Nathaniel Hawthorne: Das Haus mit den sieben Giebeln (OA 1851)

Es missfällt einem Autor sehr, der sich bemüht, die Natur in all ihren Erscheinungsformen und Umständen mit realistischem Strich und in den echten Farben darzustellen, dass die reinste Erhabenheit, die sich im Leben finden lässt, hoffnungslos mit so viel Gewöhnlichem und Lächerlichem vermischt ist. Wie können wir etwa einer solchen Szene tragische Würde verleihen! Wie bringen wir es fertig, unserer Geschichte von der Sühne für einstige Sünde Größe zu verleihen, wenn wir gezwungen sind, als eine der Hauptfiguren nicht etwa eine junge, hübsche Frau – ja nicht einmal eine einstige Schönheit, würdevoll gramgebeugt – zu präsentieren, sondern eine hagere Jungfer mit fahlem Taint und knarrenden Gelenken, im Seidenkleid mit hoher Taille und einem monströsen Turban auf dem Kopf. […] Und ist es wirklich die Tragik ihres Lebens, wenn sie nach sechzig Jahren Untätigkeit mit der Eröffnung eines Kramladens ein besseres Auskommen sucht? Doch wenn wir die Heldengeschichten der Menschheit anschauen, finden wir überall diese Vermischung des Gewöhnlichen und Banalen mit den edelsten Gefühlen der Freude oder des Leids. Das Leben besteht aus Marmor und aus Dreck. Und wäre unser Vertrauen in ein allumfassendes Erbarmen über uns nicht stärker, würden wir wohl mit gutem Grund ein beleidigend höhnisches Grinsen und eine grimmige Fratze im ehernen Antlitz des Schicksals vermuten. Die Gabe des Dichters besteht darin, in diesem Reich der sonderbar verworrenen Elemente Schönheit und Erhabenheit zu entdecken, die ein so schäbiges Kleid tragen müssen. (zitiert nach der Irma Wehrli übersetzten Ausgabe des Manesse Verlages, 2004/2014, S. 62 – 63)

So weit zu der bedauernswerten Hepzibah, der ärmlichen Bewohnerin des uralten Hauses, und einigen poetologischen Gedanken, mit denen Nathaniel Hawthorne in seinem amerikanischen Klassiker Das Haus mit den sieben Giebeln die Leser traktiert. Die Originalausgabe erschien 1851.

Auf Sätze & Schätze erschien unlängst eine informative und lesenswerte Besprechung zu diesem Werk, sodass ich mich hier zu meiner und eurer Freude kurz fassen kann.

Mir ging es ganz anders als Birgit: Dieses Buch und ich sind keine Freunde geworden. Statt mich gepflegt zu gruseln, die Geister des Hauses zu spüren oder wenigstens in irgendeiner Weise Anteil am Schicksal der Protagonisten zu nehmen, beschlich mich eine Düsternis ganz anderer Art: Ich habe mich entsetzlich gelangweilt, die Seiten blätterten sich immer langsamer um, bis ich mich völlig ermattet dabei ertappte, nur noch querzulesen.

Der Erzähler musste sich immer wieder in den Vordergrund drängen und mir viel zu viel erklären anstatt es anschaulich zu machen, und die Handlung schlurfte so unentschlossen zwischen Motiven der Gothic Literature, feineren Pinselstrichen und aufdringlichen Erzählerkommentaren dahin, dass ich schließlich nicht anders konnte, als das Buch zur Seite zu legen.

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5 Kommentare zu “Nathaniel Hawthorne: Das Haus mit den sieben Giebeln (OA 1851)

    • Da hast du bestimmt recht. Aber hier war meine Motivation, dass ich eine sehr schöne gebundene Ausgabe aus dem Manesse Verlag gefunden habe, während mir die englischsprachigen Ausgaben nicht zusagten.

      • Danke für die Antwort. Hübschen Ausgaben kann frau manchmal einfach nicht widerstehen! Meine Frage bezog sich nicht speziell auf Hawthorne, sondern war eher generell gemeint. Seit einigen Jahren versuche ich, Bücher im Original zu lesen. Manchmal würde ich gerne zum Vergleich die Übersetzung lesen, aber meine Leseliste ist sowieso schon so lang, ich würde nie Fortschritte machen!

      • Ich lese auch die engl. Originalausgaben definitiv lieber, aber das ist auf einem deutschsprachigen Buchblog auch manchmal von Nachteil, da vielleicht nicht alle so gern die englischsprachigen Zitate lesen. Und im nächsten Leben lerne ich mehr Fremdsprachen 🙂 LG, Anna

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