Fundstück: Thoreau über Monumente

Die Völker sind von dem wahnsinnigen Ehrgeiz ergriffen, ihr Andenken durch einen Haufen behauener Steine zu verewigen. Wie wäre es aber, wenn sie sich die gleiche Mühe gäben, ihre Sitten zu glätten und zu polieren? Ein Stück gesunder Vernunft wäre denkwürdiger als ein Monument, das so hoch ist wie der Mond. Ich sehe lieber den Stein an seinem natürlichen Ort. […] Ein paar Meter Mauerwerk, welches das Feld eines ehrlichen Mannes einschließt, sind vernünftiger als ein hunderttoriges Theben, das so weit vom wahren Zweck des Lebens abirrte. […] Was die Pyramiden anbelangt, so ist an ihnen nichts so erstaunlich wie die Tatsache, daß sich so viele Menschen fanden, die niedrig genug waren, um ihr Leben zur Erbauung eines Grabes für irgendeinen ehrgeizigen Tölpel zu verwenden […]. Ich könnte vielleicht für sie und für ihn eine Entschuldigung finden, ich habe aber keine Zeit dazu. Was Religion und Kunstliebe der Erbauer betrifft, so ist es auf der ganzen Welt gleich, ob das Gebäude ein ägyptischer Tempel ist oder die Bank der Vereinigten Staaten. Es kostet mehr, als es wert ist. (S. 97)

H. D. Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern (1854)

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