Martin Edwards: The Coffin Trail (2004)

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‚Forget about the murder‘. It’s history. Daniel tightened his grip on the steering wheel as the Audi jolted over potholes in the winding lane, his palms sweating. Miranda thought he was so cool, so relaxed, but it was an illusion. Might a conjurer feel like this when walking onto the stage? Fearing that his magic wouldn’t work, that when he whipped the cloak away, his audience wouldn’t gasp, but merely yawn? The car eased over the top of the fell and Daniel held his breath. At last Brackdale revealed itself. Unfolding beneath them, luxuriating in the sunshine.

So beginnt der erste im Lake District in Großbritannien spielende Kriminalroman um den Historiker Daniel Kind und DCI Hannah Scarlett:

Martin Edwards: The Coffin Trail (2004); auf Deutsch: Tote schlafen nicht

Der Historiker Daniel Kind und seine neue Partnerin Miranda beschließen aus privaten Gründen Oxford den Rücken zu kehren. Bei einem Kurzurlaub im traumhaft schönen Lake District finden sie ein Cottage, das ihnen mit seiner idyllischen Lage an einem kleinen See gefällt, und kaufen es. Daniel kennt das Haus noch aus seiner Kindheit: Während eines Familienurlaubs im Lake District hatte er sich mit dem Dreizehnjährigen Barrie Gilpin angefreundet, der allein mit seiner Mutter eben in jenem Haus lebte. Barrie war ein bisschen sonderbar, was aber der Kinderfreundschaft keinen Abbruch tat.

Nun ca. 20 Jahre später: Barrie gilt den meisten im Dorf als der Mörder einer jungen, schönen Touristin, deren Leiche man vor sieben Jahren brutal zugerichtet auf einem uralten Stein oberhalb des Dorfes gefunden hatte. Barrie selbst konnte nicht mehr vor Gericht gestellt werden, da er nur wenige hundert Meter vom Fundort der Leiche in eine Felsspalte gestürzt war, aus der er sich nicht mehr hatte befreien können.

Daniel kann den Mord nicht so recht in Einklang bringen mit dem sanften Jungen, den er als Kind kennengelernt hatte, und ist unvorsichtig genug, das überall im Dorf herumzuposaunen.

Zeitgleich wird eine neues Team bei der Polizei zusammengestellt, das sich alten, aber niemals aufgeklärten Verbrechen widmen soll. Aufgrund eines anonymen Anrufs wird die Einsatztruppe unter Leitung von Hannah Scarlett auf genau diesen Touristenmord aufmerksam. Und so verknüpfen sich die Geschichten von Hannah, ihrem Partner und Daniel und Miranda und den anderen Dorfbewohnern immer enger, zumal Hannah früher unter dem Vater Daniels ihr Polizistenhandwerk gelernt hat.

Fazit

Ein solide gemachter Krimi, der es über weite Strecken schafft, die Gattung des cozy mystery in die Moderne zu bringen. Kein Ausmalen blutiger und unappetitlicher Einzelheiten, ein gemächliches Tempo, es dauert über 100 Seiten, bis Hannah überhaupt am Fall arbeitet. Daniel selbst macht sich vor seiner Einladung bei dem reichen Immobilienhändler Dumelow lustig:

So this is our first toe in the water, so far as integrating with the local community goes? A dinner party with the local squire and his wife. Very traditional. Except that he only keeps a farm as a write-off against tax and she’s a townie who plays at being an artist. (S. 126)

Die Dialoge sind lebhaft und gut geschrieben. Das Setting mit dem Lake District schön gewählt und den uralten sogenannten Coffin Trail gibt es wirklich. Auf ihm wurden die Toten auf Pferden von Rydal Mount nach Grasmere gebracht, da es dort eine Kirche gab. Hier kann man ein bisschen Wanderfernweh schnuppern und nebenbei noch etwas über Wordsworth erfahren.

Allerdings habe ich die Auflösung schon ca. 40 Seiten vor dem Ende geahnt und die Schönheit des Lake District erschloss sich mir eher aufgrund eigener Urlaubserinnerungen, weniger durch sprachlich gelungene Beschreibungen. Auch dass wildfremde Menschen schon gleich bei ihrem ersten Treffen über so persönliche Dinge sprechen, war mir nicht immer so ganz nachvollziehbar. Bei dieser Art von Kriminalroman hätte ich mir auch ein bisschen mehr Humor vorstellen können.

Also: Kein neuer Chandler, aber solide Krimi-Unterhaltung, nicht mehr, nicht weniger.

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8 thoughts on “Martin Edwards: The Coffin Trail (2004)

  1. Liebe Anna,
    eingeladen von dem freundlich blickenden Schaf in meinem wordpress-Reader und ausgestattet mit einem schönen heißen Pfefferminztee habe ich mich in Deine Krimibesprechung begeben. Sie liest sich nun nicht unbedingt so, als müsste ich diesen Literaturherbst nun unbedingt den „Coffin Trail“ lesen, wenn ich denn nicht allerwichtigste krimiliterarische Entwicklungen verpassen wolle🙂, könnte aber doch ein Buch für die Schmöker-Kategorie sein, oder? Und ist das untere Bild (das so auch aus den Alpen – ziemlich hoch jedenfalls – stammen könnte) aus dem Lake-District?
    Viele Grüße, Claudia

    • Hallo Claudia,
      da auf deinem Blog ja oft eher Bücher mit gesellschaftsrelevanten Bezügen besprochen werden, sollte das nette Schaf ein bisschen zur Lektüre verlocken🙂 Ich habe leider vergessen, wie die Rasse heißt, finde sie aber total knuffig. Das Straßenbild stammt auch – wie das Schaf – aus dem Lake District. Nee, unbedingt lesen muss man das wirklich nicht, aber ich habe mich auch nicht gegrämt. Für einen Schmöker war es mir dann a) nicht lang genug und b) habe ich nicht das Bedürfnis, den Krimi noch einmal zu lesen. Aber nach Blumenberg und Vogelweide – hmm, die beiden Titel zusammen klingen richtig poetisch – musste mal was Nettes her. Jedenfalls bin ich gespannt, was du uns als nächstes auf deinem Blog vorstellt🙂 LG Anna

  2. Liebe Anna,
    herzlichen Dank für diese Rezension, die gerade zur rechten Zeit kam, da ich nächste Woche mit Dina und unseren Buchfeen für zwei Wochen in den Lake District fahre. Nun kenne meine Reiselektüre🙂
    Liebe Grüße
    Klausbernd

    • Hallo Klausbernd,
      wie schön, zwei Wochen im Lake District, wenn sich die Touristenströme vielleicht ein bisschen verlaufen haben. Ob das Buch aber wirklich als Reisebegleitung taugt… Hmmm, vielleicht doch lieber etwas, das einem als besondere und lohnendere Lektüre in Erinnerung bleibt:-) Auf jeden Fall eine wunderbare Zeit! Anna

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