese Kompetenzen und Möglichkeiten haben, die Bösen zur Strecke zu bringen. In realitas wäre das binnen kürzester Zeit zum Scheitern verurteilt.😉

    • Danke für deinen Kommentar, ich werde gleich deine Besprechung verlinken. Eigentlich mag ich auch Agatha Christie etc. und Bradley schafft mit seiner schnoddrig-verletzlichen Flavia wirklich etwas ganz Eigenständiges. Aber irgendwie wurde ich immer wieder daran erinnert, wie unrealistisch das Setting ist, nicht weil die Handlung per se nicht glaubwürdig ist (das ist sie auch bei Harry Potter oder der Serie um Thursday Next nicht), sondern weil mir manche Dinge einfach zu sehr in der Luft hingen. Woher weiß Flavia so viel? Geht sie zur Schule? Warum redet ihr Vater nicht mit ihr, obwohl sie eine Leiche gefunden hat? Wieso wollen die Bösewichte eine Briefmarke, mit der sie gar nichts anfangen können etc. etc. Und die Sprache eines Ich-Erzählers muss für mich schon zur Figur passen. Trotzdem habe ich an keiner Stelle überlegt, das Buch abzubrechen, das sagt ja auch was aus. Und ich freue mich, dass ich auf deinem Blog trotzdem ein bisschen verfolgen kann, was Flavia noch so alles aufklärt.🙂

  2. Ich habe das Buch schon vor einer Weile gelesen und damals bei mir kurz vorgestellt. Mir hat es gefallen und ich würde es auch durchaus weiterempfehlen. Ich habe inzwischen auch die anderen Bände gelesen und freue mich immer wieder über die durchaus witzige Sprache, vor allem aber über die „chemischen Tipps und Tricks“ in diesem Buch oder über die vielen Bezüge zu irgendwelchen historischen Personen oder Geschehnissen. Das macht das Buch bzw. die Bücher um Flavia im Vergleich zu vielen anderen so einzigartig. Etliche Dinge hängen allerdings auch für mich in der Luft, die Du in Deiner Antwort auf den Kommentar von ‚literaturen‘ ansprichst. Einiges nimmt man einem 11-jährigen Mädchen einfach nicht ab. Dazu fehlt ihm schlichtweg die Lebenserfahrung. Trotz alledem ist das Buch für mich ein vergnüglicher Lesespaß gewesen.
    Grüße von der Silberdistel aus dem Bücherstaub

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