Fundstück von Meike Winnemuth

Du hast die seltene Gabe, immer das Richtige zu sagen und das Richtige zu fragen. Wie es mir wirklich geht zum Beispiel und ob ich nicht über dieses und jenes traurig bin. Oder mich nicht hin und wieder einsam fühle. Das wollen viele gar nicht so genau wissen – vielleicht trauen sie sich auch nicht, einfach unbefangen nachzuhaken. Dabei ist das Wissenwollen doch so unendlich menschenfreundlich! Empathie und echtes Interesse am anderen bedeutet aber eben auch, manchmal indiskrete Fragen zu stellen, die in unserer nur scheinbar höflichen Wir-lassen-uns-gegenseitig-schön-in-Ruhe-Kultur (in Wirklichkeit eine Wir-ignorieren-uns-zu-Tode-Kultur) schon fast verpönt sind, weil sie wie ein Übergriff wirken. Diesen Mut muss man erst mal haben, um einander wirklich nahe zu kommen.

Meike Winnemuth: Das große Los (S. 221)

Autor: buchpost

- mein buchregal: schon lange ein gegengewicht zu beruf und engstirnigkeit - ziele: horizont weiten, mich vergnügen und das wichtige behalten

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