Bloggen für Dummies

Es führt ja kein Weg an der Einsicht vorbei, dass man, wenn man über Bücher bloggen möchte, sich einige Regeln zu Herzen nehmen sollte.

  1. Konzentriere dich auf bestimmte Themen, bestimmte Genres, Epochen, Länder oder Schriftsteller. Springe keinesfalls von AutorInnen, die niemand kennt und niemand kennen lernen möchte, zu Titeln, die jeder schon kennt und über die folglich auch kein Mensch mehr etwas lesen will.
  2. Schreibe nichts zu einsamen mittelalterlichen Damen  und nerv deine LeserInnen nicht mit eher abseitigen Interessen.
  3. Bringe nicht dauernd englische Zitate. Ich will schließlich auch keine Texte lesen, die von französischen oder italienischen oder chinesischen Textstücken wimmeln.
  4. Plane deine Lektüre vorausschauend. Durchforste die Verlagsvorschauen schneller als alle anderen und sei die erste, die zu der herausragenden Neuerscheinung etwas schreibt.
  5. Verschweige, dass du auch mal zur Erholung liest. Also nichts Seichtes, Leichtes, Fluffiges. Es muss immer um das noch nie Dagewesene, so noch nie Gedachte und Geschriebene gehen. Sei gesellschaftlich relevant. Der Blog ist dein intellektuelles Aushängeschild.
  6. Lies NIE 16 Bände einer hübschen Krimireihe hintereinander. Da bloggst du nur über den ersten Band und dann? Das kostet viel zu viel Lesezeit. Außerdem: siehe Regel 5.
  7. Sei straff organisiert. Veröffentliche neue Beiträge nach Plan, einmal wöchentlich. Am besten zu einer festen Uhrzeit.
  8. Schaue dreimal täglich, wie sich deine Aufrufzahlen entwicklen. Sollte die Tendenz nicht zufriedenstellend sein, frage deine Follower, was sie sich von dir wünschen.
  9. Vernetze dich laut und sichtbar, auf allen möglichen Kanälen, aber vorzugsweise mit den intellektuellen, den relevanten, den echten Influencern, denen mit Reichweite. Denen sagst du auch, wie toll du sie und ihre Beiträge findest.
  10. Lies grundsätzlich keine Bücher mit mehr als 500 Seiten. Die Biografie zu Vincent van Gogh von Steven Naifeh und Gregory White Smith? Über tausend Seiten? Auf gar keinen Fall. Deine LeserInnen denken, du bist ausgewandert, an der Spanischen Grippe erkrankt oder von Außerirdischen entführt, weil sich auf deinem Blog nichts mehr regt.

Solltet ihr noch weitere Regeln ergänzen wollen, bitte gern.

Nachtrag: Wunderbar, hier sind weitere Tipps für Dummies:

  1. Vergiss, dass Du ursprünglich mit dem Bloggen begonnen hast, weil Du so viel Spaß am Lesen hattest – es ist harte Arbeit und muss mit Ernsthaftigkeit betrieben werden. (von Niamh O’Connor)
  2. Wage es bloß nicht, dich intensiv mit einem (Sachbuch-) Thema zu beschäftigen und das auch noch für längere Zeit. Wenn schon jemand den kostenlosen Content liest, den du bereitstellst, dann hat er Anspruch auf Abwechslung. (von Nomadenseele)
  3. Platziere deine Bücher in möglichst schöner Umgebung und stelle sie fotogen zur Schau. Verwende am besten einen fancy Instagramfilter und deine Followerzahlen gehen durch die Decke. (von Marc)
  4. Melde dich wortreich ab, wenn du mal eine Woche keine Zeit (oder – ganz verwerflich – keine Lust) zum Bloggen hast. Bitte um Nachsicht und fordere die gerechte Strafe, denn sonst springen deine Leser sofort ab. (von Petra Wiemann, leicht verschärft)

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Autor: buchpost

- lesen: schon lange ein gegengewicht zu beruf und engstirnigkeit - blog : inhalt meines buchregals - ziele: horizont weiten, mich vergnügen und das wichtige behalten

40 Kommentare zu „Bloggen für Dummies“

  1. … und ich hätte so gern mal eine mitreißende Rezension zu einer ‘einsamen mittelalterlichen Dame’ gelesen, deren Geschichte zwischen zwei Buchdeckeln niedergeschrieben ist. 😉

  2. Köstlich, liebe Anna! Warum nur muss ich bei deinem Regelwerk an Tucholskys Ratschläge für einen schlechten Redner denken? 😉 Deine Fotos sind wunderschön, ganz besonders das erste mit seinem zarten Schwung!

  3. Hallo Maren, dass du bei meinen Zeilen an Tucholsky denkst, ist ja reizend. Und wie schön, dass dir der zarte Schwung gefällt 😎. Wünsche dir einen gemütlich-angenehmen Abend. LG, Anna

    1. Nun, da wir ja alle überlegen müssen, womit wir unsere Zeit verbringen wollen, ist das vielleicht auch legitim. Freue mich, aufgrund deines Kommentars deine Blogs entdeckt zu haben. LG, Anna

      1. Schön. 😊 Ich kann nur besprechen, was ich lese – und das richtet sich inzwischen nicht mehr unbedingt nach Aktualität, wiewohl ich sehr wohl alle halben Jahre die Verlagsvorschauen sichte und entsprechend einkaufe. 😉

  4. Autsch, nee. Soll doch jede/r lesen und bloggen, was sie oder er will: Für jeden Topf findet sich ein passender Deckel, mindestens. Wer Profirezensent/in werden möchte, kann doch bitte gleich an entsprechenden Stellen anfangen. Ich bin für Wildwuchs 😉

  5. Ich fand die ersten paar Punkte komisch, schäme mich jetzt aber, dass ich die Ironie später erkannt habe, als es mich schlau erscheinen lassen kann. Bin also an die richtige Überschrift (Dummies) geraten.
    Danke für das Lächeln, dass du mir bereitet hast.

  6. Irgendwie fehlt noch ein Ratschlag: Platziere deine Bücher in möglichst schöner Umgebung und stelle sie fotogen zur Schau. Verwende am besten einen fancy Instagramfilter und deine Followerzahlen gehen durch die Decke.

  7. Herrlich! Was mir noch einfiel: Melde dich ab, wenn du mal ne Woche keine Zeit (oder gar keine Lust) zum Bloggen hast. Sonst springen deine Leser ab, weil auf deinem Blog nichts passiert.

    1. Freut mich, wenn ich dich zum Lachen bringen konnte 🙂 Und ja, ich bringe weiterhin chinesische Zitate von mittelalterlichen Damen. Ich bin da unverbesserlich.

      1. Ich freue mich darauf! Man kann gar nicht genug mittelalterliche Zitate chinesischer Damen in England in petto haben. Ohne das kommt man schlichtweg nicht gut durchs Leben.

  8. Sehr schön, liebe Anna. Mit Ausnahme der englischen Zitate und der 16-teiligen Krimiserie habe ich jeden Fehler schon mindestens einmal gemacht. Und ich wundere mich schon über meinen mageren Erfolg. Nun weiß ich Bescheid 🙂 🙂 :-).
    Liebe Grüße, Claudia

  9. Tja… beim Reisebloggen manchmal ähnlich: Mach dies, tu das… bedien eine Nische blablalba… mag keine Nische bedienen. Ich schreibe,worüber ich gerade Lust habe

  10. Wage es bloß nicht, dich intensiv mit einem (Sachbuch-) Thema zu beschäftigen und das auch noch für längere Zeit. Wenn schon jemand den kostenlosen Content liest, den du bereit stellst, dann hat er Anspruch auf Abwechslung.

      1. Das ist mir wirklich schon passiert. Nachdem ich es gewagt habe, zu versuchen, Wirtschaftsprozesse wenigstens im Groben zu verstehen, wurde gejammert, ich könnte mit diesbezüglichen Buchvorstellungen nun mal aufhören.

      2. Überhaupt, Sachbücher sind böse. Ich kenne einen Leser (Zumindest denke ich das, da der Betreffende aus einem recht seltenen Land kommt), der sich kaum noch blicken lässt, weil ich viel zu viele Sachbücher rezensiere. Dabei ist doch nur Belletristik, und zwar möglichst seicht, das einzig Wahre… )

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