Elizabeth Bowen: The Hotel (1923)

She frowned at her own reflection: Was this what all these people really saw when they looked at her? She was accustomed to stare at people as from a point of vantage, forgetting she too had a face. They had thoughts, too (with these she often forgot to credit them); did they also think as they looked at oneself? (S. 23)

Bei The Hotel handelt es sich um den ein wenig spröden Debütroman der irischen Schriftstellerin Elizabeth Bowen (1899-1973), die u. a. mit Virginia Woolf befreundet war.

In einem Hotel an der italienischen Riviera verbringen einige britische Touristen zum Teil mehrere Wochen, wobei wir sie bei ihren Versuchen begleiten, die Zeit gepflegt und oft genug auch gelangweilt herumzubringen. Sie spielen Tennis, zeichnen ein wenig, beobachten einander, picknicken, gehen in die nächstgelegenen Cafés, tratschen, sind auf Brautschau und pflegen ihre Illusionen, wobei der kurzzeitige Ausfall des Hotelaufzugs für einige ein Ärgernis von unfasslicher Tragweite darstellt.

Einzelne halten sich für etwas Besseres und blicken auf die italienischen Angestellten des Hotels herab, als befände man sich höchstpersönlich im Dienste des Empires. Ältere verheiratete Männer träumen davon, noch einmal mit einer ganz jungen Frau ein Glück zu erleben. Und die zwei adligen Mrs und Miss Pinkerton sind einer Ohnmacht nahe, als ein Neuankömmling, Pfarrer Milton, in Unkenntnis der hotelinternen Absprachen, es wagt, ihr Bad und sogar ihre Badeschwämme zu benutzen.

Sleep, the uneasy sleep of daylight, had today been the refuge of many, for cold rain fell ceaselessly past the windows. It was a transparent rain without mist, like summer rain in England, through which trees and buildings for a great distance could be seen distinctly in a Japanese conventionality and flatness. Leaves and long palm-fonds shone and trickled. Curtailed in this pale gloom, the Hotel seemed permeated by a sense of the rain‘s despairing persistency, against which the reasonable conviction of visitors that the sun, bound by contract with the locality, must soon appear again put up cold walls around around the inward emptiness. In many rooms the tick of the travelling clocks, the stutter of rain along the balconies, were being listened to attentively. (S. 54)

Meine ursprüngliche Hoffnung, dass gerade das Gespinst an Verbindungen, zu denen so ein längerer Hotelaufenthalt doch führen könnte, sich als interessant erweist, erfüllt sich nicht. Stattdessen geht es immer ausschließlicher um Sydney, eine kluge junge Frau, die – sicherlich im Gegensatz zu den Gepflogenheiten der damaligen Zeit – studiert und nun der Einladung gefolgt ist, ihre ältere Cousine Tessa an die Riviera zu begleiten.

Sydney verbringt viel Zeit mit der von ihr verehrten, weltgewandten, ca. 40-jährigen Mrs Kerr, die sich im Laufe der Handlung als ausgesprochen manipulativ erweist. Die Freundschaft der beiden wird von den anderen Hotelgästen kritisch beäugt und als problematisch, ja als „unhealthy“ wahrgenommen. Doch als ihr 20-jähriger Sohn überraschend zu Besuch kommt, lässt Mrs Kerr Sydney schnöde fallen, vielleicht auch, weil sie sich ihrer Macht über Sydney zu sicher ist. Sydney ist daraufhin tief verletzt und desorientiert, was wiederum gravierende Folgen auch für weitere Hotelgäste hat.

Das Ganze wirkt klug beobachtet und wird nun nüchtern, distanziert und in langen Sätzen erzählt, ein wenig so, als ob man Insekten seziert. An keiner der Figuren habe ich wirklich Anteil genommen, was aber neben der Erzählweise auch daran liegen könnte, dass sich die meisten der ProtagonistInnen schon lange selbst abhanden gekommen sind, geht es doch vor allem um das Aufrechterhalten der Fassaden und darum, der Einsamkeit zu entfliehen.

As winter comes on with those long evenings one begins to feel hardly human, sitting evening after evening in an empty room. One can‘t always be going out or visiting people or inviting people to come to one. If I shut my drawing-room door, I begin to feel restless at once; it feels so unnatural shutting oneself in with nobody. If I open it, one hears the servants laughing, or something to worry one. I am fond of reading, but I always begin to feel that books are so bad; then of course I realize, well, it‘s not fair, is it, to expect a book to take the place of human society? […] Once I sat with the door open and, believe me, I could hear four different clocks ticking – I counted them – in different parts of the flat. It‘s not, of course, that I‘m nervous, but I really begin to feel – if you‘ll understand my saying anything so extraordinary – as if I didn‘t exist. If somebody does come to the door or the telephone does ring, I‘m almost surprised to find I‘m still there. One would go mad if one were not able to get abroad. (S. 63)

Die englische Wikipedia schreibt:

Bowen was greatly interested in „life with the lid on and what happens when the lid comes off“, in the innocence of orderly life, and in the eventual, irrepressible forces that transform experience.

Hier noch ein interessanter Blog-Eintrag zum Roman und Elizabeth Bowen.

Autor: buchpost

- mein buchregal: schon lange ein gegengewicht zu beruf und engstirnigkeit - ziele: horizont weiten, mich vergnügen und das wichtige behalten

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