Rosemary McLoughlin: Tyringham Park (2012)

Das Beste an diesem Buch sind die ersten beiden Sätze, die wecken noch Neugier und Hoffnung auf einen harmlosen Urlaubsleseschmöker. Danach sollte man dann einfach aufhören und sich einen anderem Zeitvertreib zuwenden.

Tyringham Park 1917

The mother wasn’t seen to lose her composure and the father didn’t return from London when Victoria Blackshaw, the pretty one, went missing at the age of twenty-two months.

Mit diesem Satz beginnt die mit leichten Gothic Novel-Zügen versehene Variante des Herrenhaus-Trivialromans der bereits seit Jahrzehnten in Irland lebenden australischen Schriftstellerin Rosemary McLoughlin. 2014 erschien das Debüt der Autorin in Deutsch unter dem Titel Die Frauen von Tyringham Park.

Zum Inhalt

Das hübsche zweijährige Töchterchen der reichen Blackshaws verschwindet in der kurzen Zeitspanne, als ihr Kinderwagen neben dem Pferdestall steht, derweil sich ihre Mutter Edwina mit dem Pferdetrainer Manus vergnügt.

Wenige Tage zuvor hatte das Kindermädchen Teresa Kelly gekündigt, das sehr an der kleinen Victoria gehangen hat. Teresa gerät natürlich als erste in Verdacht, ist jedoch unauffindbar und vermutlich bereits auf dem Weg nach Australien, um dort zu heiraten.

Alsdann wären da noch die eher unscheinbare Schwester der verschwundenen Victoria, die achtjährige Charlotte, die nach dem Unglück zunächst völlig verstummt, und das grässliche Kindermädchen Dixon, das von den Dämonen der eigenen Kindheit gehetzt wird.

Außerdem spielen noch die warmherzige Haushälterin Miss East und die narzisstische Mutter der beiden Mädchen nebst einer Vielzahl weiterer Figuren mit.

Das Unglück bleibt für Jahrzehnte unaufgeklärt und wirft seinen Schatten auf die Lebenswege der Hauptfiguren, die nun vor dem Leser bzw. wohl eher vor der Leserin ausgebreitet werden. Dabei steht vor allem Charlottes Weg vom ungeliebten und vernachlässigten Kind hin zu einer reifen Frau im Mittelpunkt, die genau weiß, was sie will.

Es passiert zugegebenermaßen ganz fürchterlich viel in diesem Buch, was aber vermutlich von den Schwächen in der Charakterschilderung und den Löchern in der Logik ablenken soll. Es gibt zu viele an den Haaren herbeigezogene Wendungen und Charaktere, deren Handlungen eher vom Plot als von ihrer eigenen Psychologie motiviert werden. Die Auflösung ahnt man lange vorher und das Ende ist nur dann glaubwürdig, wenn man vorher seinen Verstand ausgeknipst hat.

Der von den Werbetextern bemühte Vergleich mit Rebecca von Daphne du Maurier: reine Hochstapelei.

Autor: buchpost

- mein buchregal: schon lange ein gegengewicht zu beruf und engstirnigkeit - ziele: horizont weiten, mich vergnügen und das wichtige behalten

2 Kommentare zu „Rosemary McLoughlin: Tyringham Park (2012)“

  1. Genau sowas habe ich gerade heute auch ausgelesen, und mich im Nachhinein gefragt, warum um Himmels Willen ich mal wieder bis zum Ende gelesen habe, wo es doch so viel Lesestoff gibt, der mir viel mehr gibt. Also, falls Dich die Lust auf einen Gothic-Urlaubs-Schmöker mal wieder packt: The Haunting of Maddy Clare ist leider auch nicht der Kracher. Aber The Woman in White von Wilkie Collins höre ich gerade, und das funktioniert, finde ich, nicht nur als Klassiker, sondern auch einfach als schöner Schmöker, ganz ähnlich wie Rebecca.

    1. Danke für deinen Kommentar und die Warnung :-). Ja, warum liest man solche Bücher zu Ende??? Perfektionismus, die Hoffnung, dass sich alles noch zum Guten – literarisch gesehen – wendet? Weil man doch ganz schnöde wissen will, wie’s ausgeht?
      An The Woman in White habe ich auch schon gedacht. Also, wenn’s mal wieder ein Schmöker sein soll, dann einer, den man nicht bereut. Mit den Klassikern ist man da ja oft auf der sicheren Seite. Und du hast Recht, vermutlich haben die meisten von uns noch irgendetwas im Regal stehen oder liegen, das wirklich die Lektüre lohnt. Also noch viel Freude mit Collins.

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