Charles Portis: True Grit (1968)

People do not give it credence that a fourteen-year old girl could leave home and go off in the wintertime to avenge her father’s blood but it did not seem so strange then, although I will say it did not happen every day. I was just fourteen years of age when a coward going by the name of Tom Chaney shot my father down in Fort Smith, Arkansas, and robbed him of his life and his horse and 150 in cash money plus two California gold pieces that he carried in his trouser band.

So beginnt

Charles Portis: True Grit (1968)

Zum Inhalt

Mattie Ross erinnert sich an den Rachefeldzug, den sie als arrogantes vierzehnjähriges Gör durchgezogen hat, um den Tod ihres Vaters zu rächen. Ihr zur Seite stehen Marshal Rooster Cogburn und der Texas Ranger LaBoeuf. Das Ganze läuft auf munterste Selbstjustiz hinaus, die mit ein bisschen Slapstick garniert wird.

Fünfundzwanzig Jahre nach dem geglückten Rachefeldzug, bei dem die Leichen nur so links und rechts am Wegesrand herumpurzelten, muss der ruhelose Ex-Marshall Rooster Cogburn als abgehalfterte Zirkusattraktion auftreten. Nix mehr mit wildem Westen.

Fazit

Verschwommene Erinnerungen an John Wayne und die Werbung für eine Neuverfilmung und plötzlich lag es in irgendeiner Buchhandlung aus. Schon 1968 erschienen, wird es inzwischen als „American classic“ gefeiert, ja als ebenbürtige Gesellschaft für Huckleberry Finn.

Auch Donna Tartt müht sich in ihrem Nachwort redlich, den Nachweis für die Klasse dieses Buches zu führen, da ja schließlich ihre Urgroßmutter, ihre Mutter, sie selbst und ihre Tochter alle gleichermaßen begeistert gewesen sein.

Nun, ich hatte ja nicht Dostojewski erwartet, sondern gute Unterhaltung, aber der angebliche Humor des Buches ist mit meinem leider so überhaupt nicht kompatibel.

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Ernest J. Gaines: A long day in November (1964)

Somebody is shaking me but I don’t want to get up, because I’m tired and I’m sleepy and I don’t want to get up now. It’s warm under the cover here, but it’s cold up there and I don’t want to get up now.

So beginnt

Ernest J. Gaines: A long day in November (1964)

Die Geschichte erschien in der von Langston Hughes herausgegebenen Sammlung The Best Short Stories by Black Writers 1899 – 1967.

Zum Inhalt

Aus der Sicht eines kleinen schwarzen Jungen werden die Geschehnisse eines einzigen Tages erzählt. Die Geschichte spielt in den 30er oder 40er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Der kleine Sonny nässt – wohl aufgrund der Streitereien seiner Eltern – noch ein. Nach einem entsprechend demütigenden Vormittag in der Schule kommt er nach Hause. Die Mutter beschließt, mit ihm zusammen zu ihrer Mutter zu ziehen, da die Konflikte mit ihrem Ehemann anscheinend nicht mehr zu lösen sind. Dieser hat nur noch sein Auto im Kopf und vernachlässigt darüber die Familie. Die Großmutter begrüßt den Schritt der Tochter, da sie sich noch nie für ihren Schwiegersohn erwärmen konnte.

Der Vater, ein schwacher Mann,  will jedoch seine Frau zurückgewinnen und holt sich den Rat einer Wahrsagerin ein. Deren Empfehlung ist eindeutig: Verbrenne dein Auto. Der Vater versucht der Wahrsagerin eine harmlosere Lösung abzuringen, vielleicht könne er das Auto wenigstens verkaufen, dann würde sich zumindest der finanzielle Verlust in Grenzen halten.

Doch schließlich wirft ihn die Wahrsagerin raus, sie habe ihm alles gesagt, ein Verkauf des Wagens reiche keinesfalls aus.

Der verzweifelte Mann ist hin und hergerissen, doch schließlich holt er alle zu dem Spektakel hinzu und verbrennt tatsächlich seinen heiß geliebten Wagen. Selbst die Schwiegermutter muss zugegeben, dass sie ihm diese männliche Tat nicht zugetraut hat.

Zusammen kehrt die kleine Familie nach Hause zurück. Der kleine Junge fühlt sich wieder geborgen und mit den Geräuschen des knarrenden Ehebetts im Hintergrund kann er endlich einschlafen.

Fazit

Hier wird die Falkennovelle ins Leben geholt, in ein anderes Jahrhundert und auf einen anderen Kontinent, in einen anderen Kulturkreis transportiert: Die Geschichte schildert den Konflikt des Liebenden und seinen unbedingten Willen, sich für die Liebe zum Partner tatsächlich von dem zu trennen, was diese Liebe hindert. Egal, wie schmerzhaft das ist.

Eine scheinbar einfache, sehr anrührende Geschichte.

Aus dieser Sammlung hat mir auch Richard Wright „Almos‘ a man“ gut gefallen.

Wolf Haas: Der Brenner und der liebe Gott (2009)

Meine Großmutter hat immer zu mir gesagt, wenn du einmal stirbst, muss man das Maul extra erschlagen. Und da sieht man, wie ein Mensch sich verändern kann. Weil heute bin ich die Ruhe in Person.

So beginnt

Wolf Haas: Der Brenner und der liebe Gott (2009)

Nun geht mir meine ursprüngliche Begeisterung für die Kriminalromane um Brenner, die ich zuerst in Neuseeland in einem der backpackers entdeckt habe, doch ein wenig abhanden. Diese so eigene Erzählerstimme kam mir diesmal arg bemüht vor. Ja, sogar wurschtig, der Erzähler ist zwar im letzten Band ins Jenseits befördert worden, redet aber trotzdem weiter: Die Leichen häufen sich eher so nebenbei, weil der Erzähler mehr mit sich, seinen Assoziationen und Kommentaren beschäftigt ist. Ab und zu aber ein Satz, den ich in seiner treffenden Boshaftigkeit am liebsten mal in meinem Bekanntenkreis ausprobieren würde, müsste ich nicht fürchten, dann doch um einen Bekannten ärmer zu sein:

So wie man einen Vielredner manchmal bitten muss: Sprich doch deine interessanten Gedanken in einen Plastiksack und stell ihn mir vor die Tür, ich hör’s mir später an. (Taschenbuchausgabe, S. 93)

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Daniela Strigl erklärte aber in der Frankfurter Allgemeinen vom 26. September 2009 den unverwechselbaren Reiz der Haas’schen Sprache sehr treffend:  „Haas ist Haas wegen seiner Sprache. Die verdankt sich wesentlich einer urösterreichischen Form: der Suada. Eine scheindialogische Attitüde, die sich an ein Vis-à-vis richtet, das programmatisch nie zu Wort kommt, die ihm die Welt erklärt und im Übereifer Satzglieder verschluckt, weil sich die eh von selber verstehen: „Seelenverwandtschaft Hilfsausdruck“. Die eigentliche Heldin des Buches ist diese Rede, die sich quasi materialisiert, die ihre Plastizität aus dem Gesprochenwerden bezieht und deshalb beim Vorlesen noch gewinnt – als würde ein unendlich redseliger Mensch am Wirtshaustisch schwadronieren, in einer Sprache allerdings, die den mündlichen Ausdruck zu einer höchst raffinierten Pseudonatürlichkeit verfremdet. Wer liest, also eigentlich zuhört, ist dem Redner ausgeliefert, seinen Idiosynkrasien, seiner Besserwisserei, seinem Hang zur Arabeske und zu gezielt danebengetroffenen Bildern: „Hör zu, warum soll jedes Blutbad mein persönliches Bier sein.“

John Boyne: The Boy in Striped Pyjamas (2006)

One afternoon, when Bruno came home from school, he was surprised to find Maria, the family’s maid – who always kept her head bowed and never looked up from the carpet – standing in his bedroom, pulling all his belongings out of the wardrobe and packing them in four wooden crates, even the things he’d hidden at the back that belonged to him and were nobody else’s business.

So beginnt

John Boyne: The Boy in Striped Pyjamas (2006); auf Deutsch: Der Junge im gestreiften Pyjama

Ich war erst skeptisch, ob das funktionieren kann: die Gräuel der Konzentrationslager aus Sicht eines neunjährigen deutschen Jungen zu schildern, der als Sohn des Lagerkommandanten gar nicht begreift, wo er da gelandet ist. Ja, es funktioniert: Auf schlichte und ergreifende Weise wird klar, der Nationalsozialismus, Auschwitz ist so absurd, so dämlich doof, so unvorstellbar blöde, dass jedes Kind es hätte erkennen können. Selbst wenn man den Schluss dann ahnt, nimmt das dem Buch überhaupt nichts.

In der FAZ hieß es am 21. Juli 2007: „John Boyne ist mit „Der Junge im gestreiften Pyjama“ eine Art minimalistischer Geniestreich gelungen.“

Theodor Fontane: Grete Minde (1879)

‚Weißt du, Grete, wir haben ein Nest in unserm Garten, und ganz niedrig, und zwei Junge drin.‘   ‚Das wäre! Wo denn? Ist es ein Fink oder eine Nachtigall?‘   ‚Ich sag es nicht. Du mußt es raten.‘

Diese Worte waren an einem überwachsenen Zaun, der zwei Nachbargärten voneinander trennte, gesprochen worden. Die Sprechenden, ein Mädchen und ein Knabe, ließen sich nur halb erkennen, denn so hoch sie standen, so waren die Himbeerbüsche hüben und drüben doch noch höher und wuchsen ihnen bis über die Brust.

So beginnt

Theodor Fontane: Grete Minde (1879)

Die Novelle spielt zu Beginn des 17. Jahrhunderts und handelt von einer jungen Frau, die aus Hass, Rache und Enttäuschung 1617 die Stadt  Tangermünde an der Elbe anzündet und dabei nicht nur sich, sondern viele Menschen in den Tod reißt.

Ich glaube kaum, dass so – durch Herzenskälte der Familie – Wahnsinn entsteht. Jedenfalls läuft die Tragödie geradezu mechanisch zwanghaft ab. Am Ende alle tot. Die Personen eindimensional, und gerade der miese Bruder ein richtiger Pappbösewicht.

Michael Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer (1960)

b-nz 202dDas Land, in dem Lukas der Lokomotivführer lebte, hieß Lummerland und war nur sehr klein. Es war sogar ganz außerordentlich klein im Vergleich zu anderen Ländern, wie zum Beispiel Deutschland oder Afrika oder China. Es war ungefähr doppelt so groß wie unsere Wohnung und bestand zum größten Teil aus einem Berg mit zwei Gipfeln, einem hohen und einem, der etwas niedriger war.

So beginnt

Michael Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer (1960)

Damit gewann Ende den Deutschen Jugendbuchpreis 1960. Überhaupt eines der erfolgreichsten deutschen Kinderbücher, das ich als Kind mit Begeisterung gelesen habe. Inzwischen sollte man dazu den Artikel von Julia Voss aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 16.Dezember 2008 lesen, der folgendermaßen eingeleitet wird:

„Michael Endes „Jim Knopf“ ist mehr als nur ein Kinderbuch. Nicht nur weil dem Titelhelden Jemmy Button Pate stand, der mit Charles Darwin von den Galápagos-Inseln zurückkehrte. Wer Endes Buch genauer liest, sieht darin gar eine Gegengeschichte zur nationalsozialistischen Vereinnahmung der Evolutionstheorie.“

Die Überlegungen dieses Artikels hatJulia Voss 2009 dann noch zu einem Buch ausgewalzt, es trägt den Titel Darwins Jim Knopf.

Richard Ellman: Oscar Wilde (1987)

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Richard Ellman: Oscar Wilde (1987)

Ein Rezensent nannte das Buch eine “Materiallawine”, kein Wunder bei schlappen 730 Seiten.

Zwar auch für den Nichtakademiker gut lesbar, aber irgendwann ging mir doch die Puste aus, ich brauche wirklich nicht jedes Detail, wie z. B. wo er sich denn seine Anzüge hat schneidern lassen, egal wie „schillernd“ dieses Leben auch gewesen sein mag.