Fundstück von Francis Spufford

For what soul, to whom the world is still relatively new, does not feel the sensible excitement, the faster breath and expansion of hope, where every alley may yet contain an adventure, every door be back‘d by danger, or by pleasure, or by bliss.

aus: Francis Spufford: Golden Hill, Faber & Faber 2016, S. 19

Denn nur wem die Welt schon zu vertraut geworden ist, der verspürt nicht mehr den schnellen Atem und die steigende Erwartung dort, wo in jeder Gasse noch ein Abenteuer lauern kann und hinter jeder Tür Gefahr, Lust oder Glückseligkeit.

aus: Francis Spufford: Neu York, Rowohlt Verlag 2017, S. 30 (aus dem Englischen von Jan Schönherr)


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Fundstücke von Erwin Strittmatter

Die Tage gehen, einer geht hinter dem anderen her, und wir sehen sie nicht wieder. (S. 37)

Der Mensch hat die Wahl, in der Wirklichkeit oder in der Einbildung zu leben. Am liebsten lebt er in der Einbildung. (S. 269)

Von vorn erkennt man schwer, daß das Schlechte, was auf einen zukommt, ein Gutes im Gefolge  hat. (S. 332)

Bis auf den heutigen Tag frage ich mich, ob es gut ist, die Zeit, in der man lebt, mit Erinnerungen an gewesene Zeiten zu vertun. Sollte man nicht lieber die Gegenwart, so beschössen sie sich zuweilen auch darzustellen beliebt, mit Hilfe von Phantasie und Poesie an die Stelle rücken, an der sie schon jetzt der Glanz des Vergangenen trifft? (S. 424)

Aus: Erwin Strittmatter: Der Laden – Erster Teil (1983), zitiert nach der Ausgabe des Aufbau Verlages 2004

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Fundstück von David Park

Über Teenager und ihre Handys…

He [his son] knows that requests to disengage from phones are always a prelude to something of possible significance and although we’ve banned them from our evening meal-table we don’t ask very often because I know it’s the teenage equivalent of leaving the mother ship and floating away untethered into the emptiness of space.

aus: David Park: Travelling in a Strange Land (2018), S. 86

Fundstück von Bergsveinn Birgisson

Gedanke am Morgen

Auf die Bucht hinauszuschauen an einem Morgen, wenn die Wolkenkissen friedlich auf der gegenüberliegenden Küste ruhen, dort, wo alles besser zu sein scheint und irgendwelche unbekannten Versprechen im Licht wohnen.

aus: Bergsveinn Birgisson: Die Landschaft hat immer recht, Residenz Verlag 2018 (OA 2003), S. 232

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Fundstück von Angelika Overath

Kurz nach unserem Umzug brachte Matthias eine Schulkameradin mit, ein Mädchen mit blauen Augen und braunen Locken. Das Kind betrat unsere Wohnung und sah sich um. Langsam sah es über die hohen Wände mit den sehr vielen Büchern, und ich sah, daß es vielleicht noch nie so viele Bücher auf einmal gesehen hat. Aber das Mädchen sah, daß ich das sah. Da drehte es sich zu mir um, schlug die großen Augen auf und sagte: Und mein Vater hat 200 Schafe!

Aus: Angelika Overath: Alle Farben des Schnees: Senter Tagebuch, Luchterhand 2010, S. 35

Fundstück von Bergsveinn Birgisson

Das Leben und die Liebe – das bedeutet, anderem als sich selbst verbunden zu sein, und so findet man sich selbst. Aber die Menschen wollen frei und unabhängig leben, nicht gebunden sein and etwas anderes als den eigenen Willen. Und es wird heutzutage so viel in den Läden gekauft, dass man glauben möchte, Gott sei gestorben. Und dann bleiben die Menschen auf sich selbst sitzen und sagen, dass Freiheit bedeute, die Welt zu regieren. Dann werden dicke Bücher geschrieben und endlose Debatten darüber geführt, warum es den Menschen immer häufiger wie vergessenen, verrosteten Containern auf dem Hafenkai geht. Die Menschen haben sich losgerissen von anderen, um sich selbst zu finden. Der Grashalm auf der Hauswiese – hat er so etwas schon gehört?

aus: Bergsveinn Birgisson: Die Landschaft hat immer recht, Residenz Verlag 2018 (OA 2003), S. 207