Sharon Dodua Otoo: the things i am thinking while smiling politely … (2012)

… accompanied by the sound of rhythmic protest buzzes. In the hallway, my finger finds the „speak“ button on the intercom. The soles to my feet suffer on the cold wooden floor. Ama announces herself. I visualise her standing at the main door below, clutching at her handbag. In the background, I can hear two cars driving by. Her voice sounds faint and distant, but her emotion reaches me with crystal clarity. Yup. She is angry.

So beginnt der erste längere literarische Text der Bachmann-Preisträgerin 2016, der 1972 geborenen britischen Autorin Sharon Dodua Otoo, deren Eltern aus Ghana stammen. Die Autorin lebt mit ihren Söhnen seit 2006 in Berlin, wo auch the things i am thinking while smiling politely … spielt.

Mirjam Nuenning übersetzte die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle … ins Deutsche.

Erschienen ist das Buch übrigens bei Edition Assemblage.

Zum Inhalt

Die schwarze Ich-Erzählerin, Mutter zweier Kinder, erzählt von der schwierigen und schmerzhaften Trennung von ihrem weißen Mann, der für sie nach wie vor der schönste Mann überhaupt ist. Wie die Kinder darunter leiden, wie die Freunde damit umgehen. Wie sie selbst darauf reagiert. Wie sie sich an ihren eigenen Vater erinnert. Was von ihren ghanaischen Wurzeln sie noch an ihre Kinder weitergeben kann bzw. will. Das tut sie nicht chronologisch, sondern eher assoziativ, sprunghaft und eruptiv.

Werden die Erinnerungen zu schmerzhaft, wird erst einmal zu etwas anderem, einem anderen Tag geschwenkt, um sich erst später wieder dem ursprünglichen Thema zuzuwenden. Das hat mich zwar in der zeitlichen Abfolge der Geschehnisse manchmal verwirrt, aber bei einem Umfang von 98 Seiten kann man ja notfalls noch mal zurück- oder vorblättern.

Fazit

Klingt diese Mini-Zusammenfassung öde, bleischwer? Nichts könnte ferner liegen. Hier spricht eine kraftvolle Stimme, ehrlich, sich selbst nicht schonend, frech, nicht ohne Humor, mit wachem Blick, mitten aus der Phase, wenn einem die eigene Ehe um die Ohren fliegt und man trotzdem weiter funktionieren muss. Schon wegen der Kinder und so. Dabei hat sie zur Zeit gar keinen Draht zu ihrer Tochter Beth und findet sie eher nervtötend.

Since Beth and I agreed on almost nothing, I mostly just observed her various developments from an emotional distance. It seemed to me she preferred to raise herself and was certainly prepared to forego the benefit of my wisdom. (S. 33)

Und dass man selbst seine guten Freundinnen gar nicht immer so richtig mag, wird hier knochentrocken konstatiert. Bis S. 29 war ich der Meinung, „the Australian“ sei eben eine australische Freundin.

I privately gave Gabi the nickname „The Australian“ because I used to think she was in a completely different time zone… (S. 29)

Gelungen auch die Idee, Sätze, die den Partner verwunden sollen, als nummerierte „Shrapnel“ (Granatsplitter) unabhängig vom übrigen Text grafisch einzustreuen.

shrapnel (179) … I should have left you years ago.

Ein kleines, feines Werk. Gern gelesen.

 

2 thoughts on “Sharon Dodua Otoo: the things i am thinking while smiling politely … (2012)

  1. Ich war neulich bei einer Podiumsdiskussion, wo sie ihre Meinung zum Thema „Fiction speaking truth to power“ abgegeben hat und diese Frau ist so inspirativ und toll. Sie hat so was lebendiges, weltoffenes und philosophisches, ohne öde oder besserwisserisch zu wirken. Mir gefällt besonders, dass sie versucht die „Farbige Literatur“ in Deutschland zu revolutinieren. Freut mich also, dass dir ihr Werk gefallen hat.

    Liebe Grüße,
    Katha

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