Selina Hastings: The Secret Lives of Somerset Maugham (2009)

Selina Hastings: The Secret Lives of Somerset Maugham (2009)

Maugham hat zweifelsohne ein interessantes Leben geführt. Seine Kurzgeschichten habe ich während des Studiums verschlungen. Und schon lange will ich seinen halb autobiografischen Roman Of Human Bondage wiederlesen. Aber wie ernüchternd ist es, mehr über ihn zu erfahren. Diese Schmuddeligkeit, z. B. in der Beziehung zu Gerald Haxton, die Nähe zu Prostituierten- und Pädophilenkreisen. Anscheinend entstammt auch der Plot zu vielen seiner Geschichten nicht seiner Fantasie, sondern realen Begebenheiten und Erzählungen seiner Bekannten, die oft alles andere als begeistert waren, sich oder ihre Nöte in einer seiner Stories verwurstet zu sehen.

Martin Doerry: Mein verwundetes Herz. Das Leben der Lilli Jahn 1900 – 1944 (2002)

Martin Doerry: Mein verwundetes Herz. Das Leben der Lilli Jahn 1900 – 1944 (2002)

Martin Doerry – Chefredakteur des Spiegel – erkannte die historische Bedeutung des bewegenden Briefwechsels zwischen seiner Großmutter, der jüdischen Ärztin Lilli Jahn, und ihren Kindern, der 1998 im Nachlass seines Onkels, des ehemaligen Bundesjustizministers Gerhard Jahn, entdeckt wurde.  Er stammt vor allem aus der Zeit, als Lilli Jahn in dem Arbeitserziehungslager Breitenau nahe Kassel interniert war und ihre fünf Kinder nahezu auf sich alleine gestellt waren. Doerry veröffentlichte 2002 eine Auswahl der 250 Briefe als Buch unter dem Titel „Mein verwundetes Herz – das Leben der Lilli Jahn“. Von der Wochenzeitung Die Zeit wird dieses Buch in eine Reihe gestellt mit dem Tagebuch der Anne Frank und den Aufzeichnungen Victor Klemperers. Es wurde in 19 Sprachen übersetzt. (nach Wikipedia)

Zu Recht.

Der Mann Lillis war „Arier“ und trennte sich ganz opportunistisch von seiner jüdischen Frau und versagte ihr damit den einzigen denkbaren Schutz vor der Verfolgung. Diese Briefe machen aus einer Nummer von nicht zu zählenden Ermordeten eine Person, einen einzelnen und unverwechselbaren Menschen. Es ist ungeheuerlich.

Am 25. November 1943 schreibt die älteste Tochter Ilse an ihre inhaftierte Mutter das Aufsatzthema, das sie in der Schule zu bearbeiten hatte: „Was bedeuten dir die Umgangsformen.“

Was kann man da noch zu sagen?

Mike Gayle: The To-do List (2009)

Mike Gayle: The To-Do List (2009)

Zum Inhalt

Was für ein Unterfangen, das sich der britische Autor am Vorabend seines 36. Geburtstages vorgenommen hat. Erst stellt er eine to-do Liste mit 1277 (!) Punkten auf und beschließt dann, diese innerhalb eines Jahres abzuarbeiten.

Fazit

Manchmal liest sich das liebenswert-witzig mit hohem Wiedererkennungswert für den Leser. Man kann seine Kenntnisse der englischen Umgangssprache ein wenig aufpolieren, großen Tiefsinn sucht man aber vergebens. Letztlich kann man das Buch mit den Worten des Autors zusammenfassen:

  1. Make a list.
  2. Do it.

Aber genau das bringt einen natürlich dann doch wieder zum Nachdenken. Wie vieles verschieben wir auf später, wie unaufgeräumt ist oft unser Leben – äußerlich und innerlich.

Wäre es nicht unglaublich toll, wieder dieses Gefühl zu haben wie damals nach dem Abschreiben der Schulhefte: Alles war aufgeräumt, sortiert, geordnet, beantwortet, abgearbeitet, geputzt, geregelt, entrümpelt, entlastet.

In meiner Lieblingsstelle geht es allerdings um etwas ganz Anderes: Hier beschreibt er den Becherwahn seiner Frau:

I should point out here that Claire doesn’t have many vices. … Her one Achilles heel, however, is mugs. She loves them. Claire’s idea of a perfect day would be spent perusing the shelves of a shop called ‘Mugs, Mugs, Mugs’, while drinking from a mug only interrupting her perusing/drinking to look through the ‘Mugs, Mugs, Mugs’ catalogue for anything that they didn’t have in store. In the eleven years that we’ve been together I have seen Claire buy more mugs than any sane woman could want. She’s bought tall mugs, small mugs, wide mugs and deep mugs; she’s bought plain mugs and mugs with every kind of pattern. But I had never seen her look at a mug the way that she looked at that Dean and Deluca mug. It was mug at first sight. And unlike other mugs that, over time, tended to fall out of favour to be replaced by yet another of its kind, the Dean and Deluca mug was always number one. So when I managed to break it the summer before last by knocking it off the counter while making myself a cup of tea to go with my fried breakfast, Claire wasn’t just saddened by its loss, she was devastated. (S. 250)