Gastbeitrag: Anna Gavalda: 35 Kilo Hoffnung (frz. OA 2002)

Buchpost bekommt Verstärkung!

Und so stellt uns Klaus heute das bislang einzige Jugendbuch von Anna Gavalda vor, das von Ursula Schregel ins Deutsche übersetzt wurde.

In dem Roman beschreibt der 13-jährige David Dubosc das Drama seines Lebens. David ist ein Schulversager, der bereits zweimal sitzengeblieben ist, im Sportunterricht avancierte er zum Klassenclown und musste darum die Schule verlassen.

Nicht schwer sich vorzustellen, dass David alles in allem ein unglückliches Kerlchen ist. Dass seine Eltern nicht gut miteinander klarkommen, ist offensichtlich. Und David stellt sich die Frage, ob seine schlechten Leistungen in der Schule mit den Streitereien seiner Eltern zu tun haben.

Das Leben wäre wirklich zu grausam, gäbe es nicht noch Großvater Léon. Ein alter Ingenieur, ein Bastler, ein Versteher, ein Motivator, ein Rettungsanker. Wenn David mit seinem Großvater in dessen Bastelschuppen verschwinden kann, ist die Welt in Ordnung. Denn im Gegensatz zu seinem theoretischen Versagen ist David handwerklich ein Ass. Er erfindet eine Bananenschälmaschine, verbessert das Bügelbrett seiner Mutter, repariert den Rasenmäher und hilft dem Nachbarn beim Renovieren des neu gekauften Nachbarhauses. Mit seinem Opa baut er einen Schrank.

Aber die Welt ist eben nicht nur Sommerferien und ein Bastelschuppen. Und Opa Léon ist außerdem ein kranker Mann. David wird schließlich in einem Internat untergebracht, weg von zuhause. Und als Opa Léon ins Koma fällt, gibt David auf einmal Gas: Er strengt sich an wie nie in seinem Leben. Alle Anstrengung, alle Kraft sendet er seinem Opa…

Das sind die Zutaten, aus denen Anna Gavalda ihre Geschichte webt. Die Autorin lässt ihre Hauptfigur jugendgerecht sprechen und nutzt dabei geschickt die Möglichkeiten einer Erzählerin. Zum Beispiel wenn David von seiner bislang einzig guten Lehrerbeziehung berichtet und diese Sequenz abschließt mit:

In mein Vorschulzeugnis hatte Marie geschrieben: ,Dieser Junge hat ein Gedächtnis wie ein Sieb, Finger wie eine Fee und ein riesengroßes Herz. Es müsste gelingen, etwas daraus zu machen.‘ Das war das erste und das letzte Mal in meinem Leben, dass ein Lehrer etwas Nettes über mich sagte.

Kein Pädagoge würde so schreiben. Und doch sind es solche Sätze, die mir das Buch wertvoll machen. Es ist diese leise Botschaft, dass es Wichtigeres geben kann als Leistung, Anpassung und Erfüllung von Erwartungen. Man kann diese Geschichte als Kritik an einem einseitigen Schulsystem lesen.

Für mich gewährt dieses schmale Büchlein darüber hinaus einen Blick in die französische Seele. Und vor allem setzt Anna Gavalda mit ihrer Figur David Dubosc diese unglaubliche Wahrheit um, dass die innige Verbindung zwischen zwei Menschen schier Unmögliches bewirken kann. Und diese Erkenntnis ist für Gavaldas Leser nicht allein durch die Brille dieses heranwachsenden Jungen beschrieben, sondern mitten durch sein Herz. Anna Gavalda macht einen entscheidenden Reifungsschritt nicht nur sichtbar, sondern auch erlebbar.

Nach 85 Seiten hatte ich den Eindruck, einen ganzen Roman gelesen zu haben. Meiner Frau habe ich einmal gesagt, zu diesem Büchlein gibt es so viel zu sagen, ich könnte einen ganzen Abend damit füllen. Ob das stimmt, ist allerdings eine Frage für sich.

Eine andere Frage soll hier aber doch noch beantwortet werden, nämlich wer hier heute für uns geschrieben hat:

Ich bin Klaus. Ich lese gern und schreibe gern. Schreiben ist ja eine gute Form des Nachdenkens. Und hin und wieder spreche ich mit Anna über Bücher.

In meinem Arbeitsleben kümmere ich mich um pflegebedürftige Menschen. Alles, was mit der Organisation für diese Arbeit zusammenhängt, kommt bei mir an.

Die Fähigkeit, einen Blog aufzubauen, fehlt mir komplett. Und wenn ich meine Begabungen mit der Fotokamera beschreiben soll, dann am treffendsten so: Wenn ich einen Sonnenuntergang fotografieren soll, ist es finsterste Nacht, ehe ich zum ersten Mal den Auslöser drücke.

Darum bin ich dankbar, dass meine schriftlichen Produkte hier hin und wieder erscheinen dürfen.

Autor: buchpost

- lesen: schon lange ein gegengewicht zu beruf und engstirnigkeit - blog : inhalt meines buchregals - ziele: horizont weiten, mich vergnügen und das wichtige behalten

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