Fundstück von William Henry Hudson

Meines Erachtens ist nichts so ergötzlich im Leben wie das Gefühl der Entspannung, des Entrinnens und der vollkommenen Freiheit, das man in einer weiten Einöde erfährt, wo der Mensch vielleicht noch nie gewesen war und jedenfalls keine Spur seines Daseins hinterlassen hat.

aus: William Henry Hudson: Müßige Tage in Patagonien, Matthes & Seitz, Berlin 2019, Naturkunden NO. 57, S. 12, aus dem Englischen von Rainer G. Schmidt

Im Original lautet die Stelle:

To my mind there is nothing in life so delightful as that feeling of relief, of escape, and absolute freedom which one experiences in a vast solitude, where man has perhaps never been, and has, at any rate, left no trace of his existence.

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Rückblick auf das Lesejahr 2019 und den Versuch, ein Buch der Nobelpreisträgerin zu lesen

Auch in diesem Jahr möchte ich noch einmal auf das vergangene Lesejahr schauen, bevor ich mir dann die ewigneue Frage stelle, was ich wohl als nächstes lese.

Wie im vergangenen Jahr greife ich die Anregung von Kerstin Herbert von Frauenleserin auf, die schon 2018 dazu eingeladen hatte, sich einmal die „Frauenquote“ auf unseren Blogs genauer anzuschauen. Das Thema wird uns noch eine Weile beschäftigen, wie Nicole Seifert in ihrem Beitrag auf ihrem Blog Nacht und Tag gezeigt hat. Ich empfehle dazu auch das von Auffermann, Kübler, März und Schmitter herausgegebene Werk Leidenschaften: 99 Autorinnen der Weltliteratur (2009).

Wie hoch ist Deine „Frauenquote“? Wie viele Bücher hast Du in diesem Jahr gelesen und/oder rezensiert? Wie viele davon wurden von Autorinnen verfasst?

Dieses Jahr las ich 23 Bücher von Frauen und 22 Bücher von Männern. Das bedeutet für mich, dass ich weiterhin nach Lust und Laune auswählen werde, was mir lesenswert und interessant erscheint.

Welches Buch möchtest Du 2019 unbedingt lesen?

Da ich eine hoffnungslose Spontanleserin bin, lässt sich das schwerlich sagen, aber zwei Bücher liegen hier tatsächlich, die ich unbedingt lesen möchte, nämlich Habe ich denn allein gejubelt von Eva Sternheim-Peters. Und immer noch wartet The Lonely Passion of Judith Hearne von Brian Moore darauf, wiedergelesen zu werden.

Welches war das optisch ansprechendste Buch?

Das war nicht nur optisch das ansprechendste, sondern auch gleich das „gewichtigste“ Buch: Little Women von Luisa May Alcott.

Welches Buch hat dich enttäuscht?

War ich zunächst noch guter Dinge, was Gesang der Fledermäuse der Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk anging, so beschlich mich je länger, je deutlicher das Gefühl, dass mich die Ich-Erzählerin Janina kein bisschen interessiert. Diese hat sich den Tierschutz und die Lyrik Blakes auf ihre Fahnen geschrieben. Der Originaltitel des Romans, den auch die englische Übersetzung beibehalten hat, stammt aus einem Gedicht William Blakes (1757-1827): „Lenke deinen Wagen und Pflug über die Gebeine der Toten“.

Die ältere Janina, ehemalige Brückenbauingenieurin, lebt in der polnischen Provinz nahe der tschechischen Grenze eigenbrötlerisch vor sich hin. Ihre wenigen Freunde sind mindestens solche Einzelgänger wie sie selbst. Janinas große Leidenschaft gilt der Astrologie. Sie berechnet Horoskope, wobei ihr die Leser leider manchmal seitenlang folgen müssen. Als es zu unerklärlichen Todesfällen unter den Jägern und Wilderern in der Nachbarschaft kommt, versucht Janina alle davon zu überzeugen, dass sich hier die Tiere für die Jagd, die Wilderei, den menschlichen Fleischkonsum und die qualvollen Fallen im Wald am Menschen rächen. Als sie das auch der Polizei mitteilt, zeigt sich diese jedoch nicht besonders offen für Janinas Sichtweise.

Plötzlich war mir klar, warum die Hochsitze, die doch mehr an die Wachtürme eines Konzentrationslagers erinnern, Kanzeln genannt werden. Auf einer Kanzel stellt sich ein Mensch über die anderen Lebewesen und erteilt sich selbst die Macht über ihr Leben und ihren Tod. (S. 273)

Ich wollte die Aufklärung der Mordfälle da schon gar nicht mehr wissen. Schade, denn den ruhigen, manchmal kauzigen Erzählstil mochte ich sehr, obwohl auch der nicht vor Klischees zurückschreckt.

Welches war deine persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Eine Neu-Entdeckung ist für mich jede Autorin, jeder Autor, deren/dessen Buch mir so gut gefallen hat, dass ich mich auf weitere Bücher einlassen würde. Christopher Huang, David Park und Anne Griffin waren solche Entdeckungen.

Gab es Entdeckungen im Krimi-Bereich?

Der Pokal geht ohne Frage an Barbara Neely und ihre vier Bände um die hinreißende Blanche White. Krimis, bei denen man etwas lernen kann.

Welche Bücher haben den tiefsten Eindruck hinterlassen?

Dazu gehören sicherlich A Different Drummer von William Melvin Kelley.

Aber auch die Autobiografie Benjamin Zephaniahs und Alec Guinness mit seinen Tagebüchern werden mir in Erinnerung bleiben.

Welches Buch willst du unbedingt 2019 lesen und warum?

Das wird grundsätzlich spontan und situativ wendig entschieden.

Gibt es eine Schmökerempfehlung für das nächste verrregnete Wochenende?

Jane Harris hat mit ihrem 2011 erschienenen Roman Gillespie and I, der 1888 in Glasgow und 1933 in London spielt, eine Ich-Erzählerin geschaffen, die einem noch nach der Lektüre beunruhigend im Kopf herumgeistert.

Rückblick auf das Lesejahr 2018

Auch in diesem Jahr soll es wieder einen kleinen Rückblick auf das vergangene Lesejahr geben. Die Fragen, an denen ich mich dabei entlanghangele, ändern sich von Jahr zu Jahr; diesmal greife ich gern die Anregungen von Kerstin Herbert von Frauenleserin auf, die dazu einlädt, sich einmal die „Frauenquote“ auf unseren Blogs genauer anzuschauen.

Gleich die ersten vier Fragen stammen von ihr:

Wie hoch ist Deine „Frauenquote“? Wie viele Bücher hast Du in diesem Jahr gelesen und/oder rezensiert? Wie viele davon wurden von Autorinnen verfasst?

Auf den ersten Blick wäre die Antwort wohl erschreckend. Von den 22 Büchern, die ich dieses Jahr gelesen habe,  stammen nur fünf von Frauen. Doch wenn ich auf 2017 schaue, stellt sich das schon wieder anders da: Von den 31 gelesenen Büchern wurden 19 von Frauen geschrieben und 12 von Männern. Das bedeutet für mich, dass ich nach wie vor rein nach Lust und Laune auswählen werde, was mir lesenswert und interessant erscheint.

Welches Buch einer Autorin ist Dein diesjähriges Lesehighlight? (Warum?)

Molly Keane hat mich mit ihrer großartigen und psychologisch packenden Darstellung einer beschädigten Frau in ihrem Buch Good Behaviour sehr beeindruckt.

Welche  weibliche Lebensgeschichte bzw. Biografie hat Dich in diesem Jahr besonders beeindruckt (und warum?)

Das dürfte wohl zum einen die Autobiografie von Claire Tomalin sein, die in ihrem Leben mehr Bälle jongliert hat als andere in drei Leben und sich außerdem einen Namen in einer damals von Männern dominierten Welt erarbeitet hat. Und zum anderen wäre hier Alma M. Karlin zu nennen, eine der ersten erfolgreichen deutschsprachigen Reiseschriftstellerinnen mit ganz eigenem Sound.

Aber beim Stichwort Biografie muss unbedingt auch die zu Vincent van Gogh erwähnt werden. Naifeh und White Smith zeigen mit ihrem Werk von 2011, was eine Biografie sein kann. Überbordend informativ und spannend bis zur letzten Seite.

Welches Buch einer Autorin möchtest Du 2019 unbedingt lesen?

Da ich eine hoffnungslose Spontanleserin bin, lässt sich das schwerlich sagen, aber zwei Bücher liegen hier tatsächlich, die ich unbedingt wiederlesen möchte, nämlich the sea, the sea von Iris Murdoch und The Lonely Passion of Judith Hearne, das wurde allerdings von einem Mann geschrieben, nämlich Brian Moore.

Welches war das optisch ansprechendste Buch?

Das war nicht nur optisch das ansprechendste, sondern auch gleich das „gewichtigste“ Buch: Codices illustres: Die schönsten illuminierten Handschriften der Welt von Ingo F. Walther und Norbert Wolf.

Welches Buch hat dich enttäuscht?

Hilde & Gretl von Leitner und Coeln bot leider doch keinen Erkenntnisgewinn und die Biografie zu Graham Greene von Ulrich Greiwe brach ich vorzeitig ab.

Welches war deine persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Eine Neu-Entdeckung ist für mich jede Autorin, jeder Autor, deren/dessen Buch mir so gut gefallen hat, dass ich mich auf weitere Bücher einlassen würde. Jim Powell war eine solche Entdeckung.

Gab es Entdeckungen im Krimi-Bereich?

Oh, Mick Herron hat mich mit Slow Horses total begeistert, ansonsten habe ich nach wie vor Spaß mit Alan Bradleys Krimi-Geschichten um die intelligente, elfjährige Hobby-Chemikerin Flavia de Luce, die davon träumt, es ihren fürchterlichen Schwestern irgendwann einmal so richtig heimzuzahlen. Doch immer kommt ein Mordfall dazwischen.

Gab es lohnende Bücher, die raus aus deiner Lesekomfortzone führten?

The Sun Does Shine von Anthony Ray Hinton ist so ein Buch, das einem auf der einen Seite die Ungerechtigkeit des amerikanischen Rechtssystems vor Augen führt und gleichzeitig von Würde und menschlicher Größe erzählt.

Welche Bücher haben den tiefsten Eindruck hinterlassen?

Dazu gehören sicherlich Good Behaviour von Molly Keane und Things we nearly knew von Jim Powell.

Trotz bestimmter Vorbehalte wird mir auch das sperrige Solsbüll von Jochen Missfeldt in Erinnerung bleiben.

Außerdem wären No Great Mischief von Alistair MacLeod und das menschenfreundliche Buch über einen ganz normalen Familienurlaub von Robert Cedric Sherriff von 1931 zu nennen.

Welches Buch willst du unbedingt 2019 lesen und warum?

Von Kai habe ich vor Jahren den schönen Begriff “sprunghafter Lustleser” gelernt; also, ich weiß noch nicht einmal, was ich nächste Woche lesen werde, geschweige denn nächstes Jahr.

Mit welcher Lektüre beschließt du das Lesejahr 2018?

Zurzeit lese ich Sibirische Sommer mit Dostojewski von Jan Brokken und William Shakespeare in seiner Zeit von Hans-Dieter Gelfert.

Welche Leseanregungen stammen von anderen Blogs?

Oh, das wird jedes Jahr schlimmer. Da kann ich nur einen großen Mantel des Schweigens drüber breiten. Mein Mann behauptet gar, wir hätten inzwischen ein ernsthaftes Problem …

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Sommerfrische

Pieter Steinz war mit seinem Buch Der Sinn des Lesens der Anlass, sich noch einmal Karlsson vom Dach von Astrid Lindgren aus dem Regal zu fischen.

Und mit einem Zitat dieses Karlssons verabschieden wir uns in die Sommerfrische.

Ich bin ein schöner und grundgescheiter und gerade richtig dicker Mann in meinen besten Jahren.

Doch nicht bevor ich noch auf das allerschönste Video der letzten Monate hingewiesen habe, das aus allen Knopflöchern Freude ausstrahlt:

 

Bloggen für Dummies

Es führt ja kein Weg an der Einsicht vorbei, dass man, wenn man über Bücher bloggen möchte, sich einige Regeln zu Herzen nehmen sollte.

  1. Konzentriere dich auf bestimmte Themen, bestimmte Genres, Epochen, Länder oder Schriftsteller. Springe keinesfalls von AutorInnen, die niemand kennt und niemand kennen lernen möchte, zu Titeln, die jeder schon kennt und über die folglich auch kein Mensch mehr etwas lesen will.
  2. Schreibe nichts zu einsamen mittelalterlichen Damen  und nerv deine LeserInnen nicht mit eher abseitigen Interessen.
  3. Bringe nicht dauernd englische Zitate. Ich will schließlich auch keine Texte lesen, die von französischen oder italienischen oder chinesischen Textstücken wimmeln.
  4. Plane deine Lektüre vorausschauend. Durchforste die Verlagsvorschauen schneller als alle anderen und sei die erste, die zu der herausragenden Neuerscheinung etwas schreibt.
  5. Verschweige, dass du auch mal zur Erholung liest. Also nichts Seichtes, Leichtes, Fluffiges. Es muss immer um das noch nie Dagewesene, so noch nie Gedachte und Geschriebene gehen. Sei gesellschaftlich relevant. Der Blog ist dein intellektuelles Aushängeschild.
  6. Lies NIE 16 Bände einer hübschen Krimireihe hintereinander. Da bloggst du nur über den ersten Band und dann? Das kostet viel zu viel Lesezeit. Außerdem: siehe Regel 5.
  7. Sei straff organisiert. Veröffentliche neue Beiträge nach Plan, einmal wöchentlich. Am besten zu einer festen Uhrzeit.
  8. Schaue dreimal täglich, wie sich deine Aufrufzahlen entwicklen. Sollte die Tendenz nicht zufriedenstellend sein, frage deine Follower, was sie sich von dir wünschen.
  9. Vernetze dich laut und sichtbar, auf allen möglichen Kanälen, aber vorzugsweise mit den intellektuellen, den relevanten, den echten Influencern, denen mit Reichweite. Denen sagst du auch, wie toll du sie und ihre Beiträge findest.
  10. Lies grundsätzlich keine Bücher mit mehr als 500 Seiten. Die Biografie zu Vincent van Gogh von Steven Naifeh und Gregory White Smith? Über tausend Seiten? Auf gar keinen Fall. Deine LeserInnen denken, du bist ausgewandert, an der Spanischen Grippe erkrankt oder von Außerirdischen entführt, weil sich auf deinem Blog nichts mehr regt.

Solltet ihr noch weitere Regeln ergänzen wollen, bitte gern.

Nachtrag: Wunderbar, hier sind weitere Tipps für Dummies:

  1. Vergiss, dass Du ursprünglich mit dem Bloggen begonnen hast, weil Du so viel Spaß am Lesen hattest – es ist harte Arbeit und muss mit Ernsthaftigkeit betrieben werden. (von Niamh O’Connor)
  2. Wage es bloß nicht, dich intensiv mit einem (Sachbuch-) Thema zu beschäftigen und das auch noch für längere Zeit. Wenn schon jemand den kostenlosen Content liest, den du bereitstellst, dann hat er Anspruch auf Abwechslung. (von Nomadenseele)
  3. Platziere deine Bücher in möglichst schöner Umgebung und stelle sie fotogen zur Schau. Verwende am besten einen fancy Instagramfilter und deine Followerzahlen gehen durch die Decke. (von Marc)
  4. Melde dich wortreich ab, wenn du mal eine Woche keine Zeit (oder – ganz verwerflich – keine Lust) zum Bloggen hast. Bitte um Nachsicht und fordere die gerechte Strafe, denn sonst springen deine Leser sofort ab. (von Petra Wiemann, leicht verschärft)

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Lesejahr 2017

Auch dieses Jahr möchte ich mich an den Fragen entlanghangeln, die ursprünglich Katrin von Buchsaiten ins Spiel gebracht hat, um das Lesejahr abzuschließen. Dabei lasse ich einige Fragen weg, andere sind hinzugekommen.

1. Welches war das optisch ansprechendste Buch?

Das war ohne Frage das Kopfkissenbuch der japanischen Hofdame Sei Shōnagon, entstanden um 1000; und zwar in der Übersetzung von Michael Stein aus dem Manesse Verlag.

2. Welches Buch hat dich enttäuscht?

Diese Auszeichnung geht an Nathaniel Hawthornes Klassiker Das Haus mit den sieben Giebeln.

3. Welches war deine persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Eine Neu-Entdeckung ist für mich jede Autorin, jeder Autor, deren/dessen Buch mir  so gut gefallen hat, dass ich mich auf weitere Bücher einlassen würde. Das war in diesem Jahr unter anderem Dorothy Whipple, von der ich gleich drei Romane gelesen habe.

4. Gab es Entdeckungen im Krimi-Bereich?

Ich staune immer wieder, wie viel es im Bereich des Cozy Crime aus dem letzten Jahrhundert noch zu entdecken gibt. Besonders gern habe ich dieses Jahr The Draycott Murder Mystery (1928) von Molly Thynne gelesen. Allein schon diese Einleitung:

The wind swept down the crooked main street of the little village of Keys with a shriek that made those fortunate inhabitants who had nothing to tempt them from their warm firesides draw their chairs closer and speculated as to the number of trees that would be found blown on the morrow.

Aber Absent in the Spring (1944) von Agatha Christie war auch großes Kino.

5. Welcher Einstiegssatz hat sofort funktioniert?

After two miles of walking he came to a town.

Da hatte mich Walter Tevis mit seinem The Man Who Fell to Earth sofort am Haken. Schuld daran war übrigens The Binge Reader.

6. Gab es lohnende Bücher, die raus aus deiner Lesekomfortzone führten?

Nun, Hillbilly-Elegie von J. D. Vance und Der Spaziergänger von Aleppo von Niroz Malik gehören vermutlich dazu.

Auch dement von Lioba Happel habe ich gern gelesen.

7. Welche Bücher haben den tiefsten Eindruck hinterlassen?

Beschäftigt hat mich Zeithain von Michael Roes (2017).

Aber besonders bewegt haben mich Der Sinn des Lesens (2015) von Pieter Steinz und Das Haus, das Glück und der Tod (1998) von Herrad Schenk.

Doch am deutlichsten vor Augen geführt, warum wir (auch) lesen, hat mir sicherlich das unvergleichliche The Return von Hisham Matar, das inzwischen auch auf Deutsch erschienen ist.

8. Welches Buch willst du unbedingt 2018 lesen und warum?

Von Kai habe ich vor Jahren den schönen Begriff “sprunghafter Lustleser” gelernt; also, ich weiß noch nicht einmal, was ich nächste Woche lesen werde, geschweige denn nächstes Jahr.

Aber der Vorsatz, meine Buchkaufgeschwindigkeit massiv zu drosseln, hat nichts von seiner Dringlichkeit verloren, denn es sind immer noch keine Anbaumaßnahmen geplant.

Außerdem ist es Zeit, sich dem Phänomen zu stellen, dass es manchmal reizvoller zu sein scheint, Bücher zu kaufen, als diejenigen auch zu lesen, die bereits hier rumstehen…

Da wären zum Beispiel:

  • Martin Edwards: The Story of Classic Crime in 100 Books (2017)
  • Sonja Hartwig: Kazim, wie schaffen wir das? Kazim Erdoğan und seine türkische Männergruppe – vom Zusammenleben in Deutschland (2017)
  • Und für zwischendurch und immer wieder zum Schmökern: Foer, Thuras, Morton:   Atlas Obscura (2017)

9. Welche Bücher wären spurlos an dir vorbei gegangen, wenn nicht andere BloggerInnen dich darauf aufmerksam gemacht hätten?

Über diese Frage möchte ich auch dieses Jahr einen besonders großen Mantel des Schweigens breiten, denn fast alle meine Anregungen stammen inzwischen von anderen Literaturbloggerinnen.

10. Mit welcher Lektüre beschließt du das Lesejahr 2017?

Das kann zum Zeitpunkt des Schreibens noch nicht abschließend geklärt werden.

Als vorletztes las ich jedenfalls Thrones, Dominations (1998). Jill Paton Walsh hat mit dem Buch fast 60 Jahre später einen von Dorothy Sayers begonnenen Kriminalroman um Lord Peter Wimsey fertiggestellt. Aber auch wenn die Grundidee interessant ist, fehlt dem Buch eine innere Balance. In den ersten hundert Seiten werden uns die Protagonisten vorgestellt, während die eigentliche Auflösung dann wiederum nur eine halbe Seite beansprucht. Insgesamt kommt es ein wenig schwerfällig daher.

Beendet habe ich gerade die Biografie zu Theodor Storm von Jochen Missfeldt. Ein Pageturner war Du graue Stadt am Meer für mich jetzt nicht. Zwischendurch passte der Stil des Autors nicht unbedingt zum Stoff. Aber geradezu minutiös recherchiert. Zum Glück war Storm ein eifriger Briefeschreiber. Und es ist toll, dass Missfeldt häufig zitiert, man hört vieles quasi aus erster Hand. Als Vater und Ehemann möchte man Storm allerdings nicht geschenkt haben.

Interessant schon der zeitgeschichtliche Hintergrund um die Auseinandersetzung zwischen Dänemark und Preußen, der die Storms ins Exil trieb, und natürlich die vielen Freundschaften mit Dichterkollegen, die aber auch nie völlig unproblematisch verliefen. Jedenfalls ist es nun Zeit, mal wieder den Schimmelreiter und Novellen von Storm aus dem Regal zu holen. Und Gottfried Keller und Fontane gleich mit.

Allen einen behüteten Jahreswechsel, Gesundheit und ein gutes neues Jahr.

Und natürlich immer genügend Bücher anbei.

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Lesejahr 2016

Auch dieses Jahr möchte ich mich an den Fragen entlanghangeln, die ursprünglich Katrin von Buchsaiten ins Spiel gebracht hatte, um das Lesejahr abzuschließen. Einige Fragen habe ich dezent dazugemoggelt.

1. Von welchem Buch habe ich mir zunächst gar nicht so viel versprochen?

Das war Winifred Watsons wunderbares Buch Miss Pettigrew lives for a day (1938), das viel mehr als nur die erwartete leichte Unterhaltung bot.

2. Welches war das optisch ansprechendste Buch?

Das ist einfach: Stefan Zweig: Buchmendel/Die Unsichtbare Sammlung (2016) aus dem Topalian & Milani Verlag.

3. Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Eine Neu-Entdeckung ist für mich jede Autorin, jeder Autor, deren/dessen Buch mir so gut gefallen hat, dass ich mich auf weitere Bücher einlassen würde. Das waren in diesem Jahr unter anderem Autoren, die mich aus meiner eher angelsächsisch geprägten Lesewelt herausgeführt haben:

4. Gab es Entdeckungen im Krimi-Bereich?

Unbedingt, ich bin inzwischen süchtig nach den Abenteuern von Mary Russell, der Ehefrau von Sherlock Holmes, von Laurie R. King.

5. Gab es eine Gattung, die sich 2016 überraschend häufig auf dem Blog tummelte?

Mir war gar nicht aufgefallen, dass ich doch mehrere Autobiografien/Biografien gelesen habe.

Und dazu die schönste Autobiografie überhaupt, nämlich die von Agatha Christie.

6. Welche Bücher haben den tiefsten Eindruck hinterlassen?

Das waren zum einen sicherlich die Brautbriefe Zelle 92 von Dietrich Bonhoeffer und Maria von Wedemeyer.

Und auf ganz andere Art und Weise die Reiseerinnerungen von Oss Kröher: Das Morgenland ist weit.

7. Welches Buch wollt ihr unbedingt 2017 lesen und warum?

Von Kai habe ich vor Jahren den schönen Begriff “sprunghafter Lustleser” gelernt; also, ich weiß noch nicht einmal, was ich nächste Woche lesen werde, geschweige denn nächstes Jahr.

Aber der Vorsatz, meine Buchkaufgeschwindigkeit massiv zu drosseln und den SUB abzubauen,  wird immer dringlicher. Die Statik des Hauses verlangt nach drastischen Maßnahmen, da Anbaumaßnahmen zur Zeit nicht geplant sind.

8. Welche Bücher hast du 2016 wiedergelesen? 

Sollte man viel öfter machen, Bücher wiederzulesen. Klassiker lesen.

9.  Welche Bücher wären spurlos an dir vorbei gegangen, wenn nicht andere BloggerInnen dich darauf aufmerksam gemacht hätten?

Über diese Frage breiten wir einen besonders großen Mantel des Schweigens.

10. Mit welcher Lektüre beschließt du das Lesejahr 2016?

Fast beendet habe ich Der Himmel meines Großvaters von Stefan Hertmans. Ein beeindruckendes Buch, ursprünglich 2013 erschienen und von Ira Wilhelm aus dem Niederländischen übersetzt. Hier spürt der Autor der Lebensgeschichte seines Großvaters, dem Helden seiner Kindheit, anhand von Erinnerungen, Familienerzählungen und den vom Großvater selbst hinterlassenen Aufzeichnungen nach.

Wir folgen dem Leben eines einfachen Mannes, das in ärmlichen Verhältnissen begann, der Vater war Kirchenmaler, doch nie war genug Geld zum Sattessen da. Der Dreizehnjährige tritt seine erste Arbeitsstelle in einer Eisengießerei an. Eine grausame Maloche, bei der es zu Szenen kommt, die so fürchterlich sind, dass sie sich dem Leser auf die Netzhaut brennen. Schließlich der Wunsch des Jungen, beruflich in die Fußstapfen des Vaters zu treten und ebenfalls Maler zu werden. Und so wird die Malerei zu einem Trost und zu einer Leidenschaft, der er bis ins hohe Alter nachgehen wird.

Anschließend erlebt der junge Mann in den belgischen Schützengräben die Grausamkeiten und den geballten Irrsinn des Ersten Weltkrieges. Eine Liebesgeschichte deutet sich an und dann der dritte Teil, in dem die restlichen Jahrzehnte – für meinen Geschmack viel zu stark gerafft – gebündelt werden.

Das Ganze wird mit der Gegenwart verschränkt, der Spurensuche des Enkels, mit Betrachtungen zu den Bildern des Großvaters, Reflexionen über das Vergessen, das Erinnern und das unerbittliche Hinwegschreiten der Zeit über die Orte, die in einem Leben einstmals eine wichtige Rolle gespielt haben, doch heute nur noch Schnellstraßen, Wohnblocks oder Brachland sind.

In drei Worten: leise, bewegend und erhellend.

Siehe dazu auch den Beitrag von Volkmar Mühleis auf der Seite des Deutschlandfunk.

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Eulen in der Politik

Eine Eule – ist sie nicht schön? Für viele ein Symbol der Weisheit. Nun, ein bisschen mehr davon im momentanen politischen Diskurs wäre wünschenswert.

Und so gibt es heute ausnahmsweise mal ganz andere Empfehlungen als sonst:

Johannes Kuhn schrieb für die Süddeutsche Zeitung den Artikel Trump und der Traum vom weißen Amerika.

Und es war auch die Süddeutsche, die mich an das Theaterstück Die Nashörner von Eugène Ionesco erinnerte.

Auch ein Wiederlesen von Der Flüchtling. Eine Episode am Genfer See von Stefan Zweig könnte nicht schaden.

Außerdem kann man den Artikel The Paranoid Style in American Politics von Richard Hofstadter lesen. Erstmal 1964 erschienen.

Passend dazu der Wälzer Dark Money von Jane Mayer über die Machenschaften der amerikanischen Koch-Brüder und ihrer Spießgesellen. Vorgestellt in der New York Times.

Über die Frage, was Big Data, die Likes auf Facebook und eine britische Firma namens Cambridge Analytica mit Trump zu tun haben, gibt es einen lesenswerten Artikel im Schweizer  Magazin.

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Tagebuch Ende der Siebziger

Beim Aufräumen fiel mir mein erstes Tagebuch in die Hände. Das ist nicht unbedingt immer erquicklich zu lesen, was ich so als Zwölf- und Dreizehnjährige des Aufschreibens für wert befunden habe. Besonders ins Grübeln gekommen bin ich bei folgendem Eintrag:

Bin zur Klassensprecherin gewählt worden. Scheußlich. Die Schule ist schrecklich. Das Wetter ist schön.

Heute bin ich Lehrerin, habe den ganzen Samstag mit Korrekturen verbracht und das Wetter ist scheußlich. Was will mir das sagen? Will mir das etwas sagen?

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Bücherstapel

  • Bücher die ich vor mir herschiebe weil sie zeit und mühe kosten werden
  • Bücher die mich zum lachen bringen
  • Bücher die ich unbedingt noch lesen möchte
  • Bücher zwischen denen ich mich nicht entscheiden kann
  • Bücher so eher für zwischendurch
  • Bücher die momente enthalten die ich nicht vergessen werde
  • Bücher die mich pieksen und zwacken und nicht unverändert lassen
  • Bücher die mir besondere menschen empfohlen haben
  • Bücher die auf blumenhockern zu instabilen türmen mutieren
  • Bücher die die fensterbänke und das sofa besetzen
  • Bücher mit denen ich mich nur ablenken und narkotisieren möchte
  • Bücher die gedanken enthalten die nicht besser formuliert werden könnten
  • Bücher die mir zugelaufen sind keine ahnung warum wo und wieso
  • Bücher die ich nur nach langer suche wiederfinde
  • Bücher die meinen blick dauerhaft verändern
  • Bücher die sätze aus vollkommener schönheit enthalten
  • Bücher die wie ein fernglas oder dann wieder wie eine lupe wirken
  • Bücher die ich grundsätzlich pfleglich behandle
  • Bücher die mich treffen weil sie etwas zeigen das nicht verhandelbar ist
  • Bücher die ich ab sofort bewusster auswählen möchte
  • Bücher die ich wie zufällig gefunden lesen möchte
  • Bücher die mich überraschen weil ich nicht mehr wusste dass sie hier stehen
  • Bücher die ich mal aussortieren könnte
  • Bücher die nur mein mann liest
  • Bücher die nur ich lese
  • Bücher für die ich gar nicht die zeit habe die es bräuchte
  • Bücher bei denen ich nicht nein sagen konnte
  • Bücher über schwarze über juden über kinder und widerstandskämpfer
  • Bücher über indianer hobbits islamisten frauen und künstler
  • Bücher über irrende suchende reisende und liebende
  • Bücher über länder in die ich niemals reisen werde
  • Bücher die letztlich die landkarte meines innen zeigen
  • Bücher für jede seelische groß- und kleinwetterlage
  • Bücher falls wir mal drei monate eingeschneit sein sollten
  • Bücher die sich allmählich jeglichem ordnungssystem entziehen
  • Bücher ein teil meines horizonts
  • Als eine möglichkeit welt zu erfahren

Ein Dankeschön an normalverteilt für die Anregung.

Urlaubsköfferchen

Natürlich nehme ich Bücher mit in den Urlaub. Doch nun, nach meinem Osterurlaub, muss ich mich wieder mit einem schier unerklärlichen Phänomen herumplagen.

Auf der Hinreise befanden sich diese fünf Bücher im Urlaubsköfferchen:

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Nach der Rückkehr fischte ich jedoch das hier aus dem Koffer:

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Gelesen davon habe ich ganze drei (!) Bücher. Ohnehin beobachte ich schon seit längerem und mit zunehmender Besorgnis, wie Blumenhocker allmählich zu instabilen Büchertürmchen mutieren, erste Fensterbänke in Beschlag genommen werden, manche Bücher schon in zweiter Reihe stehen und ich erst das Sofa freiräumen muss, wenn Besuch kommt.

Kinder, so geht das hier nicht weiter!

Ab sofort mache ich mit bei Maras dreimonatigem Bücherkaufstopp.

Warum lesen

um mich zu freuen
um zu lernen
um zu reisen
um zu lachen
um zu sehen
um nichts mehr zu sehen
um auf unbestimmte zeit zu verschwinden
um mich nach all dem geplapper zu sammeln

um die verantwortung für den tag zu vertagen
um verbindungen zu begreifen
um nicht auf meine grenzen begrenzt zu sein
um zu verstehen
um zu entspannen
um allein zu sein
um ein netz zu spannen
um wieder luft zu bekommen

Die Lesende von Karlheinz Goedtke (Eutin, 1993)

Vergleich: Original und Übersetzung

Christiane von Irgendwas ist immer fragte in ihrem Kommentar zu meiner Besprechung von An Autobiography von Agatha Christie:

Ich bin nicht sicher, ob ich für die englische Fassung die Geduld aufbringe, kannst du was zu der deutschen Übersetzung sagen, außer dass der Titel albern ist?

So habe ich  meiner Mutter mal die deutsche Übersetzung von Hans Erik Hausner aus dem Scherz Verlag von 1990 entwendet und ein bisschen gestöbert.

Zwar hat auch die deutsche Übersetzung 538 Seiten, doch wurde ein größeres Schriftbild gewählt und an manchen Stellen kräftig gekürzt. Dadurch wirkt die Übersetzung oft glatter – und langweiliger. Die Erzählstimme klingt weniger individuell. Der selbstironische Charme und der Plauderton gehen dabei mitunter  völlig verloren.

Drei Beispiele mögen zeigen, was ich damit meine.

1. Beispiel

Situation: Christie schreibt über ihren liebenswerten, aber faulen Vater:

Übersetzung:

Die Leute wollen [heutzutage] eher wissen, ob ein Mann klug und fleißig ist, ob er zum Wohl der Gemeinschaft beiträgt, ob er in der Ordnung der Dinge ‚zählt‘.

Original:

People tend to ask [nowadays] if a man is clever, industrious, if he contributes to the well-being of the community, if he ‚counts‘ in the scheme of things. But Charles Dickens puts the matter delightfully in David Copperfield:

‚Is your brother an angreeable man, Peggotty?‘ I enquired cautiously.

‚Oh what an agreeable man he is!‘ exclaimed Peggotty.

Ask yourself that question about most of your friends and acquaintances, and you will perhaps be surprised at how seldom your answer will be the same as Peggotty’s. (S. 15)

2. Beispiel

Situation: Agatha hatte ein langweiliges Französisch-Lehrwerk hinter einem ausgestopften Adler versteckt, um sich vor dem Unterricht zu drücken.

Übersetzung:

Mutter aber machte meine Pläne mühelos zunichte. Sie setzte einen Preis aus – eine ganz besonders leckere Schokolade -, der demjenigen zufallen sollte, der das Buch fand. Ich ging ihr in die Falle. Nachdem ich mich überall umgesehen hatte, kletterte ich schließlich auf einen Stuhl, guckte hinter den Adler und rief mit überraschter Stimme: ‚Ach, da ist es ja!‘ Die Strafe folgte auf dem Fuße. Ich wurde gescholten und für den Rest des Tages ins Bett gesteckt. (S. 50)

Original:

My mother, however, defeated my efforts with ease. She proclaimed a prize of a particularly delectable chocolate for whoever should find the book. My greed was my undoing. I fell into the trap, conducted an elaborate search around the room, finally climbed up on a chair, peered behind the eagle, and exclaimed in a surprised voice: ‚Why, there it is!‘ Retribution followed. I was reproved and sent to bed for the rest of the day. I accepted this as fair, since I had been found out, but I considered it unjust that I was not given the chocolate. That had been promised to whoever found the book, and I had found it. (S. 54)

3. Beispiel

Christie schreibt, dass Respekt wichtig für eine glückliche Beziehung ist.

Übersetzung:

Respekt aber, das ist etwas, worüber man nicht nachzudenken braucht; er ist da, und dafür ist man dankbar. Die Frau will das Gefühl haben, daß sie sich auf den Mann verlassen, seinem Urteil vertrauen und, wenn es schwierige Entscheidungen zu treffen gibt, sie diese getrost ihm überlassen kann. (S. 60)

Original:

But respect is a thing that you don’t have to think about, that you know thankfully is there. As the old Irish woman said of her husband, ‚Himself is a good head to me‘. That, I think, is what a woman needs. She wants to feel that in her mate there is integrity, that she can depend on him and respect his judgement, and that when there is a difficult decision to be made it can safely lie in his hands. (S. 64)

 

 

 

 

 

 

BuchsaitenBlogparade 2015

Katrin von BuchSaiten lädt zum siebten Mal zu ihrer Jahresabschlussparade ein, die immer eine schöne Gelegenheit bietet, anhand ihrer Fragen das Lesejahr Revue passieren zu lassen.

1. Welches war das Buch, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?

Im Nachhinein würde ich Mit dem letzten Schiff (2013) von Eveline Hasler als miesen und ärgerlichen Flop bezeichnen, hat hier doch die Autorin – ohne das kenntlich zu machen – im Wesentlichen nur eine simplifizierende Nacherzählung des umso viel dichteren Originals Auslieferung auf Verlangen von Varian Fry abgeliefert.

Die Erinnerungen Varian Frys an die 13 Monate, in denen er in Marseille die Arbeit des Emergency Rescue Committee koordinierte, das von den Nazis verfolgten Intellektuellen und Künstlern zur Flucht verhelfen sollte, erschienen bereits 1945 unter dem Titel Surrender on Demand. Die deutsche Erstausgabe Auslieferung auf Verlangen wurde von Jan Hans und Anja Lazarowicz übersetzt und 1986 im Hanser Verlag veröffentlicht.

Außerdem mochte ich die allgemeine Begeisterung zu Applaus für Bronikowski von Kai Weyand nicht teilen; mir schien das Buch gnadenlos überschätzt. Wirklich kein Vergleich zu dem so viel komischeren und tiefsinnigeren Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke von Meyerhoff.

Auch von dem neuen Roman von Friedrich Ani war ich enttäuscht.

2. Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Eine Neu-Entdeckung ist für mich jede Autorin, jeder Autor, deren/dessen Buch mir so gut gefallen hat, dass ich mich auf weitere Bücher einlassen würde. Das waren in diesem Jahr unter anderem:

3. Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2015 lesen und warum?

Von Kai habe ich den schönen Begriff “sprunghafter Lustleser” gelernt, also, ich weiß noch nicht einmal, was ich nächste Woche lesen werde, geschweige denn nächstes Jahr. Aber es wäre schon mal gut, wenn ich meine Buchkaufgeschwindigkeit massiv drosseln und den SUB ein bisschen abbauen würde. Noch bin ich fest entschlossen, im neuen Jahr maximal ein neues Buch pro Monat zu kaufen.

4. Und ich schummele noch einige Fragen dazu: Welches Sachbuch war dir in den letzten zwölf Monaten wichtig?

5. Welches Buch hast du 2015 wiedergelesen?

Johann Amos Comenius: Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens (1631)

6. Welche Klassiker hast du außerdem gelesen?

7.  Welche Bücher wären spurlos an dir vorbei gegangen, wenn nicht andere BloggerInnen dich darauf aufmerksam gemacht hätten?

Das lässt sich leider schon gar nicht mehr sauber nachvollziehen, weil ich so viele meiner Lektüreideen euren Blogs verdanke, und inzwischen ist es so arg, dass ich mich schon selbst damit überrasche, was ich so alles in meinen Regalen finde.

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Blogstöckchen: Liebster Award

Claudia vom Grauen Sofa überraschte mich mit dem Blogstöckchen des Liebster Award und folgenden Fragen. Ein schöner Anlass, aus der momentanen Blogversenkung aufzutauchen. Also los:

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1. Was war der konkrete Auslöser, mit dem Bloggen anzufangen?

Seit Jahrzehnten notierte ich mir – mal mehr, mal weniger konsequent – zumindest die Titel der Bücher, die ich gelesen hatte. Manchmal dann auch ein paar Eindrücke dazu. Doch ein oder zwei Jahre später waren die Eindrücke verblasst. Ich wusste nicht mehr, was ich an einem Buch gemocht hatte und was nicht.

Die Idee, meine Leseeindrücke konsequenter an einem Ort zu bündeln, wäre aber vermutlich ohne meinen Mann, der mir dann WordPress ins Haus schleppte, eine bloße Idee geblieben. Und die Hoffnung, dass ich mich nun besser an Bücher erinnern kann, die ich vor drei Jahren gelesen habe, hat sich erfüllt. Das Sortieren der Gedanken und das Schreiben haben meinen Leseprozess tatsächlich vertieft, aber auch verlangsamt.

Dass ich außerdem so viel Zeit bei anderen Blogs verbringen würde, konnte ich damals nicht wissen, denn ich war – was Literaturblogs angeht – völlig ahnungslos. Aber diese Nebenwirkung nehme ich gern in Kauf. Es ist einfach große Klasse, sich mit anderen Literaturbegeisterten auszutauschen und – seufz – dadurch ständig weitere Titel zu entdecken, die ich auch gern lesen würde. Gleichzeitig ist es bereichernd, wenn andere Blogger andere Akzente setzen und Bücher besprechen, die ich nicht lesen werde.

2. Lieber lange oder kurze Blogeinträge schreiben/lesen?

Theoretisch würde ich – schon aus Zeitgründen – gern kürzere Beiträge schreiben. Aber das gelingt fast nie, da meine Beiträge für mich eben auch eine Gedankenstütze sein sollen, das braucht dann einfach eine gewisse Länge.

Beim Lesen anderer Blogs kommt es darauf an: Manchmal ist es schon schön, wenn der Artikel nicht 2000 Wörter hat 🙂 und ich mag auch einzelne Fotos oder Fotostrecken. Allerdings gibt es BloggerInnen, von denen würde ich auch ganze Bücher lesen. Was ich nicht so mag, ist wenn die Inhaltsangabe so ausführlich wird, dass ich weiß, wie das Buch ausgeht, oder ich befürchte, dass jetzt nicht mehr viel zu entdecken bleibt.

3. Schon fünfmal wurde über die populäre Neuerscheinung gebloggt – schreibst Du auch noch darüber?

Ich komme gerade ein bisschen davon ab, viele Neuerscheinungen zu lesen. Aber wenn, dann lasse ich gern ein paar Monate verstreichen, bis ich auch darüber schreibe. Denn, wie gesagt, ich möchte mich ja an meinen Leseeindruck erinnern. Und dann geht es mir wie Claudia, es ist doch gerade interessant, verschiedene Eindrücke miteinander zu vergleichen, Sichtweisen und Akzente zu entdecken,  die mir entgangen waren.

4. Liest Du alle Einträge auf Deinen Lieblingsblogs?

Ja. Unbedingt. Deswegen werden die ja auch manchmal ermahnt, seltener zu bloggen oder wenigstens unattraktivere Titel vorzustellen 🙂 Aber die machen, was sie wollen.

5. Stellt Ihr Euch manchmal – oder auch öfter – Eure Lese- und Rezensionsliste nach ganz bestimmten Themen, Autoren, Zeiten usw. zusammen?

Das wäre eine schöne Idee, die mein Leseverhalten disziplinieren würde. Aber das ist hoffnungslos. Ich mag bei der Wahl des nächsten Buches das Chaotische, Überraschende und weiß nie, was ich als nächstes lesen werde. Das Nebeneinander von Schwergewichtigem und Leichtem, von Altem und Neuen, Bekanntem und Unbekanntem spiegelt sich inzwischen auch genauso in meinen Regalen wider. Miss Marple neben dem Schicksal der Emigranten, Klemperers Tagebücher neben Dostojewski, Bronte, James Herriot und einer Coming-of-Age Geschichte aus Australien, die kein Mensch kennt.

Da ich weiß, dass nicht jeder Stöckchen und Awards mag, ich die Fragen von Claudia aber interessant fand, möge sich bitte jede und jeder hier bedienen und bei Lust und Zeit die Fragen doch ebenfalls beantworten.

IMG_0401Bibliothek im Rijksmuseum Amsterdam

BuchsaitenBlogparade 2014

 

Katrin von BuchSaiten lädt zum sechsten Mal ein zu ihrer Jahresabschlussparade. Eine schöne Gelegenheit, anhand ihrer Fragen noch einmal das Gelesene Revue passieren zu lassen.

1. Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber  positiv überrascht hat?

Ich habe auch diesmal kein Buch gelesen, von dem ich mir wenig versprochen habe. Warum auch? Aber dass mich das Selbstporträt der Beltracchis so begeistern würde, das hätte ich dann vorher doch nicht erwartet.

2. Welches war das Buch, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?

Grandios gescheitert bin ich an Kruso von Lutz Seiler. Fand schon die ersten vierzig Seiten sprachlich so dermaßen dröge, dass ich aufgegeben habe. Schade, denn die Geschichte selbst klang interessant.

3. Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Sehr gern gelesen habe ich die Auseinandersetzung Bartholomäus Grills mit Tod und Sterben und die feine und urkomische Geschichte eines Auslandsjahres von Joachim Meyerhoff. Auch die wahnsinnig gut geschriebene, gesellschaftskritische Hollywood-Geschichte von Alfred Hayes (1958) war eine tolle Entdeckung. Aber ich war auch gern am Baikalsee mit Sylvain Tesson.

Unbedingt muss aber auch das durchgeknallt-spannend-kafkaeske Krimi-Fantasy-Science-Fiction The Manual for Detection von Jedediah Berry erwähnt werden.

Bei den Autorinnen haben mich besonders Vera Caspary mit ihrem Kriminalroman Laura (1943), Elizabeth Taylor mit ihrer Geschichte um eine ältere und einsame Dame und Elizabeth Jenkins mit ihrer Geschichte um einen Ehebruch (1954) beeindruckt. Allesamt ältere Werke.

4. Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

Cover waren mir bisher meist nicht so wichtig, positiv aufgefallen ist mir allerdings die zurückhaltend elegante Covergestaltung von Alfred Hayes schmalem Roman My Face for the World to See. Aber auch das Design von Florence Broadhurst zu The Tortoise and the Hare passt gut zur Hauptfigur in Jenkins Roman. Nach dem TED-Vortrag von Chip Kidd, einem amerikanischen Grafikdesigner, ist mein Interesse an der Covergestaltung gerade rasant gestiegen. Brillant vorgetragen, humorvoll, mit diversen Beispielen illustriert.

5. Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2015 lesen und warum?

Von Kai habe ich den schönen Begriff „sprunghafter Lustleser“ gelernt, also, ich weiß noch nicht einmal, was ich nächste Woche lesen werde, geschweige denn nächstes Jahr. Aber es wäre schon mal gut, wenn ich weniger Bücher kaufe und den SUB ein bisschen abbauen würde.

6. Und ich schummele noch drei Fragen dazu: Welches Sachbuch war dir in den letzten zwölf Monaten wichtig?

Obwohl Ian Mortimer wohl einige sachliche Fehler unterlaufen sind, habe ich sein Handbuch für Zeitreisende über das Mittelalter mit großem Vergnügen gelesen. Auch Bonellis Selber Schuld war aufschlussreich.

7. Welches Buch hast du 2014 wiedergelesen?

Leider gar keins, das ist schade und hätte eigentlich anders laufen sollen.

8.  Welche Bücher wären spurlos an dir vorbei gegangen, wenn nicht andere BloggerInnen dich darauf aufmerksam gemacht hätten?

Oh weia, inzwischen kommen fast alle Bücher auf meiner Wunschliste aus den Empfehlungen der Literaturblogs. Peggy hat das in ihrem Post „Mein Jahr in Büchern“ schön auf den Punkt gebracht:

Als ich 2012 mit dem Bloggen anfing, hat WordPress vermisst, mich über die Risiken und Nebenwirkungen aufzuklären, die mit dem Eintritt ins Bloggerleben einhergehen. In meinem Falle gehörten berstende Bücherregale und vermisste Personen zu den auffälligsten Symptomen.

Hier ist es inzwischen so arg, dass ich mich schon selbst damit überrasche, was ich so alles in meinen Regalen finde.

Literaturkritik und Literaturblogger – Profis versus Dilettanten?

Mara’s Bericht über die Veranstaltung Demokratisierung Literaturkritik. Fluch oder Segen? sorgte für eine beträchtliche Zahl an lesenswerten Kommentaren und weiteren Artikeln auf verschiedenen Blogs:

Literaturgefluester stört sich an dem in die Debatte geworfenen Begriff des Dilettanten, der für mich zwar auch einen abwertenden Beigeschmack hat, der aber eben auch zum Ausdruck bringt, dass Blogger für ihr Tun und Treiben kein Geld bekommen.

Besonders Petra hat unter dem Titel Das große Missverständnis dankenswerterweise herausgearbeitet, dass man erst einmal klären muss, ob sich Äpfel so ohne Weiteres mit Birnen vergleichen lassen. Die Bloggerin/der Blogger verfolgt u. U. ganz andere Zielsetzungen als der bezahlte Literaturkritiker. Deshalb darf man sie/ihn auch nicht dauernd schelten, wenn er die angeblichen Anforderungen des Feuilletons nicht erfüllt.

Tilman hat das in seinem Artikel Gleichmacher machen Meinungsmacher auf 54books ebenfalls sehr lesenswert aufgefächert.

Der Hedoniker erinnert daran, dass man vielleicht nicht alle Blogs über einen Kamm scheren sollte, das wäre genauso dämlich, wie allen Printmedien die gleiche Qualität zu bescheinigen.

Sophie hat auf Literaturen gefragt: Quo vadis, Literaturkritik? Auch dort zeigte sich in den Kommentaren eine interessante Bandbreite: Blogger wie Karo sagen, nichts könne ihr egaler sein, als was professionelle Literaturkritiker von ihrem Just-for-Fun-Blog halten, bis hin zu Sophie, die sich wünscht, dass Literaturblogs ihren schlechten Ruf verlieren und dass ihr Tun von Leuten anerkannt wird, die „davon Ahnung haben“.

Claudia nimmt auf dem Grauen Sofa u. a. das Verhältnis zwischen Feuilleton und Bloggern noch einmal etwas genauer unter die Lupe.

So haben viele Leserinnen und Leser – mal verwundert, mal empört und manchmal auch ganz abgeklärt – viele Argumente genannt, die ich hier nicht zu wiederholen brauche.

Ergänzen möchte ich noch Folgendes:

1. Schon den Titel der Veranstaltung – hübsch reißerisch in Schwarzweiß – finde ich misslich. Da die meisten professionellen Kritiker den Bloggern eher ablehnend gegenüberstehen, rückt hier der Begriff der Demokratisierung in die Nähe eines Schimpfworts.

2. Der Zug ist abgefahren und lässt sich nicht mehr aufhalten. Zwar hat Sigrid Löffler in dem Interview, das Mara mit ihr führte, einfach behauptet: „Benötigt werden die Kompetenz, die Leidenschaft und das unabhängige Urteil des Kritikers, denn diese Qualifikationen sind unentbehrlich in der geheimen Solidargemeinschaft von Autoren und ihren Lesern. Wenn die richtigen Bücher und die richtigen Leser zusammenfinden sollen, dann bedarf er der kritischen Moderation der Literaturkritiker. Das können weder die Werbesprüche von Marketing-Leuten, Service-Journalisten oder Fernseh-Marketenderinnen, noch die zumeist durch nichts legitimierten Laien-Kritiker im Internet.“

Ich halte dagegen: Die Mehrzahl der von mir gelesenen Blogger sind kompetent – oft durchaus mit passendem akademischen Hintergrund -, schreiben aber unakademisch, d. h. lesbar und sind mit Leidenschaft bei der Sache – warum sonst schlagen sie sich trotz Berufstätigkeit jede Woche Stunden mit ihrem Blog um die Ohren? Und ihre Unabhängigkeit kann wohl kaum bestritten werden: Sie werden weder von Verlagen noch Zeitungen bezahlt, wählen ihre Lektüre selbst aus und müssen nicht dem letzten Schwung der Neuerscheinungen hinterherhecheln.

Und nur weil Frau Löffler glaubt, für den richtigen Leser unentbehrlich zu sein, muss ich das ja nicht genauso sehen.

Da können die bezahlten Kritiker schimpfen und den Untergang der ernsthaften Literaturbesprechung an die Wand malen, zu spät, die Leser entscheiden selbst, wo – nur im Feuilleton, nur auf Blogs oder gar in beiden Formen – sie sich informieren. Insofern steht den Bloggern eine gewisse Entspanntheit gut zu Gesicht.

3. Ich würde stattdessen viel lieber mal wissen, worin die Profis nun ganz genau ihre Kompetenz sehen, welche Kriterien sie an die von ihnen besprochenen Werke anlegen. Dann könnte man nämlich über das reden, was uns wichtig ist, die Literatur selbst, dann könnte man – so man dies überhaupt möchte – vielleicht sogar voneinander lernen. Aber vielleicht ist das illusorisch, denn die Abwehrreflexe des Feuilletons scheinen mir durchaus auch der Angst geschuldet zu sein, irgendwann obsolet zu werden.

Und schauen wir uns einmal drei Profis genauer an:

Harold Bloom, einflussreicher Kritiker, Shakespeare-Kenner und Literaturprofessor, schrieb How to Read and Why (2000).

John Sutherland, ebenfalls Kritiker und Literaturprofessor, schrieb 2006 How to read a novel?

Beide Bücher verdeutlichen, dass auch studierte Profis eben über kein Geheimrezept für das Lesen und Bewerten von Literatur verfügen.

Hans-Dieter Gelfert, Professor für englische Literatur, versucht unter dem Titel Was ist gute Literatur? eine Hilfestellung zu geben, „wie man gute Bücher von schlechten unterscheidet“. Er schreibt auf S. 26/27:

Die Literaturgeschichte gibt reichlich Anlass, an der Kompetenz der Kritiker zu zweifeln. Blickt man auf das vergangene Jahrhundert zurück, findet man dort Autoren, die als Sterne erster Ordnung galten und inzwischen wie Kometen verglüht sind. […] Am meisten irritiert die Tatsache, dass oft die später am höchsten geschätzten Werke zuerst einmal negative Kritiken bekommen, während die einmütig gepriesenen bald in der Versenkung verschwinden.

Daraus folgt für Gelfert nun nicht, dass es keine objektiven Wertmaßstäbe gebe, aber es könne Jahrzehnte dauern, bis die sich in der Beurteilung eines Werkes gegen die bloß subjektiven Vorlieben durchsetzen.

Aber das ist dann eine andere Geschichte.

Dankeschön

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Im April konnte sich Mara über ihren 200.007. Besucher auf buzzaldrins freuen und als Dankeschön an ihre Leser gab es drei Dinge zu gewinnen. Ich gratulierte ihr mit folgenden Worten:

Mara,

herzlichen Glückwunsch zu deinen Besucherströmen! Es ist immer wieder schön, von dir, gerade was neuere Literatur angeht, so auf dem Laufenden gehalten zu werden.
Und eine Frage dabei treibt mich um: Gelingt dir das eigentlich immer, die Klickzahlen ganz entspannt zu betrachten???
Ach, bei Verlosungen habe ich immer Pech, das letzte Mal habe ich in der Grundschule einen Werkzeugkasten gewonnen. Ich war niedergeschmettert. Aber falls das Unerwartete passiert, dann würde ich mich über das Kissen freuen.

Liebe Grüße und auf die nächsten 200.000 Klicks, Anna

Was soll ich sagen, meine Jahrzehnte lange Pechsträhne bei Verlosungen und Gewinnspielen hat ein Ende und ich freue mich sehr über das Lesekissen, das samt schöner Buchpostkarte heute bei mir eingetroffen ist. Liebe Mara, ich danke dir und die Blumen sind heute alle für dich 🙂

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Blockstöckchen: Rettet die Bücher

Weiowei, der letzte Sturm, der ums Haus tobte, hat ein Stöckchen auf der Fußmatte abgelegt. Ein Bändchen dran, Absender: Graues Sofa. Soso. Diesmal mit dem Wind geschickt, vermutlich weil Claudia noch wusste, wie schlecht ich im Fangen von Bällen und allen Sachen bin, die man normalerweise so fangen kann.

Diesmal die Frage, welche Bücher wir bei einer drohenden Apokalypse retten würden. Wenn ich bedenke, wie wir Menschen uns selbst schon immer wieder apokalyptische Zustände durch Krieg, Terror und Diktaturen bereiten können und wir in der westlichen Welt einen Lebensstandard haben, der eigentlich, wenn jeder so leben wollte, mehrere Planeten benötigen würde, dann … naja, so ernst soll die Frage sicherlich nicht daherkommen.

Also zurück zum Thema, beherzt das Stöckchen aufheben und auf Inspiration hoffen. Drei Bücher! Geht’s eigentlich noch?

1. Zunächst ein echtes Schwergewicht: Die Bibel. Aus menschlichen und literarischen Gründen.

2. Ein noch dringend zu druckender Wälzer, nämlich ein Band, der alle, alle Fotografien von Steve McCurry vereint. Natürlich in vorzüglicher Qualität. Dann sehen wir, was Schönheit bedeutet hat.

3. Das Gesamtwerk von Shakespeare. Hilfreich wäre allerdings, wenn auch ein Shakespeare-Kenner den Untergang der Bücher überlebt. Hin und wieder hätte ich dann doch’ne Frage.

4. Aber, falls ein anderer den Shakespeare einpackt, dann den Großen Conrady oder die von Reich-Ranicki herausgegebene Lyriksammlung. Immer nur Brecht wäre doch auch schade.

5. Ich weiß, maximal drei Titel sollte man nennen. Aber man darf nicht so kleinlich sein, ich finde, es fehlt noch ein Liebesroman. Da wird’s dann schwierig: Anna Karenina oder doch lieber Wuthering Heights von Emily Bronte?

Etwas zur Entspannung wäre auch schön. Raymond Chandler zum Beispiel.

Oh verflixt, ich möchte auch gern den Herrn der Ringe retten. Da stecken so viele Plots drin, das erspart einem schon einen weiteren Regalmeter, hat jemand noch Platz dafür?

Im Beipackzettel war außerdem vermerkt, dass man weitere LeserInnen bittet, mitzutun. Freuen würde ich mich über Ingrid von Druckschrift und Petra von Philea’s Blog und über Lichtgewimmel.

Und liebe Leute, wenn das so einfach wäre mit nur drei Büchern, dann hätte ich keine Probleme mit einem ständig wachsenden SUB und einer vor sich hin wuchernden Wunschliste. Der Regalplatz wäre ausreichend und ich müsste in den Urlaub nicht immer so schwere Büchertaschen mitschleppen. Vermutlich hätte man sogar genügend Zeit für die drei Bücher, ja man könnte sie endlich wiederlesen. Also bitte, das nächste Stöckchen mal zu den wirklichen Problemen …

Seinen Anfang nahm dieses Stöckchen auf dem Blog Texte und Bilder.

 

 

Blogstöckchen

Es scheint die Zeit der freifliegenden Blogstöckchen zu sein, diesmal kam eines von Birgit und ihrem gut gefüllten Schatzkästchen Sätze&Schätze.

Sie fragte:

  1. Warum England?
  2. Wenn nicht England, wo dann?
  3. Was bedeutet für Dich der Begriff „Heimat“?

Warum England?

Birgit hat sicherlich nichts dagegen, wenn ich das auf Großbritannien erweitere, damit Wales und Schottland und Nordirland auch noch reinpassen. Vermutlich fing es mit der Sprache an, die ich von Anfang an mochte, während ich mit Französisch leider fremdelte. Dann kamen die Bücher, die Brontes, Charles Dickens, Wilkie Collins und Jane Austen. Als Teenager wusste ich gar nicht, wie wichtig die für die englische Literatur sind, sie gefielen mir einfach.

Aus dem Lieblingsfach wurde eines meiner Studienfächer, es folgten die ersten Aufenthalte während des Studiums. Natürlich kann man das nicht verklären, ich komme immer als Tourist und das Land ist keine Insel der Seligen. Dennoch: Ohne Wenn und Aber haben die Landschaften in Wales, in Schottland, im Lake District, in Yorkshire etwas, das mich berührt, meinen Blick weitet, mich zur Ruhe kommen lässt, mich erdet.

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Die alten, kleinen Cottages, die nicht schick sind, aber urgemütlich und heimelig. Den trockenen Humor, die Ironie. Die Literatur, die Literatur, die Literatur.

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London: Vor Urzeiten dort neun Monate gelebt und gearbeitet, und als Landei completely blown away von der Kultur, den Museen, der Vielfalt, dem Schalterbeamten mit Turban, den Parks, nicht zu vergessen, den Bücherläden, dem Cream Tea. Die Geschichte, die auch mit so bizarren Phänomenen aufwartet wie den Schmuckeremiten.

Die prächtigen Herrenhäuser, in denen oft Ehrenamtliche mit ganz viel Engagement die Führungen übernehmen. Oxford, Edinburgh. Die abbeys, castles und cathedrals.

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Und die Wahnsinnsgärten, vor denen Herr K. immer Angst hat, weil er befürchtet, dass ich wieder jede Blüte einzeln fotografiere.

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2. Wenn nicht England, wo dann?

Norwegen oder Neuseeland. Das steht noch unentschieden.

3. Was bedeutet Heimat für dich?

Eigentlich hat das Wort für mich inzwischen zwei Bedeutungen. Menschen, die ihr ganzes Leben da verbringen, wo sie aufgewachsen sind, die (fast) alle anderen aus der Umgebung kennen und deren Familiengeschichten noch gleich mit, die quasi selbstverständlich an einem Ort mit seiner Geschichte verwurzelt sind und sich dort engagieren, die haben ein Heimatgefühl, um das ich sie – manchmal – beneide.

Aufgrund der zahlreichen Ortswechsel würde ich für mich nur noch in der Vergangenheitsform von Heimat sprechen, Heimat als der Ort, an dem ich aufgewachsen bin, der mich geprägt hat.

Nun würde das Stöcken gern zu Claudia auf dem Grauen Sofa und zu Petra von Philea’s Blog.

Die Fragen für Claudia:

  1. Seit wann und warum Hunde?
  2. Gibt es Lieblingsbücher? Oder: Wie entscheidet sich, welches Buch du als nächstes liest?
  3. Der ideale Fernwehort für ein eigenes Ferienhäuschen?

Die Fragen für Petra:

  1. Lieblingsandschaft oder Lieblingsautor?
  2. Wie muss ein Cafe sein, damit es dich als Stammgast gewinnt?
  3. Lieblingswort oder Lieblingswörter?

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Blogstöckchen

Oha, da kam ein Blogstöckchen geflogen, Claudia vom Grauen Sofa konnte ja nicht wissen, wie schlecht ich Bälle, Stöckchen und überhaupt alles, was mir zugeworfen wird, fange, aber es ist gerade noch einmal gut gegangen.

  • Welches Buch liest Du momentan?

Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich so, wie es nie war?
Meike Winnemuth: Das große Los

  • Warum liest Du das Buch? Was magst Du daran?

Meyerhoff lese ich, weil ich von Alle Toten fliegen hoch so begeistert war.
Winnemuth lese ich, weil Das graue Sofa das Buch empfohlen hatte und weil ich sehen wollte, wie  Winnemuth, die nach ihrem Gewinn bei Günther Jauch jeweils einen Monat in einer anderen Weltstadt verbracht hat, ihr Reisen erlebt hat, ob es sie verändert hat. Vielleicht auch, weil es mich an mein Sabbatjahr vor einigen Jahren erinnerte …

  • Wurde Dir als Kind vorgelesen? Kannst Du Dich an eine der Geschichten erinnern?

Ich weiß es gar nicht mehr, ich halte es für unwahrscheinlich, werde aber mal nachforschen…

  • Gibt es einen Protagonisten oder eine Protagonistin, in den / die die Du mal regelrecht verliebt warst?

Du liebe Zeit, nö, aber Heathcliff aus Wuthering Heights und Philip Marlowe von Chandler waren natürlich schon toll 🙂

  • In welchem Buch würdest Du gern leben wollen?

Der Gedanke ist mir nie gekommen, aber wenn ich so darüber nachdenke, würde ich vermutlich etwas Unspektakuläres bevorzugen, ein Buch ohne Katastrophen, möglicher Schauplatz in Yorkshire oder Schottland, der Landschaft wegen, und dann sollten Menschenfreundlichkeit und Humor wichtige Bestandteile sein. Da käme dann wohl eine Mischung aus James Herriot und Alexander McCall Smith bei heraus. Aber wir lesen ja gerade, um nicht nur auf ein Buch und eine Welt reduziert zu sein.

  • Welche drei Bücher würdest Du nicht mehr hergeben wollen?

Keines meiner Bücher würde ich gern hergeben, denn in den Regalen stehen nur die, die ich noch nicht gelesen habe, und die, die ich gern wiederlesen würde. Aber man sollte das auch nicht überbewerten, Bücher kann man ersetzen.

  • Ein Lieblingssatz aus einem Buch?

… the pull of the stories, always the stories, the thousands of stories, the millions of stories, and yet one never tires of them, there is always room in the brain for another story, another book, another film. (Paul Auster: Sunset Park, S. 198, mit einem Dankeschön an Philea von Philea’s Blog)

Nun kann das Stöckchen ja weitergereicht werden. Wie wäre es mit dem Kaffeehaussitzer und Birthe? Aber, und das ist wichtig, man muss Stöckchen nicht auffangen. Man kann sie auch am Wegesrand liegen lassen.

Und wo kam das Stöckchen überhaupt her?

Ich bekam es vom Grauen Sofa, das von Sätze&Schätze beworfen wurde, daran war Philea’s Blog nicht ganz unschuldig. Petra bekam das Stöckchen von Mrs Coffee. Das lag an Norman Weiß von den Notizheften, der es von JunaimNetz aufgefangen hat. Die wiederum wurde aktiviert von Martin Ingenhoven, der das Stöckchen von Dagmar von den Kölner Im(i)pressionen  zugespielt bekam. Dagmar hat es bei Blog4Search gefunden, die das gute Stück von Heike Baller vom Blog Kölner Leselust bekommen haben. Daran war Andrea Groh schuld, die den Blog querbeet gelesen betreibt und von Alice Scheerer auf ihrem Blog SlowLifeLab gebeten wurde, mitzutun. Das lag an Britta Freith und ihrem Blog Bessere Inhalte. Britta hat sich bei Wibke Ladwig von Sinn und Verstand bedient, dort hat dieses Stöckchen seinen Ursprung. Weitergereicht von Wibke wurde es damals – August 2013 – noch an Anne Schüßler.

Ein netter Blogbummel, den man auf diese Weise machen kann.  Eine lohnenswerte Neuentdeckung war für mich beispielsweise die Kölner Leselust.

BuchSaiten Blogparade 2013

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Katrin von BuchSaiten veranstaltet bereits zum fünften Mal ihre Blogparade. Los geht’s.

1.  Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat? (und Begründung)
– Warum sollte ich ein Buch lesen, von dem ich mir wenig verspreche?

2.  Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat? (und Begründung)              
– Sowohl mit dem hochgelobten Blumenberg von S. Lewitscharoff als auch mit Vogelweide von U. Timm konnte ich leider gar nichts anfangen.

3.  Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?        
– Erich Hackl ist keine echte Neuentdeckung, weil mir schon Familie Salzmann sehr gut gefallen  hatte, aber Dieses Buch gehört meiner Mutter ist trotzdem für mich eines der beeindruckendsten Bücher des Jahres 2013.
– Tatsächliche Autoren-Neuentdeckungen waren für mich der Autor Sam Selvon mit seinem The Lonely Londoners (1956) und der Schweizer Markus Werner mit Am Hang.

4.  Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?  
–  Normalerweise sind mir Cover relativ egal, allerdings schrecken mich quitschbunte Cover eher ab. Aber die Penguin-Ausgabe von Susan Cains Bestseller „Quiet“ über introvertierte Menschen war auf der Vorderseite komplett weiß, und auch Titel und Autorenname waren weiß und nur anhand der Prägung zu lesen. Das war eine tolle grafische Umsetzung des Inhalts. Ansonsten könnten meinetwegen alle Bücher einen edel-schlichten Leineneinband haben.

5.  Welches Buch wollt ihr unbedingt im nächsten Jahr lesen und warum?                                             
–  Alle Bücher meines SUBs, also völlig unrealistisch. Außerdem plane ich nie, welches Buch ich als nächstes lese. Das ist ja gerade das Schöne daran.

6.  Und jetzt setze ich ganz dreist eine Frage dazu (vielleicht merkt es ja keiner :-): Welches Buch oder welche Bücher hast du dieses Jahr wiedergelesen?
–  Dieses Jahr hatte ich viel Freude beim Wiederlesen der englischen Klassiker Emma und Pride and Prejudice.

7.  Und wenn wir schon dabei sind: Welches Sachbuch war dir in den letzten zwölf Monaten wichtig?
–  Der Hauslehrer von Michael Hagner über Erziehungsvorstellungen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts
–  Oranges and Sunshine von Margaret Humphreys über die Jahrzehnte andauernde Kinderverschickung nach Australien
–  Herr K. schaut mir über die Schulter und ist entrüstet, er meint, das wichtigste Sachbuch sei ganz klar Überwachtes Deutschland: Post- und Telefonüberwachung in der alten Bundesrepublik (Februar 2013) von Josef Foschepoth.

8.  Ach, und da fällt mir noch eine Frage ein, die mir niemand gestellt hat, die ich aber witzig finde. Welche Bücher wären spurlos an dir vorbei gegangen, wenn nicht andere BloggerInnen dich darauf aufmerksam gemacht hätten?
–  Claudia vom Grauen Sofa sorgte für folgenden Bücherzuwachs bei mir:

  • Reise an den Rand des Universums von Urs Widmer
  • Firmin. Ein Rattenleben von Sam Savage
  • Idylle mit ertrinkendem Hund von Michael Köhlmeier
  • Alle Farben des Schnees von Angelika Overath

–  Mara von Buzzaldrins Bücher hat mit ihren Besprechungen dafür gesorgt, dass

  • Blasmusikpop von Vea Kaiser bei mir eingezogen ist und
  • Wohllebengasse von Tim Bonyhady nun auf der Wunschliste steht.

–  Und Philea’s Blog ist „schuld“ an folgenden Neuerwerbungen:

  • Reisen mit meiner Tante von Graham Greene
  • Die Entdeckung der Natur von Jürgen Goldstein

Und hier geht’s lang zum Beitrag im letzten Jahr.

Literaturkritik am Abgrund?

Heute möchte ich zwei Zeitungsartikel empfehlen:

In seinem Artikel vom 11. Mai 2013 „Literaturkritik unter Druck: Ein Leben nach dem Papier“ befürchtet Roman Bucheli in der NZZ das Schlimmste für die Literaturkritik, die immer weiter – auch durch das Internet – marginalisiert werde. Die Lösung des Problems könne nicht darin bestehen, Printinhalte einfach 1:1 ins Digitale zu überführen, denn das Leseverhalten im Internet sei ein ganz anderes als bei gedruckten Zeitungstexten. Deshalb fordert Bucheli „eine deutlichere Ausdifferenzierung der Aufgaben […], als sie im Print bisher praktiziert wurde: Kritik einerseits, Information anderseits. Die beiden Felder gilt es stärker und konsequenter zu trennen. Nicht jedes Buch muss kritisch besprochen, aber so viele wie möglich sollten dem Leser angezeigt werden.“

Darauf reagiert Volker Weidermann mit Verve und freundlichem Spott am 30. Mai 2013 in der FAZ in „Literaturkritik im Netz: Wer steht hier am Abgrund?„. Wer gut genug schreibe und mit Begeisterung bei der Sache sei, müsse keine Angst vor der Zukunft der Literaturkritik haben, auch nicht vor dem Internet.

Eine fundierte und lesenswerte Auseinandersetzung mit beiden Artikeln findet sich auf Begleitschreiben von Gregor Keuschnig.

Ein weiterer interessanter Beitrag mit dem Titel „Die Krise der wissenschaftlichen Rezension“ findet sich hier.

R. Goscinny & A. Uderzo: Asterix in Britain

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A pirate ship is sailing cautiously along the Mare Britannicum, the channel separating Britain from the continent.

So beginnt der achte Band der berühmten Comic-Reihe um den kleinen Gallier Asterix, die 1959 von Autor Rene Goscinny (1926–1977) und Zeichner Albert Uderzo (*1927) geschaffen wurde. In über 100 Sprachen wurde der Comic bisher übersetzt.

Mein Mann ist seit Jahren darum bemüht, meinen literarischen Horizont zu erweitern, so bekam ich z. B. von ihm Die Elenden von Victor Hugo oder Therese Raquin von Emile Zola geschenkt. Man sieht, nicht unbedingt erheiternde Lektüre. Und dann zum letzten Geburtstag ein weiterer Versuch, mir einen französischen Klassiker nahezubringen: Asterix. Da ich den Monate lang unbeachtet hier liegen ließ, stieß er jetzt eine Drohung aus, auf die ich notgedrungen reagieren musste. Wenn ich nicht endlich diese eklatante Bildungslücke schließe, würde er mir keine Bücher mehr schenken. Also gab ich klein bei und las den ersten Asterix meines Lebens. Der Name „Asterix“ leitet sich übrigens von dem typografischen Zeichen Asterisk ab (griech. für Sternchen) und der Name „Obelix“ möglicherweise von dem typografischen Zeichen für das Kreuz.

Die Veralberung der Briten, ihres nebligen Wetters und ihrer angeblichen Vorlieben für Minze, Rasenpflege und Rugby ist auch für Comic-Analphabeten reizend. Und ich weiß jetzt endlich, wie der Tee wirklich nach England gekommen ist, denn bevor Asterix und Obelix das schmackhafte Kraut auf die Insel brachten, haben die Engländer immer nur „a cup of hot water with a spot of milk“ getrunken. Den ganzen Schlamassel mit den Römern haben sich die Briten auch nur dadurch eingebrockt, dass sie sämtliche Kampfhandlungen um fünf Uhr nachmittags unterbrochen haben.

Und angeregt von Philea’s Blog habe ich schon mal damit begonnen, Lesezeichen zu falten, denn – egal, wie viele Lesezeichen ich schon gekauft habe – immer wenn ich eins brauchte, waren sie allesamt unauffindbar. Damit kann ich doch dem nächsten Geburtstag wieder ganz gelassen entgegensehen.

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DANKESCHÖN – vor einem Jahr ging Buchpost an den Start

Liebe Leserinnen und Leser,

vor genau einem Jahr habe ich relativ ahnungslos mit diesem Blog begonnen. Und was zunächst als meine elektronische Gedächtnisstütze gedacht war, hat sich dank euch zu einem Hobby mit definitivem Suchtcharakter entwickelt.

Ich hatte – Asche auf mein Haupt – vorher gar nicht gewusst, was für anregende und vielseitige Literaturblogs existieren. Inzwischen füllt ihr meinen Reader mit Artikeln, die ich treuer lese als das Zeitungsfeuilleton. Ihr kommentiert, drückt den „Gefällt mir-Button“ und ergänzt meine Sichtweisen, teilt eure Entdeckungen und Artikel, in denen oft viel Arbeit und Liebe steckt, und vor allem sorgt ihr dafür, dass inzwischen meine SUBs und Wunschbuchlisten auf weitere schwindelerregende Höhen angewachsen sind. Ohne euch würde etwas ganz Entscheidendes an diesem Blog fehlen.

Ich danke euch für ein Jahr „Buchpost“. Und ein dickes Extra-Dankeschön an diejenigen, die mich verlinkt haben, als mein Blog noch ganz „klein“ war, allen voran Petra von Philea’s Blog.

Also Danke und weiterhin viel Freude bei unserem gemeinsamen Hobby. Anna

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Jahresabschluss 2012 buchsaiten blogparade no. 4

Die Idee dieser Blogparade finde ich klasse. Also, los geht’s.

* Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat?

  • Heinrich Böll: Irisches Tagebuch (1957): Es war sehr feinfühlig beobachtet, wunderschön zu lesen und dürfte inzwischen schon dokumentarischen Charakter haben.

* Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?

  • Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe (2011): Von der Kritik hochgelobt, der bissige Erzählton wird brav durchgehalten, doch es blieb mir völlig schleierhaft, warum man das lesen soll.

* Welches war meine persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

* Welches war mein Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

  • Im Buchladen ziehen mich zwar bestimmte Cover an, aber im Nachhinein kann ich kein Lieblingscover benennen, ist mir dann nicht mehr so wichtig.

* Welches Buch möchte ich unbedingt 2013 lesen und warum?

  • Keine Favoriten, schön wäre es, wenn mein GUB (Gebirge ungelesener Bücher) ein bisschen schrumpfen und ich gleichzeitig weniger Bücher kaufen würde.

Vielleicht wäre eine Überlegung wert, ob man die Frage aufnimmt, ob man irgendein Werk wiedergelesen hat: Ich habe nach ca. 20 Jahren mal wieder To Kill a Mockingbird von Harper Lee gelesen (auf Deutsch: Wer die Nachtigall stört), wow! Das war eines meiner Lesehighlights.