Jane Austen: Northanger Abbey (1817)

No one who had ever seen Catherine Morland in her infancy, would have supposed her born to be a heroine. Her situation in life, the character of her father and mother, her own person and disposition, were all equally against her. Her father was a clergyman, without being neglected, or poor, and a very respectable man, though his name was Richard – and he had never been handsome. He had a considerable independence, besides two good livings – and he was not in the least addicted to locking up his daughters.

So beginnt

Jane Austen: Northanger Abbey (1817)

Der Inhalt lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen: Die siebzehnjährige Catherine Morland wird von der wohlhabenderen kinderlosen Mrs Allen eingeladen, sie und ihren Mann bei einem längeren Kuraufenthalt in Bath zu begleiten. In diesen drei Monaten vergnügt sich das Mädchen vom Lande prächtig, sie widmet sich ihrer Garderobe, dem Einkaufen, den Bällen und den neuen Bekanntschaften, unter denen sich sowohl ein erbschleichender, dämlicher Grobian als auch ein ausnehmend attraktiver ca. 25-jähriger Mann namens Henry Tilney befindet. Sie freundet sich mit dessen Schwester Eleanor an und wird von den Tilneys sogar eingeladen, einige Wochen mit ihnen auf ihrem Wohnsitz Northanger Abbey zu verbringen. Und eine alte Abtei, daran kann für eine begeisterte Leserin der Schauerliteratur wie Catherine gar kein Zweifel bestehen, ist voller Geheimnisse und Schrecken, die es zu ergründen gilt.

Fazit

Northanger Abbey gehört so gar nicht zu meinen Lieblingsbüchern. Der ironische Stil, der für Austen so kennzeichnend werden sollte, wird hier noch vorwiegend in den Dienst der Parodie gestellt.

„Abounding in youthful hilarity, Northanger Abbey is, among other things, a parody of gothic fiction“ (Claudia L. Johnson). Vor allem die Romane der Ann Radcliffe werden mit Schwung veralbert.

Catherine muss wie alle Hauptfiguren Austens einen Bildungsprozess durchlaufen und erkennt, dass das Leben nichts mit modrigen Verliesen, schaurigen Nächten, Geheimgängen und gewaltsam zu Tode gebrachten Nonnen oder Ehefrauen zu tun hat. Vor allem aber lernt sie, dass nicht alle Menschen gut sind und sie keineswegs immer das meinen, was sie sagen.

Das ist zwar stellenweise niedlich und auch amüsant, aber irgendwann ging mir die grenzenlose Naivität Catherines auf die Nerven, mit der sie sich z. B. an falsche Freunde hängt, die der Leser schon längst durchschaut hat. Sie ist als Hauptperson so fürchterlich uninteressant. Ich weiß nicht, worüber ihr späterer Ehemann mal mit ihr reden will, da sie ihm in so ziemlich allem unterlegen ist. Aber sie hat ja ein gutes Herz und ist gelehrig.

An dieser Stelle möchte ich auf Rosario’s Reading Journal hinweisen, die Blogbetreiberin schreibt sehr nett, dass es durchaus Hoffnung für Catherine gebe:

The thing is, Catherine can be a bit of an idiot sometimes, but there’s a very firm core to her character, an integrity and resolve to do what she thinks is right. She does get taken in by Isabella, […] but that’s because of Catherine’s naivete and inexperience, not to mention her being kind enough to think everyone is as honest and good as she is. And the important thing for me, is that even while completely captivated by her new friend, Catherine doesn’t allow herself to be influenced by Isabella or her horrid brother into doing what she doesn’t feel is right. She’s quite mulish about it, in fact, when they try to bully her into doing stuff, and in that I could see the seed of what I was sure would become a strong, sensible woman.

Aber ab und zu blitzt schon der scharfe und spöttische Ton auf, der so typisch für Austen ist: Als Mrs Allen eine ehemalige Schulfreundin wiedertrifft, heißt es:

Their joy on this meeting was very great, as well it might, since they had been contented to know nothing of each other for the last fifteen years. (S. 31/32 der gebundenen Ausgabe der Everyman’s Library)

Auf einer Loriot-Postkarte heißt es: Männer lieben keine klugen Frauen, bei Jane Austen klingt das so:

Where people wish to attach, they should always be ignorant. To come with a well-informed mind, is to come with an inability of administering to the vanity of others, which a sensible person would always wish to avoid. A woman especially, if she have the misfortune of knowing anything, should conceal it as well as she can. (S. 110/111)

Zur Veröffentlichungsgeschichte

Austen schrieb den ersten Entwurf in nur neun Monaten 1798-99, überarbeitete den Roman und verkaufte ihn für zehn Pfund an den Verleger Crosby & Co., 1803 sollte er dann erscheinen.

Crosby & Co., however, never printed the manuscript, and although Austen bought it back in 1809, it was not to appear until 1817, five months after her death. Clearly, the editor who decided not to publish Austen’s first novel made a mistake for which literary history can hardly forgive him. (aus der Einführung von Claudia L. Johnson zur Ausgabe der Everyman’s Library).

Es ist doch immer wieder spannend, dass Bücher, die später zum Kanon gehören, beinahe erst gar nicht veröffentlicht worden wären.

20 thoughts on “Jane Austen: Northanger Abbey (1817)

  1. Müssen wir uns Catherine als „glückliche Idiotin“ vorstellen? So wie nach Camus Sisyphos als glücklichen Menschen? Dank deiner Rezension geht es mir auf, wonach ich bei der Lektüre von Austen (Northanger Abbey habe ich nicht gelesen) immer gelechzt habe und nie erfüllt wurde: Ihre Heldinnen durchlaufen selten bis nie wirkliche innere Reifeprozesse. Ihr Leben, ihr Fortkommen in der Gesellschaft, ihre Heiratsverabredungen sind in der Summe in gewisser Weise durch gesellschaftliche Konventionen prästabilisiert und prädestiniert. Sie sind so ganz ohne individuelle dramatische Enrwicklungsprozesse geleitet, dass meine Lektüre sich vor allem darauf konzentrierte in Erfahrung zu bringen, was andere AutorInnen mit dem Stoff wohl angestellt hätten. Da steht „Wuthering Hights“ von Emily Bronte so grandios darüber wie der Mount Everest im Höhenvergleich zu meinem Hausberg. Austen als Kind ihrer Zeit und Bronte als literarisierende Transzendenz der ihren.

    Liebe Grüße

    Achim

    • Hallo Achim, danke für deinen Kommentar. Catherine als glückliche Idiotin? Nein, eher nicht, denn ihr Erwachsenwerden bedeutet ja gerade, dass sie beginnt Widersprüche wahrzunehmen, ihr Welt- und Menschenbild differenzierter wird. Ich teile deine Wertschätzung für Wuthering Heights, obwohl es dringend Zeit für eine neuerliche Lektüre wäre (mindestens 20 Jahre her). Aber ich würde die beiden Autorinnen gar nicht unbedingt vergleichen wollen. Auch Austen hat doch etwas ganz Singuläres geschaffen. Zwar hat sie sich bei ihren Hauptfiguren/Heldinnen immer auf die konzentriert, die einen Reifungsprozess erfolgreich bewältigen und als Belohnung Mr Right heiraten dürfen, aber die diversen Nebenhandlungen, die unglücklichen Ehen, die buchstäblich armen/verarmten Frauen, die unverheiratet oder verwitwet sind, die wenig schmeichelhaften Charakterzeichnungen gerade der Frauen, die zu viel dummes Zeug reden, sind doch weit entfernt von einem Kitschroman. Interessant ist vielleicht auch, den biografischen Bezügen Aufmerksamkeit zu schenken. Austen hat ihre eigene Welt im Roman doch sehr geordnet, ihr eine Struktur gegeben, weder der behinderte Bruder, der Tod des Verlobten der Schwester, die eigene unerfüllte Flirterei mit einem jungen Iren, ihre große Geschwisterschar (nur Catherine hat 9 Geschwister, die aber außer dem Bruder James keine Rolle spielen), wird alles draußen gelassen. Und die Möglichkeiten intellektueller und emotionaler Bildung waren für Frauen ja wirklich arg begrenzt. Umso erstaunlicher, dass Austen in ihren Romanen immer wieder dafür plädiert, dass kluge Männer auch kluge Frauen heiraten möchten. Auch wenn die Männer meist älter sind und sich doch auch gern in gewisser Lehrer/Vaterrolle gefallen. Und was wäre Austen ohne ihre Ironie, kannst du der nichts abgewinnen? Abendliche Sommergrüße und viel Freude beim nächsten Buch. Anna

      • Vielleicht ist gerade ihre Ironie der Grund, warum ihre Romane auf mich so unterkühlt, so sachlich distanziert wirken. Ironie ist irgendwie lächelndes Urteilen und friert das das Erlebte und Empfundene in einer luftdichten, wertfreien Glocke ein. Natürlich muss ich den Schuster nach seinen eigenen Leisten beurteilen und bewerten. Emily Brontè, so vermute ich, war eine weitaus leidenschaftlichere Frau als Austen. Bei ihr kommt es mir so vor, als wäre ihr Schreiben existentielle Notwendigkeit. Wogegen ich bei allem Biografischen, was ich von Austen kenne, diese das Schreiben als ein Steckenpferd unter anderen begriffen hat. Ich gestehe, dass die Gefahr, ihr damit unrecht zu tun, eine große ist. Nichtsdestotrotz gehe ich zu einem anderen Schuster und dessen Leisten, der mir sehr viel mehr zu sagen hat und dessen Leidenschaft und Getriebenheit Literatur geschaffen haben, die mich wirklich fasziniert.

        Grüße aus Freiburg

        Achim

      • Hallo Achim, vom Stil oder der Ironie einer Autorin auf ihre Leidenschaftlichkeit schließen zu wollen, wäre mir ein wenig zu gewagt. Ironie und Sarkasmus sind schließlich auch Möglichkeiten, den Zumutungen und Wirrungen des Lebens zu begegnen. Nach der Biografie von Tomalin habe ich allerdings den Eindruck, dass sie eine sehr „private“ und disziplinierte Person war. Aber Gegenteiliges wäre mir auch von Emily Bronte nicht bekannt. An welche weiteren Steckenpferde hast du gedacht? Meines Wissens war sie die meiste Zeit ihres Lebens viel zu arm dafür. Viele Grüße von Anna

  2. Funny I reacted differently to Northanger Abbey. When I read it 20 years ago, I wondered where has this wonderful book been hiding? I liked it at least as well as the famous Jane Austen books ‚Pride and Prejudice‘ and ‚Sense and Sensibility‘. I guess I see all 6 novels of Jane Austen as variations on the same theme and find it hard to say one or another is better. They are all fine.

    • Thanks for stopping by and making sure that Northanger Abbey is treated a bit more fairly. I quite agree with you that her novels are variations on the same topics although I definitely liked the others more because Catherine was very young, very naive and after all three months of flirtations is a very short time to find out whether you want to marry someone. Mr Tilney’s cruel behaviour at the end was in a way a step back to gothic novel behaviour. But on the other hand Catherine is to be admired because she behaves decently although she doesn’t have friends or education that could help her in her new surroundings. At the moment I’m reading Claire Tomalin’s biography and it is really fascinating – although I sometimes lose track of all the names of brothers, cousins, uncles, aunts and neighbours and friends.

  3. Ich finde den sarkastischen Stil von Jane Austen äußerst amüsant und außerdem schreibt sie Englisch vom Feinsten – finde ich. Ich las alles von ihr und wurde ein Fan, den ihre Bücher oftmals zum Schnuzeln anregen.
    Herzliche Grüße von der Küste Nord Norfolks
    Klausbernd

    • Hallo Klausbernd, da geht es mir wie dir, ich finde ihren Stil hinreißend. Oft habe ich den Eindruck, ihre Sätze sind kleine Kunstwerke, bei denen jedes Wort an genau der richtigen Stelle sitzt. LG aus dem sonnigen Schweden an die Küste Norfolks. Anna

      • Ja, das mit den Sprachen, wenn man sie nicht ständig spricht … Wir kämpfen hier auch ab und an mit den schwedischen Speisekarten, aber es ist ja einfach unglaublich, wie viele hier vorzüglich Englisch sprechen. Auch dir einen wunderschönen Sonntag. Anna

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  5. Hallo Anna,
    habe Deinen interessanten Blog gerade erst entdeckt – und vor allem Deine Einschätzungen zu Austen finde ich sehr gut. Mit Northanger Abbey bin ich auch nicht wirklich warm geworden, trotz wiederholter Lektüre und sehr viel gutem Willen. Mehr Mühe hatte ich nur mit Mansfield Park.
    Den Vergleich mit Brontes wild-wuchernder, von Dramatik und leidenschaftlichen (total überhöhten) Gefühlen geprägter Romanwelt finde ich auch eher fragwürdig. Gegen Bronte kann man ganz wunderbar eine der schönen Stellen aus Northanger Abbey anführen, als Mr. Tilney der guten Catherine vorhält, sie möge doch bedenken, dass man im zivilisierten England lebe, wo jeder Nachbar alles mitbekomme usw. – und aufhören mit ihrer Schauerromantik….

    • Ja, dann willkommen auf meinem Blog. Dann kann ich ja demnächst bei dir immer schauen, ob es sich lohnt, eine der diversen Literaturverfilmungen anzuschauen🙂 Meistens war ich dann enttäuscht, weil ich mich ärgerte, wie viele Feinheiten des Buches bei der Umsetzung in das Medium Film verlorengegangen sind. Aber vielleicht sollte ich da noch einmal einen Anlauf nehmen. LG Anna

  6. Ja, Verfilmungen gehen gern mal daneben. Aber wenn Du Emma magst – und keine Angst vor frechen Umsetzungen hast -, dann solltest Du Clueless schauen… Der Film zeigt zumindest auch, wie enorm modern Emma ist. Und witzig ist er allemal.🙂

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