Elizabeth Fair: A Winter Away (1957)

Heute gibt es einen schönen kleinen Schmöker, dessen Ton bereits auf der ersten Seite deutlich wird:

Maud had been in the house less than an hour, but she had already made out that Puppy and Wilbraham were alternative names for the same animal. He was Wilbraham to Cousin Alice and Puppy to Miss Conway. She had not seen him yet but she gathered from their talk that he was their joint property and that they had had him for seven years. Puppyhood must be far behind him, but perhaps he was exceptionally skittish for his age; or perhaps Miss Conway disliked being reminded of the passage of time. (S. 1)

Maud Ansdell, die gerade zwanzig geworden ist, zieht also als Untermieterin bei Alice, der älteren Cousine ihres Vaters, und deren 43-jähriger Gesellschafterin Miss Conway ein. Denn Cousine Alice hat Maud ihre erste Arbeitsstelle als Sekretärin bei Nachbar Marius Feniston vermittelt.

Feniston, der hinter seinem Rücken von allen nur „old M.“ genannt wird, ist ein wohlhabender und sehr durchsetzungsfreudiger älterer Herr.

‚My last secretary was thirty-five,‘ old M. said gloomily, ‚and no more sense than a child of ten. Or else she wasn’t all there. You all there?‘ he asked suddenly, giving Maud a searching look. ‚No banging your head on the table? No throwing the china at me? Hey?‘ (S. 18)

Sein prächtiges Herrenhaus lässt er aus Geiz vergammeln, mit seinem gut aussehenden Neffen hat er seit Jahren kein Wort mehr gewechselt und sein Sohn Oliver scheint auf den ersten Blick ein eulenhafter Langweiler zu sein.

Nach und nach gewinnt Maud eine Freundin und lernt mit old M. auszukommen. Sie muss sich nicht nur im komplizierten Geflecht zwischen Cousine Alice und Miss Conway, sondern auch im Durcheinander der kleinen dörflich geprägten Gemeinde zurechtfinden.

Aber das Entscheidende an dem Buch ist ohnehin nicht der Inhalt, sondern die Art und Weise, wie uns hier ein kleines Stückchen Welt präsentiert wird.

Liebenswürdig und mit feinen Charakterschilderungen von Menschen, die wir mit ihren kleinen und größeren Schrullen sofort wiedererkennen. Dabei werden allerdings die Abgründe, die die Protagonisten bei sich selbst nicht wahrhaben wollen, nicht verschwiegen.

Fairs Humor, der nie ins Alberne abrutscht, kommt besonders in den Dialogen zum Tragen und sie hat die Fähigkeit, aus wirklich unbedeutenden Geschehnissen großes Kino zu machen.

Als Maud bei Nachbarn Zeuge eines völlig harmlosen Unfalls wird, entsteht in beinahe loriothafter Zwangsläufigkeit eine Kettenreaktion, die mit den Worten endet:

Explanations must wait till the morning, Cousin Alice had insisted. As it was they had been up half the night, calming Miss Conway, removing thorns from her person and sponging her scratches, and persuading her to accept a hot-water bottle, a glass of hot milk, and three biscuits.
‘I’m perfectly all right.’ Miss Conway had repeated frequently, though even to Maud’s eyes she looked all wrong.

Kurzgesagt: Kein großer gesellschaftskritischer Roman, keine Lektüre, nach der ich die Welt anders sehe. Und selbst in den fünfziger Jahren, in denen Elizabeth Fair ihre sechs kleinen Romane veröffentlichte, dürften ihre Bücher schon ein bisschen provinziell-idyllische Patina gehabt haben.

Also kein Fünf-Gänge-Menü, sondern eher so ein fluffig-luftiger Schokoladenpudding oder wie die Lieblingsstrickjacke. Aber manchmal muss es eben unbedingt ein Schokoladenpudding sein.

Und ich habe es bedauert, als dieser kleine, feine Roman von 221 Seiten, der mich abwechselnd an Jane Austen, Barbary Pym und Alexander McCall Smith erinnerte, schon zu Ende war.

BOOK SNOB ging es anscheinend ganz ähnlich:

…this is a hilarious, witty and wonderfully warm story about a number of misfits whose convergence in a corner of rural Dorset leads to just the sort of trifling yet utterly absorbing events that make up the often ridiculous course of everyday life. This is the perfect antidote to current affairs: it’s light and wonderfully funny, but also very well written and sensitively observed. I adored every moment, and felt quite bereft at leaving the world of the characters behind.

Ich vermute, dass die Autorin, die 1997 verstarb, nach 1960 keinen Roman mehr veröffentlicht hat, weil sich dann Verleger- und Publikumsgeschmack doch grundsätzlich wandelten. Umso schöner, dass ihre sechs Romane nun neu aufgelegt wurden.

Nachtrag

The Native Heath (1954) war mir zu glatt, zu harmlos.

Der letzte Roman der Autorin The Mingham Air (1960) hatte deutliche Schwächen. Nicht alle Figuren waren organisch in die Handlung integriert. Das Buch wirkte wie aus Einzelteilen zusammengeschustert.

Mit Seaview House (1955) und Landscape in Sunlight (1953) gab es aber wieder uneingeschränktes Lesevergnügen.

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