Mattias Boström: Von Mr. Holmes zu Sherlock (2015)

Alles begann in einem Zug. Auf einer ihrer vielen Fahrten kamen Steven Moffat und Mark Gatiss auf die Idee, eine der berühmtesten Gestalten der Weltliteratur neu zu interpretieren: Sherlock Holmes. Aus der Figur des in den achtzehnhundertneunziger Jahren von Arthur Conon Doyle geschaffenen Gentleman-Detektivs wollten sie einen modernen genialen Sonderling machen.

So beginnt die Spurensuche nach der Erfolgsgeschichte der fiktiven Figur Sherlock Holmes von

Matthias Boström: Von Mr. Holmes zu Sherlock (2015)

Die Übersetzung der schwedischen Originalausgabe von 2013 stammt von Susanne Dahmann und Hanna Granz.

Fazit

Diesmal nur ein kurzes Fazit zu den 558 Seiten Text, zu denen noch 50 Seiten Quellenangaben und Register kommen.

Sicherlich haben wir es hier mit einer beeindruckenden Rechercheleistung zu tun, mit der hier der Entstehung einer Kultfigur nachgegangen wird, die erstmals 1887 den Lesern präsentiert wurde und bis heute in unzähligen Neuauflagen, Bearbeitungen, Pastiches, Stummfilmen, Hörspielen, Theaterstücken, Parodien und modernen Verfilmungen bis hin zu Pornos eine nahezu beispiellose Karriere hingelegt hat.

Hübsch auch, dass Sherlock Holmes regelmäßig von seinen Fans angeschrieben wurde.

Und doch, wenn ich ehrlich bin, hat mich das Buch oft gelangweilt. Manches – wie die Inspiration durch den Arzt Joseph Bell, bei dem Conan Doyle in Edinburgh studiert hatte – war mir bereits bekannt. Anderes wie die Biografie Conan Doyles und sein späteres Versinken im Spiritismus war zwar an sich interessant, aber den Schreibstil fand ich wenig anregend. Es ist weder als reines Sachbuch geschrieben, noch hat es den Esprit eines Bill Bryson, stattdessen wirkt das Ganze wie eine mühselige Nacherzählung unzähliger Fakten.

Im zweiten Teil, als es nach Conan Doyles Tod um die drögen und nicht enden wollenden Streitereien der schillernden Erbengemeinschaft um die Urheberrechte bei diversen Filmproduktionen ging und sich zeitgleich die ersten Sherlock Holmes-Gesellschaften in Großbritannien und den USA bildeten, habe ich auch mehr als einmal den Überblick bei den vielen Personen, Zeitsprüngen, Namen und Daten verloren.

Eine Zeittafel gab es leider nicht.

Und dass Laurie R. King, die Romane um den gealterten Holmes und seine junge Assistentin schreibt, entweder von Boström oder den Übersetzerinnen auf S. 520 kurzerhand zu einem Mann gemacht wurde, gefiel mir auch nicht.

Für meinen Geschmack hätte der Autor viel häufiger aus zeitgenössischen Briefen,  Zeitungsartikeln und Theaterkritiken etc. zitieren können, das hätte dem Buch vielleicht ein bisschen mehr Pep eingehaucht.

Und mir kam die Frage zu kurz, was genau es denn eigentlich ist, was die Menschen bis heute so an Sherlock Holmes fasziniert. Oder ließe sich der ganze Erfolg nur auf den Unterhaltungswert eines rational-exzentrischen Detektivs und auf die Tatsache zurückführen, dass die Figur zum jeweils günstigsten Zeitpunkt in das gerade neu aufkommende Medium (Zeitschrift, Stummfilm, Theater, Radio, Film) transportiert wurde?

Zu spät habe ich eingesehen, dass ich in diesem Fall mit den deutsch- und englischsprachigen Wikipedia-Artikeln zum Autor und seinem berühmten Helden besser bedient gewesen wäre.

 

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