Bücher zu verschenken

Folgende Bücher – gebraucht, aber in gutem oder sehr gutem Zustand – suchen ein neues Regalbrett. Bei Interesse bitte Kommentar hinterlassen.

Deutschsprachige Bücher

  • Frauke Geyken: Freya von Moltke: Ein Jahrhundertleben 1911 – 2010, C. H. Beck Verlag, München 2011
  • Jürgen Hosemann: Das Meer am 31. August (2020)
  • Harriet Köhler: Gebrauchsanweisung fürs Daheimbleiben, Piper, 4. Auflage 2020
  • Maile Meloy: Bewahren Sie Ruhe, Kein & Aber Verlag 2018
  • Thomas Montasser: Ein ganz besonderes Jahr, Thiele Verlag 2014
  • Yiyun Li: Schöner als die Einsamkeit, Hanser, München 2015
  • Rossbacher, Verena: Ich war Diener im Hause Hobbs, Kiepenheuer & Witsch (2018)
  • Hannes Stein: Der Komet, Galiani, Berlin 2013
  • Olga Tokarczuk: Unrast, Kampa 2019

Englischsprachige Bücher

  • Patrick Laing: The Lady is dead, Wildside (Neuauflage des Krimis von 1951)
  • Winifred Peck: Bewildering Cares (hier die Neuauflage 2016, Originalausgabe 1940)
  • E. C. R. Lorac: Fell Murder (Neuauflage 2019 in der Reihe British Library Crime Classics, ursprünglich erschienen 1944)
  • Jane Gardam: Crusoe’s Daughter (Taschenbuch-Ausgabe von 2012)

Bereits umgezogen ins neue Regal

  • Susanna Clarke: Piranesi, Bloomsbury, 2020
  • Shaun Bythell: The Diary of a Bookseller (gebundene Ausgabe 2017)
  • Mary Essex: Tea is so intoxicating (Neuauflage der British Library 2020, die Originalausgabe erschien 1950)
  • Gunilla Linn Persson: Heimwärts über das Eis, Insel Verlag 2016
  • Thomas Hettche: Herzfaden

Sommerfrische

Pieter Steinz war mit seinem Buch Der Sinn des Lesens der Anlass, sich noch einmal Karlsson vom Dach von Astrid Lindgren aus dem Regal zu fischen.

Und mit einem Zitat dieses Karlssons verabschieden wir uns in die Sommerfrische.

Ich bin ein schöner und grundgescheiter und gerade richtig dicker Mann in meinen besten Jahren.

Doch nicht bevor ich noch auf das allerschönste Video der letzten Monate hingewiesen habe, das aus allen Knopflöchern Freude ausstrahlt:

 

Bloggen für Dummies

Es führt ja kein Weg an der Einsicht vorbei, dass man, wenn man über Bücher bloggen möchte, sich einige Regeln zu Herzen nehmen sollte.

  1. Konzentriere dich auf bestimmte Themen, bestimmte Genres, Epochen, Länder oder Schriftsteller. Springe keinesfalls von AutorInnen, die niemand kennt und niemand kennen lernen möchte, zu Titeln, die jeder schon kennt und über die folglich auch kein Mensch mehr etwas lesen will.
  2. Schreibe nichts zu einsamen mittelalterlichen Damen  und nerv deine LeserInnen nicht mit eher abseitigen Interessen.
  3. Bringe nicht dauernd englische Zitate. Ich will schließlich auch keine Texte lesen, die von französischen oder italienischen oder chinesischen Textstücken wimmeln.
  4. Plane deine Lektüre vorausschauend. Durchforste die Verlagsvorschauen schneller als alle anderen und sei die erste, die zu der herausragenden Neuerscheinung etwas schreibt.
  5. Verschweige, dass du auch mal zur Erholung liest. Also nichts Seichtes, Leichtes, Fluffiges. Es muss immer um das noch nie Dagewesene, so noch nie Gedachte und Geschriebene gehen. Sei gesellschaftlich relevant. Der Blog ist dein intellektuelles Aushängeschild.
  6. Lies NIE 16 Bände einer hübschen Krimireihe hintereinander. Da bloggst du nur über den ersten Band und dann? Das kostet viel zu viel Lesezeit. Außerdem: siehe Regel 5.
  7. Sei straff organisiert. Veröffentliche neue Beiträge nach Plan, einmal wöchentlich. Am besten zu einer festen Uhrzeit.
  8. Schaue dreimal täglich, wie sich deine Aufrufzahlen entwicklen. Sollte die Tendenz nicht zufriedenstellend sein, frage deine Follower, was sie sich von dir wünschen.
  9. Vernetze dich laut und sichtbar, auf allen möglichen Kanälen, aber vorzugsweise mit den intellektuellen, den relevanten, den echten Influencern, denen mit Reichweite. Denen sagst du auch, wie toll du sie und ihre Beiträge findest.
  10. Lies grundsätzlich keine Bücher mit mehr als 500 Seiten. Die Biografie zu Vincent van Gogh von Steven Naifeh und Gregory White Smith? Über tausend Seiten? Auf gar keinen Fall. Deine LeserInnen denken, du bist ausgewandert, an der Spanischen Grippe erkrankt oder von Außerirdischen entführt, weil sich auf deinem Blog nichts mehr regt.

Solltet ihr noch weitere Regeln ergänzen wollen, bitte gern.

Nachtrag: Wunderbar, hier sind weitere Tipps für Dummies:

  1. Vergiss, dass Du ursprünglich mit dem Bloggen begonnen hast, weil Du so viel Spaß am Lesen hattest – es ist harte Arbeit und muss mit Ernsthaftigkeit betrieben werden. (von Niamh O’Connor)
  2. Wage es bloß nicht, dich intensiv mit einem (Sachbuch-) Thema zu beschäftigen und das auch noch für längere Zeit. Wenn schon jemand den kostenlosen Content liest, den du bereitstellst, dann hat er Anspruch auf Abwechslung. (von Nomadenseele)
  3. Platziere deine Bücher in möglichst schöner Umgebung und stelle sie fotogen zur Schau. Verwende am besten einen fancy Instagramfilter und deine Followerzahlen gehen durch die Decke. (von Marc)
  4. Melde dich wortreich ab, wenn du mal eine Woche keine Zeit (oder – ganz verwerflich – keine Lust) zum Bloggen hast. Bitte um Nachsicht und fordere die gerechte Strafe, denn sonst springen deine Leser sofort ab. (von Petra Wiemann, leicht verschärft)

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Tagebuch Ende der Siebziger

Beim Aufräumen fiel mir mein erstes Tagebuch in die Hände. Das ist nicht unbedingt immer erquicklich zu lesen, was ich so als Zwölf- und Dreizehnjährige des Aufschreibens für wert befunden habe. Besonders ins Grübeln gekommen bin ich bei folgendem Eintrag:

Bin zur Klassensprecherin gewählt worden. Scheußlich. Die Schule ist schrecklich. Das Wetter ist schön.

Heute bin ich Lehrerin, habe den ganzen Samstag mit Korrekturen verbracht und das Wetter ist scheußlich. Was will mir das sagen? Will mir das etwas sagen?

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Bücherstapel

  • Bücher die ich vor mir herschiebe weil sie zeit und mühe kosten werden
  • Bücher die mich zum lachen bringen
  • Bücher die ich unbedingt noch lesen möchte
  • Bücher zwischen denen ich mich nicht entscheiden kann
  • Bücher so eher für zwischendurch
  • Bücher die momente enthalten die ich nicht vergessen werde
  • Bücher die mich pieksen und zwacken und nicht unverändert lassen
  • Bücher die mir besondere menschen empfohlen haben
  • Bücher die auf blumenhockern zu instabilen türmen mutieren
  • Bücher die die fensterbänke und das sofa besetzen
  • Bücher mit denen ich mich nur ablenken und narkotisieren möchte
  • Bücher die gedanken enthalten die nicht besser formuliert werden könnten
  • Bücher die mir zugelaufen sind keine ahnung warum wo und wieso
  • Bücher die ich nur nach langer suche wiederfinde
  • Bücher die meinen blick dauerhaft verändern
  • Bücher die sätze aus vollkommener schönheit enthalten
  • Bücher die wie ein fernglas oder dann wieder wie eine lupe wirken
  • Bücher die ich grundsätzlich pfleglich behandle
  • Bücher die mich treffen weil sie etwas zeigen das nicht verhandelbar ist
  • Bücher die ich ab sofort bewusster auswählen möchte
  • Bücher die ich wie zufällig gefunden lesen möchte
  • Bücher die mich überraschen weil ich nicht mehr wusste dass sie hier stehen
  • Bücher die ich mal aussortieren könnte
  • Bücher die nur mein mann liest
  • Bücher die nur ich lese
  • Bücher für die ich gar nicht die zeit habe die es bräuchte
  • Bücher bei denen ich nicht nein sagen konnte
  • Bücher über schwarze über juden über kinder und widerstandskämpfer
  • Bücher über indianer hobbits islamisten frauen und künstler
  • Bücher über irrende suchende reisende und liebende
  • Bücher über länder in die ich niemals reisen werde
  • Bücher die letztlich die landkarte meines innen zeigen
  • Bücher für jede seelische groß- und kleinwetterlage
  • Bücher falls wir mal drei monate eingeschneit sein sollten
  • Bücher die sich allmählich jeglichem ordnungssystem entziehen
  • Bücher ein teil meines horizonts
  • Als eine möglichkeit welt zu erfahren

Ein Dankeschön an normalverteilt für die Anregung.

Urlaubsköfferchen

Natürlich nehme ich Bücher mit in den Urlaub. Doch nun, nach meinem Osterurlaub, muss ich mich wieder mit einem schier unerklärlichen Phänomen herumplagen.

Auf der Hinreise befanden sich diese fünf Bücher im Urlaubsköfferchen:

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Nach der Rückkehr fischte ich jedoch das hier aus dem Koffer:

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Gelesen davon habe ich ganze drei (!) Bücher. Ohnehin beobachte ich schon seit längerem und mit zunehmender Besorgnis, wie Blumenhocker allmählich zu instabilen Büchertürmchen mutieren, erste Fensterbänke in Beschlag genommen werden, manche Bücher schon in zweiter Reihe stehen und ich erst das Sofa freiräumen muss, wenn Besuch kommt.

Kinder, so geht das hier nicht weiter!

Ab sofort mache ich mit bei Maras dreimonatigem Bücherkaufstopp.

Warum lesen

um mich zu freuen
um zu lernen
um zu reisen
um zu lachen
um zu sehen
um nichts mehr zu sehen
um auf unbestimmte zeit zu verschwinden
um mich nach all dem geplapper zu sammeln

um die verantwortung für den tag zu vertagen
um verbindungen zu begreifen
um nicht auf meine grenzen begrenzt zu sein
um zu verstehen
um zu entspannen
um allein zu sein
um ein netz zu spannen
um wieder luft zu bekommen

Die Lesende von Karlheinz Goedtke (Eutin, 1993)

Vergleich: Original und Übersetzung

Christiane von Irgendwas ist immer fragte in ihrem Kommentar zu meiner Besprechung von An Autobiography von Agatha Christie:

Ich bin nicht sicher, ob ich für die englische Fassung die Geduld aufbringe, kannst du was zu der deutschen Übersetzung sagen, außer dass der Titel albern ist?

So habe ich  meiner Mutter mal die deutsche Übersetzung von Hans Erik Hausner aus dem Scherz Verlag von 1990 entwendet und ein bisschen gestöbert.

Zwar hat auch die deutsche Übersetzung 538 Seiten, doch wurde ein größeres Schriftbild gewählt und an manchen Stellen kräftig gekürzt. Dadurch wirkt die Übersetzung oft glatter – und langweiliger. Die Erzählstimme klingt weniger individuell. Der selbstironische Charme und der Plauderton gehen dabei mitunter  völlig verloren.

Drei Beispiele mögen zeigen, was ich damit meine.

1. Beispiel

Situation: Christie schreibt über ihren liebenswerten, aber faulen Vater:

Übersetzung:

Die Leute wollen [heutzutage] eher wissen, ob ein Mann klug und fleißig ist, ob er zum Wohl der Gemeinschaft beiträgt, ob er in der Ordnung der Dinge ‚zählt‘.

Original:

People tend to ask [nowadays] if a man is clever, industrious, if he contributes to the well-being of the community, if he ‚counts‘ in the scheme of things. But Charles Dickens puts the matter delightfully in David Copperfield:

‚Is your brother an angreeable man, Peggotty?‘ I enquired cautiously.

‚Oh what an agreeable man he is!‘ exclaimed Peggotty.

Ask yourself that question about most of your friends and acquaintances, and you will perhaps be surprised at how seldom your answer will be the same as Peggotty’s. (S. 15)

2. Beispiel

Situation: Agatha hatte ein langweiliges Französisch-Lehrwerk hinter einem ausgestopften Adler versteckt, um sich vor dem Unterricht zu drücken.

Übersetzung:

Mutter aber machte meine Pläne mühelos zunichte. Sie setzte einen Preis aus – eine ganz besonders leckere Schokolade -, der demjenigen zufallen sollte, der das Buch fand. Ich ging ihr in die Falle. Nachdem ich mich überall umgesehen hatte, kletterte ich schließlich auf einen Stuhl, guckte hinter den Adler und rief mit überraschter Stimme: ‚Ach, da ist es ja!‘ Die Strafe folgte auf dem Fuße. Ich wurde gescholten und für den Rest des Tages ins Bett gesteckt. (S. 50)

Original:

My mother, however, defeated my efforts with ease. She proclaimed a prize of a particularly delectable chocolate for whoever should find the book. My greed was my undoing. I fell into the trap, conducted an elaborate search around the room, finally climbed up on a chair, peered behind the eagle, and exclaimed in a surprised voice: ‚Why, there it is!‘ Retribution followed. I was reproved and sent to bed for the rest of the day. I accepted this as fair, since I had been found out, but I considered it unjust that I was not given the chocolate. That had been promised to whoever found the book, and I had found it. (S. 54)

3. Beispiel

Christie schreibt, dass Respekt wichtig für eine glückliche Beziehung ist.

Übersetzung:

Respekt aber, das ist etwas, worüber man nicht nachzudenken braucht; er ist da, und dafür ist man dankbar. Die Frau will das Gefühl haben, daß sie sich auf den Mann verlassen, seinem Urteil vertrauen und, wenn es schwierige Entscheidungen zu treffen gibt, sie diese getrost ihm überlassen kann. (S. 60)

Original:

But respect is a thing that you don’t have to think about, that you know thankfully is there. As the old Irish woman said of her husband, ‚Himself is a good head to me‘. That, I think, is what a woman needs. She wants to feel that in her mate there is integrity, that she can depend on him and respect his judgement, and that when there is a difficult decision to be made it can safely lie in his hands. (S. 64)

 

 

 

 

 

 

Blogstöckchen: Liebster Award

Claudia vom Grauen Sofa überraschte mich mit dem Blogstöckchen des Liebster Award und folgenden Fragen. Ein schöner Anlass, aus der momentanen Blogversenkung aufzutauchen. Also los:

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1. Was war der konkrete Auslöser, mit dem Bloggen anzufangen?

Seit Jahrzehnten notierte ich mir – mal mehr, mal weniger konsequent – zumindest die Titel der Bücher, die ich gelesen hatte. Manchmal dann auch ein paar Eindrücke dazu. Doch ein oder zwei Jahre später waren die Eindrücke verblasst. Ich wusste nicht mehr, was ich an einem Buch gemocht hatte und was nicht.

Die Idee, meine Leseeindrücke konsequenter an einem Ort zu bündeln, wäre aber vermutlich ohne meinen Mann, der mir dann WordPress ins Haus schleppte, eine bloße Idee geblieben. Und die Hoffnung, dass ich mich nun besser an Bücher erinnern kann, die ich vor drei Jahren gelesen habe, hat sich erfüllt. Das Sortieren der Gedanken und das Schreiben haben meinen Leseprozess tatsächlich vertieft, aber auch verlangsamt.

Dass ich außerdem so viel Zeit bei anderen Blogs verbringen würde, konnte ich damals nicht wissen, denn ich war – was Literaturblogs angeht – völlig ahnungslos. Aber diese Nebenwirkung nehme ich gern in Kauf. Es ist einfach große Klasse, sich mit anderen Literaturbegeisterten auszutauschen und – seufz – dadurch ständig weitere Titel zu entdecken, die ich auch gern lesen würde. Gleichzeitig ist es bereichernd, wenn andere Blogger andere Akzente setzen und Bücher besprechen, die ich nicht lesen werde.

2. Lieber lange oder kurze Blogeinträge schreiben/lesen?

Theoretisch würde ich – schon aus Zeitgründen – gern kürzere Beiträge schreiben. Aber das gelingt fast nie, da meine Beiträge für mich eben auch eine Gedankenstütze sein sollen, das braucht dann einfach eine gewisse Länge.

Beim Lesen anderer Blogs kommt es darauf an: Manchmal ist es schon schön, wenn der Artikel nicht 2000 Wörter hat 🙂 und ich mag auch einzelne Fotos oder Fotostrecken. Allerdings gibt es BloggerInnen, von denen würde ich auch ganze Bücher lesen. Was ich nicht so mag, ist wenn die Inhaltsangabe so ausführlich wird, dass ich weiß, wie das Buch ausgeht, oder ich befürchte, dass jetzt nicht mehr viel zu entdecken bleibt.

3. Schon fünfmal wurde über die populäre Neuerscheinung gebloggt – schreibst Du auch noch darüber?

Ich komme gerade ein bisschen davon ab, viele Neuerscheinungen zu lesen. Aber wenn, dann lasse ich gern ein paar Monate verstreichen, bis ich auch darüber schreibe. Denn, wie gesagt, ich möchte mich ja an meinen Leseeindruck erinnern. Und dann geht es mir wie Claudia, es ist doch gerade interessant, verschiedene Eindrücke miteinander zu vergleichen, Sichtweisen und Akzente zu entdecken,  die mir entgangen waren.

4. Liest Du alle Einträge auf Deinen Lieblingsblogs?

Ja. Unbedingt. Deswegen werden die ja auch manchmal ermahnt, seltener zu bloggen oder wenigstens unattraktivere Titel vorzustellen 🙂 Aber die machen, was sie wollen.

5. Stellt Ihr Euch manchmal – oder auch öfter – Eure Lese- und Rezensionsliste nach ganz bestimmten Themen, Autoren, Zeiten usw. zusammen?

Das wäre eine schöne Idee, die mein Leseverhalten disziplinieren würde. Aber das ist hoffnungslos. Ich mag bei der Wahl des nächsten Buches das Chaotische, Überraschende und weiß nie, was ich als nächstes lesen werde. Das Nebeneinander von Schwergewichtigem und Leichtem, von Altem und Neuen, Bekanntem und Unbekanntem spiegelt sich inzwischen auch genauso in meinen Regalen wider. Miss Marple neben dem Schicksal der Emigranten, Klemperers Tagebücher neben Dostojewski, Bronte, James Herriot und einer Coming-of-Age Geschichte aus Australien, die kein Mensch kennt.

Da ich weiß, dass nicht jeder Stöckchen und Awards mag, ich die Fragen von Claudia aber interessant fand, möge sich bitte jede und jeder hier bedienen und bei Lust und Zeit die Fragen doch ebenfalls beantworten.

IMG_0401Bibliothek im Rijksmuseum Amsterdam

Literaturkritik und Literaturblogger – Profis versus Dilettanten?

Mara’s Bericht über die Veranstaltung Demokratisierung Literaturkritik. Fluch oder Segen? sorgte für eine beträchtliche Zahl an lesenswerten Kommentaren und weiteren Artikeln auf verschiedenen Blogs:

Literaturgefluester stört sich an dem in die Debatte geworfenen Begriff des Dilettanten, der für mich zwar auch einen abwertenden Beigeschmack hat, der aber eben auch zum Ausdruck bringt, dass Blogger für ihr Tun und Treiben kein Geld bekommen.

Besonders Petra hat unter dem Titel Das große Missverständnis dankenswerterweise herausgearbeitet, dass man erst einmal klären muss, ob sich Äpfel so ohne Weiteres mit Birnen vergleichen lassen. Die Bloggerin/der Blogger verfolgt u. U. ganz andere Zielsetzungen als der bezahlte Literaturkritiker. Deshalb darf man sie/ihn auch nicht dauernd schelten, wenn er die angeblichen Anforderungen des Feuilletons nicht erfüllt.

Tilman hat das in seinem Artikel Gleichmacher machen Meinungsmacher auf 54books ebenfalls sehr lesenswert aufgefächert.

Der Hedoniker erinnert daran, dass man vielleicht nicht alle Blogs über einen Kamm scheren sollte, das wäre genauso dämlich, wie allen Printmedien die gleiche Qualität zu bescheinigen.

Sophie hat auf Literaturen gefragt: Quo vadis, Literaturkritik? Auch dort zeigte sich in den Kommentaren eine interessante Bandbreite: Blogger wie Karo sagen, nichts könne ihr egaler sein, als was professionelle Literaturkritiker von ihrem Just-for-Fun-Blog halten, bis hin zu Sophie, die sich wünscht, dass Literaturblogs ihren schlechten Ruf verlieren und dass ihr Tun von Leuten anerkannt wird, die „davon Ahnung haben“.

Claudia nimmt auf dem Grauen Sofa u. a. das Verhältnis zwischen Feuilleton und Bloggern noch einmal etwas genauer unter die Lupe.

So haben viele Leserinnen und Leser – mal verwundert, mal empört und manchmal auch ganz abgeklärt – viele Argumente genannt, die ich hier nicht zu wiederholen brauche.

Ergänzen möchte ich noch Folgendes:

1. Schon den Titel der Veranstaltung – hübsch reißerisch in Schwarzweiß – finde ich misslich. Da die meisten professionellen Kritiker den Bloggern eher ablehnend gegenüberstehen, rückt hier der Begriff der Demokratisierung in die Nähe eines Schimpfworts.

2. Der Zug ist abgefahren und lässt sich nicht mehr aufhalten. Zwar hat Sigrid Löffler in dem Interview, das Mara mit ihr führte, einfach behauptet: „Benötigt werden die Kompetenz, die Leidenschaft und das unabhängige Urteil des Kritikers, denn diese Qualifikationen sind unentbehrlich in der geheimen Solidargemeinschaft von Autoren und ihren Lesern. Wenn die richtigen Bücher und die richtigen Leser zusammenfinden sollen, dann bedarf er der kritischen Moderation der Literaturkritiker. Das können weder die Werbesprüche von Marketing-Leuten, Service-Journalisten oder Fernseh-Marketenderinnen, noch die zumeist durch nichts legitimierten Laien-Kritiker im Internet.“

Ich halte dagegen: Die Mehrzahl der von mir gelesenen BloggerInnen sind kompetent – oft durchaus mit passendem akademischen Hintergrund -, schreiben aber unakademisch, d. h. lesbar und sind mit Leidenschaft bei der Sache – warum sonst schlagen sie sich trotz Berufstätigkeit jede Woche Stunden mit ihrem Blog um die Ohren? Und ihre Unabhängigkeit kann wohl kaum bestritten werden: Sie werden weder von Verlagen noch Zeitungen bezahlt, wählen ihre Lektüre selbst aus und müssen nicht dem letzten Schwung der Neuerscheinungen hinterherhecheln.

Und nur weil Frau Löffler glaubt, für den richtigen Leser unentbehrlich zu sein, muss ich das ja nicht genauso sehen.

Da können die bezahlten Kritiker schimpfen und den Untergang der ernsthaften Literaturbesprechung an die Wand malen, zu spät, die LeserInnen entscheiden selbst, wo – nur im Feuilleton, auf Blogs, auf YouTube oder gar in verschiedenen Formaten – sie sich informieren. Insofern steht den Bloggern eine gewisse Entspanntheit gut zu Gesicht.

3. Ich würde stattdessen viel lieber mal wissen, worin die Profis nun ganz genau ihre Kompetenz sehen, welche Kriterien sie an die von ihnen besprochenen Werke anlegen. Dann könnte man nämlich über das reden, was uns wichtig ist, die Literatur selbst, dann könnte man – so man dies überhaupt möchte – vielleicht sogar voneinander lernen. Aber vielleicht ist das illusorisch, denn die Abwehrreflexe des Feuilletons scheinen mir durchaus auch der Angst geschuldet zu sein, irgendwann obsolet zu werden.

Und schauen wir uns einmal drei Profis genauer an:

Harold Bloom, einflussreicher Kritiker, Shakespeare-Kenner und Literaturprofessor, schrieb How to Read and Why (2000).

John Sutherland, ebenfalls Kritiker und Literaturprofessor, schrieb 2006 How to read a novel?.

Beide Bücher verdeutlichen, dass auch studierte Profis eben über kein Geheimrezept für das Lesen und Bewerten von Literatur verfügen.

Hans-Dieter Gelfert, Professor für englische Literatur, versucht unter dem Titel Was ist gute Literatur? eine Hilfestellung zu geben, „wie man gute Bücher von schlechten unterscheidet“. Er schreibt auf S. 26/27:

Die Literaturgeschichte gibt reichlich Anlass, an der Kompetenz der Kritiker zu zweifeln. Blickt man auf das vergangene Jahrhundert zurück, findet man dort Autoren, die als Sterne erster Ordnung galten und inzwischen wie Kometen verglüht sind. […] Am meisten irritiert die Tatsache, dass oft die später am höchsten geschätzten Werke zuerst einmal negative Kritiken bekommen, während die einmütig gepriesenen bald in der Versenkung verschwinden.

Daraus folgt für Gelfert nun nicht, dass es keine objektiven Wertmaßstäbe gebe, aber es könne Jahrzehnte dauern, bis die sich in der Beurteilung eines Werkes gegen die bloß subjektiven Vorlieben durchsetzen.

Aber das ist dann eine andere Geschichte.

Blockstöckchen: Rettet die Bücher

Weiowei, der letzte Sturm, der ums Haus tobte, hat ein Stöckchen auf der Fußmatte abgelegt. Ein Bändchen dran, Absender: Graues Sofa. Soso. Diesmal mit dem Wind geschickt, vermutlich weil Claudia noch wusste, wie schlecht ich im Fangen von Bällen und allen Sachen bin, die man normalerweise so fangen kann.

Diesmal die Frage, welche Bücher wir bei einer drohenden Apokalypse retten würden. Wenn ich bedenke, wie wir Menschen uns selbst schon immer wieder apokalyptische Zustände durch Krieg, Terror und Diktaturen bereiten können und wir in der westlichen Welt einen Lebensstandard haben, der eigentlich, wenn jeder so leben wollte, mehrere Planeten benötigen würde, dann … naja, so ernst soll die Frage sicherlich nicht daherkommen.

Also zurück zum Thema, beherzt das Stöckchen aufheben und auf Inspiration hoffen. Drei Bücher! Geht’s eigentlich noch?

1. Zunächst ein echtes Schwergewicht: Die Bibel. Aus menschlichen und literarischen Gründen.

2. Ein noch dringend zu druckender Wälzer, nämlich ein Band, der alle, alle Fotografien von Steve McCurry vereint. Natürlich in vorzüglicher Qualität. Dann sehen wir, was Schönheit bedeutet hat.

3. Das Gesamtwerk von Shakespeare. Hilfreich wäre allerdings, wenn auch ein Shakespeare-Kenner den Untergang der Bücher überlebt. Hin und wieder hätte ich dann doch’ne Frage.

4. Aber, falls ein anderer den Shakespeare einpackt, dann den Großen Conrady oder die von Reich-Ranicki herausgegebene Lyriksammlung. Immer nur Brecht wäre doch auch schade.

5. Ich weiß, maximal drei Titel sollte man nennen. Aber man darf nicht so kleinlich sein, ich finde, es fehlt noch ein Liebesroman. Da wird’s dann schwierig: Anna Karenina oder doch lieber Wuthering Heights von Emily Bronte?

Etwas zur Entspannung wäre auch schön. Raymond Chandler zum Beispiel.

Oh verflixt, ich möchte auch gern den Herrn der Ringe retten. Da stecken so viele Plots drin, das erspart einem schon einen weiteren Regalmeter, hat jemand noch Platz dafür?

Im Beipackzettel war außerdem vermerkt, dass man weitere LeserInnen bittet, mitzutun. Freuen würde ich mich über Ingrid von Druckschrift und Petra von Philea’s Blog und über Lichtgewimmel.

Und liebe Leute, wenn das so einfach wäre mit nur drei Büchern, dann hätte ich keine Probleme mit einem ständig wachsenden SUB und einer vor sich hin wuchernden Wunschliste. Der Regalplatz wäre ausreichend und ich müsste in den Urlaub nicht immer so schwere Büchertaschen mitschleppen. Vermutlich hätte man sogar genügend Zeit für die drei Bücher, ja man könnte sie endlich wiederlesen. Also bitte, das nächste Stöckchen mal zu den wirklichen Problemen …

Seinen Anfang nahm dieses Stöckchen auf dem Blog Texte und Bilder.

 

 

Blogstöckchen

Es scheint die Zeit der freifliegenden Blogstöckchen zu sein, diesmal kam eines von Birgit und ihrem gut gefüllten Schatzkästchen Sätze&Schätze.

Sie fragte:

  1. Warum England?
  2. Wenn nicht England, wo dann?
  3. Was bedeutet für Dich der Begriff „Heimat“?

Warum England?

Birgit hat sicherlich nichts dagegen, wenn ich das auf Großbritannien erweitere, damit Wales und Schottland und Nordirland auch noch reinpassen. Vermutlich fing es mit der Sprache an, die ich von Anfang an mochte, während ich mit Französisch leider fremdelte. Dann kamen die Bücher, die Brontes, Charles Dickens, Wilkie Collins und Jane Austen. Als Teenager wusste ich gar nicht, wie wichtig die für die englische Literatur sind, sie gefielen mir einfach.

Aus dem Lieblingsfach wurde eines meiner Studienfächer, es folgten die ersten Aufenthalte während des Studiums. Natürlich kann man das nicht verklären, ich komme immer als Tourist und das Land ist keine Insel der Seligen. Dennoch: Ohne Wenn und Aber haben die Landschaften in Wales, in Schottland, im Lake District, in Yorkshire etwas, das mich berührt, meinen Blick weitet, mich zur Ruhe kommen lässt, mich erdet.

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Die alten, kleinen Cottages, die nicht schick sind, aber urgemütlich und heimelig. Den trockenen Humor, die Ironie. Die Literatur, die Literatur, die Literatur.

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London: Vor Urzeiten dort neun Monate gelebt und gearbeitet, und als Landei completely blown away von der Kultur, den Museen, der Vielfalt, dem Schalterbeamten mit Turban, den Parks, nicht zu vergessen, den Bücherläden, dem Cream Tea. Die Geschichte, die auch mit so bizarren Phänomenen aufwartet wie den Schmuckeremiten.

Die prächtigen Herrenhäuser, in denen oft Ehrenamtliche mit ganz viel Engagement die Führungen übernehmen. Oxford, Edinburgh. Die abbeys, castles und cathedrals.

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Und die Wahnsinnsgärten, vor denen Herr K. immer Angst hat, weil er befürchtet, dass ich wieder jede Blüte einzeln fotografiere.

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2. Wenn nicht England, wo dann?

Norwegen oder Neuseeland. Das steht noch unentschieden.

3. Was bedeutet Heimat für dich?

Eigentlich hat das Wort für mich inzwischen zwei Bedeutungen. Menschen, die ihr ganzes Leben da verbringen, wo sie aufgewachsen sind, die (fast) alle anderen aus der Umgebung kennen und deren Familiengeschichten noch gleich mit, die quasi selbstverständlich an einem Ort mit seiner Geschichte verwurzelt sind und sich dort engagieren, die haben ein Heimatgefühl, um das ich sie – manchmal – beneide.

Aufgrund der zahlreichen Ortswechsel würde ich für mich nur noch in der Vergangenheitsform von Heimat sprechen, Heimat als der Ort, an dem ich aufgewachsen bin, der mich geprägt hat.

Nun würde das Stöcken gern zu Claudia auf dem Grauen Sofa und zu Petra von Philea’s Blog.

Die Fragen für Claudia:

  1. Seit wann und warum Hunde?
  2. Gibt es Lieblingsbücher? Oder: Wie entscheidet sich, welches Buch du als nächstes liest?
  3. Der ideale Fernwehort für ein eigenes Ferienhäuschen?

Die Fragen für Petra:

  1. Lieblingsandschaft oder Lieblingsautor?
  2. Wie muss ein Cafe sein, damit es dich als Stammgast gewinnt?
  3. Lieblingswort oder Lieblingswörter?

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Blogstöckchen

Oha, da kam ein Blogstöckchen geflogen, Claudia vom Grauen Sofa konnte ja nicht wissen, wie schlecht ich Bälle, Stöckchen und überhaupt alles, was mir zugeworfen wird, fange, aber es ist gerade noch einmal gut gegangen.

  • Welches Buch liest Du momentan?

Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich so, wie es nie war?
Meike Winnemuth: Das große Los

  • Warum liest Du das Buch? Was magst Du daran?

Meyerhoff lese ich, weil ich von Alle Toten fliegen hoch so begeistert war.
Winnemuth lese ich, weil Das graue Sofa das Buch empfohlen hatte und weil ich sehen wollte, wie  Winnemuth, die nach ihrem Gewinn bei Günther Jauch jeweils einen Monat in einer anderen Weltstadt verbracht hat, ihr Reisen erlebt hat, ob es sie verändert hat. Vielleicht auch, weil es mich an mein Sabbatjahr vor einigen Jahren erinnerte …

  • Wurde Dir als Kind vorgelesen? Kannst Du Dich an eine der Geschichten erinnern?

Ich weiß es gar nicht mehr, ich halte es für unwahrscheinlich, werde aber mal nachforschen…

  • Gibt es einen Protagonisten oder eine Protagonistin, in den / die die Du mal regelrecht verliebt warst?

Du liebe Zeit, nö, aber Heathcliff aus Wuthering Heights und Philip Marlowe von Chandler waren natürlich schon toll 🙂

  • In welchem Buch würdest Du gern leben wollen?

Der Gedanke ist mir nie gekommen, aber wenn ich so darüber nachdenke, würde ich vermutlich etwas Unspektakuläres bevorzugen, ein Buch ohne Katastrophen, möglicher Schauplatz in Yorkshire oder Schottland, der Landschaft wegen, und dann sollten Menschenfreundlichkeit und Humor wichtige Bestandteile sein. Da käme dann wohl eine Mischung aus James Herriot und Alexander McCall Smith bei heraus. Aber wir lesen ja gerade, um nicht nur auf ein Buch und eine Welt reduziert zu sein.

  • Welche drei Bücher würdest Du nicht mehr hergeben wollen?

Keines meiner Bücher würde ich gern hergeben, denn in den Regalen stehen nur die, die ich noch nicht gelesen habe, und die, die ich gern wiederlesen würde. Aber man sollte das auch nicht überbewerten, Bücher kann man ersetzen.

  • Ein Lieblingssatz aus einem Buch?

… the pull of the stories, always the stories, the thousands of stories, the millions of stories, and yet one never tires of them, there is always room in the brain for another story, another book, another film. (Paul Auster: Sunset Park, S. 198, mit einem Dankeschön an Philea von Philea’s Blog)

Nun kann das Stöckchen ja weitergereicht werden. Wie wäre es mit dem Kaffeehaussitzer und Birthe? Aber, und das ist wichtig, man muss Stöckchen nicht auffangen. Man kann sie auch am Wegesrand liegen lassen.

Und wo kam das Stöckchen überhaupt her?

Ich bekam es vom Grauen Sofa, das von Sätze&Schätze beworfen wurde, daran war Philea’s Blog nicht ganz unschuldig. Petra bekam das Stöckchen von Mrs Coffee. Das lag an Norman Weiß von den Notizheften, der es von JunaimNetz aufgefangen hat. Die wiederum wurde aktiviert von Martin Ingenhoven, der das Stöckchen von Dagmar von den Kölner Im(i)pressionen  zugespielt bekam. Dagmar hat es bei Blog4Search gefunden, die das gute Stück von Heike Baller vom Blog Kölner Leselust bekommen haben. Daran war Andrea Groh schuld, die den Blog querbeet gelesen betreibt und von Alice Scheerer auf ihrem Blog SlowLifeLab gebeten wurde, mitzutun. Das lag an Britta Freith und ihrem Blog Bessere Inhalte. Britta hat sich bei Wibke Ladwig von Sinn und Verstand bedient, dort hat dieses Stöckchen seinen Ursprung. Weitergereicht von Wibke wurde es damals – August 2013 – noch an Anne Schüßler.

Ein netter Blogbummel, den man auf diese Weise machen kann.  Eine lohnenswerte Neuentdeckung war für mich beispielsweise die Kölner Leselust.

Literaturkritik am Abgrund?

Heute möchte ich zwei Zeitungsartikel empfehlen:

In seinem Artikel vom 11. Mai 2013 „Literaturkritik unter Druck: Ein Leben nach dem Papier“ befürchtet Roman Bucheli in der NZZ das Schlimmste für die Literaturkritik, die immer weiter – auch durch das Internet – marginalisiert werde. Die Lösung des Problems könne nicht darin bestehen, Printinhalte einfach 1:1 ins Digitale zu überführen, denn das Leseverhalten im Internet sei ein ganz anderes als bei gedruckten Zeitungstexten. Deshalb fordert Bucheli „eine deutlichere Ausdifferenzierung der Aufgaben […], als sie im Print bisher praktiziert wurde: Kritik einerseits, Information anderseits. Die beiden Felder gilt es stärker und konsequenter zu trennen. Nicht jedes Buch muss kritisch besprochen, aber so viele wie möglich sollten dem Leser angezeigt werden.“

Darauf reagiert Volker Weidermann mit Verve und freundlichem Spott am 30. Mai 2013 in der FAZ in „Literaturkritik im Netz: Wer steht hier am Abgrund?„. Wer gut genug schreibe und mit Begeisterung bei der Sache sei, müsse keine Angst vor der Zukunft der Literaturkritik haben, auch nicht vor dem Internet.

Eine fundierte und lesenswerte Auseinandersetzung mit beiden Artikeln findet sich auf Begleitschreiben von Gregor Keuschnig.

Ein weiterer interessanter Beitrag mit dem Titel „Die Krise der wissenschaftlichen Rezension“ findet sich hier.

R. Goscinny & A. Uderzo: Asterix in Britain

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A pirate ship is sailing cautiously along the Mare Britannicum, the channel separating Britain from the continent.

So beginnt der achte Band der berühmten Comic-Reihe um den kleinen Gallier Asterix, die 1959 von Autor Rene Goscinny (1926–1977) und Zeichner Albert Uderzo (*1927) geschaffen wurde. In über 100 Sprachen wurde der Comic bisher übersetzt.

Mein Mann ist seit Jahren darum bemüht, meinen literarischen Horizont zu erweitern, so bekam ich z. B. von ihm Die Elenden von Victor Hugo oder Therese Raquin von Emile Zola geschenkt. Man sieht, nicht unbedingt erheiternde Lektüre. Und dann zum letzten Geburtstag ein weiterer Versuch, mir einen französischen Klassiker nahezubringen: Asterix. Da ich den Monate lang unbeachtet hier liegen ließ, stieß er jetzt eine Drohung aus, auf die ich notgedrungen reagieren musste. Wenn ich nicht endlich diese eklatante Bildungslücke schließe, würde er mir keine Bücher mehr schenken. Also gab ich klein bei und las den ersten Asterix meines Lebens. Der Name „Asterix“ leitet sich übrigens von dem typografischen Zeichen Asterisk ab (griech. für Sternchen) und der Name „Obelix“ möglicherweise von dem typografischen Zeichen für das Kreuz.

Die Veralberung der Briten, ihres nebligen Wetters und ihrer angeblichen Vorlieben für Minze, Rasenpflege und Rugby ist auch für Comic-Analphabeten reizend. Und ich weiß jetzt endlich, wie der Tee wirklich nach England gekommen ist, denn bevor Asterix und Obelix das schmackhafte Kraut auf die Insel brachten, haben die Engländer immer nur „a cup of hot water with a spot of milk“ getrunken. Den ganzen Schlamassel mit den Römern haben sich die Briten auch nur dadurch eingebrockt, dass sie sämtliche Kampfhandlungen um fünf Uhr nachmittags unterbrochen haben.

Und angeregt von Philea’s Blog habe ich schon mal damit begonnen, Lesezeichen zu falten, denn – egal, wie viele Lesezeichen ich schon gekauft habe – immer wenn ich eins brauchte, waren sie allesamt unauffindbar. Damit kann ich doch dem nächsten Geburtstag wieder ganz gelassen entgegensehen.

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