Sigrid Nunez: The Friend (2018)

Herbert liest befand, dass Allegro Pastell von Leif Randt eines der hässlichsten Bücher sei, die er je gekauft habe.  Ich überlege noch, ob ich die Gestaltung zu The Friend von Sigrid Nunez (*1951) nicht mindestens genauso schlimm finde. Jedenfalls hätte mich das Cover beinahe dauerhaft verschreckt.

Aber auch die Stichworte zum Inhalt „Frau um die fünfzig trauert um ihren besten Freund, einen etwas älteren Literaturdozenten und Schriftsteller, der Suizid  begangen hat und ihr ein Kalb von einer Deutschen Dogge vermacht, wobei ein Haustier in ihrer kleinen Mietwohnung im Wohnblock ohnehin verboten ist“ hatten zunächst nicht so wirklich bei mir verfangen.

Warum das Buch dann trotzdem hier gelandet ist, ich weiß es nicht mehr, begeisterte Kritiken allerorten, der National Book Award 2018 und was soll ich sagen: Das Buch ist klug und bewegend und als ich am Ende angekommen war, wollte ich am liebsten gleich wieder von vorn beginnen. So eines der seltenen Bücher, nach deren Lektüre ich gar nicht das Bedürfnis hatte, viel darüber zu schreiben. Alles spricht für sich. Und von Sentimentalitäten keine Spur.

Nunez hat ihrer Ich-Erzählerin einige autobiografische Details mitgegeben. Auch diese lebt in New York City und ist Dozentin für Creative Writing und Schriftstellerin. Die Protagonistin scheint zunächst sehr understated, geradezu überreflektiert. Sie beobachtet messerscharf, ironisch und ihre Erinnerungen mäandern durch die Jahrzehnte der Freundschaft mit dem einstmals so charismatischen, dreimal verheirateten Macho-Mann, der zunehmend irritiert war, dass junge Frauen nicht mehr am Sex mit ihm interessiert waren und dessen Studentinnen auch nicht länger von ihm als „dear“ bezeichnet werden wollten.

I don’t want to talk about you, or to hear others talk about you. It’s a cliché, of course: we talk about the dead in order to remember them, in order to keep them, in the only way we can, alive. But I have found that the more people say about you, […] the further you seem to slip away, the more like a hologram you become. (S. 12)

Dabei geht sie der Frage, ob sie ihn all die Jahre geliebt habe und vielleicht doch nur eines der zahlreichen, zu duldsamen Groupies war, lange aus dem Weg, denn sie vermisst ihn immer noch ganz entsetzlich, an jedem einzelnen Tag, auch als Partner für all die unzähligen Gespräche über Schriftsteller, Bücher, Literatur, deren Grenzen und Möglichkeiten. Über ihre Studenten, die Literatur zunehmend in den Dienst ihrer eigenen – oft sehr begrenzten – Weltsicht nehmen, nur noch nach Safe Spaces auf dem Campus rufen und sich Büchern verweigern, die sie unangenehm berühren, etwas in Frage stellen oder über den eigenen Tellerrand hinausgehen könnten.

Das ganze Buch ist eine einzige große Ansprache an den Toten, der Widerspruch von einer Frau nicht unbedingt geschätzt hat. Überdies ist es eine wunderbare Schilderung des Trauerprozesses, in dem sich die Frau mehr und mehr in sich und ihren Assoziationen zu verlieren droht, obwohl durchaus hilfreiche Freunde im Hintergrund parat stehen. Ist es überhaupt statthaft, seinen Haustieren einen Namen zu geben und was hat es mit dem Buch My Dog Tulip von J. R. Ackerley auf sich?

Dieser Prozess, der aber gleichzeitig auch sehr irdisch daherkommt, umfasst auch die allmähliche Annäherung an Apollo. Immer wieder mal drohen Probleme mit oder durch den großen Hund, was nicht ohne leisen Humor geschildert wird. Apollo mag es, wenn man ihm vorliest, z. B. Rilke.

Und plötzlich Wendungen, die einen wieder alles in Frage stellen lassen. Darüber hinaus ist es auch der Prozess einer Selbstvergewisserung als Frau in einer Welt, in der ehemals attraktive Männer wie der Verstorbene glaubten, jeder Frau – einschließlich seiner Studentinnen – Avancen machen zu dürfen und in der Männergewalt gegen Frauen nach wie vor gang und gäbe ist.

Die vielen Zitate, Abschweifungen und Erinnerungsfetzen, die die belesene Ich-Erzählerin aus ihrer lebenslangen Lektüre einfließen lässt, zeigen, wie sehr Bücher tatsächlich zu ihrem Leben gehören und wie sehr die nächste Generation, die sie unterrichtet, so ganz anders, vielleicht ärmer, an Literatur herangeht.

Was mich vielleicht am meisten an diesem Roman beeindruckt hat, ist wie die Sprache zu der Protagonistin passt. Da ist kein Wort zu viel, alles wird schnörkellos, aber so präzise gesagt, dass man sich nicht vorstellen kann, dass auch nur ein einziger Satz anders hätte formuliert werden können. Schon die ersten Sätze lassen einen nicht mehr vom Haken:

During the 1980s, in California, a large number of Cambodian women went to their doctors with the same complaint: they could not see. The women were all war refugees.

Anette Grube übersetzte das Buch ins Deutsche.

Hier noch ein Artikel mit einigen Hintergrundinformationen aus der New York Times.

 

 

Mohamed El Bachiri: A Jihad for Love (2017)

Mohamed El Bachiris Vater wanderte als marokkanischer Gastarbeiter in den sechziger Jahren nach Belgien ein. Von Anfang an hat die Familie in Brüssel im heute berüchtigten Stadtteil Molenbeek gelebt.

Im März 2016  verlor El Bachiri (*1981) seine Frau Loubna bei einem Terroranschlag des IS in Brüssel. Seine Frau starb durch eine Bombe in der U-Bahn und  war eines der 35 Opfer. Mehr als 300 Menschen wurden verletzt.

Besonders bitter: Auch der Attentäter war ein in Belgien geborener Marokkaner.

Auf 92 großzügig gesetzten Seiten nähert sich der Autor in kurzen, manchmal lyrischen Texten seiner Biografie, seiner Ehe, seinen Erfahrungen mit Rassismus und seinem Glauben und diesem Unfassbaren, der Trauer, der Aufgabe, nun allein drei Söhne großziehen zu müssen, und der Frage, was die angemessene Haltung sein kann. Rache? Hass? Vergeltung? Oder wie der Titel schon anklingen lässt: Liebe.

Zunächst erschien das Buch, das in Zusammenarbeit mit David van Reybrouck entstand, auf Französisch, die Übersetzung ins Englische stammt von Sam Garrett und unter dem Titel Mein Dschihad der Liebe erschienen die Texte auch auf Deutsch.

Interessant fand ich den Einblick in das Glaubensverständnis, das El Bachiri, der übrigens auf eine katholische Schule ging, von seinen Eltern vermittelt bekommen hat. Der Vater erklärte ihm ganz entspannt den Unterschied zum Christentum mit den Worten:

It’s just like with us, except Jesus is not the son of God and we have an extra prophet. (S. 21)

Für El Bachiri ist Fundamentalismus unvereinbar mit jeglichem Glauben, schließlich habe Gott alle Menschen und alle Völker geschaffen. So plädiert er für einen aufgeklärten und weltoffenen Islam. Er bedauert, dass so viele seiner Glaubensbrüder so wenig über ihre eigene Geschichte wüssten, was sie bei kritischen Fragen völlig verunsichere und anfälliger für einfache Dogmen mache.

Some of them measure the credibility of an imam by the length of his beard. (S. 33)

For us, as Muslims with common sense, it is obvious and necessary to see the belligerent passages in the Koran as historical words from the seventh century. It would be an absolute mistake to try to claim that they are universally valid. And they may never, ever be used to harm another person.  (S. 27)

Doch wenn man nachdenke, neugierig und lernwillig bleibe, dann gelte:

When you’re sure of yourself, you can go very far and still always find your way back. (S. 34)

Sich in angeblich perfekte islamischen Zeiten zurückbomben zu wollen, erscheint ihm absurd.

Living the way they did in the Middle Ages? With WhatsApp? (S. 59)

Zum anderen ist das Buch eine warmherzige Liebeserklärung an seine schöne Frau, seine beste Freundin, die Mutter seiner Kinder, über deren Verlust nichts hinwegzutrösten vermag.

I’m in a different dimension.

That is the only way I can go on living. (S.9)

Für seine Trauer findet er einfache und berührende Worte:

Her name ist still beside the doorbell.

Of course. This is her house.

Even if she doesn’t live here any more.

Even if she doesn’t live at all any more. (S. 11)

Dann wieder erzählt er von seinen Erinnerungen, die gerade in ihrer Alltäglichkeit sehr plastisch sind. Und davon, wie oft sie in den 12 gemeinsamen Jahren zusammen gelacht haben.

I loved to cook, but I always dirtied about twenty pans. The food was good, but the kitchen looked as though a hurricane hat hit. I was so much sloppier than she was. […] She was very organized. (S. 43)

Über den Attentäter verliert er nur wenige Sätze:

He leaves me cold, that guy. (S. 48)

The problem with such people is that everything proceeds from the logic of hatred, and I don’t feel that hatred. They have lost their humanity and dehumanise others. You can’t answer an injustice with another injustice, that makes no sense. You may be completely confused, totally desperate, but that can never justify hate or atrocities. (S. 58)

Die Mörder sollen über das hinaus, was sie in seinem Leben und in dem seiner Familie angerichtet haben, nicht noch mehr Macht bekommen. Deshalb weigert sich El Bachiri zu hassen oder Vergeltung zu fordern. Er will sich nicht auf die gleiche Ebene der Mörder und Verbrecher ziehen lassen.

Doch wie kann er all das seinen Kindern erklären? Für seine Söhne ist ein Leben ohne Mama nicht richtig, sie verstehen nicht, wie sich eine Mutter noch morgens von ihnen verabschiedet, so als sei alles normal, und dann kommt sie einfach nicht zurück.

I am the only captain left on a ship with three crew members, on an ocean of sorrow. The wind blows hard, speaking your sweet name, blowing us towards the unknown. Without you I have lost my way, life has lost all its flavour. (S. 53)

Ein entscheidender Moment auf seinem Weg der Trauer war die Begegnung mit dem marokkanischen König, der in seiner Würdigung der Verstorbenen wohl die richtigen Worte gefunden hat, um El Bachiri Mut und Durchhaltewillen für die Zukunft zu geben.

Und obwohl er zum Zeitpunkt des Schreibens noch völlig in der Luft hängt, er seinen Beruf als U-Bahnfahrer nicht mehr ausüben kann und ihm die öffentlichen Auftritte Mühe bereiten, hält er daran fest, dass es unsere Menschlichkeit sei, die uns verbinde. Erst an zweiter Stelle stehen Religionen und Staaten. Unseren Kindern sollten wir neben Kunst, Poesie und einem Sinn für Schönheit auch beibringen, welche großen Menschen und Denker es gibt, denn deren Erkenntnisse gehörten allen.

I’m going to release four doves to fly to all four corners of the world, to spread love as the only answer to hatred. And you’ll go with them, my youngest son, you’ll protect them, my little falcon. (S. 55)

Mein Leseeindruck war gemischt:

Auf der einen Seite Hochachtung, Respekt und Mitgefühl für einen Trauernden, der sich weigert, Hass zu empfinden und der seinen Kindern trotz des Irrsinns, den seine Familie getroffen hat, Liebe und Achtung als Grundprinzipien mitgeben möchte.

Und es gab zahlreiche Stellen, die mir auch sprachlich gefielen. Schlicht, treffend, anrührend.

Aber dieses schmale Büchlein ist von sehr uneinheitlicher Qualität. Manches ist schon recht einfach gestrickt und anderes wird wiederum so kurz abgehandelt, dass darunter die gedankliche Schärfe notgedrungen leidet. Und ob es wirklich sein muss, auch noch auf Polygamie und den Nahostkonflikt zu sprechen zu kommen? Da wäre weniger mehr gewesen.

Ich hätte lieber mehr über seine Biografie, seine Familie oder seine Söhne erfahren. Oder über die Schwierigkeiten, trotz eines solchen Verbrechens seiner pazifistischen Grundhaltung treu zu bleiben.

Im Guardian gibt es einen schönen Artikel zu ihm und seinem Buch.

Herrad Schenk: Das Haus, das Glück und der Tod (1998)

Die Nacht hier ist so dunkel, wie sich das wohl niemand von den Freunden in der Stadt vorstellen kann. […] Ich verschließe für die Nacht die Kellertür und die Tür zur Brennkammer, das ist ein Abendritual noch aus guten Zeiten, und sehe zum Mond auf. […] Um mich herum ist eine große gesammelte Stille, in der sogar der Wind den Atem anhält. Die Schleiereule kommt erst später, zwischen Mitternacht und drei Uhr morgens – und da fällt mir auf, daß ich sie schon einige Zeit nicht mehr gehört habe. Es mag daran liegen, daß ich jetzt wieder besser schlafe, aber vielleicht hat sie auch den Winter nicht überlebt.

So klingen bereits auf den ersten zwei Seiten des Romans, den die Sozialwissenschaftlerin und Autorin auf ihrer Homepage einen autobiografischen Bericht nennt, die Bestandteile des Titels an. Es geht um ein Jahrhunderte altes, unter Denkmalschutz stehendes Haus in Pfaffenweiler, das die Ich-Erzählerin zusammen mit ihrem Mann gekauft und renoviert hat.

Es geht um das Glück einer Jahrzehnte dauernden Beziehung, das mit dem Einzug in das alte Haus noch einmal vertieft und besonders genossen wird.

Und um den Tod, denn der geliebte Mann, der im Buch immer nur W. genannt wird, stirbt schon zwei Jahre später an plötzlichem Herzversagen.

Das wird nicht streng chronologisch erzählt, stattdessen springen wir mit der Erzählerin vor und zurück, blicken auf die kleineren und größeren Katastrophen, die sich ergeben, wenn man arg- und ahnungslos beschließt, mit eher begrenzten finanziellen Mitteln einen renovierungsbedürften Hof zu erwerben, bei dem man sich noch mit einem ungeeigneten Architekten herumärgern muss und mehr als einmal vor dem finanziellen Kollaps steht.

Im Frühsommer begannen wir schlecht zu schlafen, wälzten uns nebeneinander im Bett und lagen stundenlang grübelnd wach. Da war der Bauantrag, der zwischen dem Denkmalamt und dem Landratsamt hin und her wanderte und bei jeder Nachfrage an einer neuen Behördenklippe hing. Herr X. war in Urlaub, Frau Y. konnte ohne Herrn Z. nichts unternehmen, der aber auf unbestimmte Zeit krank war, und die Vertretung, Frau A., kannte sich mit dem Computer nicht aus, stellte aber nach geraumer Zeit mit Hilfe von Frau B. fest, daß da ja überhaupt noch ein entscheidender Zusatzplan in unseren Antragsunterlagen fehlte. Den sollten wir erst einmal nachliefern, und dann würde man weitersehen. (S. 34)

Und da schimmert auch eine große Liebe und Wertschätzung zu diesem alten, geschichtssatten Haus durch, das nach und nach seine rauhe Schönheit entfalten kann. Durch die Geschichten über die ehemaligen Bewohner und die Funde, die man bei der Renovierung macht – seien es kleine Apotheker-Glasfläschen, Grabsteine oder altes Kochgeschirr – ist  das Haus im Ort verwurzelt und gibt den neuen Bewohnern einen Halt und eine Geborgenheit, wie das moderne Häuser wohl nur schwerlich vermögen.

Dazwischen gibt es immer wieder Passagen über die Trauer, die ersten Monate nach dem Tod des Mannes; all die unterschiedlichsten Phasen und Gefühle, die die Trauernde durchlebt, sind anrührend und nachvollziehbar beschrieben.

Wenige Wochen nach W.’s Tod beende ich einen Spaziergang beim Friedhof. Ein sonniger Vorfrühlingstag geht zu Ende, ich habe unterwegs geweint, ich bücke mich am Grab über Unkraut, das nicht da ist, damit man meine Augen nicht sehen kann. Meistens gehe ich ganz früh oder ganz spät, wenn sonst niemand da ist, und ich hatte auch jetzt gehofft, daß ich allein dort sein würde im letzten Licht des Abends. Aber das Wetter hat noch andere Gestalten herausgelockt. Zwischen Tränenschleiern  nehme ich im weiteren Umkreis drei Frauen und einen Mann wahr, alle alt, alle über siebzig, registriere ich plötzlich, und ich denke erschauernd: Das hier ist nicht wirklich. Es kann gar nicht sein, daß ich hier stehe, und mein Liebstes liegt unter diesem Erdhaufen. Ich kann doch nicht mit einem Schlage so alt sein wie diese da und mein Leben ist vorbei; das geschieht nicht in Wirklichkeit, es ist nur eine alptraumhafte Vision von dem, was irgendwann einmal sein wird. – Aber ich stand hier und es war jetzt. (S. 46)

Und da hinein verwoben die Erinnerungen an die anstrengende Zeit der Renovierung und an das Glück, das das Paar in den letzten zwei Jahren erlebt hat. Untermalt von Festen, Besuchen von Familie und Freunden sowie Spaziergängen und Wanderungen in der schönen Landschaft. Dadurch wird das Buch geerdet, die Ich-Erzählerin gönnt uns auch helle und fröhliche Passagen, da wird auch mal geschimpft, genossen, gearbeitet und es geht handfest zur Sache.

Meine beiden Legehennen sind Italienerinnen […] Erdmuthe ist die Chefin, resolut und bodenständig; Bilhildis dagegen ist ein romantisches Huhn. Am Anfang schien mir, sie werde eher Gedichte schreiben als Eier legen; denn sie wanderte oft noch in der Dämmerung allein durch den Regen, wenn die anderen sich schon zu einem großen plustrig-warmen Federhaufen auf der Stallfensterbank lagerten… (S. 78)

Selten ein so kluges und schönes Buch über die Liebe und über das Trauern gelesen. Und tröstlich ist es auch, aber das nicht billig und wohlfeil, sondern eher in der emphatischen Erkenntnis, dass man nach dem Tod des geliebten Menschen ein anderer sein wird, dass eine Veränderung stattfinden wird, auf die man überhaupt nicht vorbereitet ist, die wie eine Naturkatastrophe über einen hereinbricht und die einen ganz und gar überfordert, die aber der Ich-Erzählerin letztlich doch möglich ist.

Und so ist alles gleichzeitig gegenwärtig: der Schmerz, der Tod, das Haus und das Glück.

Nur mit dem Schutzumschlag des Buches aus dem Jahr 1998 habe ich gehadert. Aber das wäre dann wieder eine andere Geschichte.

Fazit: Sehr gerne gelesen.

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Petra Hofmann: Nie mehr Frühling (2015)

„Was es bedeutete, dass einer tot war, verstand eigentlich niemand jemals.“

Dieses Zitat aus Laura Freudenthalers Buch Die Königin schweigt ist eine passende Überleitung zu Nie wieder Frühling von Petra Hofmann, dem Buch, das uns ebenfalls das Leben einer einfachen Frau erzählt. Erschienen ist es im Picus Verlag Wien.

Und doch wie ganz anders. Wuchtig und beeindruckend.

Bereits im ersten Kapitel, das alles andere als nett und gefällig daherkommt, lesen wir vom Tod einer 87-jährigen, abgemagerten und ungepflegten Frau. Ihr Sohn findet sie in ihrem verwahrlosten Haus, er ist auf der einen Seite erleichtert und gleichzeitig scheint eine uralte Last auf ihm zu liegen.

Danach wird die Geschichte dieser Hermine Stoll chronologisch erzählt. Geboren 1910 irgendwo in einem Dorf, das sie ihr Leben lang nie verlassen wird. Sie ist ein Wildfang, der sich nichts sagen lässt. Irgendwann heiratet Hermine ihre große Liebe, den Kommunisten Karl, verspricht ihm Treue „bis in den Tod und darüber hinaus“ (S. 25) und bekommt mit ihm zwei Söhne.

Als die ersten Nazis durchs Dorf marschieren, schüttet Hermine ihren Nachttopf über den Männern aus. Sie macht von Anfang an keinen Hehl aus ihrer Ablehnung gegen die braunen Horden, was ihr diverse Drohungen des Bürgermeisters einbringt. Und ihr Sohn Dieter fragt sich, warum sich sein Freund Aaron nicht von ihm verabschiedet hat, bevor er so plötzlich nach irgendwohin gereist ist.

Nach Kriegsbeginn wird auch Karl einberufen. Er wird nicht zurückkehren, etwas, das Hermine niemals anerkennen wird. Sie wird ihr Leben lang auf ihn warten.

Ich will nicht tanzen, sagt Hermine, ich will auch nicht lachen. Alles, was ich will, ist der Karl. Davon, dass er fort ist, tut mir alles weh. Am ganzen Körper tut es mir weh, auf der Haut und bis in die Seele hinein. (S. 141)

Ihre Weigerung, das Schicksal zu „akzeptieren“, wird auf Kosten ihrer Söhne Paul und Dieter gehen, für die sie nicht mehr kochen wird und die für ihr weiteres Leben von dieser Verwahrlosung in der Kindheit und der daraus resultierenden Ablehnung des Dorfes gezeichnet bleiben werden.

Mit offenen Augen lag er da bis es grau wurde hinter den Gardinen und dabei kamen diese Gedanken wieder wie böse Geister, sie schlichen sich ein und setzten sich fest in ihm, und er musste all den Unsinn denken, ob er wollte oder nicht. Dass im Leben gar nichts sicher ist, dachte er, dass der Boden, auf dem man geht, immer rutschig ist, als schüttete jemand unentwegt Seifenwasser aus, dass man ausrutschen kann, fallen, und dann nicht mehr auf die Beine kommt. Und dass man alles verlieren kann, jederzeit, von jetzt auf nachher. Und dass man sich nicht ausruhen kann, sich nicht verlassen, auf nichts und niemanden. Dass man beständig auf der Hut sein muss. Dass jederzeit ein Unglück geschehen kann, aber vor allem nachts und im Morgengrauen, wenn es still ist, und danach ist nichts mehr wie zuvor. Und das lässt sich dann nicht rückgängig machen, das ändert sich nie mehr.

So geht das in seinem Kopf, immer im Kreis herum, und hört erst auf, wenn endlich der Tag beginnt, und manchmal auch dann nicht. (S. 204)

Hermine gerät durch ihre Weigerung, sich den Konventionen zu fügen, allmählich in die Rolle einer asozialen Außenseiterin und sie wird, man kann es nicht anders sagen, zu einer bösartigen alten Frau, die sich, ihren Söhnen und sogar ihrer Schwester alles Schöne versagen möchte, solange ihr Mann nicht zurückgekehrt ist.

Das Buch wartet mit einer der widerlichsten Nazi-Figuren auf, die mir seit langem begegnet sind. So lebensecht, dass man sich schütteln möchte.

Doch es waren vor allem zwei Dinge, die mich besonders an diesem Buch fasziniert haben. Das eine ist die die Auseinandersetzung mit dem Tod. Hermine ist gnadenlos konsequent, wenn sie wie eine Fackel gegen den Tod protestiert. Sie versagt sich sogar das Schlafen im Ehebett und liegt stattdessen auf einem Strohsack in der Küche, solange ihr Mann nicht bei ihr ist.

Doch ihr Protest gegen die Ungeheuerlichkeit des Todes läuft ins Leere. Sie trifft nur sich selbst und ihre Kinder damit. Und ausnahmsweise hat es mich hier gar nicht gestört, dass wir nur sehr geringen Einblick in ihre Gedanken bekommen. Das war eindeutig nicht dem Unvermögen der Autorin geschuldet, sondern funktioniert im Gesamtaufbau des Romans, sodass ich das Interesse an Hermine nie verloren habe.

Nachdem er seine Mutter tot aufgefunden hat, kommt ihr Sohn Paul zu folgendem Fazit:

Was sind nicht schon alles für Geschichten erzählt worden über die Mutter! Jeder hat sie mit seinen Augen betrachtet und jeder hat es besser gewusst. Und dabei wohl auch seinen Stab gebrochen über sie, über ihr Leben. Aber das, denkt Paul, steht euch nicht zu, niemandem steht das zu. Ein Leben ist ein Leben, und es gilt. Das ist alles. Da gibt es nichts zu befinden, es gibt gefälligst nichts zu befinden. (S. 13/14)

Der zweite Aspekt, der hier so gelungen ist, ist die Art und Weise, wie das Umfeld mit hinein in die Handlung genommen wird. Wie ein Chor kommentieren die Dorfbewohner, vor allem die Frauen, das Tagesgeschehen; wir hören die Gespräche im Dorfladen oder bei der Bäckerin. Und dabei gelingt es der Autorin, verschiedenste Menschen und Charaktere in ihrer Großzügigkeit und ihrer Niedertracht auf knappstem Raum zu veranschaulichen.

Die eine Frau mahnt zur Vorsicht bei dem, was man nun öffentlich über den Nationalsozialismus sagt; die andere Nachbarin ist beglückt angesichts der marschierenden Kolonnen, die dritte hat einen Horizont, der nur bis zum Gartenzaun reicht. Auch Hermine ist immer wieder Gesprächsthema in diesen Runden. Es ist vielsagend, wie sich auch da die Meinungen im Laufe der Jahrzehnte verändern.

Das einzige, was man vielleicht doch etwas hätte reduzieren können, sind die Wendungen „er denkt“, „er sagt“ oder „sie denkt“.

Das Zitat aus dem Interview mit der Autorin auf Das Debüt zeigt den hohen Anspruch, den Hofmann an Literatur stellt. Und was soll ich sagen? Mit ihrem Buch löst sie ihn ein.

Grundsätzlich wünsche ich mir vermehrt Bücher, die etwas Eigentliches zu sagen haben und zwar mit einer gewissen Dringlichkeit. Die Texte sollten einen deutlich spürbaren glühenden Kern haben, der den Leser und die Leserin erreicht.

Und das sagen andere:

 

Pieter Steinz: Der Sinn des Lesens (OA 2015)

Anscheinend war der niederländische Originaltitel Lezen met ALS. Literatuur als levensbehoefte dem Reclam Verlag nicht schmissig genug, dabei ist er präziser und schickt die Leser nicht so in die Irre wie der deutsche Titel.

Denn es geht weniger um den Sinn des Lesens, sondern darum, dass der an ALS erkrankte Pieter Steinz, umtriebiger Journalist, Autor zahlreicher Werke und eine Instanz der niederländischen Literatur, seine noch verbleibende Zeit zwischen Diagnose und Lebensende u. a. den Menschen und Bedürfnissen widmen wollte, die ihm wertvoll waren. Und eines dieser Lebensbedürfnisse war die Literatur.

Für mich waren meine kleinen Essays in erster Linie ein guter Grund, um noch einmal eine Reihe meiner Lieblingsbücher lesen zu können. Außerdem bot das Schreiben eine wunderbare Möglichkeit, meinen körperlichen Verfall und den dazugehörigen Marsch durch die medizinischen Institutionen mit einer gewissen Distanz zu betrachten. Das Buch, das so entstanden ist, gibt vielleicht keine definitive Antwort auf die Frage, ob Literatur in schwierigen Situationen Trost bieten kann, für mich hat sich auf jeden Fall erwiesen, dass zumindest das Schreiben über Literatur sehr tröstlich ist. (S. 8)

Und so stellt Steinz (1963 – 2016) in diesen anrührenden, traurigen, witzigen, selbstironischen kurzen Texten 52 Bücher und Textausschnitte in Bezug zu seiner Krankheit, deren körperliche Verwüstungen er nicht unter den Teppich kehrt und von der er weiß, dass er an ihr sterben wird.

Die Bandbreite der angesprochenen Bücher reicht dabei von Karlsson vom Dach bis Sokrates, von Autoren, die bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt wurden, bis zu Thoreau, Orwell, Oblomow und Dem Grafen von Monte Christo.

Hier schreibt einer hinreißend klug, dankbar und unsentimental über sein Leben, seine Ehefrau, seine Bücher, über die Folgen seiner Krankheit und unsere Endlichkeit. Wenn man am Ende des Buches angelangt ist, kann man gleich wieder von vorn beginnen, um von Steinz zu lernen.

Natürlich, niemand möchte sterben. Wenn man glücklich ist, möchte man ewig weiterleben, so wie man auch möchte, dass ein tolles Buch niemals aufhört und ein perfekter Urlaub endlos weitergeht.  Aber sterben muss man trotzdem, und vielleicht ist es besser, dass es geschieht, wenn man mitten im Leben steht und umgeben ist von seinen Liebsten, als wenn man alt und pflegebedürftig ist und seine Tage in Einsamkeit verbringt. Mein Bestreben ist es, meine Augen zufrieden zu schließen und mich so dem Glücksideal von Solon und Herodot anzunähern. (S. 60)

Den Hinweis auf dieses faszinierende Buch verdanke ich der Besprechung auf Peter liest.

 

Mely Kiyak: Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an (2013)

Man stirbt.
Man steht morgens auf, macht seine Arbeit und stirbt.
Man träumt und stirbt.
Man gießt Blumen, geht einkaufen, schüttelt Decken aus und stirbt.
Man liest. Man liebt. Man stirbt.
Vögel zwitschern, Narzissen springen mit einem leisen Rascheln auf – was folgt ist Sterben.
Ob man es brauchen kann oder nicht, zwecklos sich damit anzulegen, man stirbt.
Man stirbt. Man stirbt.

Diese Worte sind dem Buch der Journalistin  Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an vorangestellt.

Die Journalistin und Kolumnistin, die u. a. für die ZEIT, taz und die Frankfurter Rundschau schreibt, bekommt immer wieder Besuch von ihrem Vater, der als ehemaliger Gastarbeiter nun seinen Ruhestand in der Türkei genießen möchte, denn er gehört zu denen, die

… sich nach ihrer Heimat sehnen, sie aber mit einem Bein in Deutschland leben müssen, weil ihre vollen Rentenbezüge verloren gehen, wenn sie länger als sechs Monate nicht in Deutschland waren … (S. 140)

Bei einem seiner Deutschlandaufenthalte, bei denen er seine inzwischen erwachsenen Kinder besucht, geht er ins Krankenhaus, um nur eben einen hartnäckigen Husten abklären zu lassen. Doch die Diagnose lautet Lungenkrebs.

Was folgt, ist zum einen die Beschreibung der Krankenhausodyssee mit all der deutschen Regularienwut, den quälenden und schmerzhaften Behandlungsmethoden, der fehlenden menschlichen Anteilnahme. Möchte Herr Kiyak am liebsten in Ruhe gelassen werden und manches vielleicht gar nicht so genau wissen, so ist seine Tochter das Gegenteil: Sie will kämpfen, kämpfen, kämpfen, ihren Vater aufmuntern, ihm seine Tränen verbieten, bis der Krankenhauspsychologe sie ermahnt, dass sie bitte schön ihren Vater respektieren und ihm nicht noch Energie rauben solle, indem er meint, für sie Gefühle vorspielen oder unterdrücken zu müssen.

Auch das Leben der Tochter gerät aus den Fugen, sie kann nicht mehr so wie bisher arbeiten, fährt täglich ins Krankenhaus, wäscht die Wäsche ihres Vaters, kocht für ihn, stellt sich Ärzten in den Weg, trauert, organisiert und beherbergt zahlreiche Verwandte, die ihren Vater im Krankenhaus besuchen.

Dazwischen streut Mely all die Geschichten, die ihr Vater ihr schon in der Vergangenheit erzählt hat und nun auch im Krankenhaus erzählt, von früher, von Anatolien, den Tanten und dem kriminellen Onkel oder dem Großvater der Autorin, der noch Analphabet war, von Familienfesten und Bräuchen, wie z. B. der Entführung der Geliebten:

Einer „entführten“ Frau kann man keinen Vorwurf machen, im Gegensatz zu einer Frau, die mit ihrem Liebsten durchbrennt. Mein Vater brauchte ein Fluchtfahrzeug. Er bat seinen Cousin Hüseyin, ihm einen Esel für die Geiselnahme zu überlassen. […] Dein Opa setzte seine Oma auf den Esel und lief hinterher. So entführte er sie. Als Gegenleistung für den Esel überließ mein Vater Hüseyin seinen Anteil an den Feldern. Daraufhin hieß es, mein Vater sei vor lauter Liebe verarmt. Was natürlich nicht stimmt. Er war keineswegs arm geworden. Die Liebe macht einen Menschen immer reich. (S. 50)

Da gibt es Geschichten vom Militärdienst des Vaters, bei dem er zum ersten Mal die Benachteiligung der Kurden begriff. Geschichten vom Leben in der Fremde, in Deutschland, von langen 12-Stunden-Nachtschichten und den besprochenen Kassetten, die die Gastarbeiter in die Türkei schickten und die dann von Familienmitgliedern überspielt und wieder besprochen wurden.

Fazit

Ich habe das Buch sehr, sehr gern gelesen. Aus mehreren Gründen. Es ist traurig, schnoddrig, witzig, bedenkenswert und ehrlich, man sieht und spürt die Verzweiflung – und den Lebenstrotz – der Tochter und wird an die eigene Sterblichkeit und die seiner Lieben erinnert:

Es scheint zu stimmen. Der Mensch ist sterblich. Gewusst habe ich es immer, aber nicht begriffen. Ich dachte, Kranksein sei eine Ausnahme. Es scheint vielmehr die Ausnahme zu sein, friedlich im Schaukelstuhl mit einer Kaschmirdecke auf den Knien einzuschlafen. (S. 61)

Man fragt sich doch, worin der Sinn des Lebens besteht, wenn am Ende gestorben wird. Und wie ich mich gefreut hatte auf das Leben. (S. 113)

Natürlich ist es scheußlich, von der Krankenhausmentalität zu lesen, wenn kaum jemand Zeit hat, dem Patienten und den Angehörigen zu erklären, was mit einem passiert, so dass man im Stillen hofft, nie dort sterbenskrank sein zu müssen. Der Mensch an sich wird – aus Zeitmangel, Überarbeitung, Gleichgültigkeit – nicht mehr wahrgenommen und die Tochter muss um ein Arztgespräch betteln, nachdem der Vater mal eben – eher so im Vorübergehen – die Diagnose Krebs erhalten hat. Das Krankenhaus wird so zum Spiegelbild unserer Gesellschaft.

Dem Leser dämmert, dass die Gastarbeiter von damals immer noch nicht als vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft wahrgenommen werden, im Krankenhaus so gar nicht auf ihre manchmal so kleinen, aber für das Sich-nicht-völlig-fremd-Fühlen so wichtigen Wünsche reagiert wird, z. B. einen ordentlichen Tee zu bekommen. Der Speiseplan ist komplett auf deutsche Essgewohnheiten abgestellt, gleichzeitig sieht man es ungern, wenn Familienmitglieder Essen mit ins Krankenhaus bringen.

Und wir lesen von einer Vater-Tochter-Beziehung, in der vermutlich jeder wirklich alles für den anderen geben und tun würde. Ich war manchmal schon fast entsetzt über die Respektlosigkeiten, die sie und ihre Geschwister sich ihrem Vater gegenüber als Kinder erlaubt haben, über die Rabiatheit, die die Tochter ihrem Vater gegenüber an den Tag legt, und doch schimmert jetzt hinter allem Liebe und ein unglaublicher Zusammenhalt durch. Als Mely einmal so losweinen muss, dass sie gar nicht mehr aufhören kann,

nützt [er] das als Freibrief und legt dermaßen los und weint mit und das macht mich schlagartig nüchtern, dass ich mich gar nicht erst beruhigen muss, ich bin in solcher Weise klar im Kopf, dass ich ihn anschaue und sage: Papa, bloß weil ich ein Nervenbündel bin, heißt das noch lange nicht, dass du mitmachen darfst! (S. 202)

Herr Miyak ist ein so liebenswürdiger, stiller aber dabei so tapferer Mann, dass er mein Leserinnenherz im Fluge für sich eingenommen hat. Dabei gelingen der Autorin Momentaufnahmen von großer Innigkeit. Und manchmal muss man auch einfach lächeln.

Gern gelesen habe ich auch die Geschichten aus der Türkei, so bunt und fabulierfreudig, ganz das Gegenteil des Krankenhauslebens. Mir wurde bewusst, wie wenig ich eigentlich über die Türkei weiß. Und: Wie viele Geschichten hat Deutschland möglicherweise versäumt?

Wo sind alle diese Kassetten geblieben? Wer archiviert die Erinnerungen? (S. 126)

Meinetwegen hätte das Buch dreimal so dick sein können.

Und das schreibt Mely Kiyak über Literatur:

All die Schmerzensliteratur, die es gibt und die man zitiert nicht erträgt, wenn man sich nicht auf dem gleichen Level der Traurigkeit wie der Zitierte befindet, bekommt im Moment der eigenen Traurigkeitsauflösung eine solche Wucht, eine solch monströse Kraft, man traut sich gar nicht mehr, ins Buchregal zu greifen. (S. 229)

Ein großes Dankeschön an Sabine von Binge Reading, die mich überhaupt erst auf das Buch aufmerksam gemacht hat.

Bartholomäus Grill: Um uns die Toten (2014)

Es sei ein kalter, sonniger Februartag gewesen, Tante Afra erinnert sich noch genau. Mir fällt niemand ein, den ich sonst noch fragen könnte, und es leben auch nicht mehr viele, die eine Antwort wüssten. Ich habe den Tag ganz anders im Gedächtnis: grau und frostig. Ein scharfer Westwind wehte durch den Halmberger Hof, als der Leichenwagen von Kirchreit her kommend in die Durchfahrt zwischen Getreidestadel und Bauernhof einbog, ein Gespann mit zwei kastanienbraunen Gäulen, auf dem Kutschbock saß ein Mann mit kantigem Gesicht. Kurz bevor das Gefährt vor der Haustür zum Stehen kam, riss eine Bö die Kappe von seinem Kopf.

Mit dieser Kindheitserinnerung an die Beerdigung des Großvaters beginnt das unglaubliche Buch des 1954 geborenen Autors und Journalisten

Bartholomäus Grill: Um uns die Toten – Meine Begegnungen mit dem Sterben (2014)
– veröffentlicht im Siedler Verlag

Zum Inhalt

Grill versucht in diesem Buch nichts weniger, als der Tatsache ins Auge zu schauen, dass unser Leben endlich ist. Dabei herausgekommen ist eine bewegende Mischung aus Autobiografie und Reportage, die sich streng auf das im Untertitel genannte Thema beschränkt.

Im Zentrum steht der Freitod meines Bruders Urban, sein langer Kampf gegen den Krebs, schließlich sein unwiderruflicher Entschluss, das Leiden und den endlos sich hinziehenden Prozess des Sterbens zu beenden. (S. 12)

Doch das stimmt nur bedingt. Hier wird das ganz Persönliche verwoben mit dem Weltpolitischen.

Am Beginn steht der Rückblick auf eine als idyllisch empfundene, gleichwohl streng katholisch geprägte Kindheit auf einem bayrischen Bauernhof. Dieser umfasst sowohl Erinnerungen an das kleine Schwesterchen, das mit schwersten Conterganschäden auf die Welt kam und ein Jahr lang starb, als auch an die Traditionen, Feste und Wallfahrten und an den Tod der Großeltern. Außerdem lesen wir von den verschwiegenen Selbstmorden in der Nachbarschaft. Dabei war der Selbstmord für die gläubigen Katholiken schändlicher als die Tatsache, dass da ein ehemaliger SS-Obersturmbannführer in den Freitod gegangen war.

Die Loslösung vom Elternhaus geht einher mit Drogenexperimenten, die – wenn auch ungewollt – beinahe tödlich enden und mit immer tieferen Rissen im katholischen Weltbild. Seinen Zivildienst absolviert Grill zunächst in einem Alterskrankenhaus, bevor er in ein Zentrum für behinderte Kinder wechselt. Diese Zeit ist geprägt durch die völlig irrationale Annahme, dass der wirkliche Tod ein lächerlicher Geselle sei, mit dem man ganz unbefangen kokettieren könne.

Zum Beispiel durch waghalsige Ski-Abfahrten auf lawinengefährdeten Hängen, durch Autorasereien ohne Fahrerlaubnis oder andere hirnrissige Mutproben, mit denen wir den Mädels imponieren wollen. […] Was würde ich schon verlieren? Nur das Leben, so what? Aber das konnte mir ohnehin nicht passieren. Ich fühlte mich bei solchen Torheiten so sicher wie ein afrikanischer Buschkrieger, der sich für unverwundbar hält, nachdem er sich mit Zauberelixieren immunisiert hat: Die Kugeln des Feindes prallen an ihm ab wie Wassertropfen. Nach neueren medizinischen Erkenntnissen ist das irrationale Verhalten männlicher Jugendlicher auf das hormonelle Chaos in ihrer Reifezeit zurückzuführen, da fallen Sicherheitsschaltungen im Gehirn manchmal einfach aus. (S. 58)

Nach einem Zeitsprung geht es schließlich weiter mit den Erfahrungen, die Grill in seiner Zeit als Auslandskorrespondent gemacht hat.

Die ersten Einsätze in den achtziger Jahren führten mich nach Osteuropa, nach Polen, wo Geheimagenten der wankenden Jaruzelski-Diktatur regimekritische Priester entführten und umbrachten. Dann, Weihnachten 1989, nach Rumänien, als der Despot Nicolae Ceaucescu gestürzt und hingerichtet wurde und mir beim Anblick vermeintlicher Folteropfer des Geheimdienstes Securitate der Tod erstmals als furchtbarer Menschenschinder erschien. Drei Jahre später wurde ich von der ZEIT nach Afrika entsandt. Seither habe ich regelmäßig über Kriege, Staatsstreiche, Hungersnöte, Seuchen und Katastrophen berichtet. Den ersten Aids-Toten sah ich in einem Fischerdörfchen am Victoria-See in Uganda, ich ahnte damals nicht, dass mich diese Pandemie von schier unvorstellbaren Ausmaßen in zahlreichen Reportagen immer wieder beschäftigen würde. Kein Ereignis hat mich indes so erschüttert wie der Genozid und dessen Nachwehen in Ruanda. (S. 13/14)

Grill nimmt uns mit seinen Reportagen und Texten mit in die Gebiete der Welt, die uns sonst doch oft sehr weit weg zu sein scheinen und wo Folter, Hunger, unvorstellbares Leid, Grausamkeiten und der von Menschen verschuldete Tod Grill nicht nur an der Menschlichkeit, sondern auch an der Existenz Gottes zweifeln lassen. Doch genauso schildert er die ausgelassenen afrikanischen Feierrituale, die dort eine Beerdigung zu einem Fest des Lebens machen.

Und gegen Ende führt der Bogen wieder nach Hause zurück. Zum Sterben seines Bruders Urban, der unheilbar an Zungenkrebs erkrankt ist, und dessen Entschluss, die Hilfe der Schweizer Organisation Dignitas in Anspruch zu nehmen, um freiwillig aus dem Leben zu gehen. Grill schildert die Verzweiflung der Familie, die Vorbehalte der katholischen Mutter und schließlich die Fahrt in die Schweiz, den Ablauf, die letzten Stunden des Bruders in einem schäbigen Zimmer.

Dabei wird Grill nie sentimental, nie gefühlig, immer versucht er zu begreifen, zu verstehen, das überzeugende Argument zu finden. So wird auch ein Streitgespräch zwischen ihm und dem katholischen Denker Robert Spaemann abgedruckt, der sich gegen jede Institutionalisierung der Sterbehilfe ausspricht.

Dass Grill dabei seine eigenen (verlorengegangenen) religiösen Ansichten auf den Prüfstand stellt und versuchen muss, nun auch selbst mit dem Tod und der Endlichkeit unseres Lebens zurande zu kommen, versteht sich von selbst.

Letztlich spiegelt auch das vorliegende Buch das kollektive Bedürfnis, den verdrängten, verbannten und scheinbar gezähmten Tod wieder näher ans wirkliche Leben heranzuholen. Weil es aus einer sehr persönlichen Perspektive geschrieben ist, nimmt es in weiten Teilen autobiografische Züge an. […] Peter Weiss […] nannte das Schreiben den Versuch, “mit all unseren Toten in uns, mit unserer Totenklage, unseren eigenen Tod vor Augen, zwischen den Lebenden dahin zu balancieren.” Kein Satz könnte meine Beweggründe trefflicher ausdrücken.“ (S. 17)

Fazit

Klingt das trostlos? Ist es aber eigenartigerweise nicht, denn Grill schreibt reflektiert, oftmals gelassen, manchmal fast heiter. Ehrlich auch da, wo er über eigene Schuld spricht.

Zum anderen hat er etwas zu erzählen.

Interessant zum Beispiel sein Exkurs zu einigen Berufskollegen, den Mitgliedern des legendären Bang-Bang Clubs, preisgekrönten Katastrophenfotografen, die nahezu zwangsläufig ihrer derformation professionelle erliegen: Greg Marinovich, Kevin Carter, Joao Silva und Ken Oosterbroek.

Die Bang-Bang-Fotografen trieb eine Art Soldatenlust aufs Schlachtfeld, die prickelnde Erfahrung von Gewalt, gemischt mit Abenteurertum und ein bisschen Aufklärungsdrang – der Rest der Welt sollte die Grausamkeiten in den Ghettos der Schwarzen sehen. Aber viel wichtiger noch war den Fotografen, zu beweisen, was für harte, furchtlose Kerle sie waren und welche Mutproben sie bestanden. Stand-ups gehörten zu ihren obligatorischen Übungen: Sie gingen bei Feuergefechten aus der Deckung, richten sich auf und schossen ihre Bilder. Natürlich war es verpönt, dabei Splitterschutzwesten zu tragen, das war etwas für Hasenfüße. (S. 94)

Grills Erzählungen über die diversen Kriegs- und Katastrophengebiete sind informativ, anschaulich, fürchterlich und manchmal nur schwer auszuhalten. Wenn man in dieser geballten Form, quasi von Kapitel zu Kapitel, dem Autor auf seinen Reisen folgt und dabei sieht, was Menschen zu tun imstande sind, dann müssen einem Fragen kommen, Fragen nach dem eigenen Lebensstil, Menschenbild und Glauben und nach den eigenen Werten. Wobei man übrigens nicht zwangsläufig zu dem Schluss kommen muss, dass es angesichts des Irrsinns wohl keinen Gott geben könne.

Eine Aussage hielt ich allerdings für groben Unfug, dass nämlich die Heilserwartung des gottesfürchtigen Christen sich nicht von der des islamistischen Selbstmordattentäters unterscheide.

Angenehm ist, dass Grill meist darauf verzichtet, fertige Antworten anzubieten, es ist eher eine große Einladung an den Leser, mal aus dem Kreiseln auszusteigen, zur Ruhe zu kommen und auszuhalten, was der Autor schreibt.

Ich habe alle wichtigen Studien über die Ursachen des Völkermords (in Ruanda) gelesen, und dennoch kann ich bis heute nicht begreifen, wie Menschen zu Mordmaschinen mutieren. Wie kommt es, dass ein Arzt seine Patienten im Krankenhaus umbringt? Dass Lehrer ihre Schüler zerstückeln? Dass Pfarrer ihre Gläubigen mit Benzin übergießen und anzünden? (S. 104)

Kurz gesagt: Mit diesem Buch haut er alle unsere Versuche, mit Entertainment, Esoterikgesäusel oder pausenloser Beschäftigung vor der Tatsache der Endlichkeit wegzulaufen, in die Tonne.

Jeder von uns hat seine eigene Methode entwickelt, die Unausweichlichkeit des Todes zu verdrängen. Gemeinsam ist uns dabei die kognitive Dissonanz, die die Wahrnehmung der Wirklichkeit den Wünschen anpasst: Es mag andere erwischen, mich aber nicht. (S. 202)

Anmerkungen

Hier geht es lang zum Wikipedia-Artikel über den Autor.

Dem Blog der Kulturbuchhandlung Jastram habe ich es zu verdanken, dass ich überhaupt erst aufmerksam auf das Buch wurde.

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Joachim Meyerhoff: Alle Toten fliegen hoch (2011)

Mit achtzehn ging ich für ein Jahr nach Amerika. Noch heute erzähle ich oft, dass es ein Basketballstipendium war, aber das stimmt nicht. Meine Großeltern haben den Austausch bezahlt.

So – quasi mit einer Mini-Inhaltszusammenfassung – beginnt das fantastische Buch von Joachim Meyerhoff.

Der 1967 geborene Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller schrieb ursprünglich autobiografische Texte für die Bühne und daraus hat sich ein größeres Buchprojekt entwickelt. Im ersten Band Alle Toten fliegen hoch geht es um den siebzehnjährigen Joachim, der in der norddeutschen Kleinstadt Schleswig aufwächst und – ganz untypisch für einen Coming of Age-Roman – keinerlei nennenswerten familiären Probleme hat. Noch in Amerika betont er:

Dass ich nicht vor ihnen [gemeint sind seine Eltern] geflohen, keiner durch Lieblosigkeit oder Repressalien verdunkelten Welt entkommen war und sie sehr vermisste.

Im Laufe der Geschichte erinnert sich Joachim immer wieder an Erlebnisse aus seiner Kindheit.

Das mit der Glaschiebetür ist mir selbst widerfahren. Ich konnte gerade laufen. Mein ältester Bruder setzte mich in einen Sessel und ging auf die Terrasse hinaus. Erst wenn er meinen Namen rief, durfte ich vom durchgesessenen Blumenmustersessel hinunterkrabbeln und auf meinen noch wackeligen Beinen durch das Zimmer hinaus ins Freie, in seine Arme rennen. Über die Bodenschienen der Schiebetür hätte ich jedes Mal einen niedlichen Hopser gemacht. Angeblich konnte ich von diesem Im-Sessel-Sitzen und Auf-Kommando-ins-Freie-Laufen im Gegensatz zu meinem Bruder nicht genug bekommen. Schon in seinen Armen, den Bruderarmen, hätte ich ‚Noch mal! Noch mal!‘ gerufen. Nach dem zwanzigsten oder fünfundzwanzigsten ‚Noch mal! Noch mal!‘ setzte mich mein Bruder wieder in den Sessel und zog die Schiebetür zu, um herauszufinden, ob ich schon wüsste, dass man nicht durch Glas gehen kann. Ich wusste es nicht und donnerte mit solcher Wucht gegen die Scheibe, dass meiner Mutter vor Schreck das Buch bis an die Zimmerdecke flog […] Wie eine unsichtbare Faust hatte mich die Scheibe auf dem Weg in die weit geöffneten Arme meines Bruders niedergestreckt. […] Mein Bruder wurde ermahnt, keine Experimente mit mir zu machen, und in sein Zimmer geschickt. (S. 7/8)

Im Großen und Ganzen also Provinzidylle pur, zwei manchmal nervende ältere Brüder, die ebenfalls das Gymnasium besuchen, der Vater ist Arzt in der Psychiatrie und den obligatorischen Familienhund gibt es auch. Alles nicht weiter aufregend.

In meiner Stadt war Stille noch der Urzustand. Beruhigend, aber eben auch anstrengend, da man immer alleine von vorn anfangen musste, Lärm zu machen. Kein Weiterreichen, kein Einklinken – jeder für sich allein in seiner Stille. So brummten auch die Autos an mir vorbei. Aus der Stille kommend, in die Stille fahrend. Die Ziele dieser Autos erfüllten mich mit Langeweile. Garagen oder verkehrsberuhigte Wohnstraßen. Und während der Motor noch warm war, krabbelten die Kleinstädter in ihre heimeligen Betten und versanken gedankenlos in eben dieser Stille. Wie vereinzelt hier alles war. Einzelne Häuser, einzelne Autos, einzelne Bäume. (S. 60/61)

So beschließt Joachim, sich für ein Auslandsjahr an einer High School in Amerika zu bewerben. Beim Auswahlverfahren in Hamburg fürchtet er allerdings, nicht mit den weltgewandteren Großstadtkids konkurrieren zu können. Um trotzdem einen Platz im Austauschprogramm zu ergattern, lügt er beim entscheidenden Fragebogen, dass sich die Balken biegen. Er kreuzt an, dass er tiefreligiös und naturverbunden sei und deswegen am liebsten aufs Land wolle. Nur bei der Frage, ob er irgendeine Sportart bevorzuge, antwortet er wahrheitsgemäß: Er möchte Basketball spielen.

Und so nimmt die Sache ihren Lauf: Er landet mit miserablen Englischkenntnissen in der tiefsten amerikanischen Provinz, am Rande von Laramie in Wyoming, bei einer streng religiösen Familie und muss ab sofort dreimal die Woche mit zum Gottesdienst. Mehr möchte ich eigentlich gar nicht verraten, denn das Buch ist übervoll mit wahnwitzigen Geschichten und Begegnungen – ein bisschen wie Blasmusikpop von Vea Kaiser, mit dem Unterschied, dass hier sich vieles wirklich so oder ganz ähnlich abgespielt haben dürfte.

Fazit

Ich wollte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Wen würde er treffen oder kennenlernen? Welche Überraschungen würde der Unterricht an der High School bereithalten, von den seltsamen Lehrern dort ganz zu schweigen, und würde er es schließlich ins Basketballteam schaffen?

Einer der Lehrer nimmt ihn mit zu einer Besichtigungstour ins Gefängnis und ist enttäuscht, als Joachim sich nicht auf dem elektrischen Stuhl fotografieren lassen möchte. Die Leiterin des Drama Club hingegen

kam dann auf die Bühne, tippte sich mit dem Zeigefinger in die Augenwinkel, zeigte ihn herum und strahlte: ‚Hey, come on! What did you do to me? Tell me, what’s that? WHAT’S THAT? TEARS. For heaven’s sake. THESE ARE TEARS. Jesus, you are so intense, you made me cry!‘ Alle klatschten. Wir beklatschten sie, weil sie weinte, und uns, weil wir sie zum Weinen gebracht hatten. (S. 151)

Wir begleiten den Ich-Erzähler dabei, wie er ein Stück weit erwachsener wird, mit allem, was dazugehört. Er muss zurechtkommen mit Liebe, Freundschaft, Sex, Egoismus, Fehlbarkeit, Verlust, Trauer, Irrwitz und existenziellem Schrecken.

Er schaut ganz genau hin, auch wenn’s wehtut. Dabei ist aber eben keine oberflächlich-lockerflockige Anekdotensammlung entstanden, sondern ein oft genug wirklich anrührender und zarter Blick in das Innenleben eines jungen Menschen. Das kommt so frisch, absurd und unmittelbar daher, als hätte der Autor das Ganze erst gestern erlebt.

Meyerhoff schreibt entwaffnend ehrlich und vor allem oft urkomisch – mit dem perfekten Gespür für den Moment der Pointe. Mit Staunen, Toleranz und großer Unbefangenheit nimmt der jugendliche Held die manchmal schöne und manchmal sehr befremdliche Welt um sich herum wahr. Und seine Schilderung von Trauer ist derart, dass einem ganz fröstelig wird, weil man weiß, ja genau so ist das.

Durch das Jahr in Amerika ist auch ein sinnvoller Spannungsbogen garantiert. Und ich habe einige Dinge über Amerika gelernt, die in keinem Reiseführer stehen.

Anmerkungen

Hier ein Interview mit Iris Radisch, das einen guten Eindruck vom Autor vermittelt, und hier ihre Leseempfehlung auf ZEIT online, über die ich mich ein bisschen gewundert habe. Radisch klingt, als würde das Buch überwiegend in der deutschen Provinz spielen, dem ist nun nicht so.

Und hier geht’s lang zu den begeisterten Rezensionen der FAZ und von Dr. Christian Koellerer.

Heide Soltau schreibt im NDR: „Das Buch folgt dem Muster des klassischen Entwicklungsromans. Mit Witz und Charme und ganz ohne Larmoyanz erzählt er von den inneren und äußeren Nöten eines Jugendlichen, der mit der Reise nach Amerika auch die eigene Kindheit, das Reich der Toten und die Welt der Erwachsenen bereist. Das ist keine Selbstbespiegelung, sondern gelungene Literatur.“

Im Deutschlandfunk schreibt Günter Kaindlstorfer und in der TAZ schreibt Detlef Kuhlbrodt.