Lesejahr 2016

Auch dieses Jahr möchte ich mich an den Fragen entlanghangeln, die ursprünglich Katrin von Buchsaiten ins Spiel gebracht hatte, um das Lesejahr abzuschließen. Einige Fragen habe ich dezent dazugemoggelt.

1. Von welchem Buch habe ich mir zunächst gar nicht so viel versprochen?

Das war Winifred Watsons wunderbares Buch Miss Pettigrew lives for a day (1938), das viel mehr als nur die erwartete leichte Unterhaltung bot.

2. Welches war das optisch ansprechendste Buch?

Das ist einfach: Stefan Zweig: Buchmendel/Die Unsichtbare Sammlung (2016) aus dem Topalian & Milani Verlag.

3. Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Eine Neu-Entdeckung ist für mich jede Autorin, jeder Autor, deren/dessen Buch mir so gut gefallen hat, dass ich mich auf weitere Bücher einlassen würde. Das waren in diesem Jahr unter anderem Autoren, die mich aus meiner eher angelsächsisch geprägten Lesewelt herausgeführt haben:

4. Gab es Entdeckungen im Krimi-Bereich?

Unbedingt, ich bin inzwischen süchtig nach den Abenteuern von Mary Russell, der Ehefrau von Sherlock Holmes, von Laurie R. King.

5. Gab es eine Gattung, die sich 2016 überraschend häufig auf dem Blog tummelte?

Mir war gar nicht aufgefallen, dass ich doch mehrere Autobiografien/Biografien gelesen habe.

Und dazu die schönste Autobiografie überhaupt, nämlich die von Agatha Christie.

6. Welche Bücher haben den tiefsten Eindruck hinterlassen?

Das waren zum einen sicherlich die Brautbriefe Zelle 92 von Dietrich Bonhoeffer und Maria von Wedemeyer.

Und auf ganz andere Art und Weise die Reiseerinnerungen von Oss Kröher: Das Morgenland ist weit.

7. Welches Buch wollt ihr unbedingt 2017 lesen und warum?

Von Kai habe ich vor Jahren den schönen Begriff “sprunghafter Lustleser” gelernt; also, ich weiß noch nicht einmal, was ich nächste Woche lesen werde, geschweige denn nächstes Jahr.

Aber der Vorsatz, meine Buchkaufgeschwindigkeit massiv zu drosseln und den SUB abzubauen,  wird immer dringlicher. Die Statik des Hauses verlangt nach drastischen Maßnahmen, da Anbaumaßnahmen zur Zeit nicht geplant sind.

8. Welche Bücher hast du 2016 wiedergelesen? 

Sollte man viel öfter machen, Bücher wiederzulesen. Klassiker lesen.

9.  Welche Bücher wären spurlos an dir vorbei gegangen, wenn nicht andere BloggerInnen dich darauf aufmerksam gemacht hätten?

Über diese Frage breiten wir einen besonders großen Mantel des Schweigens.

10. Mit welcher Lektüre beschließt du das Lesejahr 2016?

Fast beendet habe ich Der Himmel meines Großvaters von Stefan Hertmans. Ein beeindruckendes Buch, ursprünglich 2013 erschienen und von Ira Wilhelm aus dem Niederländischen übersetzt. Hier spürt der Autor der Lebensgeschichte seines Großvaters, dem Helden seiner Kindheit, anhand von Erinnerungen, Familienerzählungen und den vom Großvater selbst hinterlassenen Aufzeichnungen nach.

Wir folgen dem Leben eines einfachen Mannes, das in ärmlichen Verhältnissen begann, der Vater war Kirchenmaler, doch nie war genug Geld zum Sattessen da. Der Dreizehnjährige tritt seine erste Arbeitsstelle in einer Eisengießerei an. Eine grausame Maloche, bei der es zu Szenen kommt, die so fürchterlich sind, dass sie sich dem Leser auf die Netzhaut brennen. Schließlich der Wunsch des Jungen, beruflich in die Fußstapfen des Vaters zu treten und ebenfalls Maler zu werden. Und so wird die Malerei zu einem Trost und zu einer Leidenschaft, der er bis ins hohe Alter nachgehen wird.

Anschließend erlebt der junge Mann in den belgischen Schützengräben die Grausamkeiten und den geballten Irrsinn des Ersten Weltkrieges. Eine Liebesgeschichte deutet sich an und dann der dritte Teil, in dem die restlichen Jahrzehnte – für meinen Geschmack viel zu stark gerafft – gebündelt werden.

Das Ganze wird mit der Gegenwart verschränkt, der Spurensuche des Enkels, mit Betrachtungen zu den Bildern des Großvaters, Reflexionen über das Vergessen, das Erinnern und das unerbittliche Hinwegschreiten der Zeit über die Orte, die in einem Leben einstmals eine wichtige Rolle gespielt haben, doch heute nur noch Schnellstraßen, Wohnblocks oder Brachland sind.

In drei Worten: leise, bewegend und erhellend.

Siehe dazu auch den Beitrag von Volkmar Mühleis auf der Seite des Deutschlandfunk.

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7 Kommentare zu “Lesejahr 2016

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