Fundstück von Leonardo Padura

Wenn er dann an einem so heißen Morgen wie diesem auf die Straße trat, im Mund den einsamen Kaffeegeschmack, ohne den Abschiedskuss einer Frau hinter sich oder irgendein erfreuliches Ereignis in naher Zukunft vor sich, das ihn wie ein Magnet angezogen hätte, dann fragte er sich, ob er überhaupt noch einen Grund hatte, seine Uhr aufzuziehen oder den Wecker zu stellen, wo doch die Zeit genau das war, was seine Leere am objektivsten zum Ausdruck brachte. Und weil er keinen überzeugenden Grund dafür fand – Pflichtgefühl? Verantwortungsbewusstsein? Die Notwendigkeit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen? Bewegung der trägen Masse? -, fragte er sich immer wieder, was er hier eigentlich machte, auf dem Weg zur Bushaltestelle, zu der Schlange, die jeden Tag länger und brutaler wurde, eine Zigarette rauchend, die ihm die Eingeweide zerfraß, inmitten einer Menschenmenge, die ihm immer fremder war, unter der Hitze leidend, die mit jeder Minute unerträglicher wurde.

aus: Leonardo Padura: Labyrinth der Masken, Unionsverlag 2005, S, 25

Das Original, der erste Band des Havanna-Quartetts, erschien 1997.

Autor: buchpost

- mein buchregal: schon lange ein gegengewicht zu beruf und engstirnigkeit - ziele: horizont weiten, mich vergnügen und das wichtige behalten

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