Michael Innes: Seven Suspects (1936)

An academic life, Dr. Johnson observed, puts one little in the way of extraordinary casualties. This was not the experience of the Fellows and scholars of St. Anthony’s College when they awoke one raw November morning to find their President, Josiah Umpleby, murdered in the night.

So beginnt der erste Krimi um Inspector John Appley von

Michael Innes: Seven Suspects (1936); auf Deutsch: Zu viel Licht im Dunkel

So wie auch Gaudy Night von Dorothy Sayers (1935) spielt dieser Krimi im Universitätsmilieu in Oxford. Der Universitätspräsident Josiah Umpleby, ein Unsympath, wie er im Buche steht, wird erschossen und theatralisch drapiert in seinem Zimmer aufgefunden. Das Merkwürdige dabei ist, dass sich eigentlich nur sieben Dozenten und der Butler des Ermordeten überhaupt Zugang zum Tatort hätten verschaffen können, da der entsprechende Wohnbereich nachts nicht öffentlich zugänglich ist.

Für Verwirrung sorgt außerdem, dass Umpleby noch einen Tag vor seinem Tod alle relevanten Schlüssel und Schlösser hat austauschen lassen. Einer dieser Schlüssel ist nun verschwunden.

Fazit

Nur für Freunde von Kriminalromanen, denen es ausschließlich um den intellektuellen Rätselspaß geht, denen aber die Charakterzeichnung völlig egal ist. Selten habe ich mich so gelangweilt, die Figur des ermittelnden Inspector blieb blass und konturenlos und in der Mitte des Buches werden auf einmal einige Studenten in die Handlung geworfen, die vorher gar keine Rolle spielten. Da retteten auch das intellektuelle Milieu mit diversen gelehrten Anspielungen und einige ironische Wendungen nichts mehr.

It is in our universities that the conservative spirit finds its most perfect expression. Long after the reform of our ecclesiastical institutions, mediaeval habits and conventions survive within these venerable establishments. „The Monks“ (as the learned denizens were indignantly described by the sciolistic historian of the Roman Empire) are seldom up-to-date. […] They teach out-moded subjects by exploded methods. They remain obstinately unconvinced of the necessity of the modern amenities either for themselves, their wives or their children. Only recently, indeed, did they discover wives and children. (S. 147 der Taschenbuchausgabe)

Nur kurzzeitig zuckte ich noch einmal auf, als das anscheinend gar nicht so neue Thema des Plagiatsvorwurfs unter Kollegen im Buch anklang.

Margot Kinberg fasst ihren Eindruck auf ihrem Blog so zusammen: „This is a Golden Age detective story and it bears some of the hallmarks of that traditional kind of story. There’s the ‘impossible-but-not-really-impossible’ murder, the limited list of suitably suspicious suspects, and the important issue of the timing of various events. Oh, and there’s a map, too. There’s an interesting ‘Golden Age’ sort of atmosphere too; among other elements there are back-staircases, little-used storerooms and a hidden safe. It’s an intellectual-puzzle kind of mystery, so it’s important for the reader to keep track of what’s said, the clues that are found and so on. Readers who prefer purely character-driven or psychological mysteries will be disappointed.“

Da hat mir The Lady Vanishes von Ethel Lina White aus dem gleichen Jahr doch wesentlich besser gefallen.

Anmerkung

Seven Suspects hieß ursprünglich Death at the President’s Lodging und wurde von John Innes Mackintosh Stewart geschrieben, er war Professor für Anglistik und Literaturwissenschaft und hatte sich für seine zahlreichen Veröffentlichungen das Pseudonym Michael Innes zugelegt.

Professoren und Dozenten sind eine schriftstellerisch rege Zunft. Man denke nur an – und hier freue ich mich über Ergänzungen von euch – folgende Namen:

  • Robert Barnard (1936 – 2013)
  • Clive Staples Lewis (1898 – 1963): The Chronicles of Narnia, The Great Divorce
  • David Lodge (*1935): Small World, Nice Work
  • Alexander McCall Smith (*1948)
  • Christopher Rush (*1944): To Travel Hopefully
  • John Ronald Reuel Tolkien (1892 – 1973): The Lord of the Ring, The Hobbit

Deutschsprachige Professoren und Dozenten:

  • Peter Bieri (*1944), Pseudonym: Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon, Der Klavierstimmer
  • Andreas Höfele (*1950)
  • Hanns-Josef Ortheil (*1951): Die Erfindung des Lebens
  • Bernhard Schlink (*1944): Der Vorleser, Liebesfluchten
  • Dietrich Schwanitz (1940 – 2004): Campus

10 thoughts on “Michael Innes: Seven Suspects (1936)

  1. Liebe Anna,
    es ist immer wieder schön, einen Verriss von Dir zu lesen. — Und dabei finde ich den Namen des Mordopfers doch so toll, wirkt eigentlich ganz putzig. Aber, wenn ich Dich richtig verstehe, würde dieser Kriminlaroman es nicht einmal in die Kategorie „Schmöker“ schaffen, oder?
    Viele Grüße zum Wochenende
    Claudia

    • Danke für deinen Kommentar, schön, dass man auch mit einem kleinen Verriss mal Freude macht. Kicher. Nee, auf keinen Fall ein Fall für das Schmökerregal, so was Hölzernes, Lebloses, grummel. Hatte aber auch sein Gutes, denn wenn das Buch mir gefallen hätte, hätte ich ja auch all die Nachfolgebände an der Backe gehabt. Im Moment habe ich wohl ein bisschen Pech mit meiner Auswahl, denn auch der Bücher-Preisträger „Blumenberg“ macht mich nicht froh. Auch dir ein schönes Wochenende. Anna

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