Fundstück von Petra Gust-Kazakos

Mit großem Vergnügen schmökere ich mich gerade durch Gefahren des Lesens von Petra Gust-Kazakos. Allerdings ist auch die Lektüre selbst nicht ganz ungefährlich, kann es einem doch passieren, dass man immer wieder – genau wie auf Philea’s Blog – auf Titel stößt, die man unbedingt der eigenen Leseliste hinzufügen möchte.

Und Petras Stil ist, wie könnte es anders sein, charmant-belesen. Ich jedenfalls habe schon jetzt viel Freude an Stellen wie diesen, die mir nachdrücklich vor Augen führen, dass es eigentlich Zeit für ein Artenschutzprogramm wäre. Nachdem die Autorin belegt hat, dass nur ca. drei Prozent der Bevölkerung zu den sogenannten Viel-Lesern (mehr als 50 Bücher pro Jahr) gehören, schreibt sie:

Erfreut sich der gewöhnliche Leser (Lector communis) noch weitgehend allgemeiner Munterkeit, so sieht es für den belesenen Viel-Leser (Lector multiplex) trüb und trüber aus. Das glauben Sie nicht? Nun, natürlich, da Sie dies lesen, gehören Sie vielleicht selbst zu seltenen Art der Viel-Leser – wer sonst interessiert sich schon für Bücher über Bücher und das Lesen. Sie lieben Bücher, sprechen gern mit anderen darüber und kommen sich dabei keineswegs gefährdet vor. Das ist übrigens typisch für den Viel-Leser: Unter Artgenossen fühlt er sich wohl, anerkannt und ganz in seinem Element. Doch außerhalb dieser kleinen Gemeinschaft gilt er als Exot, seine natürlichen Lebensräume schwinden und seine Arterhaltung steht nicht im Mittelpunkt des Interesses, weder gesellschaftlich noch politisch noch sonstwie. (S. 55)

aus: Petra Gust-Kazakos: Gefahren des Lesens: Essays zu Risiken und Nebenwirkungen, adson fecit 2016.

 

 

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15 Kommentare zu “Fundstück von Petra Gust-Kazakos

  1. Liebe Anna,
    was für ein tolles Zitat! Ich glaube, in diesem Jahr bin ich eher ein Lector communis, 50 Bücher habe ich nicht geschafft. Ich nehme mir aber ganz dringend vor, im nächtsten Jahr wieder zur Kategorie des Lector mulitplex zu gehören. Und ja, es stimmt: Außerhalb der Gesellschaft von Artverwandten fühle ich mich schon recht unverstanden, ja, einsam geradezu. – Du hast mir auf jeden Fall Petras Buch noch einmal sehr ans Herz gelegt mit diesem schönen Zitat.
    Einen wunderschönen Adventsabend wünscht Claudia

    • Hallo Claudia,
      das war bei mir ganz ähnlich, fünfzig Bücher – ich glaube nicht, dass es so viele waren. Aber ich habe nicht nachgezählt. Und Petra hat wirklich schöne Worte dafür gefunden, dass man Nicht-Lesern immer ein wenig suspekt erscheint, ja manchmal sogar von ihnen belächelt wird. Auch dir einen schönen Abend, Anna

    • Hmm, ich habe die Lektüre ja noch nicht beendet, aber wenn Petra nun auch noch selbst aktiv zu den Gefahren beiträgt, vielleicht hat sie irgendwo auch Tipps und Ideen für uns, wie wir mit diesen Gefahren umgehen können? Falls nicht, werde ich sie darum bitten. 🙂 LG, Anna

    • Also, einige Nebenwirkungen hast du schon unterschlagen, oder?
      1. Ich möchte jetzt, sofort und unverzüglich ganz viele der von dir genannten Titel lesen oder wiederlesen. Dein Buch macht einfach Lust dazu.
      2. Und dann solche Hinweise wie der zu Härtling – das geht doch nicht gut. Ich kenn‘ mich doch.
      3. Du hast auch nicht so richtig davor gewarnt, dass manche Blogs – deiner zum Beispiel – nichts für schwache Nerven, ich meine nichts für Menschen sind, die bei der Nennung interessant klingender Titel sofort schwach bzw. rückfällig werden.

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