Richard Osman: The Thursday Murder Club (2020)

Für Mai 2021 ist die deutsche Übersetzung des herrlich schrägen und absolut filmreifen Krimis The Thursday Murder Club (2020) von Richard Osman angekündigt, auch wenn sich mir nicht erschließt, warum aus dem englischen Thursday im Deutschen dann der Montagsmordclub werden muss, aber das nur am Rande.

Die Ausgangslage ist erfrischend anders: Elizabeth, Ron (ehemals Gewerkschafter), Ibrahim (Psychiater im Ruhestand) und Joyce (ehemalige Krankenschwester) sind rüstige Senioren jenseits der 70 und wohnen in einem luxuriösen Seniorenzentrum in Kent auf dem Gelände eines ehemaligen Klosters (Swimmingpool, Bibliothek und Zumba inclusive).

Donnerstagabends treffen sich die Herrschaften, um ungeklärte Kriminalfälle aus der Vergangenheit aufzurollen. Das Ganze ein intellektueller Zeitvertreib. Begonnen hatte es damit, dass Penny, ehemalige Ermittlerin und ebenfalls Mitglied im Donnerstagsclub, bei ihrer Pensionierung unerlaubterweise Akten solcher Cold Cases mitgenommen hatte. Doch inzwischen ist Penny schwer dement und liegt schon seit längerem im der benachbarten Krankenstation der Einrichtung.

Doch dann, wie könnte es anders sein, wird tatsächlich jemand umgebracht, und zwar der Unsympath Tony Curran, frisch gefeuerter Geschäftspartner des Investors Ian Ventham, der gleich neben dem Seniorendorf eine weitere Anlage bauen lassen will.

Natürlich ist die Seniorentruppe auf die Zusammenarbeit mit der Polizei angewiesen. Erste Kontakte werden geknüpft, als die neue Polizistin Donna den üblichen Vortrag über Sicherheitsfenster etc. halten will. Die alten Herrschaften machen Donna mit Charme  und Beharrlichkeit schnell klar, dass sie nichts mehr darüber hören wollen, dass man sich den Ausweis des Stromablesers zeigen lassen solle, erstens könnten einige sowieso nicht mehr so gut sehen und überhaupt:

I’d welcome a burglar. It would be nice to have a visitor. (S. 9)

Donna freut sich, dass sie keinen langweiligen Vortrag halten muss und so beginnt eine ungewöhnliche und keinesfalls unproblematische Zusammenarbeit.

Osman schafft es, hier so viele Handlungsfäden zu verwickeln, aufzudröseln, nur um sie gleich wieder anders zu verknoten, dass es eine wahre Freude ist. Selbst wenn es gegen Ende auch ein Faden weniger hätte sein dürfen, auch ein Quentchen weniger Melodramatik an einer Stelle wäre in Ordnung gewesen. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Osman hat hier eben keinen Klamauk raus. Er nimmt seine Figuren ernst, die Einsamkeit, die Traurigkeit der Verwitweten und das Wissen der Alten darum, dass man sich auf der letzten Strecke des Lebens befindet, grundieren das Buch und erden es.

Außerdem gefiel mir, wie auch Donna und ihr Chef Chris mit ihren privaten Sorgen und Ängsten geschildert werden. Und wer in seinen Krimis keine unappetitlichen Splatterszenen lesen möchte, ist hier ebenfalls gut aufgehoben.

Gleichzeitig ist das Buch hinreißend komisch und dazu ein echter Krimi, der immer neue Haken schlägt. Also, unbedingte Schmökerempfehlung.

Die Kritiker sind begeistert und, kein Wunder,  die Filmrechte wurden bereits an Steven Spielberg verkauft.

 

Autor: buchpost

- mein buchregal: schon lange ein gegengewicht zu beruf und engstirnigkeit - ziele: horizont weiten, mich vergnügen und das wichtige behalten

7 Kommentare zu „Richard Osman: The Thursday Murder Club (2020)“

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