Alison Hoover Bartlett: The Man Who Loved Books Too Much (2009)

Noch einmal ein Beitrag aus dem Archiv; diesen möchte ich Petra widmen, deren neue Serie Gefahren des Lesens: Tipps & Tricks heute online gegangen ist.

For him that stealeth, or borroweth and returneth not, this book from its owner … let him be struck with palsy, & all his members blasted. … Let bookworms gnaw his entrails in token of the Worm that dieth not, & when at last he goeth to his final punishment, let the flames of Hell consume him forever.

Mit diesem Fluch aus einem mittelalterlichen Manuskript (Kloster St. Pedro in Barcelona), mit dem potentielle Diebe abgeschreckt werden sollten, beginnt die faszinierende Reise in die Welt der Büchersammler von

Alison Hoover Bartlett: The Man Who Loved Books Too Much (2009)

Die Frage, weshalb Menschen in ihrer leidenschaftlichen Suche nach wertvollen und/oder alten Büchern nicht einmal vor kriminellen Machenschaften zurückzuschrecken, ist der rote Faden in diesem Buch mit dem Untertitel „The true story of a thief, a detective, and a world of literary obsession“.

So führt die Autorin über drei Jahre hinweg Interviews mit einem der gefürchtetsten Bücherdiebe Amerikas, mit John Charles Gilkey. Gilkey wandert für seine Leidenschaft oder soll man besser sagen, für seine wahnhafte Vorstellung, durch den Besitz edler und vor allem teurer (gestohlener) Werke zu der Welt der Reichen und Gebildeten zu gehören, immer wieder ins Gefängnis.

Außerdem schlendert der Leser zusammen mit der  Autorin über Büchermessen, auf denen Werke, wie z. B. die auf 500 Exemplare begrenzte Erstausgabe von Harry Potter and the Philosopher’s Stone für 30.000 Dollar oder seltene, Jahrhunderte alte Manuskripte und Bücher gehandelt werden.

Und man lernt den Antiquar Ken Sanders kennen, den Betreiber von Ken Sanders Rare Books in Salt Lake City, der 1999 von der Antiquarian Booksellers‘ Association of America zum Sicherheitsbeauftragten ernannt wurde. Bis dahin gab es nicht einmal ein sinnvoll funktionierendes Kommunikationssystem, mit dem sich die Antiquare gegenseitig über Diebstähle oder verdächtige Kunden informieren konnten. Er war auch derjenige, der als erster Gilkey hinter Gitter brachte und in Insiderkreisen als Bibliodick (Bücherdetektiv) bezeichnet wird.

Hoover Bartlett geht der Frage nach, wer den Begriff „Bibliomanie“ geprägt hat oder erklärt das hinreißende Fore-edge Painting. Oder man liest mit milder Verwunderung von dem amerikanischen Botanik-Professor Thomas Jefferson Fitzpatrick, der so viele Bücher in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts sein eigen nannte, dass

his Nebraska house exceeded the building code maximum load. When he died in 1952, at age eigthy-three, it was on an army cot he used as a bed in his kitchen, surrounded by ninety tons of books. (S. 195)

Zunächst bin ich den Recherchestreifzügen der Autorin mit Freude gefolgt, und dafür war es keineswegs notwendig, selbst Büchersammler zu sein, denn das Buch ist eine Fundgrube interessanter Geschichten, Anekdoten und Informationen.  Sie zitiert beispielsweise Nicholas Basbanes, der in seinem Buch A Gentle Madness: Bibliophiles, Bibliomanes, and the Eternal Passion for Books (1995) das folgende Rätsel präsentierte:

Which man is happier, ‚he that hath a library with well nigh unto all the world’s classics, or he that hath thirteen daughters?

The happier man is the one with thirteen daughters, because he knoweth that he hath enough. (S. 129)

Das Interesse der Autorin am Bücherdieb Gilkey konnte ich jedoch nur bedingt nachvollziehen. Zwar hat er allein von Januar bis Juni 2001 Bücher im Wert von mindestens 100.000 Dollar mit gestohlenen Kreditkartennummern bezahlt, die er während seiner Tätigkeit für einen Herrenausstatter ergaunerte, doch für die Frage, was einen Menschen immer wieder dazu bringt, selbst Gefängnisstrafen für seine Bücherleidenschaft zu riskieren, fand ich ihn gänzlich uninteressant. Er wollte sich einfach den Anschein von Reichtum und Kultiviertheit zulegen, sein Mittel der Wahl waren zufällig Bücher und hätten wohl auch etwas anderes sein können. Sein fehlendes bzw. völlig verdrehtes Rechtsverständnis schien mir mehr über seine psychische Störung auszudrücken als über eine tief empfundene Bücherleidenschaft.

And most striking, he collected books to feel ‚grand, regal, like royalty, rich, cultured,‘ yet has become a criminal, stealing in order to give himself the appearance of wealth and erudition. (S. 48)

Die Autorin kommt aber erst auf S. 209 zu der Vermutung, dass er vielleicht gestört sein könnte, denn er vertraut ihr an, dass er schließlich nichts dafür könne, wenn die Antiquare es ihm nicht ermöglichen, sich teure Werke leisten zu können. So seien seine Diebstähle, die er nie als solche bezeichnet, eben nichts anderes als die Korrektur eines fehlerhaften Systems.

„I mean, how am I supposed to build my collection unless I’m, like, this multimillionaire?“

In diesen Zusammenhang gehört auch das Interview, das die Autorin mit der Mutter Gilkeys führt. Als Hoover Bartlett die betagte Dame, deren Haus ebenfalls von diversen Sammlungen überquillt, fragt, wie sie sich erkläre, dass ihr Sohn immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt gerate, versucht Cora, ihn als Opfer darzustellen:

I mean, it’s innocent. Maybe he was just wandering around or looking around with the book, and he must have forgot about it, and then he got caught. (S. 236)

Diesen familiären Hintergrund hätte vielleicht mal ein Psychiater untersuchen sollen.

Die Autorin kommt zu dem nicht wirklich tiefsinnigen Ergebnis, dass Gilkey in vielen Aspekten dem normalen Büchersammler ähnele. Auch er will wie viele andere sich durch den Besitz wertvoller und anerkannter Bücher, die er keinesfalls immer liest, Prestige und Anerkennung verschaffen. Dabei verfolge er ein Gentleman-Ideal, für das er dann sogar Kurse, z. B. in Philosophie, belegt.

It is his crimes and his unwavering, narcissistic justification of them that sets him apart. (S. 245)

Insgesamt wird der Wert der von Gilkey gestohlenen Bücher auf bis zu 200.000 Dollar geschätzt. Manchmal hat er sich gegen Kaution aus der Untersuchungshaft freigekauft und die so gewonnenen Monate gleich wieder zu lukrativen Beutezügen genutzt.

Irgendwann ist die Autorin allerdings mit ihrer eigenen Rolle überfordert. Auf der einen Seite will sie Gilkey möglichst viele Informationen entlocken und auf der anderen Seite als neutrale  Beobachterin die Geschichte nicht beeinflussen. Schwierig wird es für sie, als sie entscheiden muss, ob sie die Informationen zu Diebstählen, die noch nicht verjährt sind, an die Behörden weiterleitet oder nicht. Sie ist froh, als sie erfährt, dass er für den Raub von einigen besonders wertvollen Büchern nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden kann, da sie so Stillschweigen bewahren kann. Auch als Gilkeys Mutter ihr den Kleiderschrank ihres Sohnes zeigt, in dem stapelweise Bücher lagern, weiß sie nicht mehr, was sie tun soll:

… but instead of looking inside to see if I recognized any of the books he had stolen, I turned away. It was like being invited to view a ghastly scar, something awful but riveting. I was afraid of what I would find if I drew the books from the pile, what degree of crime, and what responsibility I might bear in knowing the books were there. Later, I would curse my lack of courage. (S. 239 – 240)

Ich wäre auch froh gewesen, wenn Hoover Bartlett straffer erzählt und auf die ständigen Zeitsprünge verzichtet hätte, die keineswegs die Spannung steigern, sondern den Leser nur verwirren.

Was mich aber wirklich vergrätzt hat, ist, dass sie in den Danksagungen Wilkey den gleichen Anteil einräumt wie dem Antiquar und Bücherdiebjäger Ken Sanders.

Without the support of Ken Sanders and John Gilkey, this book would not have been possible. Both these men answered my endless questions, a feat of exceptional patience and generosity, for which I owe them profound thanks.

Wer die Autorin bei einer Lesung sehen möchte, schaue sich das Video an.

Übrigens wurde auch in  Deutschland 2012 eine spektakuläre Bücherdiebstahlserie aufgeklärt, die auf das Konto des Darmstädter SPD-Politikers Thorsten Roßmann ging, einem hochgebildeten, promovierten Ministerialbeamten des hessischen Wissenschaftsministeriums. Der Mann hatte aus Dutzenden deutschen und internationalen Bibliotheken über 20.000 wertvolle Werke gestohlen und sie in seinem Eigenheim gelagert.

Und fängt man erst einmal an zu recherchieren, entdeckt man, dass der Diebstahl wertvoller Bücher eine doch recht weit verbreitete Beschäftigung zu sein scheint, die einen zwar über kurz oder lang ins Gefängnis bringt, doch der man dank laxer Kontrollen in vielen Bibliotheken erst einmal mehrere Jahre nachgehen kann.

So zum Beispiel der Fall bei William Simon Jacques (geboren 1969), der es vor einer erneuten Haftstrafe immerhin geschafft hatte, vorher Bücher im Wert von über 1 Million Pfund zusammenzurauben (siehe den Artikel auf der BBC-Seite und auch der Telegraph berichtete).

Auch Stephen Carrie Blumberg hat es da zu trauriger Berühmtheit als „the most successful book thief of the 20th century in the United States“ gebracht (Wikipedia). Der Wert der von ihm gestohlenen Bücher wird auf über 5 Millionen Dollar geschätzt.

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Margaret Humphreys: Oranges and Sunshine (1994)

The truth which makes men free is, for the most part, the truth which men prefer not to hear. (Herbert Agar, S. 200)

Anlässlich Peggys Artikel Von Strafkolonien und Völkermord auf ihrem Blog Entdecke England möchte ich noch einmal eine eindrückliche Geschichtsstunde aus meinem Archiv holen.

Margaret Humphreys: Oranges and Sunshine (1994); Originaltitel: Empty Cradles

So fing alles an

Margaret Humphreys, 1944 in Nottingham geboren, arbeitete als Sozialarbeiterin und war zuständig für Familien, die damit überfordert waren, sich selbst um ihre Kinder zu kümmern.

1975 sorgte eine Gesetzesänderung dafür, dass erwachsene Adoptivkinder Zugang zu ihren Geburtsurkunden bekommen konnten. Daraufhin gründete Humphreys 1984 eine Selbsthilfegruppe, damit diese Erwachsenen sich über die Probleme, Ängste und Identitätsfragen austauschen konnten, die durch die Suche nach den leiblichen Eltern ausgelöst wurden.

Eine Australierin, 1986 zufällig auf Besuch in Nottingham, erfährt von dieser Gruppe und berichtet ihrer Freundin Madeleine in Australien davon. Kurze Zeit später bittet Madeleine Margaret in einem Brief um Hilfe bei der Suche nach ihren leiblichen Eltern, denn Madeleine war als englisches Waisenkind mit vier Jahren nach Australien verschickt worden.

Margaret kann das nicht so ganz glauben, doch auch eine ihrer Klientinnen in der Selbsthilfegruppe behauptet, dass ihr Bruder als kleiner Junge nach Australien verschickt worden sei. Sie beginnt nachzuforschen und bringt für sich und andere eine Lawine ins Rollen, die der Leser nun beeindruckt und entsetzt über die nächsten sieben Jahre mitverfolgt.

So geht es weiter

Humphreys schildert, wie sie, zunächst selbst völlig arg- und ahnungslos, mit Unterstützung ihres Mannes immer mehr Details über das sogenannte „child migration scheme“ in Erfahrung bringt: Die britische Regierung hatte schon im frühen 17. Jahrhundert Kinder nach Virginia verschickt, um die Kolonialisierung voranzutreiben (siehe auch den Wikipedia-Artikel zu Home Children). Doch noch im 20. Jahrhundert erfreute sich die Idee, missliebige Kinder aus Kinderheimen, die dem Steuerzahler ja ohnehin nur auf der Tasche lagen, in Gebiete des ehemaligen Empire zu schicken, großer Beliebtheit.

Between 1900 and the Depression of the 1930s, children were primarily sent to Canada, but after the Second World War the charities and agencies began to concentrate on Australia and, to a much lesser extent, Rhodesia and New Zealand. (S. 79)

Margaret kann das Interesse des Observer gewinnen und hat so die Möglichkeit, die Journalistin Annabel Ferriman auf der ersten Recherchereise nach Australien zu begleiten. Da wissen sie bereits, dass vor und nach dem Zweiten Weltkrieg ganze Schiffsladungen mit Kindern aus England nach Australien gebracht wurden. Beteiligt waren u. a. folgende Organisationen: die Heilsarmee, National Children’s Home, Children’s Society, die Church of England, die Presbyterian Church, die Church of Scotland, die Fairbridge Society, Dr Barnardo’s und der ebenfalls katholische Orden der sogenannten Christian Brothers.

Die Kinder kamen dann in (vorwiegend katholische) Kinderheime in Australien und mussten dort z. T. Sklavenarbeit verrichten. Viele begingen Diebstähle, weil sie nicht genug zu essen bekamen. In den überwiegend von Männern geführten Institutionen gab es keine Liebe, keine Fürsorge. Bettnässer wurden bestraft und gedemütigt, die Bettdecken waren zu dünn, die Matratzen schmutzig. Vor allem bei den Christian Brothers gab es zahlreiche Fälle von grauenhafter sexueller Gewalt. Doch auch in den von Nonnen geführten Mädchenheimen haben sich einzelne Sadistinnen oder völlig von ihrer Aufgabe überforderte Frauen ausgetobt.

Einige der Zöglinge waren anschließend für ihr Leben gezeichnet und nie wieder in der Lage, irgendjemandem zu vertrauen. Es gab zwar Angebote aus der australischen Bevölkerung, Kinder zu adoptieren, doch das wurde von der katholischen Kirche normalerweise verweigert. Die Kinder mussten in den Institutionen bleiben, denn sie waren nicht nur billige Arbeitskräfte, sondern auch eine gute Einnahmequelle, da sich die britische und die australische Regierung die Kosten pro Kind bis zum 14. Lebensjahr teilten.

Humphreys zeigt, dass es eine in vielen Fällen geradezu aberwitzige Verdrehung der Tatsachen ist, wenn behauptet wurde, dass den Waisenkindern in Australien tolle Möglichkeiten geboten wurden, die sie in Großbritannien nie gehabt hätten.

Es kommt aber noch schlimmer: Selbst die Kinder, die in ihrer neuen Heimat erträgliche Bedingungen vorfanden, sind um einen wesentlichen Teil ihrer Identität betrogen worden. Humphreys findet heraus, dass es sich bei den angeblichen Waisenkindern gar nicht um Waisenkinder gehandelt hat. Nahezu alle haben oder hatten in Großbritannien Mütter, Geschwister oder Verwandte, die sie nun – Jahrzehnte später – mit der von Humphreys gegründeten Stiftung „Child Migrants Trust“ versuchen, ausfindig zu machen. Doch Kinder, denen man erzählt hatte, dass sie Vollwaisen seien, waren natürlich leichter beeinflussbar und eher bereit, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen, ohne unbequeme Fragen zu stellen.

Den Müttern, die, oft aus einer Notlage heraus, ihre Kinder ins Heim gegeben hatten, hat man, wenn sie ihre Kinder wieder zu sich nehmen wollten, erzählt, dass ihre Kinder tot seien. Eine andere Variante lautete, sie würden inzwischen bei liebevollen englischen Adoptiveltern aufwachsen oder sie seien halt inzwischen in Australien. Dies sogar dann, wenn Mütter ausdrücklich eine Adoption verweigert hatten, weil sie immer vorhatten, ihr Kind irgendwann zurückzuholen.

Humphreys geht dabei auch der Frage nach, wie es politisch und juristisch überhaupt möglich war, Kinder einfach in ein anderes Land abzuschieben. Großbritannien hat lange jegliche Verantwortung für diese Zwangsverschickung abgestritten, obwohl die Dokumente in den Archiven eine andere Sprache sprechen. Die historischen Quellen belegen außerdem, dass Australien ein enormes Interesse an britischen Kindern hatte, weil die der „richtigen“ Rasse angehörten, noch formbar waren, finanziell günstiger waren als erwachsene Einwanderer und als Verstärkung gegen eine befürchtete asiatische Invasion die Bevölkerungsdichte nach oben treiben sollten. 1945 beispielsweise rief der australische Premierminister eine entsprechende Konferenz ein, um für die massenhafte Einwanderung von Kindern zu werben. Er dachte an mindestens 50.000 Kinder.

Das weitere Schicksal der Kinder hing dann auch davon ab, in welches Land sie verschickt wurden. Diejenigen, die nach Neuseeland kamen, wurden zwar überwiegend in Pflegefamilien gebracht, doch denen ging es vorrangig um billige Arbeitskräfte auf den Farmen. Die Kinder, die nach Simbabwe – damals Rhodesien – verschickt wurden, haben ihre Kindheit meist in guter Erinnerung. Ihre Auswanderung war oft die Entscheidung der gesamten Familie, die – zu Recht – vermutete, dass dem Kind als Mitglied der weißen „Herrenrasse“ in Afrika Möglichkeiten offen stehen würden, die in Großbritannien völlig illusorisch gewesen wären. Einige der ehemaligen child migrants sehen das selbst heute noch völlig unkritisch und bedauern höchstens, dass der Einfluss der Weißen schwindet. Humphreys befragt z. B. einen wohlhabenden weißen Anwalt, der als Kind nach Simbabwe gekommen war, nach den Lebensbedingungen seines Kochs:

  • ‚He lives at the end of the garden.‘
  • ‚And is he married?‘
  • ‚Oh yes – and he’s got children.‘
  • ‚Does his wife live here?‘
  • ‚No, we let him go and see her once a year.‘ (S. 153)

Humphreys schildet aber nicht nur die Einzelheiten des lange totgeschwiegenen child migration scheme, sondern zeigt auch die politischen und kirchlichen Reaktionen auf die Enthüllungen.

Die offiziellen Reaktionen der katholischen Kirche waren alles andere als christlich: Die Kirche versuchte lange, sich als Opfer einer medialen Hetzkampagne zu inszenieren und selbst Jahrzehnte später nur eine Pseudo-Aufarbeitung durch eigene Ordensleute zuzulassen. Dr Barry Coldrey, selbst ein Angehöriger der Christian Brothers und von der katholischen Kirche beauftragt, den Anschuldigungen nachzugehen, entblödete sich nicht, noch in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts den Kindern die Schuld an den sexuellen Abartigkeiten ihrer Priester zu geben.

Brother Gerald Faulkner verteidigte die in den fünfziger Jahren gängige Praxis, pädophile Priester einfach in ein anderes Jungenheim zu versetzen, da man es halt nicht besser gewusst habe.

People assumed that a new start in life at a new place would bring about a different sort of life. (S. 325)

Die ersten Forschungsarbeiten zu dem Thema gingen davon aus, dass ca. 20 % der Jungen in den Heimen der Christian Brothers missbraucht oder vergewaltigt wurden.

Auch die anderen Organisationen waren zunächst weder zu einer Aufarbeitung dieses Kapitels noch zu einer (finanziellen) Unterstützung des Child Migrants Trust bereit. Manche weigerten sich, Akteneinsicht zu gewähren.

Als der öffentliche Druck zu groß wurde, schickte z. B. die Fairbridge Society brisante Unterlagen den Betroffenen einfach per Post, die dann sehen konnten, wie sie damit zurechtkamen, auf einmal den Namen ihrer Mutter, ein anderes Geburtsdatum und vielleicht einen anderen Taufnamen schwarz auf weiß vor sich zu haben, obwohl sie bis dahin geglaubt hatten, Vollwaisen zu sein.

Als Leser ist man beschämt, wenn man von den Schwierigkeiten liest, genügend Geld für die Arbeit des Child Migrants Trust zusammenzubetteln, und man fragt sich, wer wohl hinter den Morddrohungen und dem nächtlichen Überfall in Australien gegen Margaret gesteckt hat, nach dem sie jahrelang Schlafprobleme hatte.

Fazit

Ein spannendes, informatives Buch mit vielen Zitaten aus historischen Dokumenten, Briefen und Gesprächen, das es einem nicht einfach macht, denn es zeigt, dass das „Böse“ oft ein kaum noch zu entwirrendes Gemisch aus Rassismus, Zeitgeist, guten Absichten, Bürokratie, Fanatismus, Heuchelei, fehlender Kontrolle, Selbstgerechtigkeit und banaler Ignoranz ist.

Als Humphreys sich irgendwann fragt, wie sie bloß in all das hineingeraten ist, lächelt ihr Mann sie an und meint:

It’s that well-known mixture of the right person, in the right place, at the right time, with a smashing family. (S. 329)

Sie hat persönliche Opfer für diese Arbeit gebracht, ihren Mann und ihre zwei Kinder oft über Wochen, manchmal Monate, allein gelassen und selbst gesundheitliche Beeinträchtigungen in Kauf genommen, nur um ihrem Ziel näher zu kommen: so viele child migrants wie möglich noch mit ihren Müttern in Großbritannien zusammenzubringen, bevor der Tod das unmöglich macht.

Sie erzählt ihre Geschichte mit sanftem Humor, Wehmut und einer nicht versiegenden Menschlichkeit.

No matter how many stories of abuse I hear, I am always shocked. You can’t be prepared. I’m not shocked by the knowledge that brothers or priests or others are capable of such brutality. It’s the total devastation of the victim that stuns me; the fact that he has held on to his pain for all these years. It humbles me. […] It’s no good sitting there saying I don’t want it. You take their baggage because you know it’s too heavy for one person to carry through a lifetime. (S. 298)

Die letzten Kinder wurden übrigens 1967 verschickt.

Sowohl die australische als auch die britische Regierung haben sich inzwischen offiziell bei den ehemaligen child migrants entschuldigt und Humphreys ist vielfach für ihr Engagement ausgezeichnet worden.

Anmerkungen

Das Buch zeigt, wie hilfreich die Medien sein können. Ohne die Arbeit engagierter Journalisten und Filmemacher wäre die Arbeit von Humphreys und ihren Mitstreitern wahrscheinlich im Sande verlaufen. Nur mit der Hilfe von Zeitungsartikeln, Radiointerviews und Dokumentationen konnte die nötige Breitenwirkung erreicht werden, die notwendig war, um politischen Druck auszuüben, Beratungsstellen in Großbritannien und Australien aufzubauen, die Frage nach finanzieller Entschädigung anzustoßen und die Suche nach vermissten Familienangehörigen zu finanzieren.

Folgende Dokumentationen und Filme haben besonders dazu beigetragen, dass das Thema öffentlich wahrgenommen und diskutiert wurde. Die Filme sorgten außerdem dafür, dass sich Tausende ehemaliger child migrants an die jeweils geschalteten Hotlines wendeten, ihre Geschichten erzählten und sich ebenfalls auf die Suche nach ihren Müttern begaben, von denen sie Jahrzehnte lang geglaubt hatten, dass sie tot seien.

Auf die Ähnlichkeiten mit dem Schicksal der australischen „Stolen Generation“ kann hier nur hingewiesen werden.

Übrigens ist auch Frankreich in der Vergangenheit ähnlich vorgegangen und hat von 1963 bis 1982 über 1600 Waisenkinder aus Réunion nach Frankreich gebracht, um der zahlenmäßig schwächelnden Landbevölkerung aufzuhelfen. Siehe dazu den Artikel im Guardian vom Februar 2014.

Trauriger Nachtrag: Noch immer werden unzählige Aborigenes-Kinder zwangsweise von ihren Familien getrennt. Siehe den Artikel im Guardian vom März 2014.

Blogbummel Januar 2017

Beginnen wir mit Fotos auf KOMBINAT LUX und auf twilights. Und hier sieht es aus, als würde schon mal die Sonne für den Frühling geputzt, gefunden auf rabirius.

Deutschsprachige Blogs

In der Reihe #MeinKlassiker mochte ich diesmal besonders den Faust, vorgestellt von Peggy Richter.

CON=LIBRI stellt eine Krimireihe von Eliot Pattison vor, die in Tibet spielt.

Der Beitrag auf dem Bücherwurmloch stammt weder aus 2017 noch aus dem Januar, doch egal, ich hab ihn erst jetzt entdeckt. Mareike empfahl sehr dringend Alles Stehende verdampft von Darragh McKeon.

Sätze & Schätze hätte da einen Tipp für die Krimi-Ecke aus Südafrika, nämlich die Reihe „um den weißen Ermittler Kramer und seinen afrikanischen Kollegen Zondie“ von James McClure.

Zeilensprünge hat die Biografie zu Siegfried Kracauer von Jörg Später gelesen.

Literaturen stellt uns die neue Reihe Utopien für Hand und Kopf aus der Edition Nautilus vor.

deep read hat zwei Reisereportagen gegen Fernweh und Winterblues im Gepäck.

Im Jahresrückblick auf Peter liest fanden sich gleich zwei interessante Artikel, die mir mein Reader – warum auch immer – anscheinend vorenthalten hatte: Zum einen wird an Unwiederbringlich von Fontane erinnert, zum anderen klingt Stadium IV von Sander Kollaard lesenswert.

Auf gazelleblockt wurde das Gedicht Die Verlassene von Gertrud Kolmar vorgestellt.

Die Farben des Nachtfalters von Petina Gappah konnte KULTURGESCHWÄTZ überzeugen.

Englischsprachige Blogs

A Life in Books empfiehlt sehr dringend die Lektüre von When Breath becomes Air.

BookerTalk erinnert daran, dass Bücher uns in viele verschiedene Länder führen können.

Zum Schauen, Staunen und Reisen

Travel Words hat zwei tolle Fotos für uns.

Amsterdam im Schnee, gefunden auf Andrea’s Vacation, ist auch schön.

Bamberg, mal in Schwarzweiß, auf Wandernd.

Ein schönes Museum in São Brás de Alportel, Portugal, wird auf restlessjo vorgestellt.

Der Anklamer Stadtbruch ist immer ein Foto wert. Gefunden auf Kombinat Lux.

Und noch einmal Entdecke England: Diesmal geht es nach Lamb House.

Bleiben wir noch einen Augenblick in Großbritannien; diese Kirche in Wales – fotografiert von Echoes of the Past – würde ich auch gern besuchen.

Jane Luries Fotos sind eine Augenweide, diesmal zeigt sie uns Eichen.

Von Worten und Orten schenkt uns eine Hommage an das Kamel.

 

Dorothy Whipple: The Priory (1939)

Die Romane der englischen Schriftstellerin Dorothy Whipple (1893 – 1966) waren in den dreißiger und vierziger Jahren große Publikumserfolge und zwei ihrer Bücher wurden sogar verfilmt. Doch ab den Fünfzigern wurden ihre Familiengeschichten von vielen als nicht mehr zeitgemäß und interessant genug wahrgenommen. Ihre Bücher wurden als (minderwertige) Frauenliteratur (genre fiction) abgetan.

As Dorothy Whipple’s publisher told her in 1953, ‘editors have got mad about action and passion’, and although both are to be found in Dorothy Whipple’s novels, they are qualities that are presented in such a subtle, such an understated way, that the obtuse miss it altogether and think she is anodyne, simplistic, old-fashioned. (Nicola Beauman)

Inzwischen sind aber dankenswerterweise mehrere ihrer Bücher bei Persephone Books neu aufgelegt worden, u. a. auch ihr fünfter Roman The Priory, der ursprünglich 1939 erschienen ist. Er beginnt mit den Worten:

It was almost dark. Cars, weaving like shuttles on the high road between two towns fifteen miles apart, had their lights on. Every few moments, the gates of Saunby Priory were illuminated. Every few moments, to left or to right, the winter dusk was pierced by needle points of light which, rushing swiftly into brilliance, summoned the old gateway like an apparition from the night and, passing, dispelled it.

The gates were from time to time illuminated, but the Priory, set more than an mile behind them, was still dark. To the stranger it would have appeared deserted. It stood in dark bulk, with a cold glitter of water beside it, a cold glitter of glass window when clouds moved in the sky. The west front of the Priory, built in the thirteenth century for the service of God and the poor, towered above the house that had been raised alongside from its ruins, from its very stones. And because no light showed from any window here, the stranger visiting Saunby at this hour, would have concluded that the house was empty.

Man ahnt, das große Herrenhaus ist alles andere als unbewohnt. Saunby ist der Wohnsitz des verwitweten ca. fünfzigjährigen Major Marwood, seiner egozentrischen Schwester Victoria und seiner zwei Töchter Christine und Penelope. Die Zeiten sind hart, auch deshalb, weil Marwood ein miserabler Gutsherr ist, der sich nicht darum schert, dass sein Schuldenberg bald kaum noch abzutragen sein dürfte.

In the summer, while there was cricket, the Major was happy enough. But in the winter he had too much time to think and thinking depressed him. He was depressed today. (S. 17)

Das Einzige, was Marwood wirklich interessiert und wofür er das Geld ausgibt, das er strenggenommen gar nicht hat, ist Cricket.

Aus diesem Grund muss sich auch Thompson, ein guter Cricketspieler und der Schwarm aller Dienstmädchen, trotz der finanziell prekären Lage zunächst keine allzu großen Sorgen um seinen Arbeitsplatz bei Major Marwood machen.

Doch als der Haushalt unter der gleichgültig-exzentrischen Victoria immer mehr zu verwahrlosen droht, beschließt Marwood noch einmal zu heiraten. Anthea, 14 Jahre jünger als der Major, kann ihr Glück zunächst kaum fassen. Doch ihre Illusionen sind nicht von langer Dauer und als Anthea – zum Entsetzen des Majors – schwanger wird, ändert sich ihre mausgraue Unterwürfigkeit. Für ihre Zwillinge fängt sie an zu kämpfen, was das ganze Gefüge auf Saunby ins Wanken bringt.

Die Schwestern Penelope und Christine, beide im heiratsfähigen Alter, haben so eine miserable Schulbildung genossen, dass jeder Versuch, den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten, zum Scheitern verurteilt wäre. So bleibt ihnen nur, entweder zu heiraten oder für immer in Saunby als ungeliebte Stieftöchter zu versauern.

Da kommt zu einem der von Major Marwood organisierten Cricket-Wettkämpfe der hübsche Spieler Nicholas Ashton, Sohn wohlhabender Eltern, und verliebt sich in Christine. Doch wer meint, hier käme nun ein kitschiges Happy-End, der irrt gewaltig. Die Handlung nimmt jetzt noch einmal richtig Fahrt auf.

Besonders gefiel mir, dass der Blick der Erzählerin nicht nur auf den gesellschaftlich Bessergestellten ruht, sondern genauso auf den Bediensteten, wie zum Beispiel der reizenden, aber unglücklich verliebten Bessy, und deren Arbeitsbedingungen.

For half an hour she [Bessy] despised Thompson with fierce joy. She was angry with him and anger is a grand cure for love if you can only keep it up. Bessy kept it up for half an hour, during which she cleaned windows with great vigour. But when they were done, she wept. It didn’t matter whether he was worth bothering about or not. It didn’t matter what he was. She loved him. (S. 130)

Ich habe The Priory unglaublich gerne gelesen. Die Personen kommen so frisch und lebendig daher, die einen mag man, die anderen mag man weniger, dann verschiebt sich das Bild, neue Facetten werden sichtbar. Und ich verstand danach besser, was all die Kritiker meinen, wenn sie sagen, dass Whipple über alltägliche, über durchschnittliche Menschen schreibe. Es gibt keine Helden und Prinzessinen mehr. Fast befürchtete ich, mich für keine der Romanfiguren wirklich erwärmen zu können, was sich im Laufe der Lektüre allerdings änderte. Die Charaktere werden dreidimensional und ihre Entscheidungen, die zum Teil katastrophale Folgen haben, werden nicht einfach durch ein Happy-End glattgebügelt.

Außerdem sind Bücher von Whipple wie eine kleine Zeitreise: Gesellschaftliche Umwälzungen sorgen dafür, dass traditionelle Rollenzuschreibungen brüchig werden, ohne dass neue Modelle sofort an ihre Stelle treten könnten. Und immer geht es auch – ganz ohne erhobenen Zeigefinger – um die zeitlosen Fragen: Was sind die Werte, die einem wichtig sind? Wie will oder sollte man mit seinen Mitmenschen umgehen?

Darüber hinaus war die Lektüre wie bei einem guten Krimi. Ich wollte wissen, wie es weitergeht, und habe abends viel zu lange gelesen. Kurz, anspruchsvoller als ein reiner Schmöker, doch auch keine Weltliteratur. Salley Vickers, die britische Schriftstellerin, hat deshalb diesem Roman die Wiederentdeckung als „a minor classic“ gewünscht.

Anmerkungen zur Rezeption der Autorin

Als in den siebziger und achtziger Jahren Neuauflagen mehr oder weniger vergessener Autorinnen auf ein größeres Interesse hoffen konnten,  stieß Whipple keineswegs überall auf verlegerische Begeisterung. Carmen Calill, die 1973 Virago Press gründete, äußerte sich in einem Artikel im Guardian 2008 sehr abfällig:

For some years I chose all the Classics, but as time went by first Alexandra Pringle and then Lynn Knight […] joined me, to form a trio that read everything. We had a limit known as the Whipple line, below which we would not sink. Dorothy Whipple was a popular novelist of the 1930s and 1940s whose prose and content absolutely defeated us. A considerable body of women novelists, who wrote like the very devil, bit the Virago dust when Alexandra, Lynn and I exchanged books and reports, on which I would scrawl a brief rejection: „Below the Whipple line.“

Doch inzwischen gehört Whipple zu den Bestsellern bei Persephone und Harriet Evans stellt in ihrem Vorwort zu Because of the Lockwoods, einem weiteren Roman Whipples, die Frage, warum Whipple nicht bekannter sei.

Why has she been so neglected, when every time someone picks her up for the first time they almost always become a fan? […] Why is she not acclaimed more widely, when so many of her contemporaries are still in print? […] the case does need to be made for Dorothy Whipple’s entry into the pantheon of great British novelists of the twentieth century. (S. vi)

Schließlich war Whipple in der ersten Hälfe des letzten Jahrhunderts eine auch von der Kritik anerkannte Schriftstellerin, doch soweit mir bekannt ist, gibt es bis heute keine Übersetzungen ins Deutsche, und das, obwohl J. B. Priestley in ihr gar die Jane Austen des zwanzigsten Jahrhunderts sah, womit er recht und unrecht zugleich hat.

Whipples Sprache hat nicht das Leuchtende, das Brillante. Sie wirkt behäbiger, ein klein wenig umständlicher, manchmal erklärt der allwissende Erzähler zu viel, anstatt darauf zu vertrauen, dass die Leserin/der Leser auch allein die richtigen Schlüsse aus dem Gesagten ziehen kann.

Gleichzeitig traut sich Whipple viel näher an die egozentrischen, boshaften, ja kriminellen oder sogar gewalttätigen Menschen heran, als dies Austen in ihren Romanen je getan hat. Und das Ende ihrer Geschichten ist viel verhaltener als bei Austen, nicht immer kommen die Liebenden zusammen, manchmal heiraten die Falschen und vor allem: Ihre Hauptpersonen gehören nicht automatisch zu den oberen Zehntausend.

Evans macht nun mehrere Gründe für Whipples Dahindümpeln in der zweiten oder gar dritten Reihe aus: Nicht nur die Titel ihrer Bücher seien heutzutage zu wenig marktschreierisch, auch ihre Sujets, die Geschichten ganz normaler, gewöhnlicher Familien, würden zu rasch als banal, überholt und nicht interessant genug verunglimpft.

Und vermutlich sei es Whipple zum Verhängnis geworden, dass sie so lesbar schreibe, regelrechte Schmökerqualitäten habe:

Then there is the readability factor: perhaps that is what mostly damages her reputation, the fact that she is so damned unputdownable. The thinking is the same as it has been for years: shouldn’t real literature be hard to read? (S. xi)

Dabei werde übersehen, welche Vorzüge gerade diese Autorin auszeichneten, die Romane geschrieben habe, die mit ihrer klaren, eleganten Prosa und dem Blick fürs Detail etwas ganz Eigenständiges und Unverwechselbares seien. Aber vor allem seien ihre Bücher wie ein Spiegel:

showing good and bad, light and dark and, crucially, the lives of normal people, where she makes the ordinary extraordinary. (S. vii)

Selbst Christopher Fowler nahm Dorothy Whipple im Independent in seine Reihe der Forgotten Authors auf, begrüßte die – im Übrigen sehr geschmackvoll gestalteten – Neuausgaben bei Persephone Books und kam zu dem Fazit:

Is it possible to read books like these now and still find pleasure in them? Absolutely, because our emotional centres remain unchanged, so Whipple’s novels and short stories are as valid as they ever were.