Fundstück von Margrit Baur über das Nichtstun

Nichtstun bedeutet: eine Weile alles lassen, wie es ist. Mit Ärger und Wut im Bauch ist es nicht zu machen. Voraussetzung ist ein bißchen Nachsicht: gegenüber sich und der Welt. Eine unmerkliche Verschiebung der inneren Gewichte. Weil die Sonne scheint. Weil ich gut geschlafen habe. Weil mir ein Satz geglückt ist. Da wächst hinter der Vorsicht ein schüchternes Vertrauen auf, und ich kann die Hände öffnen, alle Pläne fahrenlassen, stillhalten. […] Ich finde Nichtstun eine wunderbare Sache. Ein wenig wie Kopfstehen: die Perspektiven werden durcheinandergerüttelt, und wenn man wieder auf die Füße kommt, sieht alles anders aus. Und außerdem (aber vielleicht wäre das eine Hauptsache) enthält es einen Keim zum Aufruhr, da es sich wirtschaftlich nicht verwerten läßt.

aus: Margrit Baur: Überleben, Suhrkamp, Frankfurt 1981, S. 152

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Autor: buchpost

- mein buchregal: schon lange ein gegengewicht zu beruf und engstirnigkeit - ziele: horizont weiten, mich vergnügen und das wichtige behalten

2 Kommentare zu „Fundstück von Margrit Baur über das Nichtstun“

  1. Liebe Anna,
    was für ein schönes (und rebellisches) Zitat über das Nichtstun! Und dabei fällt es ja sooo schwer, nichts zu tun. Nicht mal eben die Mails anschauen, mal eben noch dieses oder jenes erledigen oder wegräumen, schnell noch das tägliche Workout gemacht und vor allem: die Achtsamkeitsmeditation.
    Und hoffentlich können wir bald mal wieder auf Stühlen in der Natur sitzen und aufs Wasser schauen.
    Viele Grüße, Claudia

    1. Hallo Claudia,
      ja, gerade zur Zeit finde ich das Nichtstun auch soo schwierig; dabei tut es not. Und aufs Wasser schauen, das wär schön. 🙂 Liebe Grüße und immer mal wieder Momente und Zeiten des schönen Nichtstuns. Anna

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