Fundstück von George Gissing

Er hätte keiner Frau der Welt volles Vertrauen entgegenzubringen vermocht. Frauen waren in seinen Augen auf ewig unmündige Wesen. Nicht daß man ihnen dabei unbedingt Böswilligkeit unterstellen mußte; sie waren einfach außerstande, erwachsen zu werden, blieben ihr Leben lang unvollkommene Geschöpfe, befanden sich ständig in Gefahr, hereingelegt zu werden und, naiv wie sie waren, vom rechten Weg abzukommen. Davon war er überzeugt; er hingegen repräsentierte den männlichen Beschützer, den Besitzer einer Ehefrau, der seit Urzeiten gewissenhaft dafür Sorge trägt, daß eine Frau nicht über das Stadium der Unreife hinauswachse. Das Erbitternde an seiner Situation lag in der Tatsache, daß er eine Frau geheiratet hatte, die darauf bestand, von ihm als Mensch betrachtet zu werden.

aus: George Gissing: Die überzähligen Frauen (OA 1893), S. 243

Autor: buchpost

- mein buchregal: schon lange ein gegengewicht zu beruf und engstirnigkeit - ziele: horizont weiten, mich vergnügen und das wichtige behalten

4 Kommentare zu „Fundstück von George Gissing“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s