Louisa May Alcott: Little Women (1868/1869)

Das dürfte einer der seltenen Fälle sein, bei denen ich mir ein Buch nicht gekauft habe, weil ich so erpicht auf den Inhalt war – hatte ich dieses Mädchenbuch doch vor Jahrzehnten gelesen -, sondern weil mir eine so unglaublich ansprechend gestaltete Ausgabe der Annotated Books des Verlages W. W. Norton & Company auf der Frankfurter Buchmesse in die Augen gefallen war. Veröffentlicht wurde dieser Trumm, der mit seinen 736 Seiten über zwei Kilo auf die Waage bringt, 2015. Er ist dementsprechend unhandlich und schon deshalb nicht als leichte Gute-Nacht-Lektüre geeignet.

Louisa May Alcott (1832-1888), die zeitlebens davon träumte, irgendwann ein ernstzunehmendes Werk für Erwachsene zu schreiben, steht mit ihren Romanen um die March-Töchter Jo, Amy, Meg und Beth am Anfang der amerikanischen Mädchenliteratur. Der erste Teil der Trilogie wurde 1868/1869 veröffentlicht,  hat inzwischen Klassikerstatus, wird bis heute gelesen, verfilmt, als Musical auf die Bühne gebracht und wurde in -zig Sprachen übersetzt.

Kann man das heute noch lesen? Ja, ich finde schon, die Geschichte ist viel weniger eindimensional, als ich das in Erinnerung hatte. In diesem fiktiven Haushalt, der sich über große Strecken an das Leben Alcotts und ihrer drei Schwestern anlehnt, wird gelesen, Theater gespielt, den armen Nachbarn das eigene Frühstück gebracht, da arbeiten die zwei älteren Schwestern, um den stets klammen Familienfinanzen aufzuhelfen, denn der Vater kann seiner Familie kein geregeltes Einkommen bieten. Und was hätte sich bis heute an den individuellen Träumen und Eitelkeiten junger Mädchen geändert?

Meg’s high-heeled slippers were dreadfully tight, and hurt her, though she would not own it, and Jo’s nineteen hairpins all seemed stuck straight into her head, which was not exactly comfortable; but dear me, let us be elegant or die. (S. 39)

Die rührseligen und idealisierten Predigten der Mutter werden erträglich, da sich die Erzählerin immer wieder mit ironischen Seitenhieben einmischt. Amys erste künstlerische Gehversuche werden beispielsweise kräftig veralbert.

… and she daubed away, producing pastoral and marine views, such as were never seen on land or sea. Her monstrosities in the way of cattle would have taken prizes at an agricultural fair; and the perilous pitching of her vessels would have produced sea-sickness in the most nautical observer, if the utter disregard to all known rules of ship building and rigging had not convulsed him with laughter at the first glance. (S. 330)

Da wuppen die Töchter und ihre Mutter zusammen mit dem Dienstmädchen Hannah die ganze Arbeit und die Mutter ist durchaus in der Lage, allein die Verantwortung für die Familie zu tragen, während das männliche Familienoberhaupt den ersten Teil der Geschichte irgendwo als Geistlicher im Bürgerkrieg verbringt.

Und auch wenn mir die Mutter oft zu süßlich vollkommen war, vertritt sie Ansichten, die auch heute noch gelten und damals sicherlich auch auf Widerspruch gestoßen sind, z. B. sei es besser, glücklich und unverheiratet zu sein, als in einer unglücklichen Zweckehe leben zu müssen. Und zum Glück gehöre, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen. Das müsse nicht zwangsläufig im eigenen Heim geschehen. Und den Bräutigam suche man sich natürlich nicht des Geldes wegen aus und außerdem könne ein Mann erwarten, dass sich seine Frau auch für Dinge jenseits von Kleidern und Kindererziehung interessiere. Auch Frauen sollten intelligent über Politik sprechen können. Ehe sei eine Institution auf Augenhöhe. Und die Männer sollten bei der Kindererziehung miteinbezogen werden.

Immer wieder zeigt die Erzählerin in all der Idylle auch einen robusten Humor, der das Ganze wohltuend erdet. Als Professor Bhaer Jo zu Hause besucht und abends im Familienkreis ein gemeinsames Ständchen vorschlägt, heißt es nur:

‚You will sing with me; we go excellently well together.‘ A pleasing fiction, by the way, for Jo had no more idea of music than a grasshopper; but she would have consented, if he had proposed to sing a whole opera, and warbled away, blissfully regardless of time and tune. (S. 581)

Was aus heutiger Sicht besonders aus der Zeit gefallen wirkt, ist das Loblied auf die Familie, man hilft einander, verzeiht einander, vertraut einander. Und vor allem: Man erzieht seine Kinder zu bestimmten Tugenden und steht zu seinen Wertvorstellungen der Nächstenliebe. Ja, Charakterbildung sei gar ein lebenslang andauernder Teil der Persönlichkeitsentwicklung. Bei den Diskussionen, die ich gerade mit Schülern zu der Frage führe, weshalb man das Video des australischen Terroristen, der in Neuseeland 50 Menschen ermordet hat, nicht anschauen sollte, frage ich mich manchmal, wie vielen Eltern eigentlich bewusst ist, dass Werteerziehung auch zu ihren Aufgaben gehört.

Doch hätte ich das Buch hier auf dem Blog vielleicht gar nicht erwähnt, ja, ich hätte es vermutlich nicht noch einmal gelesen, wäre es mir nicht in dieser speziellen Ausgabe begegnet. Bei dem 20-seitigen Vorwort, dem 41-seitigen Lebensabriss der Autorin und den zahllosen Erläuterungen, die sich jeweils links und rechts am Textrand befinden, war ein Kenner am Werk, nämlich John Matteson, ein Professor, der 2008 für seine Alcott-Biografie den Pulitzer Prize gewonnen hat.

Sowohl Vorwort, Lebenslauf als auch die Anmerkungen zum zeitgeschichtlichen Hintergrund helfen, vieles besser einordnen zu können und sich auch vor der ein oder anderen Fehlinterpretation zu hüten. So kommt dem modernen Leser das Buch mit seinen Bezügen zu Bunyans Pilgrim’s Progress sehr stark christlich geprägt vor, die Zeitgenossen bemängelten aber, dass das Buch sich eben nicht genügend auf die Religion beziehe, zumal Alcott einiges diametral entgegengesetzt zu Bunyans Pilgerreise gestalte.

Wir erfahren, dass Jo, in der Alcott sich selbst porträtierte, nach dem Willen der Autorin nicht hätte heiraten sollen, doch da machte ihr ihr Verleger einen Strich durch die Rechnung. Die LeserInnen forderten sehr ungestüm ein, dass Jo ihren Jugendfreund Laurie heiraten müsse. Dem jedoch verweigerte sich Alcott. Also musste ein „unmöglicher“ Bräutigam her, doch auch den schlossen die LeserInnen ins Herz.

Neben zeitgenössischen Rezepten, Liedern, Gedichten und Erläuterungen zu den zahlreichen literarischen Verweisen im Buch, die den Anspruch „normaler“ Jugendbücher weit hinter sich lassen, finden sich viele Hinweise darauf, wo die Geschichten von der autobiografischen Vorlage abweichen und wo Alcott ihre jungen Leserinnen vor gar zu realistischen Härten des Lebens verschonen wollte. Der Tod Beths im Buch wird abgemildert und verklärt, nichts im Gesicht der Verstorbenen deute mehr auf die lange Leidenszeit hin. Doch im Tagebuch der Autorin klingt das nach dem Tod ihrer Schwester ganz anders:

What she had suffered was seen in the face, for at twenty-three she looked like a woman of forty, so worn was she, all her pretty hair gone. (S. 539)

Matteson hilft uns, die Brücke in die Vergangenheit zu schlagen und den Hintergrund, vor dem das Werk entstand, besser zu verstehen. Alcotts Vater beispielsweise, wahlweise ein Träumer und Phantast und in manchen Dingen seiner Zeit um Jahrzehnte voraus, aber auch jemand mit klaren Wertvorstellungen, führte kurzzeitig eine halbwegs florierende Schule. Man erzählte sich von ihm, dass ihm körperliche Züchtigung seiner Schüler zuwider war. Als er sich bei zwei aufmüpfigen Schülern nicht anders zu helfen wusste, befahl er ihnen, ihn, den Lehrer, mit dem Lineal zu schlagen. Die Jungen brachen in Tränen aus und waren von Stund an gehorsam.

Doch als er eine schwarze Schülerin aufnahm, nahmen die Eltern der weißen Schüler reihenweise ihre Kinder aus der Schule. Die Schule musste daraufhin wegen fehlender Einnahmen geschlossen werden.

Überhaupt setzten sich Alcotts für die Abschaffung der Sklaverei ein und waren als Transzendentalisten mit Emerson und Thoreau befreundet. Henry James hat sich bei einem gemeinsamen Abendessen die Mühe gemacht, Louisa extra darauf hinzuweisen, dass sie sich bitte nicht für ein Genie halten solle.  Die Gefahr bestand zwar ohnehin nicht, aber möglicherweise haben ihn die Verkaufszahlen der Schriftstellerin nachhaltig irritiert.

Und dass die über 700 Seiten noch üppig mit alten Illustrationen, Filmszenen und  Zeichnungen der künstlerisch begabten May Alcott, einer Schwester der Autorin, ausgestattet sind, sorgt dafür, dass dieser Ziegelstein auch optisch ein Genuss ist. Da gibt es beispielsweise Fotos aus dem ehemaligen Wohnhaus der Alcotts, in dem sich inzwischen ein Museum befindet, und wir sehen das mehr als 150 Jahre alte Hochzeitskleid von Anna Alcott Pratt, Porträts, Dokumente, Haarlocken und Fotos der Rezeptsammlungen der Familie.

Louisa May Alcotts Lebenslauf ist keineswegs so sonnig, wie man sich das von einer Autorin erfolgreicher Kinderbücher vielleicht vorstellt oder wie man ihr das gewünscht hätte. Im Gegenteil, an ihr blieb letztendlich die Hauptverantwortung hängen, die Familie bis zu ihrem Lebensende finanziell zu unterstützen, der Schwester May Europa-Aufenthalte für ihre Kunststudien zu ermöglichen, Elternstatt an verwaisten Nichten und Neffen zu übernehmen und sich um ihre eigenen Eltern zu kümmern. Die Belastungen führten so weit, dass sie ihren Eltern eingestand, immer öfter an Selbstmord zu denken. Dazu kamen zunehmende gesundheitliche Beeinträchtigungen. Ihr Traum, nach dem Abschluss ihrer March-Trilogie, die sie als Literatur nie so richtig ernst genommen hatte, endlich ein Werk für Erwachsene zu schreiben, erfüllte sich nicht. Schließlich starb sie nach längerer Krankheit zwei Stunden vor der Beerdigung des eigenen Vaters.

Matteson zieht folgendes Fazit:

The work at which she excelled […] seemed paltry to her. But it was a greater talent than she realized. Her children’s novels, and Little Women in particular, are more than genial entertainment. They are companions. Admitting freely that growing up is hard and that not all dreams come true, they illustrate the virtues and teach the values that form the foundations of a life bravely and honourably lived. (S. lxxvii)

 

Alec Guinness: My Name Escapes Me (1996)

Was für ein süchtig machendes Buch.

Der Ausnahmeschauspieler Alec Guinness (1914-2000) veröffentlichte den zweiten Teil seiner autobiografischen Schriften My Name Escapes Me: The Diary of a Retiring Actor 1996. Auf Deutsch erschien dieses Tagebuch unter dem Titel Adel verpflichtet: Tagebuch eines noblen Schauspielers.

Irgendwo war ich über die Empfehlung dieses Buchs gestolpert, und was soll ich sagen: Obwohl die Aufzeichnungen des über Achtzigjährigen vom 1. Januar 1995 bis zum 6. Juni 1996 von Anfang an zur Veröffentlichung gedacht waren und dementsprechend der Kontrolle und bewussten Auswahl des Künstlers unterlagen, habe ich das nirgendwo als störend empfunden.

Da mischen sich Erinnerungen an seine Karriere, an Filmaufnahmen und verstorbene Freunde mit kurzen Urlaubsschilderungen aus Südeuropa oder mit Einträgen zu Verabredungen zum Essen mit noch lebenden Freunden und Bekannten – gutes Essen ist ihm ein Bedürfnis. Da wird munter parliert, da wird ins Theater oder in Kunstausstellungen gegangen.

Nancy Cunard’s long long elegant feet in the painting by Alvaro Guevara, 1919, look like transatlantic liners. (S.5)

Überall schimmert ein großes Berufsethos durch. So wollte er später am liebsten auch gar nicht mehr auf seine Rolle als Obi-Wan Kenobi in Star Wars angesprochen werden. Die törichten Dialoge taten ihm einfach zu weh und beinahe hätte er einem Jungen ein Autogramm verweigert, als der ihm anvertraute, die Filme schon Dutzende Mal gesehen zu haben. Das wiederum sorgte für eine empörte Mutter.

Oder er schaut abends mit seiner Frau Merula fern, völlig entgeistert, falls man dabei zufällig in vulgäre Trash-Shows hineingerät. Bei Filmen oder Krimis, die Gnade vor seinen Augen finden, werden anschließend die Schauspieler einer fachmännischen Bewertung unterzogen. Selbst seine Lektüre – Montaignes Essays wären sein Buch für die einsame Insel – ist noch davon geprägt, dass er es nicht lassen kann, sich die Dialoge in Büchern wie Theaterstücke vorzusprechen, „with significant pauses and all“. Dummerweise sorgt das immer dafür, dass er so schrecklich lange für ein Buch braucht.

Er, der 1957 für seine Rolle in The Bridge on the River Kwai den Oscar gewann, ist sich völlig im Klaren über die Zufälligkeit, mit der es sich entscheidet, ob man einen Oscar oder eine beliebige andere Auszeichnung zugesprochen bekommt.

A race or a fight or a game can be won but to call something ‚the best‘ in the arts is absurd. I wouldn’t mind betting Dickens would fail to win the Booker Prize (too readable and too funny) and Turner the Turner Prize and poor Keats wouldn’t even be considered for any poetry prize. (S. 16)

Zwischendurch kommt er – dezent – auf sein Alter zu sprechen. Die Trauer, wenn man wieder zu einer Beerdigung eines liebgewordenen Weggefährten muss. Der Schreck, als er in den Straßen Londons stürzt und sich danach nur noch mit Stock aus dem Haus traut. Das Nachlassen seiner Kräfte, Augenprobleme, die nachlassende Konzentration, die ihm nicht mehr erlaubt,  längere Texte auswendig zu lernen. Die Sorge um seine Frau, die noch sechs Monate nach ihrer Hüftoperation nicht richtig laufen kann. Und selbst jetzt noch muss er sich mit unliebsames Stalkern herumärgern, die sich nicht scheuen, plötzlich bei ihnen im Garten zu stehen.

The new armchair has arrived […] It is very comfortable but a touch of effort is needed to get out of it. (S. 86)

Ein wacher Geist, ein Katholik, der so manche gesellschaftliche Entwicklung kritisch und auch besorgt beäugt, der traurig zu Bett geht, nachdem er am 13. März 1996 von dem Schulmassaker in Dunblane erfahren hat.

Turning on TV News at Ten we were appalled to hear of the ghastly, outrageous shooting of small children in the school at Dunblane, Perthshire. It is a numbing horror and the mind goes blank. Sympathy, comfort, love, tears – no words suffice. M and I went to bed silent and miserable. (S. 128)

Ein Mann, der seinem inneren Kompass treu bleibt, dem schlechter Geschmack oder grobe Umgangsformen ein Graus sind und der sich manchmal auch nur kurz angebunden über seine Frau Merula, eine Malerin, äußert, mit der er seit 58 Jahren verheiratet ist. Überhaupt hätte ich gern mehr über sie und den gemeinsamen Sohn Max gelesen. Doch dann erwähnt er wie im Vorübergehen, dass sie ihm jede Woche einen kleinen Blumenstrauß auf seinen Schreibtisch stellt.

Die Selbstverständlichkeit fasziniert, mit der die beiden Ehepartner jeweils die gleichen Bücher lassen, dieselben Filme schauten, im Radio abends Konzerte oder Musik-CDs hörten, um sich daran zu erfreuen, in der Kunst Trost zu finden oder um sich darüber auszutauschen.

Hier schreibt einer sehr menschlich, manchmal melancholisch, ein wenig wehmütig, sich der Endlichkeit bewusst, aber auch trocken, selbstironisch, witzig, boshaft in einem herrlich flüssigen, mühelos wirkenden Stil.

Today I have picked up a very good notice in an American film trade paper for a performance I have never given in a film I have never heard of. It says that I am ‚almost unrecognizable‘ in the film. I like the ‚almost‘. (S. 10)

Kurzum, das Buch mit dem Vorwort seines Freundes John le Carré ist, da man nie weiß, was als nächstes kommt, eine unterhaltsame, aber nie banale Wundertüte. Und ich brauche unbedingt den nächsten Band.

Anne Griffin: When All is Said (2019)

Der Debütroman When All is Said der irischen Autorin Anne Griffin soll irgendwann auch auf Deutsch erscheinen. Recht so!

Das Buch mit dem Untertitel Five Toasts – Five People – One Lifetime hätte sogar das Zeug zum Klassiker gehabt, hätte die Autorin bloß auf ein paar Mätzchen a la Wie-mache-ich- das-Buch-massenkompatibel verzichtet.

Doch noch mal von vorn. Um was geht es überhaupt?

Das Buch beginnt mit den Worten:

Is it me or are the barstools in this place getting lower? Perhaps it’s the shrinking. Eighty-four years can do that to a man, that and hairy ears.

Der 84-jährige Maurice Hannigan sitzt allein an der Bar des Rainsford Hotels in seiner kleinen Heimatstadt und wird im Laufe des Abends im Juni 2014 fünf Toasts auf die Menschen aussprechen, die ihm im Laufe seines Lebens besonders wichtig geworden sind.

Das wären zum einen sein älterer Bruder, seine Frau Sadie, sein Sohn und zum anderen seine Schwägerin und seine Tochter. Die Erinnerungen von der Kindheit bis zu den Geschichten aus der Gegenwart, die sich gegenseitig erhellen, aufeinander verweisen und letztlich alle von urmenschlichen Glücks- und Verlusterfahrungen handeln, springen einen als Leser förmlich an.

Man hört diesem alten Sturkopf, der es von einem einfachen Farmer zum reichen Mann gebracht hat und trotzdem seiner geliebten Sadie bei einem Restaurantbesuch nicht mal ein Eis zum Nachtisch gönnt, fasziniert zu und glaubt ihm jedes Wort. Genauso wie die Tatsache, dass er sich lieber die Zunge abgebissen hätte, als all das den ihm nahe stehenden Menschen zu sagen.

Auch der Schauplatz, die Bar dieses Hotels, ist von Hannigan bewusst gewählt worden, wie sich im Laufe der Geschichte herausstellt.

Hätte Griffin bloß mal auf ihren knorrigen Protagonisten, seinen unbändigen Wunsch nach Selbstbestimmtheit und seine tolle Erzählstimme vertraut, was hätte das für ein wuchtiges – und auch berührendes – Buch werden können. Aber nein, die an den Haaren herbeigezogene Geschichte rund um einen Münzdiebstahl und einige kleinere alberne Dramenmomente stutzen das Buch leider an vielen Stellen wieder auf Normalmaß zurück.

Das ändert allerdings nichts daran, dass sich, auch wenn ich Griffin ein bisschen böse bin, Maurice Hannigan in meine innere Bibliothek wohl dauerhaft einschreiben wird.

 

Christopher Huang: A Gentleman’s Murder (2018)

1924 in London: Im Britannia, einem dieser gediegenen Herrenclubs, in den nur Gentlemen aufgenommen werden können, die irgendwann ihrem Land als Soldat gedient haben, passiert ein Mord. Interessanterweise ist das Opfer, ein junger Mann namens Benson, erst kurz zuvor überhaupt Mitglied geworden. Etwas widerstrebend hatte er sich auf eine Wette eingelassen, dass es nämlich Woolfe, einem arroganten Schnösel, nicht bis zum nächsten Mittag gelingen werde, einige Wertsachen aus Bensons Schließfach im Tresorraum des Clubs zu entwenden. Leutnant Eric Peterkin wird gebeten, als Schiedsrichter zu fungieren.

Peterkin lässt sich, um den Gewinner unparteiisch ermitteln zu können, vorsichtshalber von Benson die im Schließfach befindlichen Gegenstände zeigen. Dabei handelt es sich wider Erwarten gar nicht um wertvolle oder seltene Dinge, allerdings um Gegenstände, die laut Benson dazu dienen sollen, ein großes Unrecht zu sühnen. Doch am nächsten Morgen liegt Benson erstochen vor dem geöffneten Schließfach.

Peterkin bezweifelt, dass die Angelegenheit in den Händen von Scotland Yard gut aufgehoben ist, hatte er doch zufällig beobachtet, wie der zuständige Kommissar Parker etwas aus dem Zimmer des Ermordeten verschwinden lässt. Und warum wollen alle, dass Peterkin der Sache nicht weiter nachgeht? Doch stur und ehrenhaft wie er nun einmal ist, möchte er nicht nur den Mörder Bensons überführen, sondern am besten noch das große Unrecht ans Licht holen, von dem Benson gesprochen hatte und von dem er nicht im Geringsten weiß, um was es sich dabei handeln könnte. Und so nehmen über 300 spannende Krimiseiten ihren Lauf.

Es ist tatsächlich beeindruckend, wie Christopher Huang hier mehreres miteinander ausbalanciert, ohne dass das eine auf Kosten des anderen gehen würde. Da ist zum einen die Hauptperson, Leutnant Peterkin, der zwar einen britischen Vater hatte, aber eine chinesische Mutter. Das sieht man ihm auch an. Und wie er mal subtil, mal eklig mit Ressentiments konfrontiert wird, das spiegelt zeitlose Gegebenheiten, mit denen sich Menschen auseinandersetzen müssen, die aufgrund ihres Äußeren zunächst einmal als „anders“ wahrgenommen werden.

The only thing Eric missed about the War was that one had slightly more pressing things to worry about than blood heritage. The respect he’d received from his comrades had not been immediate, but after enough shells and sorties and gas attacks, no one cared anymore who your grandparents were – as long as you did your job well and kept your men alive. (S. 15)

In den ersten Entwürfen war Peterkin noch ein durch und durch weißer Brite, doch Huang, ein chinesischer Architekt, der inzwischen in Kanada lebt, fand es schließlich spannender, seiner Hauptperson Anteile von sich selbst mitzugeben, die ihm gleichzeitig ermöglichten, gängige Klischees zu beleuchten, wie sie gegenüber Chinesen in den zwanziger Jahren gang und gäbe waren. Huang sagt in einem Interview der Washington Post:

I soon came to realize that Eric’s half-and-half heritage said more about me than any direct representation of myself could. He’s not so much me as he is my cultural experience, this combination of Asian blood and European culture.

Dazu kommt ein dezent eingesetzter Humor, der uns dann wieder an die leichten Cosy Crimes erinnert, und Peterkins Freund Avery, der sehr dem Esoterischen zugeneigt ist, hat hier klar die Aufgabe, für ein bisschen Erheiterung in den durchaus auch gefährlichen Ermittlungen zu sorgen.

Doch was diesen Krimi vor allem von gut gemachter Unterhaltungsliteratur unterscheidet und ihn in einer anderen Liga spielen lässt, ist die sorgfältige und immer respektvolle Einbettung in einen bestimmten geschichtlichen Kontext. Dieser taucht in den Krimis, die tatsächlich in den zwanziger oder dreißiger Jahres des letzten Jahrhunderts  geschrieben wurden, meist nur als Randbemerkung auf, nämlich die Situation der ehemaligen Soldaten, die in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges gekämpft und gelitten haben. Die, so sie denn überhaupt überlebt hatten, nicht nur Gliedmaßen verloren haben, sondern auch Traumata, Alpträume und Schwierigkeiten bei der Rückkehr in ein ziviles Leben immer mit im Gepäck haben. Auch sechs Jahre nach Kriegsende.

In dem feinen Austarieren dieser verschiedenen Elemente mit einer wirklich spannenden und immer wieder Haken schlagenden Krimi-Handlung hat mich das Debüt Huangs an die besten Bücher Dorothy Sayers erinnert.

Hier gibt es ein Interview mit dem Autor auf der Homepage der Los Angeles Public Library.

Interessant ist vielleicht auch, dass Huangs Krimi bei Inkshares veröffentlicht wurde. Dieser Verlag lässt quasi die Leser entscheiden, was gedruckt wird. Hat ein Buch die erforderliche Anzahl an verbindlichen Vorbestellungen – normalerweise 750 -, dann wird das Buch verlegt.

Doch noch viel besser ist, dass Huang uns Anlass zur Hoffnung gibt, dass wir Eric Peterkin irgendwann wiedertreffen.

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Betty Smith: A Tree Grows in Brooklyn (1943)

Heute mal wieder etwas aus den Tiefen des Blogs, und zwar die Besprechung zu dem in weiten Teilen autobiografischen, sehr erfolgreichen und später auch verfilmten, fast 500 Seiten lange Roman A Tree Grows in Brooklyn (1943) von Betty Smith.

Zum Inhalt

Smith (1896-1972) verarbeitet in ihrem Debütroman, der ursprünglich als Autobiografie angelegt war, Erinnerungen an ihre eigene entbehrungsreiche Zeit als Kind armer deutscher Einwanderer in Brooklyn Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts.

Im Zentrum stehen die Geschicke der Familie Nolan, allen voran die 1901 geborene Francie, ihr ein Jahr jüngerer Bruder Cornelius und ihre Mutter Katie, deren Eltern aus Österreich stammen, und Vater Johnny aus Irland.

Johnny, mit 21 schon zweifacher Vater, ist liebenswert, musikalisch begabt, gut aussehend und mit seiner familiären Verantwortung völlig überfordert. Tante Sissy hingegen, die Schwester Katies, ist einfach wundervoll in ihrer großzügigen Menschenliebe, auch wenn sich die nicht immer mit den Grundsätzen der katholischen Kirche in Übereinstimmung bringen lässt.

Die Nolans sind arm wie fast alle in diesem Stadtteil und auf den ersten Seiten erfahren wir, wie Francie und Cornelius, der von allen nur Neeley genannt wird, ihren samstäglichen Gang zum Schrotthändler machen, um für das während der Woche gesammelte Papier, Metall und Gummi ein paar Cent zu bekommen. Den Lebensunterhalt verdient im Wesentlichen Francies Mutter, indem sie in mehreren Mietskasernen putzt, während Johnny nur unregelmäßig etwas Geld als Kellner verdient und immer mehr dem Alkohol verfällt.

Obwohl vor allem Francies Kindheit und Jugend im Mittelpunkt stehen, ist für mich die toughe Mutter Katie die eigentliche Heldin des Buches.

Gradually, as the children grew up, Katie lost all of her tenderness although she gained in what people call character. She became capable, hard and far-seeing. She loved Johnny dearly but all the old wild worship faded away. […] Katie had the same hardships as Johnny and she was nineteen, two years younger. It might be said that she, too, was doomed. Her life, too, was over before it began. But there the similarity ended. Johnny knew he was doomed and accepted it. Katie wouldn’t accept it. She started a new life where her old one left off. She exchanged her tenderness for capability. She gave up her dreams and took over hard realities in their place. Katie had a fierce desire for survival which made her a fighter…“ (S. 97)

Manchmal ist das Geld so knapp, dass Katie mit ihren Kindern tagelang „Expedition zum Nordpol“ spielt, bei der sie alle während eines Schneesturms in einer Höhle festsitzen. Die Lebensmittelvorräte sind knapp.

They had to make it last till help came. Mama divided up what food there was in the cupboard and called it rations and when the children were still hungry after a meal, she’d say, „Courage, my men, help will come soon.“ When some money came in Mama bought a lot of groceries, she bought a little cake as celebration, and she’d stick a penny flag in it and say, „We made it, men. We got to the North Pole.“ (S. 218)

Katie würde niemals Almosen einer Wohltätigkeitsorganisation akzeptieren, eher schon würde sie den Gashahn in der Wohnung aufdrehen.

Sie ist entschlossen, ihren Kindern das zu geben, was sie und ihre Schwestern niemals hatten, nämlich eine anständige Schulbildung, „education“. Und so wachsen Francie und Neeley, deren Großmutter noch Analphabetin ist, mit zwei Büchern auf: einer aus einem Hotel stammenden Gideon-Bibel und einem ausrangierten Büchereibuch, den gesammelten Werken Shakespeares. Fantasie, Literatur und das Schreiben eigener Geschichten werden so schon früh Francies Ausweg aus Einsamkeit und Armut.

Sometimes Francie wavered. She didn’t know whether it would be better to be a band when she grew up or an organ grinder lady. It would be nice if she and Neeley could get a little organ and a cute monkey. All day they could have fun with him for nothing and go around playing and watching him tip his hat. And people would give them a lot of pennies and the monkey could eat with them and maybe sleep in her bed at night. This profession seemed so desirable that Francie announced her intentions to Mama but Katie threw cold water on the project telling her not to be silly; that monkeys had fleas and she wouldn’t allow a monkey in one of her clean beds. (S. 115)

Katie ist eine Frau, die sich keinerlei Selbstmitleid erlaubt, hart gegen sich und gegen andere, wenn sie glaubt, dass das für alle langfristig das Bessere ist. Überhaupt ist das Buch gänzlich unsentimental, auch da, wo Einsamkeit, Sehnsucht und der erste Liebeskummer Francies erzählt werden.

Francie liebt die Schule und ist immer eine sehr gute Schülerin:

Francie like school in spite of all the meanness, cruelty, and unhappiness. The regimented routine of many children, all doing the same thing at once, gave her a feeling of safety. She felt that she was a definite part of something, part of a community gathered under a leader for the one purpose. (S. 163)

Dabei schreien die Abgestumpftheit und die fehlende Empathie der meisten Lehrerinnen zum Himmel. Immer wieder kommt es zu scheußlichen Situationen. Die Kinder sollen beispielsweise eigentlich während der Pause die (viel zu wenigen) Toiletten benutzen, doch die werden von den zehn schlimmsten Schultyrannen bewacht, und nur gegen ein Entgeld lassen sie ihre Mitschüler auf die Toilette. Doch das kann sich kaum ein Kind leisten. Theoretisch darf man – nachdem man die Lehrerin um Erlaubnis gebeten hat – auch während des Unterrichts kurz den Raum verlassen, doch seltsamerweise sieht die Lehrerin immer nur die Meldungen der nicht ganz so armen und besser gekleideten Kinder.

Mit 14 muss Francie die Schule verlassen, ebenso wie ihr ein Jahr jüngerer Bruder. Das Geld ist nach dem Tod Johnnys so knapp, dass sich die Geschwister als älter ausgeben müssen, als sie sind, um Arbeit zu finden. Damit rückt Francies Traum, die High School zu besuchen, um anschließend studieren zu können, erst einmal in weite Ferne.

Die Geschichte endet 1918 und entlässt die Nolans in eine glücklichere Zukunft, symbolisiert durch den ‚tree of heaven‘, den Götterbaum, der im Hinterhof ihrer Mietskaserne gestanden hat.

The tree whose leaf umbrellas had curled around, under and over her fire escape had been cut down because the housewives complained that wash on the lines got entangled in its branches. The landlord had sent two men and they had chopped it down. But the tree hadn’t died … it hadn’t died. A new tree had grown from the stump and its trunk had grown along the ground until it reached a place where there were no wash lines above it. Then it had started to grow towards the sky again. (S. 493)

Fazit

Anna Quindlen weist in ihrem Vorwort der englischen Ausgabe zu Recht darauf hin, dass der Stil des Buches sehr einfach ist:

It is not a showy book from a literary point of view. […] Its glory is in the clear-eyed descriptions of its scenes and people. […] There is little need for embellishment in these stories; their strength is in the simple universal emotion they evoke.

Die Frage, aus welcher Perspektive sie erzählen will, hat die Autorin an manchen Stellen nur unzureichend gelöst, und so wechseln sich personale, psychologisch überzeugende, anrührende Stellen mit manchmal unbeholfen wirkenden auktorialen Abschnitten ab, bei denen Inhalte referiert werden.

Brutalizing is the only adjective for the public schools of that district around 1908 and ’09. Child psychology had not been heard of in Williamsburg in those days. Teaching requirements were easy: graduation from high school and two years at Teachers Training School. Few teachers had the true vocation for their work. (S. 153)

Trotz dieser kleinen stilistischen Schwächen habe ich das Buch gern gelesen. Das ist einfach eine mitreißende Fundgrube an Geschichten und Schicksalen. Die Nolans stehen stellvertretend für viele Tausende Einwandererkinder, die in Amerika ihren Platz gesucht und letztlich gefunden haben. Und natürlich bietet es sich an, Parallelen zu heutigen Einwanderer- und Immigrantenschicksalen zu ziehen.

Das Buch bietet aber nicht nur einen spannenden Einblick in das Schicksal armer Immigranten und in einen ganzen Stadtteil mit seinen Bewohnern, Kneipen und kleinen Läden, sondern verkörpert auch das amerikanische Credo, dass man sich – wie man an Katie sieht – in äußerst widrigen Situationen Stolz und Würde bewahren könne und dass man selbst die Verantwortung für sein Leben übernehmen muss.

Wikipedia schreibt: „… its main theme is the need for tenacity: the determination to rise above difficult circumstances.“ Und nicht zuletzt feiert es den Zusammenhalt in der Familie, unsentimental, ja manchmal geradezu harsch.

Doch dabei werden die Fallstricke auf dem Weg in eine hellere Zukunft, wie z. B. die überstürzte Wahl eines ungeeigneten Ehepartners, Vorurteile, miserable Schulen und bornierte Vertreter der Mittelschicht, nicht verschwiegen. In einer der Schlüsselszenen beschreibt Smith zum Beispiel, wie Francie nicht länger die kitschig verlogenen Geschichten schreiben will, die ihr in der Schule immer Bestnoten eingetragen haben, sondern beginnt, ihren Alltag zu verarbeiten, die Armut, den Alkoholismus ihres Vaters. Ihre Lehrerin ist empört:

‚But poverty, starvation and drunkenness are ugly subjects to choose. We all admit these things exist. But one doesn’t write about them.‘ (S. 321)

‚Drunkenness is neither truth nor beauty. It’s a vice. Drunkards belong in jail, not in stories. And poverty. There is no excuse for that. There’s work enough for all who want it. People are poor because they’re too lazy to work. There’s nothing beautiful about laziness. (Imagine Mama lazy!) ‚Hunger is not beautiful. It is also unnecessary. We have well-organized charities. No one need go hungry.‘ Francie ground her teeth. Her mother hated the word ‚charity‘ above any word in the language and she had brought up her children to hate it, too. (S. 322)

Der Roman war schon bald nach seiner Veröffentlichung unglaublich erfolgreich und wird auch heute noch auf unzähligen englischsprachigen Blogs besprochen.

The book sold 300,000 copies in the first six weeks after it was published. A Tree Grows in Brooklyn is now considered an essential part of American literature. As an indispensable classic, Smith’s book appears on reading lists across the country. It has profoundly influenced readers from all walks of life – young and old alike. The New York Public Library even chose the book as one of the „Books of the Century“  (siehe hier).

1945 wurde der Roman übrigens von Elia Kazan verfilmt.

Doch selbst nach der Veröffentlichung gab es noch Leser, die so dachten wie die Lehrerin im Buch, die Francie ja hatte verbieten wollen, über reale Erfahrungen zu schreiben:

Because Smith wrote about some of the more unsavory aspects of human existence, some critics found the book unacceptable. One Boston woman even wrote a letter to Smith saying that the author of such a book should live in a stable. (siehe hier)

Anlässlich der Neuübersetzung von Eike Schönfeld im Insel Verlag gab es  Besprechungen auf mehreren Blogs:

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Graham Greene: Travels with my Aunt (1969)

Mein Versuch, mich mit Hilfe der Biografie von Ulrich Greiwe dem weitgereisten Schriftsteller Graham Greene (1904-1991) und seinem interessanten Leben anzunähern, endete mit Verdruß und vorzeitigem Abbruch der Lektüre, und zwar genau auf Seite 62.

Ich hatte mich die ganze Zeit schon gegrämt, dass Greiwe, weil er halt so originell sein wollte, seine vor Lobeshymnen überschäumende Biografie in der zweiten Lebenshälfte Greenes beginnen lässt.

Das außerordentliche Leben eines starken, intelligenten und gefühlvollen Mannes. Da bedurfte es eines besonderen biografischen Aufbaus. Eine Biografie also nach dem Inspektor-Columbo-Prinzip: der Fall und das Leben Greenes, von hinten aufgerollt. Nachdem seine ‚Schandtaten‘ und die ‚menschlichen Faktoren‘ seines Daseins bekannt sind, bleibt die Frage: wie konnte es dazu kommen? (S. 10)

Außerdem wurden wichtige Reisen des Autors und politische Hintergründe oft nur kurz angerissen und ich drohte, den Faden zu verlieren ob all der Zeitsprünge, Namen und Infoschnipsel. Doch ab Seite 62 wurde es dann endgültig bizarr.

Direkt nachdem Greiwe den Tod des Schriftstellers im Jahre 1991 konstatiert hat, malt er sich aus, wie die Verleihung des Literaturnobelpreises an Greene hätte aussehen können. Hätte er den Preis einem Kloster gespendet, wäre er betrunken gewesen?

Nur die Kurzsichtigkeit des alten Königs Gustav wäre ihm leider nicht zuteil geworden. Statt dem seinerzeitigen Literaturnobelpreisträger hatte dieser die Ehrung aus Versehen dem Saaldiener überreicht. (S. 63)

Bekanntermaßen erhielt Greene nie den Nobelpreis für Literatur, obwohl dies immer wieder erwartet und von seinen Bewunderern erhofft wurde.

Doch egal, nachdem eine halbe Seite zuvor Greene das Zeitliche gesegnet hat, heißt es plötzlich:

Da die weltweite Rebellion der künftigen geistigen Eliten an den Universitäten Greene durchaus entgegenkam, fühlte er sich politisch erfrischt. Der Vietnamkrieg, dessen Eskalation er 1955 romanhaft vorausgesehen hatte, ging in seine entscheidende Phase. (S. 63)

Auch für mich war das eine entscheidende Phase. Ich habe hier so viele lohnende Bücher, dass ich mich nicht länger mit dieser Biografie herumärgern werde.

Gregor Schuhen hatte ebenfalls wenig Freude an Greiwes Werk. Er schrieb 2004 in der FAZ:

Ferner stiftet die unangemessene Kürze der Biographie mehr Verwirrung als erhellende Informationen. Zu viele Figuren, Namen, Ereignisse und Verstrickungen werden auf zu wenigen Seiten so knapp dargestellt, daß man häufiger als gewöhnlich den Faden verliert. Des weiteren gerät die Darstellung wiederholt zur unreflektierten Lobhudelei.

Stattdessen entstaube ich heute mal wieder einen älteren Artikel aus dem Archiv, und zwar den zu Greenes Roman Travels with my Aunt. 

Er wird uns von Henry Pulling erzählt, der auf der Beerdigung seiner Mutter seine Tante Augusta trifft, mit Folgen, die sich dieser spießige Reihenhauslangweiler in seinen schlimmsten Träumen nicht hätte ausmalen können:

I met my Aunt Augusta for the first time in more than half a century at my mother’s funeral. My mother was approaching eighty-six when she died, and my aunt was some eleven or twelve years younger. I had retired from the bank two years before with an adequate pension and a silver handshake. […] Everyone thought me lucky, but I found it difficult to occupy my time. I have never married, I have always lived quietly, and, apart from my interest in dahlias, I have no hobby. For those reasons I found myself agreeably excited by my mother’s funeral.

Henry, pensionierter Bankbeamter in den Fünfzigern, begeht den „Fehler“, Tante Augusta nach der Trauerfeier zu besuchen. Dort lernt er Wordsworth kennen, den aus Sierra Leone stammenden und um Jahrzehnte jüngeren Liebhaber seiner Tante. Wordsworth schmuggelt dem armen Henry Marihuana in die Urne mit der Asche seiner Mutter, um einer Polizeikontrolle zu entgehen. Und so gerät das wohlgeordnete, aber zum Weinen langweilige Leben Henrys kräftig in Unordnung.

Am Anfang eher widerstrebend erklärt er sich bereit, seine Tante auf einer Reise nach Brighton zu begleiten.

We sat down in a shelter. The lights ran out to sea along the Palace Pier and the edge of the water was white with phosphorescence. The waves were continually pulled up along the beach and pulled back as though someone were making a bed and couldn’t get the sheet to lie properly. […] This trip was quite an adventure, I thought to myself, little knowing how small a one it would seem in retrospect. (S. 42)

Schließlich reisen sie sogar im Orient Express von Paris nach Istanbul. Tante Augusta führt ihn an Plätze und lässt ihn mit Menschen zusammentreffen, die für sie sehr wichtig gewesen sind. Henry erfährt dabei auch so einiges über seine eigene Familie, das er sich nicht hätte träumen lassen. Vor allem aber erzählt Tante Augusta aus ihrem abenteuerlichen Leben. Moral und Gesetze haben dabei eine eher nebensächliche Rolle gespielt.

‚I have an impression,‘ my aunt said, ‚that you are really a little shocked by trivial illegalities. When you reach my age you will be more tolerant… (S. 63)

Sie war Prostituierte, was Henry lange als Mitgliedschaft in einer Theatergruppe missverstehen will. Tante Augusta hat jedenfalls eine Menge Gefahren überstanden, Geld gewonnen und verloren, getrunken, viel Spaß gehabt und freizügig geliebt. Dazu ist sie auch weiterhin fest entschlossen, mit dem Unterschied, dass Henry sie von nun an begleiten soll.

Das führt natürlich zu allerlei komischen Situationen, denn Henry ist keineswegs überzeugt davon, dass ihn seine stets gewissenhaft ausgeübte Karriere als Bankbeamter auf so ein halbkriminelles Vagabundenleben, inclusive Gefängnisaufenthalten, CIA-Agenten und ehemaligen Nazi-Kollaborateuren, angemessen vorbereitet hat.

Fazit

Man kann das Buch auf mehrere Arten lesen. Zum einen als eine leichtfüßige Gaunerkomödie, die den Helden aus der Langeweile seiner Vorgartenidylle mit Dahlienzucht und einsamen Nachbarn in die Sphäre seiner lebenslustigen, kriminellen und liebenden Tante bis hin nach Paraguay führt. Dann wäre Tante Augusta der Weckruf, sein Leben mit allen Sinnen zu leben und zu genießen.

Regret your own actions, if you like that kind of wallowing self-pity, but never, never despise. Never presume yours is a better morality. […] But you, I suppose, never cheated in all your little provincial banker’s life because there’s not anything you wanted enough, not even money, not even a woman. You looked after people’s money like a nanny who looks after other people’s children. Can’t I see you in your cage, stacking up the little fivers endlessly before you hand them over to their proper owner? (S. 106)

Aber auch eine andere Lesart ist denkbar. Greene selbst hat Langeweile als eines seiner größten Probleme angesehen. Die Biografen streiten immer noch, ob er nun als junger Mann Russisches Roulette gespielt habe oder nicht.

Und wenn man sich die Hauptfigur näher anschaut, ist unter der Schale des einsamen und braven Bankbeamten von Anfang an etwas verborgen, was ihn zu einem würdigen Sohn seiner echten Mutter macht. Auch Henry Pulling ist froh über alles, was die Langeweile wenigstens kurzzeitig vertreibt. Schon die sensationslüsternen Gedanken, die ihm bei der Einäscherung seiner Stiefmutter durch den Kopf gehen, sind da ganz aufschlussreich.

Not many people attended the service, which took place at a famous crematorium, but there was that slight stirring of excited expectation which is never experienced at a graveside. Will the oven doors open? Will the coffin stick on the way to the flames? (S. 4)

Seine Beschreibung von Tante Augusta bei dieser Trauerfeier ist genauso unverblümt wie später deren eigene Redeweise.

I was surprised by her brilliant red hair, monumentally piled, and her two big front teeth which gave her a vital Neanderthal air. (S. 4)

Henry jedenfalls ähnelt Tante Augusta immer mehr. Schon nach einer kleinen Reise nach Brighton stellt er fest:

I discovered for the first time in myself a streak of anarchy. Had it been perhaps the result of my visit to Brighton or was it possibly my aunt’s influence (and yet I was not a man easily influenced), or some bacteria in the Pulling blood? (S. 47)

Nach einer weiteren Reise, die ihn und seine Tante bis nach Boulogne führte, hat er den Geschmack an seinem bisherigen Leben endgültig verloren.

I was afraid of burglars and Indian thugs and snakes and fires and Jack the Ripper, when I should have been afraid of thirty years in a bank and a take-over bid and a premature retirement and the Deuil du Roy Albert. […] I had lost the taste for dahlias. When weeds swarmed up I was tempted to let them grow. […] As I went upstairs to bed I felt myself to be a ghost returning home, transparent as water. I was almost surprised to see that my image was visible in the glass. (S. 159/160)

Aber er bleibt nicht auf Dauer daheim. Der Sirenenruf der Tante lockt ihn später sogar bis nach Südamerika, wo er nur noch mit milder Toleranz auf sein früheres Leben zurückblickt.

It was as though I had escaped from an open prison, had been snatched away, provided with a rope ladder and a waiting car, into my aunt’s world, the world of the unexpected character and the unforeseen event. (S. 200)

Doch je lebendiger sich Henry fühlt, umso mehr macht er sich gemein mit den Wertvorstellungen seiner Tante. Egal ist dann, woher der Geldsegen kommt, der ihnen Villa und Lebensunterhalt in Paraguay finanziert. Egal ist, dass die Tante ja nicht jünger wird und die Landessprache nicht spricht. Egal, dass um sie herum Korruption, Gewalt und Armut herrschen.

Half ruined huts stood at the very edge of the cliff and naked children with the pot-bellies of malnutrition stared down on us as the boat passed … (S. 210)

Auch Wordsworth, der Tante Augusta treu ergeben ist, taucht wieder auf. Er – der verliebte Narr – wird wie zur Zeit der Rassentrennung zum Essen in die Küche verbannt, weil der zurückgekehrte Liebhaber Augustas ihn, vielleicht aus Eifersucht, nicht in der Nähe haben mag. Schließlich schickt Augusta Wordsworth einfach weg, obwohl er sie über Jahre geliebt und auf ihren Reisen begleitet und beschützt hat. Eiskalt bekennt sie, dass Wordsworth nichts anderes als ein Lückenfüller gewesen sei. Und selbst die Nachricht seines gewaltsamen Todes kommentiert sie nur mit

‚Yes, dear, all in good time, but can’t you see that now I am dancing with Mr Visconti?‘ (S. 261)

Tante Augusta fasst ihre Moral für Henry bündig zusammen: In England

You will think how every day you are getting a little closer to death. It will stand there as close as the bedroom wall. And you’ll become more and more afraid of the wall because nothing can prevent you coming nearer and nearer to it every night while you try to sleep […]

Im Gegensatz dazu steht das Leben in Paraguay.

Tomorrow you may be shot in the street by a policeman […] or a man may knife you in a cantina because you can’t speak Spanish and he thinks you are acting in a superior way […] My dear Henry, if you live with us, you won’t be edging day by day across to any last wall. The wall will find you of its own accord without your help, and every day you live will seem to you a kind of victory. ‚I was too sharp for it that time,‘ you will say, when night comes, and afterwards you’ll sleep well… (S. 222)

Und Henry stellt – kurzzeitig inhaftiert – tatsächlich fest, dass er zwar nicht ganz sicher ist, wie er aus der Bredouille wieder rauskommen soll, doch dass er sich eigentlich ganz wohl dabei befinde, denn sein alter Feind, die Langeweile, ist verschwunden.

I am in a small cell ten feet by six, and I have nothing to sleep on but a piece of sacking. I have no idea what is going to happen next, but I confess I am not altogether unhappy, I am too deeply interested.

Am Ende seiner Entwicklung steht sogar die Aussicht, als fast Sechzigjähriger „a gentle and obedient child“ von 16 Jahren zu heiraten, was ich dann doch reichlich unappetitlich finde. Das Problem der Langeweile ist gelöst, doch um welchen Preis?

Ich habe Travels with my Aunt also eher als eine Charakterstudie gelesen, die im Gewand einer Komödie auftritt. Und diese zwei unterschiedlichen Seiten, das Unterhaltsame, Absurde und Skurrile und die für mich eher ins Negative verlaufende Entwicklung Henrys, konnte ich beim Lesen nicht immer in Einklang bringen. Der trockene Witz war jedoch oft große Klasse:

… and in any case I have a weakness for funerals. People are generally seen at their best on these occasions, serious and sober, and optimistic on the subject of personal immortality. (S. 4)

Anmerkungen

Gern verweise ich auf die Besprechungen auf Philea’s Blog und Durchleser’s Blog.

Die Inspiration zu der Figur der Tante lieferte wohl die 1885 geborene Elizabeth Moor, die 40 Jahre lang als Ärztin auf Capri praktizierte.

 

Molly Keane: Good Behaviour (1981)

Da ersteht man irgendwo – ich weiß schon gar nicht mehr wo – zufällig ein Secondhand-Exemplar eines Romans von einer irischen Schriftstellerin namens Molly Keane, die man bis dahin gar nicht auf dem Schirm hatte, und ehe man sich versieht, hat man ein Buch gelesen, das der kleinen Riege der Lieblingsbücher zugefügt wird.

Es beginnt – scheinbar ganz unspektakulär – damit, dass die Ich-Erzählerin, die 57-jährige Aroon St. Charles, aus vornehmer, aber verarmter anglo-irischer Familie, ihrer bettlägrigen Mutter das Essen bringt, hübsch angerichtet auf liebevoll dekoriertem Tablett.

Rose, schon seit ihrer Jugend Dienstmädchen in der Familie, weist noch darauf hin, dass die sich die alte Dame doch schon immer vor Kaninchenfleisch geekelt habe. Doch Aroon nimmt darauf keine Rücksicht. Und tatsächlich: Aroons Mutter wird übel, sie verstirbt noch während des Essens. Rose macht Aroon daraufhin ganz fürchterliche Vorwürfe, denen wir im Stillen sofort zustimmen.

Es scheint für den Leser also schon nach wenigen Seiten klar zu sein, wie egozentrisch und manipulativ, ja eiskalt Aroon doch ist. Und die merkwürdige Reaktion Aroons auf die wüsten Anschuldigungen von Rose tun ein Übriges.

Yes, she [Rose] stood there across the bed saying all these obscene, unbelievable things. Of course she loved Mummie, all servants did. Of course she was overwrought. I know all that – and she is ignorant to a degree, I allow for that too. Although there was a shocking force in what she said to me, it was beyond all sense or reason. It was so entirely and dreadfully false that it could not touch me. I felt as tall as a tree standing above all that passionate flood of words. I was determined to be kind to Rose. And understanding. And generous. I am her employer,  I thought. I shall raise her wages quite substantially. She will never be able to resist me then, because she is greedy. I can afford to be kind to Rose. She will learn to lean on me. There is nobody in the world who needs me now and I must be kind to somebody. (S. 8/9)

Man spürt, irgendetwas wird hier verdrängt und schöngeredet. Doch was genau?

And I do know how to behave – believe me, because I know. I have always known. All my life so far I have done everything for the best reasons and the most unselfish motives. I have lived for the people dearest to me, and I am at a loss to know why their lives have been at times so perplexingly unhappy. I have given them so much, I have given them everything, all I know how to give – Papa, Hubert, Richard, Mummie. At fifty-seven my brain is fairly bright, brighter than ever I sometimes think, and I have a cast-iron memory. If I look back beyond any shadow into the uncertainties and glories of our youth, perhaps I shall understand more about what became of us. (S. 9/10)

Ja, und genau das tut Aroon. Sie erinnert sich an ihre Kindheit und Jugend und an ihre Zeit als junge Frau.

Ihr Vater ein Verschwender, Liebhaber unzähliger Frauen, ausschließlich interessiert an Pferden, Jagd und gutem Essen, dem es nicht in den Kopf geht, dass einfache Leute wie der Automechaniker oder der Weinlieferant die Dreistigkeit haben, ihn mit unbezahlten Rechnungen die Stimmung zu verderben anstatt dankbar zu sein, ihm zu Diensten sein zu dürfen. Trotzdem schafft er es, eine Art Beziehung zu seinem Sohn Hubert und seiner Tochter Aroon aufzubauen. Zumindest, wenn die Kinder mutig auf ihren Pferden dahinjagen.

Aroons Mutter lebt nur für ihre Kunst; unbezahlte Rechnungen, die spätestens nach dem Tod ihres Ehemannes immer drängender werden, stopft sie einfach in eine Schublade. Problem erledigt. Und obwohl in dieser Familie niemand gewalttätig wird, dürfte „Mummy“ mir als eine der schauderhaftesten Mutterfiguren der Literatur in Erinnerung bleiben.

Die Kinder werden älter, durch ihren Bruder Hubert lernt Aroon den Nachbarssohn Richard näher kennen. Die beiden Familien hatten einst dasselbe liebevolle Kindermädchen, das sich – der Leser weiß warum – eines Tages im See ertränkt hat.

Mehr soll hier zum Inhalt gar nicht gesagt werden, da jede Seite eine neue Facette dieses dysfunktionalen, nur auf den äußeren Schein bedachten Familienlebens offenlegt. Ich weiß jedenfalls nicht, wann ich das letzte Mal eine so unter die Haut gehende und dabei absolut glaubwürdige Charakterschilderung gelesen habe. Und es wird dabei offensichtlich, was passiert, wenn über die wesentlichen Themen nicht geredet werden darf, entweder weil dann die hübschen Lebenslügen der Wohlanständigkeit offenbar würden oder weil man menschlich so verarmt ist, dass man im Grunde tatsächlich nichts mehr zu sagen hat. Alles, sogar die Trauer, wird unter dem Deckmantel des „Good Behaviour“ zugedeckt. Selbst wenn der Mantel dabei ordentlich verrutscht.

Am Ende ist Aroon eine beschädigte Frau, die vieles nicht sehen oder verstehen will und schließlich auch nicht mehr erkennen kann, wo ihr Glück vielleicht hätte liegen können. Man hätte ihr das anders gewünscht.

Darüber hinaus ist der Roman auch spannend, man wird – auch von der intensiven Stimme dieser Ich-Erzählerin, die keinen Hehl aus ihren Sympathien und  Antipathien macht und eine scharfe und bissige Beobachterin ist – vorwärtgetrieben, sodass die Lektüre keineswegs so deprimierend und trostlos ist, wie man anhand des Inhalts vielleicht vermuten könnte, zumal sie schöne Momente wie das Tanzengehen mit ihrem Bruder oder Richard und gutes Essen in vollen Zügen genießen kann.

Und es ist faszinierend zu sehen, wie Aroon, die uns das doch alles erzählt, so selten die richtigen Schlüsse aus dem Erlebten ziehen kann, ohne dass wir sie deswegen verachten oder für dumm halten würden. Ein gelungener Balanceakt.

Molly Keane (1904-1996) hat es mit ihrem Roman Good Behaviour von 1981, der auf Deutsch unter dem Titel Eine böse Geschichte erschien,  auf die Shortlist des Booker Prizes geschafft. Und die mehrmalige Booker Prize-Trägerin Hilary Mantel wünscht dem Buch noch viel mehr Aufmerksamkeit:

A real work of craftmanship, where the heroine is also the narrator, yet has no idea what is going on. You read it with mounting horror and hilarity as you begin to grasp her delusion.

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