Robert Barnard: Sheer Torture (1981)

Sheer Torture des britischen Englischprofessors Robert Barnard (1936 – 2013) ist ein vergnüglicher Auftakt zu der Serie um den Ermittler Peregine „Perry“ Trethowan. Perry ist alles andere als entzückt, ausgerechnet in einem Mordfall tätig werden zu müssen, in dem sein eigener Vater das Opfer ist.

Nicht aus Trauer oder Betroffenheit, sondern weil er seiner schauderhaften Familie und seinem Vater, der nie einen Hehl aus seinen sadomasochistischen Neigungen gemacht hat, schon als junger Mann den Rücken gekehrt hat. Doch das hilft nun alles nichts. Sein Vorgesetzter beordert Perry zurück ins Herrenhaus der Familie, zurück zu seiner Schwester, den zwei bizarren Tanten – von denen eine ihre jugendliche Verehrung für Hitler immer noch glücklich vor sich herträgt-, dem reichen Onkel und zwei Cousins sowie einer Schar unerzogenener und ständig schreiender Gören.

Zu allem Überfluss lädt sich auch noch Jan, die Ehefrau Perrys, selbst zu dem Familientreffen ein, und dabei war Perry so froh, sie seit Jahren von seiner Sippe ferngehalten zu haben.

Robert Barnards Dialoge sind schlagfertig, es gibt Tempo, Witz und Spannung, sodass sich das Buch über weite Strecken wie ein Krimi des Golden Age liest – Barnards großes Vorbild war Agatha Christie – und man sich zwischendurch wundert, durch die Seitenhiebe auf Mrs Thatcher daran erinnert zu werden, dass die Handlung doch in den achtziger Jahren spielt.

Aus derselben Reihe las ich auch The Case of the Missing Brontë. Da kann man dann zeitgleich Spaß an Krimis mit seiner Freude an den Geschwistern Brontë kombinieren. Es geht um ein (mutmaßliches) Manuskript, das die reizende pensionierte Lehrerin Edith Wing von ihrer Cousine geerbt hat und natürlich für Tunichtgute aller Art eine finanzielle Verlockung sondergleichen darstellt. Darüberhinaus bekommt noch ein bestimmter Typ an raffgieriger pseudofrommer Freikirche ihr Fett ab. Ebenfalls spannend, allerdings fehlen über weite Strecken die hübschen Schlagabtausche in den Dialogen.

Hier der kurze, aber informative Nachruf auf Barnard im Guardian.

a-Scotland0306

 

Autor: buchpost

- mein buchregal: schon lange ein gegengewicht zu beruf und engstirnigkeit - ziele: horizont weiten, mich vergnügen und das wichtige behalten

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