Don Charlwood: All the Green Year (1965)

The year I remember best from those days is 1929. This was the year I turned fourteen and went into the eighth grade; the year too that Grandfather McDonald became peculiar  and we moved to live with him in his house on the cliffs. It has stayed in my memory for various reasons, but chiefly for its fiasco at its end. I feel tempted to claim that each incident played its part in leading to our final disgrace, but this would hardly be true. The matter of riding to school on Perry Brothers‘ camel, for instance, had no link with later happenings at all, nor did Squid’s hypnotism, nor even, I suppose, the preservation of Eileen Johnston’s honour.

So beginnt das lesenswerte Buch des Australiers

Don Charlwood: All the Green Year (1965)

Zum Inhalt

Charlwood (1915 – 2012) beschreibt ein Jahr im Leben des Jugendlichen Charlie Reeve. Er lebt mit seiner Familie und dem Hund Gyp auf der Halbinsel Mornington im Städtchen Kananook südlich von Melbourne. Kananook ist dabei eine fiktionalisierte Version von Frankston, wo Charlwood seine Jugendjahre verbracht hat.

Die Geschichte spielt 1929, dem Jahr, in dem Charlie 14 wird und seine Familie kurzfristig zu seinem Großvater in dessen altes und zugiges Haus auf den Klippen ziehen muss, da der alte Mann allmählich dement wird und nicht länger allein wohnen kann.

Charlie ist weder besonders abenteuerlustig noch rebelliert er. Er ist eher ein Tagträumer und versucht sich so gut wie möglich den Gegebenheiten anzupassen. Doch gerade dadurch gerät er immer wieder in schräge, komische und todtraurige Situationen.

Als „typischer“ Junge ist er auch nicht besonders redselig. Mit seinem Freund Fred Johnston, genannt Johnno, versteht er sich ohne viele Worte, stattdessen verbringen sie wie selbstverständlich die Schulpausen zusammen und gehen gemeinsam schwimmen.

Für Mädchen hat Charlie noch nicht viel übrig und so ist er wenig begeistert, als Johnno ihn bittet, ihn auf einen Ball zu begleiten.

‚I’ve got to go to a dance,‘ he told me.
‚Why?‘ It was hard to imagine anything more distasteful.
‚My old man says I have to take Eileen. It’s at the Mechanics‘ next Wednesday.‘
I said, ‚She’s older than you are, why can’t she take herself?‘
‚I don’t know,‘ he said, shaking his head. ‚It’s got to do with her – her honour.‘
‚Her what?‘
‚Her honour.‘
This was something I had never heard mentioned outside poetry books. (S. 40)

Der Ball endet für die beiden in einer handfesten Prügelei und mit einer tief beleidigten Schwester.

Und die Szene, auf der Charlie sich eher unfreiwillig auf einem Kamel wiederfindet, ist zum Quietschen komisch. Dabei findet Charlie das in der Situation selbst gar nicht witzig.

This journey through the town was one of the most depressing events of my childhood. Several tradespeople began pursuing us on foot, and the camel, by some fearful instinct, headed towards the school… (S. 76)

Erst im Rückblick erkennt der gereifte Erzähler, dass dieses Jahr auch seine komischen Momente hatte.

Both at home and at school at this time we felt ourselves badly misunderstood. Looking back I realize how serious everything seemed; only in retrospect does there appear a jot of humour in the whole year. (S. 2)

Überhaupt ist Charlie ein lakonischer Erzähler, der mit genauem Blick die Tücken des Erwachsenwerdens benennt, sie aber als schicksalsgegeben hinnimmt. Was sollte man sonst auch tun?

I heard my father’s voice droning on. It occured to me that the worst of parents was the misery they caused by worrying about the future. Why were they like this? Why did they have families if it was all worry? I would never get married, that was certain. Imagine being tied to a woman forever, and  for ever worrying about money. (S. 26)

Charlie bekommt mehr mit, als den Erwachsenen lieb sein dürfte. Als eine erbschleicherische Tante ankommt, registriert er genau, wie seine Eltern reagieren.

‚It’s you, Ruby,‘ exclaimed my mother. ‚This is a surprise!‘
I heard my father murmur, ‚It’s a damn‘ shock.‘ (S. 84)

Der Nachbarsjunge mit dem Spitznamen Squid sorgt ebenfalls mit schöner Regelmäßigkeit und Überzeugungskraft dafür, dass Charlie sich in blöden Situationen wiederfindet, für die er auch noch die Schuld bekommt, denn Squid ist viel gerissener als er und außerdem noch der Liebling des Lehrers Moloney.

Überhaupt der Lehrer Moloney. Er gehört zu den grauenhaftesten Lehrergestalten, die mir bisher in der Literatur begegnet sind. Sadistisch, verblendet und voller Begeisterung dabei, wenn er seine Lieblingsopfer demütigen kann.

Er trägt auch die Schuld daran, dass die Geschichte allmählich mehr wird als „nur“ eine herrlich geschriebene Kindheitserinnerung. Er läutet letztlich für Charlie und seinen Freund Johnno das Ende der Kindheit ein, und zwar mit dramatischen Folgen.

I couldn’t answer. In my ears was the crunching of Moloney’s glasses, a sound I can hear yet. To think of it and of the next twenty-four hours is to be a boy again. (S. 207)

Fazit

Grandios, wie hier die Atmosphäre einer Kindheit eingefangen wird. Mit ihren Schönheiten, dem Zusammenhalt echter Freunde, der Natur, den Abenteuern.

Mit ihren witzigen und schrägen Augenblicken.

Mit ihren Gefahren, ihrem Schrecken, ihrer Hilflosigkeit und ihrer Einsamkeit, wenn man zwar ein „intaktes“ Elternhaus hat, aber im Grunde einem doch keiner zuhört, wenn es drauf ankommt, ja geradezu lebenswichtig wäre.

Gehört unbedingt übersetzt.

Anmerkungen

Diese Buchvorstellung wäre unvollständig ohne ein großes „Thank you, Kim“.

Kim Forrester hatte auf ihrem Blog Reading Matters den Imprint Text Classics vorgestellt, der sich zum Ziel gesetzt hat, australische Literaturschätze zu bewahren und in einer ansprechenden Taschenbuchausgabe neu auf den Markt zu bringen. Um den Verlag bekannter zu machen, durfte man sich ein Buch auf der Webseite des Verlags aussuchen, das Kim dann für den fröhlichen Gewinner bestellen würde. Und: Wie schön, kurze Zeit später erhielt ich eine nette Mail mit der Gewinnbenachrichtigung. Und was soll ich sagen, aus diesem Verlag sind bereits drei weitere Bücher hier eingezogen und diverse stehen noch auf der Wunschliste.

Hier findet man einen informativen Nachruf auf Don Charlwood von Michael McGirr.

 

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