Blogstöckchen: Liebster Award

Claudia vom Grauen Sofa überraschte mich mit dem Blogstöckchen des Liebster Award und folgenden Fragen. Ein schöner Anlass, aus der momentanen Blogversenkung aufzutauchen. Also los:

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1. Was war der konkrete Auslöser, mit dem Bloggen anzufangen?

Seit Jahrzehnten notierte ich mir – mal mehr, mal weniger konsequent – zumindest die Titel der Bücher, die ich gelesen hatte. Manchmal dann auch ein paar Eindrücke dazu. Doch ein oder zwei Jahre später waren die Eindrücke verblasst. Ich wusste nicht mehr, was ich an einem Buch gemocht hatte und was nicht.

Die Idee, meine Leseeindrücke konsequenter an einem Ort zu bündeln, wäre aber vermutlich ohne meinen Mann, der mir dann WordPress ins Haus schleppte, eine bloße Idee geblieben. Und die Hoffnung, dass ich mich nun besser an Bücher erinnern kann, die ich vor drei Jahren gelesen habe, hat sich erfüllt. Das Sortieren der Gedanken und das Schreiben haben meinen Leseprozess tatsächlich vertieft, aber auch verlangsamt.

Dass ich außerdem so viel Zeit bei anderen Blogs verbringen würde, konnte ich damals nicht wissen, denn ich war – was Literaturblogs angeht – völlig ahnungslos. Aber diese Nebenwirkung nehme ich gern in Kauf. Es ist einfach große Klasse, sich mit anderen Literaturbegeisterten auszutauschen und – seufz – dadurch ständig weitere Titel zu entdecken, die ich auch gern lesen würde. Gleichzeitig ist es bereichernd, wenn andere Blogger andere Akzente setzen und Bücher besprechen, die ich nicht lesen werde.

2. Lieber lange oder kurze Blogeinträge schreiben/lesen?

Theoretisch würde ich – schon aus Zeitgründen – gern kürzere Beiträge schreiben. Aber das gelingt fast nie, da meine Beiträge für mich eben auch eine Gedankenstütze sein sollen, das braucht dann einfach eine gewisse Länge.

Beim Lesen anderer Blogs kommt es darauf an: Manchmal ist es schon schön, wenn der Artikel nicht 2000 Wörter hat🙂 und ich mag auch einzelne Fotos oder Fotostrecken. Allerdings gibt es BloggerInnen, von denen würde ich auch ganze Bücher lesen. Was ich nicht so mag, ist wenn die Inhaltsangabe so ausführlich wird, dass ich weiß, wie das Buch ausgeht, oder ich befürchte, dass jetzt nicht mehr viel zu entdecken bleibt.

3. Schon fünfmal wurde über die populäre Neuerscheinung gebloggt – schreibst Du auch noch darüber?

Ich komme gerade ein bisschen davon ab, viele Neuerscheinungen zu lesen. Aber wenn, dann lasse ich gern ein paar Monate verstreichen, bis ich auch darüber schreibe. Denn, wie gesagt, ich möchte mich ja an meinen Leseeindruck erinnern. Und dann geht es mir wie Claudia, es ist doch gerade interessant, verschiedene Eindrücke miteinander zu vergleichen, Sichtweisen und Akzente zu entdecken,  die mir entgangen waren.

4. Liest Du alle Einträge auf Deinen Lieblingsblogs?

Ja. Unbedingt. Deswegen werden die ja auch manchmal ermahnt, seltener zu bloggen oder wenigstens unattraktivere Titel vorzustellen🙂 Aber die machen, was sie wollen.

5. Stellt Ihr Euch manchmal – oder auch öfter – Eure Lese- und Rezensionsliste nach ganz bestimmten Themen, Autoren, Zeiten usw. zusammen?

Das wäre eine schöne Idee, die mein Leseverhalten disziplinieren würde. Aber das ist hoffnungslos. Ich mag bei der Wahl des nächsten Buches das Chaotische, Überraschende und weiß nie, was ich als nächstes lesen werde. Das Nebeneinander von Schwergewichtigem und Leichtem, von Altem und Neuen, Bekanntem und Unbekanntem spiegelt sich inzwischen auch genauso in meinen Regalen wider. Miss Marple neben dem Schicksal der Emigranten, Klemperers Tagebücher neben Dostojewski, Bronte, James Herriot und einer Coming-of-Age Geschichte aus Australien, die kein Mensch kennt.

Da ich weiß, dass nicht jeder Stöckchen und Awards mag, ich die Fragen von Claudia aber interessant fand, möge sich bitte jede und jeder hier bedienen und bei Lust und Zeit die Fragen doch ebenfalls beantworten.

IMG_0401Bibliothek im Rijksmuseum Amsterdam

12 thoughts on “Blogstöckchen: Liebster Award

  1. Liebe Anna,
    wenn Dein Mann damals gewußt hätte, was er uns antut, indem er Dir WordPress ins Haus schleppt…denn Du lässt Dich ja auch nicht ermahnen! Danke für das schöne Interview.
    Übrigens: Vor einigen Tagen stand ich vor dem Augsburger Bücherschrank und musste an Dich denken – da stellte eine ältere Dame einige James Herriot-Bücher rein – und ich hab sie ihr förmlich aus der Hand gerissen🙂
    Herzliche Grüße, Birgit

    • Liebe Birgit, zur Rettung der Herriot-Bücher kann ich nur sagen: Recht so! Ich hoffe, der Charme und sanfte Humor konnte sich in die deutschen Übersetzungen retten. Ich lasse mich nicht ermahnen? Ach, dafür dauert es doch oft ziemlich lange, bis ich mal wieder dazu komme, einen Beitrag zu schreiben. Leider.
      Auch dir viele Grüße und ein rundum gelungenes Wochenende. Anna

      • Zur Übersetzung kann ich noch nicht viel sagen…die Bücher müssen erst ein bißchen ausmüffeln (lagen lange im Oma-Schrank, nehme ich an🙂
        Auch Dir ein schönes, lesensreiches Wochenende! Birgit

  2. Liebe Anna,
    Deinen Beitrag habe ich sehr, sehr gerne gelesen, habe mich völlig wiedergefunden und habe laut gelacht. Gerade Deine Anmerkungen zur ersten Frage sind soooo wahr, dass ich mich in allen Punkten nur anschließen kann: das Schreiben verstärkt nicht nur den Prozess des Auseinandersetzens, sondern dadurch deutlich auch die Erinnerung; das Schreiben schult auch den Blick auf Literatur, da habe ich früher häufig gar nicht so genau hingeschaut. Und das durch das Schreiben verlangsamte Lesen trägt auch dazu bei, dass ich mich mehr mit dem einzelnen Roman beschäftige, sodass das Leseerlebnis deutlich vertieft ist. Und bei mir ist es ja meine Freundin PETRA gewesen, die mir wordpress auf den Rechner gemogelt hat, ich habe auch nicht geahnt, welche Konsequenzen das letztendlich hat. Aber auch wenn Bloggen und Blog-Lesen und Blog-Kommentieren echte Zeitfresser sind, wenn das Regal der ungelesenen Bücher immer üppiger wird, dann ist es doch ein zutiefst befriedigendes Hobby. Es gibt bestimmt schlimmere Freizeitbeschäftigungen – mit deutlich unangenehmeren Menschen🙂.
    Viele Grüße auch an Deinen Mann: er hat alles richtig gemacht und soll sich nichts von Dir einreden lassen!
    Und Dir natürlich auch ganz viele Grüße, Claudia

    • Danke für den Anstoß, über meinen Blog noch einmal ein wenig nachzudenken🙂 und danke für deinen Kommentar. Wie recht du hast: ein zutiefst befriedigendes Hobby. So ist es!!! Und mein Mann ist ob meiner Jammerei völlig ungerührt🙂 Ein richtig schönes Wochenende! Anna

    • Ja, wobei ich auf der anderen Seite nachvollziehen kann, wenn die Infos zum Inhalt sehr ausführlich werden. Da möchte man sich eben für später eine Gedächtnisstütze schaffen. Das passiert, wenn der Blogbetreiber seine Beiträge nicht nur für die LeserInnen, sondern auch für sich selbst verfasst. Ein Balanceakt…

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