Fundstücke von Martin Luther

Doktor Martinus Luther riet allen Studenten, gleich welcher Fakultät, bestimmte gute Autoren beständig zu lesen. Einen guten Schriftsteller aber solle man sich durch immer erneutes Lesen so vertraut machen, daß  man gleichsam in sein Fleisch und Blut verwandelt werde. Denn vielerlei Verschiedenes lesen bringt mehr Verwirrung, als daß man wirklich etwas daraus lernt. Denn wenn einer überall zu Hause ist, der erreicht damit nur, daß er nirgends richtig zu Hause ist. Und wie wir in der menschlichen Gesellschaft nicht an jedem Tag alle Freunde um uns zu haben brauchen, sondern nur einige wenige, dafür aber auserlesene, so soll man sich auch an die besten Bücher, und zwar an wenige und auserwählte halten.

aus: Martin Luther: Tischreden, Reclams Universalbibliothek Nr. 1222, 1981, S. 12/13

Und auf S. 13 heißt es außerdem:

Luther beklagte einmal die Menge der Bücher und Schriftsteller, weil uns ein unendliches Meer von Büchern bevorstehe. Denn jeder beliebige schreibe seiner Anmaßung entsprechend ein Buch, andere förderten solch Übel um der Gewinnsucht willen.

Das ist also kein neues Phänomen …

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Autor: buchpost

- lesen: schon lange ein gegengewicht zu beruf und engstirnigkeit - blog : inhalt meines buchregals - ziele: horizont weiten, mich vergnügen und das wichtige behalten

10 Kommentare zu „Fundstücke von Martin Luther“

  1. Erlesene Zitate für Leser*innen!
    Was lesen? Die Tischreden waren wohl auch fürsorglich an die dort verköstigten Studenten gerichtet.
    Wiewohl Luther die Rhetroik, Logik und Poetik von Aristoteles beibehalten wollte, schrieb er im Brief „An den christlichen Adel deutscher Nation“ gegen Aristoteles‘ Physik, Metaphysik, De anima (Seele) und Ethik. Sein reformatorischer Partner Philipp Melanchthon hat sich gleichwohl damit befasst.
    Daraus bleiben für mich Leseverbote oder Lesewarnungen zurück hinter Lesehinweisen und Leseanreizen.
    Vielen Dank und Grüße

  2. Liebe Anne,
    es gibt solche Klagen, die wohl ganz locker die Jahrhunderte überdauern. Wie die „vom unendlichen Meer von Büchern“. Aber Luther scheint ja auch eine – durchaus kapitalismuskritische – Erklärung zu haben: „Denn jeder beliebige schreibe seiner Anmaßung entsprechend ein Buch, andere förderten solch Übel um der Gewinnsucht willen.“ Wie schön, dass sich dieses Übel immer noch hält und uns so eine bunte Mischung an Geschichten bietet. Da ist dann bestimmt für jeden Geschmack etwas dabei. Nur die Leszeit ist manchmal zu kurz…
    Augenzwinkernde Grüße, Claudia

    1. Hallo Claudia,
      ja, dieses Meer hält tatsächlich für jeden etwas bereit. 🙂 Doch hin und wieder beschleicht mich schon der Eindruck, dass es zu viel des Guten ist und ich mich kaum entscheiden kann, dazu noch die Zeit, die natürlich nie ausreicht. Vielleicht müsste ich einfach weniger bunt durcheinander lesen, mich stärker fokussieren, allerdings weiß ich auch, dass das für mich unrealistisch ist…
      Bei Luther musste ich noch daran denken, dass es zu seiner Zeit nicht nur weniger Bücher gegeben hat, die man vermutlich erkenntnisorientierter las, sondern auch viel, viel weniger Menschen, die überhaupt des Lesens mächtig waren, und trotzdem stöhnt er.
      Liebe Grüße
      Anna

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