Fundstück von Chimamanda Ngozi Adichie über das Trauern

Trauer ist ein grausamer Unterricht. Man lernt, wie hart Trauern sein kann, wie viel Wut darin steckt. Man lernt, wie nichtssagend Beileidsbekundungen sein können. Man lernt, wie sehr es bei Trauer um Sprache geht, um das Versagen der Sprache und die Suche nach den richtigen Worten. Warum sind meine Flanken so empfindlich und tun weh? Das kommt vom Weinen, wird mir erklärt. Ich wusste nicht, dass wir mit unseren Muskeln weinen. Der Schmerz ist keine Überraschung, aber seine Körperlichkeit ist es. […] Es ist ein Leiden nicht nur der Seele, sondern des Körpers. Fleisch, Muskeln, Organe, alles ist in Mitleidenschaft gezogen. Keine Körperhaltung ist bequem…

aus: Chimamanda Ngozi Adichie: Trauer ist das Glück, geliebt zu haben, Fischer Verlag, 2021, S. 11

Autor: buchpost

- mein buchregal: schon lange ein gegengewicht zu beruf und engstirnigkeit - ziele: horizont weiten, mich vergnügen und das wichtige behalten

2 Kommentare zu „Fundstück von Chimamanda Ngozi Adichie über das Trauern“

    1. Trauer wird in ihrer Wucht wohl nur von Menschen unterschätzt, die sie noch nicht erlebt haben oder die nicht mit der Trauer eines anderen konfrontiert werden wollen.

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