Fundstück von Sylvain Tesson

Über das Tagebuchschreiben

Ich schreibe Tagebuch, um gegen das Vergessen anzukämpfen, um dem Gedächtnis eine Stütze zu bieten. Wenn man über sein Tun und Treiben nicht Buch führt, wozu dann leben? Die Stunden fließen dahin, jeder Tag entschwindet, und das Nichts triumphiert. Das Tagebuch, ein Kommandounternehmen gegen die Sinnlosigkeit. Ich archiviere die Stunden, die vergehen. Ein Tagebuch zu führen befruchtet die Existenz. Das tägliche Stelldichein mit der leeren Tagebuchseite zwingt mich, den Ereignissen des Tages größere Aufmerksamkeit zu schenken – besser zuzuhören, lauter zu denken, intensiver zu schauen. Es wäre unhöflich, am Abend nichts zu haben, was ich in mein Notizbuch eintragen könnte. (S. 138)

aus: Sylvain Tesson: In den Wäldern Sibiriens

Autor: buchpost

- mein buchregal: schon lange ein gegengewicht zu beruf und engstirnigkeit - ziele: horizont weiten, mich vergnügen und das wichtige behalten

6 Kommentare zu „Fundstück von Sylvain Tesson“

    1. Stimmt, das Bloggen ist auf jeden Fall eine Gedächtnisstütze und es zwingt mich, mich mit dem Gelesenen noch einmal auseinanderzusetzen. Andere Aspekte würden dann bei mir doch das persönliche Tagebuchschreiben erfordern. Schöne Ostertage, Anna

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