Julia Strachey: Cheerful Weather for the Wedding (1932)

On March 5th Mrs Thatcham, a middle-class widow, married her eldest daughter, Dolly, who was twenty-three years old, to the Hon. Owen Bigham. He was eight years older than she was, and in the Diplomatic Service.

So beginnt die Erzählung der englischen Autorin

Julia Strachey: Cheerful Weather for the Wedding (1932)

Diese ersten beiden Sätze liefern bereits eine komplette Inhaltsangabe, die man vielleicht noch durch den Hinweis ergänzen könnte, dass sich die ganze Handlung im Hause der Thatchams abspielt. Dolly kleidet sich an, bleibt danach jedoch bis zur letzten Minute in ihrem Zimmer, während sich die wartenden Hochzeitsgäste gegenseitig auf die Nerven gehen.

Unter den Gästen befindet sich auch Joseph, Student der Anthropologie, und Dollys Liebhaber vom letzten Sommer, der halbherzig überlegt, sie doch noch von der Heirat abzubringen. Auch Dolly überlegt im Stillen, wie es wohl wäre, mit Joseph durchzubrennen. Doch als Joseph endlich versucht, sie unter vier Augen zu sprechen, ist ihre einzige Sorge der große Tintenfleck auf ihrem Brautkleid.

Ansonsten müssen wir uns die ganzen ca. 80 Seiten Familiengeplänkel der schlimmsten Sorte anhören, das die Beziehungslosigkeit aller Beteiligten auf Schönste veranschaulicht. Dolly erträgt – keiner weiß, warum – das Ganze nur, weil sie schon eine halbe Flasche Rum getrunken hat. Aber das wird anscheinend nur von Dollys Schwester und ihrer Freundin bemerkt. Mich hätte man dann ja zum Altar tragen müssen.

Nach der Trauung, die der Leser aber gar nicht miterlebt, gibt es noch einen kleinen Knalleffekt, als Joseph Mrs Thatcham ins Gesicht sagt, was er von ihr als Person und als Mutter hält. Doch kurze Zeit darauf hören wir, wie sie telefoniert und wieder von dem „cheerful weather“ redet, das wie geschaffen für eine Hochzeit gewesen sei. Ob sie eine Wahrnehmungsstörung hat?

Out in the drive there, standing about round the motor-car, in the furious March gale, everyone felt as though they were beaten on the back of the head and on the nose with heavy carpets, and having cold steel knives thrust up inside their nostrils, and when they opened their mouths to avoid the pain of this, big wads of iced cotton-wool seemed to be forced against the insides of their throats immediately, so that they choked, and could not draw any breath in.

Julia Strachey (1901 – 1979) war eine Nichte von Lytton-Strachey. Das war sicherlich hilfreich, um Eingang in den Kreis der Bloomsbury Group um Virginia Woolf zu finden. In deren Hogarth Press wurde ihr kleines Werk Cheerful Weather for the Wedding veröffentlicht.  2002 gab es eine Neuauflage bei Persephone Books.  2012 wurde das Buch sogar verfilmt.

Fazit

Die ersten zwei Sätze fassen bereits die ganze Handlung der Geschichte zusammen. Und mehr hätte ich – im Nachhinein – als Leserin auch nicht gebraucht.

Die Geschichte holpert so vor sich hin, und Fragen bleiben offen: Warum haben sich Dolly und Joseph getrennt? Warum will sie Owen eigentlich heiraten? Unerfreuliche Figuren und schreckliche Festtagsgespräche, die die Abgründe einer Familie offenlegen, sind noch nicht per se lesenswert. Und damit sind angeblich komische Szenen verflochten: Mrs Thatcham hat beispielsweise ein Zimmer an zwei Gäste vergeben, was dann zu ansatzweise peinlichen Szenen führt.  Mir ist, als müsste ich sofort einen Jane Austen-Roman lesen …

Aber wie so oft gibt es auch andere Meinungen dazu; in mehreren englischsprachigen Blogs, z. B. Stuck in a Book, werden gerade der zynische Humor des Werkes und die grotesk-überzeichneten Charaktere hervorgehoben.

2 thoughts on “Julia Strachey: Cheerful Weather for the Wedding (1932)

  1. So, jetzt endlich ein Kommentar: Mir scheint, dass es gut ist, dass das Opus eher kürzer gestaltet wurde, so dass der Verdruss beim Lesen nicht allzu lange währt. Also aus verschiedenen Gründen keine Empfehlung für die einsame Insel.
    Viele Grüße, Claudia

    • Hallo Claudia, stimmt, wäre das Buch noch länger, hätte ich es abgebrochen. Möglicherweise hätte eine weitere Straffung dem Werk sogar gut getan. Aber wie gesagt, auf mehreren englischsprachigen Blogs waren die Leser sehr angetan und sie fanden Szenen witzig, die ich eher bedrückend fand, z. B. wenn ein Junge seinen jüngeren Bruder ganz fürchterlich wegen dessen grellbunter Socken malträtiert, ohne dass einer der Erwachsenen dem Treiben mal Einhalt gebietet. Dir noch einen schönen Abend, Anna

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