Blogbummel April 2015

Mal wieder Zeit für einen Rückblick auf einige Beiträge auf verschiedenen Literatur- und Fotoblogs.

Stimmen wir uns zunächst mit ein paar Frühlingsimpressionen auf Flower Power, auf KOMBINAT LUX oder bei Photoraum ein. Ach, und bei Tulpenfotos werde ich immer schwach.

Und Cindy hat ihren Beitrag einfach Blumen blühen genannt. Danach überlegt man sich dann, ob man selbst je wieder eigene Blumenfotos postet…

Nach diesem Frühlingsbummel nehmen wir Platz im Kaffeehaus – die passenden Worte dazu hat uns Uwe, der Kaffeehaussitzer, rausgesucht. Dort sinnieren wir mit den klugen Worten von Drittgedanke über unsere Tagebücher und anschließend können wir uns den Buchtipps widmen.

Buchempfehlungen auf deutschsprachigen Blogs

Die Bücherliebhaberin nimmt auf Glasperlenspiel13 die Frage Kämmerlings auf, warum wir keine Lateinamerikaner lesen, und bietet Abhilfe an, und zwar mit einer ganzen Reihe an Empfehlungen.

brasch&buch macht Laune auf Die Sonderbare Buchhandlung des Mr Penumbra.

Heike Pohl hat On the Run gelesen, während Drittgedanke und Claudia vom Grauen Sofa  Die Glücklichen von Kristine Bilkau empfehlen können.

Die Stubenhockerei findet Paris – Rom oder Die Modifikation von Michel Butor aus dem Jahr 1956 lesenswert, auch LIBROSKOP hat den Roman vorgestellt.

Die Durchleserin empfiehlt einen weiteren Klassiker, und zwar Hôtel du Nord von Eugène Dabit.

Zeichen und Zeiten erinnert mich daran, dass EIS von Ulla-Lena Lundberg immer noch auf meiner Wunschliste steht. Leider sorgt auch Claudio Miller auf Sätze&Schätze mit seiner Vorstellung der Murmeljagd von Ulrich Becher für ein weiteres Anschwellen jener Liste.

Die Autobiografie der Österreicherin Inge Sargent, vorgestellt auf buecherrezension, klang ebenfalls interessant.

Auf dem Blog Familienbande macht mich Xeniana neugierig auf Märzveilchen von Sarah Kirsch.

Horst Bienek – ein Autor, von dem ich noch nie etwas gelesen habe -, sollte sich das ändern, liegt das an Sabine von Binge Reading.

Muromez mahnt mich, doch endlich Roman eines Schicksallosen von Imre Kertesz aus dem Regal zu holen.

Und Perlengazelle hat Heute dreimal ins Polarmeer gefallen von Arthur Conan Doyle gelesen.

Empfehlungen englischsprachiger Blogs

Einen cosy crime bzw. Häkelkrimi stellt der Blog Heavenali vor, und zwar The Cornish Coast Murder von John Bude aus dem Jahr 1935.

Shelflove legte uns mit Elizabeth Goudge wieder eine ihrer Lieblingsautorinnen ans Herz, ausgewählt habe ich diesmal ihre Besprechung zu The Rosemary Tree. Doch sie hat auch einen klassischen Kriminalroman aus dem Jahr 1943 im Gepäck: 120, rue de la Gare von Leo Malet.

Peakreads hingegen hat Nora Webster von Colm Toibin gelesen: „a gentle and understated novel about a woman in early middle age coming  to terms with the unexpected death of her husband.“

Zum Wegfahren, Schauen und Staunen

Wie wäre es mit einer Reise in den Reinhardswald? Als Reiseführerin empfehle ich Maren Wulf.

In Köln würde ich gern St. Eliphius von Rampillon besuchen, gefunden bei Klunker des Alltags.

Aber Schottland bei sonnigem Wetter (!) ist natürlich der Hammer, gefunden auf Cornwall Photographic.

Um den Wandteppich von Bayeux zu bewundern, muss man entweder nach Bayeux reisen oder man stimmt sich auf Historical Ragbag schon einmal ein wenig ein.

Um diese unglaubliche Eule zu sehen, muss man allerdings ein wenig weiter reisen, bewundern kann man sie aber schon einmal bei Christopher Martin. Auch die anderen Teile dieser Serie sind beeindruckend, zum Beispiel hier oder hier oder hier.

Und noch einen lustigen Vogel gab auf Twinsie’s Blog.

Wunderschön: das Oasengebiet Ubari in Libyen, vorgestellt auf dem Blog E MORFES.

Zum Abschluss noch einmal ein Foto aus dem KOMBINAT LUX. Spricht für sich, oder? Und wenn man dann das Gedicht von Transtömer, gefunden bei der Perlengazelle, dazunimmt, hat man zwei wesentliche Koordinaten des Menschseins vereint.

 

Yaşar Kemal: Memed mein Falke (OA 1955; deutsche Erstausgabe 1965)

Die Hänge des Taurusgebirges steigen von der weiß schäumenden Mittelmeerküste ganz allmählich bis zu den Höhen der Taurusgipfel an. Über dem Mittelmeer kann man immer weiße Wolken sehen, die aufeinandergetürmt, dahintreiben. Das Küstenland ist so glatt und ebenmäßig, daß man glauben könnte, es sei mit einer Glanzschicht überzogen. Sein Lehmboden läßt einen an Fleisch denken. Auf Stunden ins Landesinnere hinein riecht es hier nach Meer, nach der Schärfe des Salzes. Hinter den flachen Äckern mit ihrem von Furchen durchzogenen Lehm beginnt das Röhricht der Cukurova, bedeckt mit unentrinnbar ineinander verfilztem Gestrüpp, mit Brombeeren, Wildreben und Schilf – eine dunkelgrüne Hölle, ohne Anfang und Ende, dunkler und wilder noch als Urwald.

So nähern wir uns ganz behutsam der Landschaft im Süden der Türkei, wo am Fuße des Taurusgebirge eine Geschichte ihren Ausgang nimmt, die mich nicht mehr losgelassen hat.

Yaşar Kemal: Memed mein Falke (1990)

Das Original erschien 1955. Die Übersetzung von Horst Wilfrid Brands ins Deutsche erschien im Unionsverlag.

Zum Inhalt

Memed, ein elfjähriger magerer Bauernsohn und Halbwaise, läuft von zu Hause fort, um den Demütigungen und der grausamen Arbeit auf den Feldern des Großgrundbesitzers Abdi Aga zu entgehen. Doch er wird aufgespürt und Abdi Aga lässt ihn und seine Mutter für diesen Fluchtversuch büßen. Sie müssen in Zukunft drei Viertel ihrer Ernte abgeben, die anderen Dorfbewohner „nur“ zwei Drittel. In den Wintern steht das halbe Dorf kurz vor dem Hungertod, und so sind die geschundenen, einfachen Menschen noch gezwungen dankbar zu sein, wenn der große Aga, der Besitzer von fünf Dörfern, ihnen Almosen gibt, um sie dann bei der nächsten Ernte um so stärker zu besteuern.

So zieht sich Abdi Aga einen unversöhnlichen Feind heran, der auch nicht gewillt ist, auf seine große Liebe zugunsten eines Neffen von Abdi Aga zu verzichten. Ein Kampf beginnt, bei dem keine der Seiten gewinnen kann. Memed wird zum Rächer, zum Rebell, zum vogelfreien Bandit, zum Anstoß eines grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandels.

Fazit

Das ist ein Buch von einer Wucht, die sich schwerlich in einer Besprechung einfangen lässt.

Ein kraftvolles Abenteuer, das man gar nicht aus der Hand legen mag. Und das Ganze wird erzählt mit einer so feinen Beobachtungsgabe, mit der nicht nur Memed, ein Held wider Willen, sondern auch der feige, brutale und skrupellose Despot geschildert wird. Dieser presst seinen Untertanen alles ab, bis sie vor Sorgen ums Überleben nicht mehr klar denken können und zum willfährigen Spielball des Tyrannen werden.

Darüber hinaus eine unvergessliche Liebesgeschichte. Und all die vielen Nebenfiguren, die mit ihren Stärken und menschlichen Schwächen so anrührend und dann wieder humorvoll gezeichnet werden, dass man meint, man sähe sie direkt vor sich.

Dazu Schilderungen der harschen, unzugänglichen und einzigartigen Berg- und Hügellandschaft. Man möchte sofort hinreisen und dort zusehen, wie die Sonne untergeht.

Es war Abend geworden. In den Strahlen der sinkenden Sonne glänzte die weite Ebene wie eine ungeheure Kupferplatte. Die Wolken leuchteten. Die Sonnenscheibe schien am anderen Ende des Flachlands unmittelbar über dem Boden zu schweben. (S. 214)

Geschrieben in einer malenden und musikalischen Sprache, wie aus den Tiefen der Jahrhunderte entstiegen. Angereichert mit Geschichten und Legenden, zu denen schließlich auch Memed in den Dörfern verklärt wird.

Mein Bild der Welt ist größer geworden durch dieses Buch.

Zum Autor

Yaşar Kemal (1923 – 2015) war kurdischer Abstammung und einer der wichtigsten Schriftsteller der Türkei. Sein Memed der Falke machte ihn international berühmt.

Durch die scharfe Sozialkritik machte das Buch auf die armseligen Verhältnisse in Anatolien aufmerksam und beeinflusste die oppositionellen Strömungen, die den Umsturz von 1960 in der Türkei auslösten. (Harenberg: Das Buch der 1000 Bücher, hrsg. von Joachim Kaiser, Harenberg 2002, S. 1174)

Insgesamt gibt es vier Memed-Bände:

  • Memed mein Falke
  • Die Disteln brennen
  • Das Reich der Vierzig Augen
  • Der letzte Flug des Falken

Auf der Seite des Unionsverlages gibt es einen aufschlussreichen Text von Kemal über die Entstehung seines berühmten Romans.

Und in einem Interview mit dem Guardian aus dem Jahr 2008 äußerte er sich zu seiner grundsätzlichen Intention:

Yes, there is rebellion in my novels, but it’s rebellion against mortality. As long as man goes from one darkness to another, he will create myths for himself. The only difference between me and others is that I write mine down.

Blogbummel März 2015

Mal wieder ein kleiner Rückblick auf einige der Beiträge der letzten Wochen, die in verschiedenen Foto- und Literaturblogs erschienen sind.

Glück gehabt, steht schon im Regal

Sabine von Binge Reading freut sich über ihre Stefan Zweig-Entdeckung.

Ein neuer Buchblog möchte durchstöbert werden! Angelika liest stellt u. a. François Garde und seinen Roman Was mit dem weißen Wilden geschah und Judas von Amos Oz vor.

Empfehlungen deutschsprachiger Blogs

Beginnen wir mit einem Verriss zu dem Erzählband Wir haben Raketen geangelt, den ich sehr gern gelesen habe, gefunden beim Kulturgeschwätz. Das Buch muss draußen bleiben.

Birgits Beitrag auf Sätze&Schätze stammt zwar aus 2013, habe ihn aber erst jetzt entdeckt. Sie schreibt zu Landschaften der Metropole des Todes (2013) von Otto Dov Kulka und Geschichte eines Lebens (1999) von Aharon Appelfeld. Dazu Die Kinder von Auschwitz, gefunden auf dem Blog Zürcher Miszellen.

Der Hotlist-Blog las Löwen wecken von Ayelet Gundar-Goshen.

Kastelau von Charles Lewinsky hat buchrevier begeistert.

Der neue Roman Kindeswohl von Ian McEwan, da gibt es gleich zwei anregende Besprechungen, einmal auf dem Grauen Sofa und einmal bei frintze.

Leo’s Literarische Landkarten hat diesmal einen Krimi im Gepäck: The Painted Ladies von Robert B. Parker. Einen weiteren interessant klingenden Krimi gab es ebenfalls beim Grauen Sofa, und zwar Die Schuld der Anderen von Gila Lustiger.

David Wonschewski gefiel der Roman Froschnacht des Schweizer Schriftstellers Markus Werner.

Und Birgit von Sätze&Schätze hat noch einen sehr verlockend klingenden Tipp für uns: Die Tartarenwüste von Dino Buzzati. Das kommt – allen guten Vorsätzen zum Trotz – auf der Wunschliste ganz weit nach.

Empfehlungen englischsprachiger Blogs

Beauty is a Sleeping Cat macht neugierig auf Of Kids and Parents von Emil Hakl; im Deutschen unter dem Titel Treffpunkt Pinguinhaus erschienen.

Tony’s Book World kann White Dog von Romain Gary empfehlen.

John Buchan’s später auch verfilmter Thriller The Thirty-Nine Steps wird uns auf Over the Hills ans Leserherz gelegt.

Zum Schauen und Staunen

Nordlichter sind immer wieder schön, zumal ich noch nie eines „in echt“ gesehen habe. Diesmal gefunden bei Christopher Martin.

Und hier sind Kommentare überflüssig:

Zum Abschluss

Viele Beiträge gab es zur Leipziger Buchmesse, doch verlinken möchte ich auf einen, der dabei charmant aus der Reihe tanzt, Hundstrüffel zeigt, wie man sich selbst so eine Messe bastelt.

Und uns LeserInnen ins Stammbuch den Artikel von Andy Miller aus dem Guardian, dessen The Year of Reading Dangerously ich vor kurzem vorgestellt habe. In We are losing the Art of Reading schreibt er u. a.:

I find these debates about reading as enjoyably incensing as anyone […] However, taken alongside the general hum of social networks, book groups, the media-shopping complex and the literary festival season now upon us, I mistrust my own eagerness to engage with this sort of stuff. It is a very good way not to get any reading done. […]

The traditional pleasures of reading are more complex than just enjoyment. They involve patience, solitude, contemplation. And therefore the books that are most at risk from our attention and integrity deficits are those that require a bit of effort. […] Books such as Middlemarch or Moby-Dick were never intended to be snapped up or whizzed through […] Middlemarch was here before we arrived, and it will be here long after we’ve gone. Perhaps we should have the humility to say: OK, I didn’t get it. What can I learn?

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Varian Fry: Auslieferung auf Verlangen (OA 1945; deutsche Ausgabe 1986)

Vor kurzem stellte ich hier Eveline Haslers Buch Mit dem letzten Schiff  (2013) vor, in dem es auf S. 215 heißt:

Fry begann die Ereignisse der Marseiller Zeit aufzuschreiben, um auf diese Weise mit den verstummten Freunden verbunden zu bleiben, doch eine Veröffentlichung war noch zu heikel für alle Beteiligten. Als dann nach Kriegsende 1945 Varian Frys ‚Surrender on Demand‘ erschien, wurde das Buch von der Presse gelobt, verkauft wurde es schlecht.

Ja, das stimmt: Die Erinnerungen Varian Frys an die 13 Monate, in denen er in Marseille die Arbeit des Emergency Rescue Committee koordinierte, das von den Nazis verfolgten Intellektuellen und Künstlern zur Flucht verhelfen sollte, erschienen bereits 1945 unter dem Titel Surrender on Demand.

Die deutsche Erstausgabe Auslieferung auf Verlangen wurde von Jan Hans und Anja Lazarowicz übersetzt und 1986 im Hanser Verlag veröffentlicht.

Eine Neuausgabe erschien 1995 im Fischer Taschenbuch Verlag. Diese ist unbedingt lesenswert, doch was ich bei der Lektüre herausfand, geht weit über das hinaus, was ich erwartet habe. Ich stelle dabei zunächst einmal unkommentiert einige Textstellen von Fry und Hasler einander gegenüber.

Varian Fry (zitiert nach der Ausgabe des Fischer Taschenbuch Verlages, S. 13):
Vor dem Bahnhof gab es keine Taxen, aber viele Gepäckträger. Einer nahm meinen Koffer.
„Welches Hotel?“ wollte er wissen.
„Splendide“, sagte ich.
„Haben Sie ein Zimmer bestellt?“
„Nein.“
„Dann werden Sie wohl auch keines bekommen“, sagte er. „Versuchen Sie es lieber im Hotel Suisse. Das ist das einzige Hotel in der Stadt, wo es noch Zimmer gibt. In Marseille ist alles von Flüchtlingen belegt.“

Eveline Hasler (S. 11)
Im Taxi nannte Fry das Hotel Splendide.
„Haben Sie dort reserviert?“, fragte der Chauffeur.
Fry verneinte.
„Marseille quillt über von Reisenden und Emigranten, in den großen Hotels finden Sie heute garantiert keinen Platz!“

——

Fry (S. 16)
Im Hotel tat man sehr geheimnisvoll, und ich mußte eine ganze Weile warten, bis man mir schließlich erlaubte, zu ihren Zimmern hinaufzugehen.

Hasler (S. 71)
Im vornehmen Hotel du Louvre et de la Paix, wo Fry an der Rezeption den Namen Werfel nannte, tat man geheimnisvoll. Erst nach längerer Diskussion bequemte man sich dazu, die Gäste in ihrer Suite zu benachrichtigen.

——

Fry (S. 16)
Werfel sah genau so aus wie auf den Fotos: groß, untersetzt und bleich – wie ein zur Hälfte gefüllter Mehlsack.

Hasler (S. 73)
… doch mit dieser Statur eines halbgefüllten Mehlsacks (gemeint ist Werfel)

——

Fry (S. 33)
… aber jeden Tag kamen waggonweise Soldaten, die entweder in Südfrankreich oder in Afrika demobilisiert werden sollten. Marseille war mit Soldaten ebenso überfüllt wie mit Flüchtlingen. Alle Waffengattungen der französischen Armee waren vertreten: Kolonialsoldaten mit leuchtend rotem Fes oder ‚Chechias‘ auf dem Kopf; Freiwillige der Fremdenlegion, die ihre ‚Kepis‘ in Staubschutzhüllen trugen; Zuaven in weiten türkischen Pluderhosen […]; Gebirgsjäger in olivgrünen Uniformen und mit gewaltigen Baskenmützen, die bis über das linke Ohr heruntergezogen wurden; staubige Schanzarbeiter aus den Tunneln der Maginot-Linie in grauen Pullovern; Kavallerieoffiziere in eleganten Khaki-Röcken, maronfarbenen Reithosen und, statt Kepi oder Stahlhelm, mit verwegenen, velourbraunen Mützen; schwarze Senegalesen mit Turbanen …

Hasler (S. 47)
Was für ein Ort, dachte Justus. […] Am auffälligsten die Militärs: Soldaten aus den Kolonien mit rotem Fes. Tiefschwarze Senegalesen mit Turbanen. Freiwillige der Fremdenlegion mit weißen Kepis in Staubhüllen. Zuaven mit türkischen Pluderhosen. Gebirgsjäger in olivgrünen Uniformen und mit gewaltigen Baskenmützen. Kavallerieoffiziere in eleganten Khakiröcken und mit verwegenen samtbraunen Mützen…

——

Fry (S. 36)
Noch bevor meine erste Woche in Marseille zuende ging, hatte es sich offenbar in der gesamten nicht besetzten Zone herumgesprochen, daß ein Amerikaner aus New York angekommen war, wie ein Engel vom Himmel gefallen sei, Taschen voller Geld und Pässe und einen direkten Draht zum State Department habe, so daß er jedes beliebige Visum im Handumdrehen besorgen konnte. Jemand erzählte sogar, daß es in Toulouse einen tüchtigen Geschäftsmann gab, der meinen Namen und meine Adresse für 50 Francs an Flüchtlinge verkaufte.

Hasler (S. 52)
[Hertha Pauli im Gespräch mit Walter Mehring]: „Ein Amerikaner ist vom Himmel gefallen! Mit Taschen voller Dollars und einer Namensliste, wer von den Künstler und Intellektuellen unbedingt zu retten sei. …“
[als Gedanke Miriam Davenports, S. 54]: In Toulouse, so erzählte man, verkaufe ein tüchtiger Geschäftsmann bereits Name und Adresse von Varian Fry für fünfzig Francs, der Amerikaner könne im Handumdrehen jedes beliebige Visum besorgen! Das kam ihr übertrieben vor.

——

Fry (S. 56)
Jedesmal, wenn ein Zug ankam und abfuhr, hörte man unten auf dem Pflaster das tausendfüßige Getrappel von Menschen, die die große Treppe hinaufliefen oder heruntereilten.

Hasler (S. 76)
In diesem Moment fuhr oben im Bahnhof rumpelnd ein Zug ein, für Minuten war nichts anderes zu hören als Zurufe und das Getrappel der Ankommenden auf den Marmorstufen.

——

Fry (S. 65)
Wir steckten Mehring im Splendide ins Bett. Der Arzt kam, sah ihn kurz an und schrieb dann ein sehr eindrucksvolles Attest. Es besagte nicht nur, daß Monsieur Mehring krank und somit unfähig war, wegen der Verlängerung seiner Aufenthaltserlaubnis auf der Präfektur vorzusprechen, es bestätigte auch noch, daß Mehring nicht vor Mitte November in der Lage sein würd, sein Zimmer zu verlassen.
Ich brachte Barellet das Attest, und er verlängerte Mehrings Aufenthaltsgenehmigung unverzüglich um zwei Monate. Für einen nicht-französischen Flüchtling war das äußerst ungewöhnlich, meistens wurde der Schein höchstens um zwei Wochen verlängert.

Hasler (S. 90)
Der Arzt kam und schrieb nach kurzer Visite ein eindrückliches Attest mit der Feststellung, Mehring sei nicht in der Lage, sein Bett vor Mitte November zu verlassen. Barallet wiederum verlängerte den Aufenthaltsschein gnädig um zwei Monate anstelle der üblichen zwei Wochen.

——

Fry (S. 73)
Harry Bingham [der amerikanische Vizekonsul] wohnte in einer Villa in der Rue du Commandant Rollin, einer Straße, die hinter der Corniche ein ganzes Stück vom Stadtzentrum entfernt liegt. Ich rief ihn an, nachdem ich vom Scheitern des Schiffsplans erfahren hatte. Er lud Bohn und mich zum Essen ein.
Es begann schon zu dämmern, als wir auf der Cannebiere in die Bahn zur Rue Paradis einstiegen, und es wurde dunkel, als wir das Gartentor aufstießen und den langen Weg zum Haus hinaufgingen. Auf der Kiesterrasse saß an einem kleinen Eisentisch Feuchtwanger – Harry [Bingham] hatte gerade sein Bad in einem seichten Fischteich etwas weiter unten beendet. […] Feuchtwanger war ein kleiner, verhutzelter Mann, aber er sprühte nur so vor Energie und Ideen.

Hasler (S. 93/S. 94)
Der Vizekonsul wohnte außerhalb der Stadt, an der Rue du Commandant Rollin, hinter der Corniche. Mit der Straßenbahn, von der Canebiere aus, war das Haus bequem zu erreichen. Als die beiden Besucher die Gartentür öffneten, begann es zu dämmern, […] Aus einem dieser Gewässer stieg nun etwas an Land, das einem Neptun glich, sich jedoch am Ufer in einen kleinwüchsigen Mann verwandelte, der in einen Bademantel schlüpfte und über eine Terrasse im Haus verschwand. ‚Es ist Feuchtwanger‘, flüsterte Bohn. […] Feuchtwanger […] zeigte sich an diesem Abend voller Energie und sprühte nur so vor Ideen.

——

Fry (S. 81)
[Einer der Helfer von Fry während der Rettungsaktion für Golo Mann, Heinrich und Nelly Mann und die Werfels: ‚Der Grenzbeamte meint], ihr solltet es trotzdem versuchen. Er sagt, man weiß nie, was passiert. Es könnte sein, daß morgen schon ein neuer Befehl aus Vichy kommt und er euch alle verhaften muß. Deshalb glaubt er, ihr solltet hier weg, solange ihr noch könnt. Er ging sogar mit mir nach draußen, um mir den besten Weg zu zeigen.‘
Ich sah mir den Berg an. Er war ziemlich hoch, und es war ziemlich heiß.
‚Mensch, Ball‘, sagte ich. ‚Ich glaube nicht, daß Werfel das jemals schafft. Er ist zu dick, und Heinrich Mann ist zu alt.‘

Hasler (S. 101)
‚Er hat uns aber geraten, es trotzdem zu versuchen. Es könne sein, dass morgen ein neuer Befehl aus Vichy komme und er uns alle verhaften muss. Er ging sogar mit mir vor den Bahnhof, um mir den besten Weg zu zeigen.‘
Fry schaute zum Berg hinauf. Er war ziemlich hoch, und der Tag drohte sehr heiß zu werden.
‚Mensch, Ball‘, murmelte Fry. ‚Ich glaube nicht, dass Werfel das schafft. Er ist zu dick, und Heinrich Mann ist zu alt.“

——

Fry (S. 260)
Ich war genau um elf Uhr in seinem Büro [dem Büro des Marseiller Polizeichefs], und er ließ mich eine dreiviertel Stunde warten – eine feinsinnige Form der Folter. Auf einen Summton hin wurde ich schließlich in ein großes Büro geführt. Am Ende des Raumes stand vor einem großen Fenster der Schreibtisch, hinter dem de Rodellec du Porzic saß. Das durch das Fenster einfallende Licht blendete mich aber so, daß es einige Minuten dauerte, bis ich sein Gesicht deutlich erkennen konnte. […] Schließlich sah er auf.
‚Sie haben meinem lieben Freund, dem Generalkonsul der Vereinigten Staaten, viel Verdruß bereitet‘, sagte er.
‚Ich denke, der Konsul kann seine Probleme selbst lösen‘, antwortete ich.
‚Mein Freund der Generalkonsul berichtete mir, daß Sie sowohl von Ihrer Regierung als auch von dem amerikanischen Komitee, das Sie hier vertreten, aufgefordert wurden, unverzüglich in die Vereinigten Staaten zurückzukehren‘, fuhr er fort.

Hasler (S. 196/197)
Fry erschien pünktlich bei Rodellec du Porzic [dem Polizeichef von Marseille]. Der Chefbeamte, wohl um seine Macht zu demonstrieren, ließ den Amerikaner eine Dreiviertelstunde warten, dann endlich wurde Fry in du Porzics Heiligtum eingelassen. In den durch das Fenster eindringenden Sonnenstrahlen war du Porzics Kopf ganz in sanftes Licht getaucht, Fry musste warten, bis seine geblendeten Augen die Gesichtszüge seines Gegenübers erfassen konnten. […] Schließlich blickte er [du Porzic] auf und begann: ‚Mister Fry, Sie haben meinem lieben Freund, dem Generalkonsul der Vereinigten Staaten, viel Verdruss bereitet!‘
‚Ich denke, der Konsul kann seine Probleme selbst lösen‘, antwortete Fry.
‚Es wird mir berichtet‘, fuhr du Porzic fort, ‚dass Sie von Ihrer Regierung und von dem Komitee, das Sie vertreten, aufgefordert werden, unverzüglich heimzureisen.‘

Und so könnte man diesen Textvergleich noch eine ganze Weile weiterführen. Muss man aber nicht.

Fazit

I am not amused und nehme mein positives Urteil zu Eveline Haslers Buch zurück.

Natürlich kann ein Buch wie das von Hasler nicht ohne Recherche entstehen, und einige wenige Male kennzeichnet sie wörtlich von Fry übernommene Stellen mit Hinweisen wie „wie Fry später sagen würde“. Aber was ist mit all den anderen unzähligen Stellen, die sie nicht als Zitat gekennzeichnet hat, bei denen sie dreist aus den Erinnerungen Frys zitiert oder Passagen nur unwesentlich umformuliert und hin und wieder dabei sogar Details verändert hat?

Und die Stellen, die ich zunächst bei Hasler für die gelungeneren hielt, sind just die, die direkt auf Frys Bericht zurückgehen.

Also: Wer sich für die Arbeit des Emergency Rescue Teams interessiert, der lese unbedingt das Buch Auslieferung auf Verlangen von Varian Fry und vergesse das Buch von Hasler. Fry erklärt ohnehin sowohl Details als auch Zusammenhänge wesentlich besser. Hasler war ja über die ganzen bürokratischen Feinheiten bei der Visa-, Pass-, Transit- und Ausreisegenehmigungsbeschaffung, in denen ein wesentlicher Bestandteil der Flüchtlingshilfe lag, sehr luftig-locker hinweggeglitten.

Auch Frys Mitarbeiter und Unterstützer, die sich nicht scheuten, Gangster und andere dubiose Gestalten in ihr Rettungswerk miteinzubeziehen, werden im Original wesentlich klarer konturiert. Der Leser erlebt, in welchen Gefahren das Team immer wieder schwebte, erfährt von gescheiterten Rettungsversuchen, von dem Entsetzen, als man Verräter und Spitzel in den eigenen Reihen entdeckt, und wie Fry schließlich – auf Betreiben des amerikanischen Konsuls in Marseille und des französischen Polizeichefs – aus Frankreich ausgewiesen wird.

Ich stand auf und wollte gehen. Dann drehte ich mich aber doch noch einmal um, um [dem Marseiller Polizeichef] eine letzte Frage zu stellen. ‚Sagen Sie mir offen, warum Sie mich so hartnäckig bekämpfen‘

‚Parce que vous avez trop protégé des juifs et des anti-Nazis‘, antwortete er. ‚Weil Sie Juden und Nazigegner geschützt haben.‘ (S. 262)

Fry schreibt präzise, informativ und spannend. Und einige Stellen sind auf einmal auch psychologisch wesentlich stimmiger, selbst wenn die Unterstützung durch weibliche Mitarbeiter in seinem Text wohl ein wenig zu kurz kommt. Sein Bericht umfasst 280 Seiten, dazu kommt in der Ausgabe des Fischer Taschenbuch Verlages ein 60-seitiger Anhang mit hilfreichen Erläuterungen, abgedruckten Briefen und einem ausführlichen Namensregister.

Dem Fazit aus dem Nachwort von Wolfgang D. Elfe kann ich nur zustimmen:

Die Geschichte der Rettungsaktionen des ERC, die Fry in seinem Buch geschrieben hat, ist ein Dokument der Geschichte des antifaschistischen Exils wie auch der intellektuellen Emigration in die USA. Doch hat Fry mit diesem Buch nicht nur ein historisches Dokument hinterlassen, sondern zugleich ein Werk von einiger literarischer Qualität. Fry erweist sich – ohne dadurch die Realitätstreue seines Berichts in Frage zu stellen – als spannender Erzähler. Das gilt insbesondere für die Schilderung seiner konspirativen Tätigkeit. Er verlebendigt viele Situationen durch dialogische Gestaltung und zeigt sich als Meister der Charakterisierung. Es gelingt ihm auch, viel Atmosphärisches einzufangen und die Jahre 1940-41 in Vichy-Frankreich lebendig vor dem Leser erstehen zu lassen. Ungeachtet des großen Ernstes der Situation, einer deprimierenden Weltlage und des Scheiterns verschiedener Rettungsaktionen […] erzählt Fry häufig mit Witz und Komik. Im übrigen erhöht an vielen Stellen typisches angelsächsisches Understatement die Lesbarkeit seines Berichtes. (S. 300)

Hasler dagegen entpuppt sich als eine Trittbrettfahrerin, die auf 219 Seiten ohne jeglichen Anhang Frys Bericht in vereinfachter und gekürzter Form nacherzählt – ohne das je kenntlich zu machen – und dabei das Ganze noch ein bisschen aufpeppt mit Personen, die mit Frys Geschichte gar nichts zu tun haben.

Anmerkung

Hier noch eine Würdigung von Fritz J. Raddatz zum „Engel von Marseille“ aus der ZEIT.

Blogbummel Februar 2015

Es ist Zeit, mal wieder einen Blick auf die verschiedenen Blogbeiträge der letzten Wochen zu werfen. Und wie schön, die Bücherphilosophin, der wir die Sonntagslesereien verdanken, hat sich – nach langem Schweigen – zurückgemeldet! Weiterhin alles Gute!

Zum Einstieg

Verabschieden wir den Winter mit einem Blick auf einen der bekanntesten Wasserfälle in Island und einem zauberhaften Spaziergang auf Through my Lens, um dann ganz, ganz viele Frühlingsboten zu begrüßen, entdeckt im Photoraum.

Bei den ersten wärmeren Tagen bleibt dann vielleicht gar keine Zeit, um einen Bücherflohmarkt zu besuchen. Falls doch, dann gibt es im Bücherstadt Kurier die passende Warnung dazu.

Empfehlungen auf deutschsprachigen Blogs

Mara von Buzzaldrins Bücher macht neugierig auf Lieber Mr Salinger von Joanna Rakoff.

Masuko13 hat ein Interview mit Thorsten Arendt, Lektor beim Wallstein Verlag, geführt, und die Empfehlung der Autobiografie Adieu, Atlantis von Valentina Freimane, einer betagten lettischen Autorin hat es sofort auf meine Wunschliste geschafft.

Birgit und ihre Mitstreiter auf Sätze&Schätze tun leider auch nichts, was meiner Wunschliste zuträglich wäre. Nein, sie setzen einfach noch weitere Titel drauf: Diesmal notiert: den Klassiker Tortilla Flat von Steinbeck und Wiederholte Verdächtigungen von Jutta Reichelt.

Den Schönen Seiten verdanke ich den Hinweis auf Warum Einstein niemals Socken trug.

Fast nie lese ich Fantasy, aber Buchwolfs Besprechung von Otherland ist kaum zu widerstehen.

Philea’s Blog erinnert mich daran, dass ich Die Buchhandlung von Penelope Fitzgerald schon längst mal habe lesen wollen. Eine weitere hinreißende Empfehlung bei ihr ist einem Büchlein von Edith Sitwell gewidmet.

Und hier noch ein Hinweis für alle Lyrik-Interessierten: Zwei Bände zu Emily Dickinson werden auf Leselebenszeichen vorgestellt.

Der Guardian

Der britische Guardian, gegründet 1821, beeindruckt mich immer wieder mit spannenden und interessanten Artikeln, die man unmöglich alle lesen kann. Die Bandbreite reicht von der Aufdeckung internationaler Skandale (Edward Snowden) bis hin zu einem beeindruckenden Feuilleton und eher abseitigen Liebhabertexten. Diesmal haben es mir zwei Kritiken zum neuen Roman The Buried Giant von Kazuo Ishiguro, einem der bedeutendsten britischen Schriftsteller der Gegenwart, angetan. Hier die Besprechungen von Alex Preston und von Tom Holland.

Aber es gab auch einen interessanten Text über die Rassentrennung in den Vereinigten Staaten, der sich an der legendären Route 66 entlanghangelt, und einen Artikel über den letzten Löwendompteur in Großbritannien.

Englischsprachige Blogs

Die Betreiberin von Booker Talk beschäftigt sich mit der den meisten Bloggerinnen bekannten Frage, wie man die Bücherberge in der Wohnung abbaut. Ihr Post trägt den netten Titel Slimming Plan for Mount TBR (= to be read, entspricht unserem SUB).

Die pessimistische Antwort darauf gibt es bei gazelleblockt in Form eines Eugen Roth-Gedichts.

Zum Schauen, Staunen und Reisen

Wie wäre es mit einem Besuch in Hildesheim?

Die beeindruckende Fotostrecke Life in the Tundra fand ich bei e MORFES.

Ich weiß nicht warum, aber anscheinend ist gerade eine gute Blogzeit für Vögel: Eine wahrlich alte Eule gibt es bei Echoes of the Past und quietschbunte Allfarbloris bei Cindy. Doch auch die Eule bei Christopher Martin hat es mir angetan. Und die Schwäne beim Kombinat Lux: Ein Traum.

Da fühlt man sich ja schon karussellmäßig beschwingt und kann von einem netten Urlaub in Ystad träumen, der Stadt mit den tollen Türen, gefunden auf The Legion of Door Whores.

Aber wenn ich wählen müsste, würde es doch wieder das Lake District in Großbritannien, gefunden auf Helen’s Journal. Keine Frage.

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Blogbummel Januar 2015

Willkommen zur ersten Sonntagsleserei in diesem Jahr. Zum Einstieg erst mal richtig Farbe, und zwar von Vera Komnig, hier und hier.

Wer den Winter sucht, wird bei Lady Fi fündig. Schön. Das Regenwetter der letzten Tage hingegen ist doch ideal zum (Blog-)Lesen und kein Grund, sehnsüchtig nach draußen zu schauen wie die Katze bei den Literary Sisters.

Etwas Geschichte

Auf Ingos Englandblog gibt es einen Artikel zu den Eleanor Crosses, die Edward I anlässlich des Todes seiner geliebten Frau hat aufstellen lassen. Und hier geht es zu den Wikingern bzw. nach Jorvik, gefunden auf Entdecke England.

Feiner reiner Buchstoff las Sommer 1927 von Bill Bryson.

Germany: Memories of a Nation von Neil McGregor wurde auf Lizzy’s Literary Life vorgestellt.

Drei Beiträge beziehen sich auf weltbekannte Museen: Awesomatik ist beeindruckt von der Restaurierung der Dioramen im American Museum for Natural History, während der Blog Ansichtsexemplar auf die National Gallery in London verlinkt.

Historical Ragbag hat eine Austellung zu Ikonen in der Ballarat Art Gallery in Australien besucht.

Deutschsprachige Blogs

gazelleblockt widmet sich der Beziehung zwischen Marie-Louise von Motesiczky und Elias Canetti.

Der Blog lust zu lesen macht neugierig auf In den Wind geflüstert von Guðmundur Andri Thorsson.

Ilija Trojanow ist ein wie immer lesenswerter Beitrag auf Sätze&Schätze gewidmet.

Und Claudia vom Grauen Sofa ist es zu verdanken, dass Vielleicht Esther nun doch auf der Wunschliste ganz weit oben steht.

Das Lächeln meiner Mutter von Delphine de Vigan ist dank Jargs Blog inzwischen hier eingezogen.

Englischsprachige Blogs

Fleur in her World macht Lust auf eine Cosy Crime-Reihe von L. C. Tyler.

Anderslautenden Gerüchten zum Trotz werde ich nicht von Heavenali bezahlt, auch wenn ich diesmal gleich drei Empfehlungen von ihr verlinke: Sie empfiehlt nicht nur Nightwoods, den neuen Roman von Charles Frazier, sondern auch The Small Widow (1967) von Janet McNeill. Und außerdem fand ich die Besprechung zu Period Piece, geschrieben von der Enkelin von Charles Darwin, sehr ansprechend.

Ein bisschen Wandern tut gut

Diesmal in Frankreich und in Neuseeland.

Zum Staunen, Schauen und Freuen

Auch andere freuen sich über tolle und außergewöhnliche Türen, siehe hier und hier, gefunden bei Susan Sheldon Nolen.

Reizend auch diese kleine Meerjungfrau, sie ist schon uralt und wurde verbloggt von Echoes of the Past.

Vorfreude auf die Schönheit der Tulpen gibt es bei einfachtilda.

Einen Wasserfall sehen wir auf E-MORFES und auch diese und diese Fotostrecke auf E-MORFES zeigen, wie schön die Welt sein kann.

Und nun macht es euch gemütlich, z. B. auf diesen Bänken mit der phänomenal schönen Aussicht bei Walking with a Smacked Pentax. Obwohl, die National Bison Range ist auch verlockend…

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Blogbummel November 2014

Bevor ich hoffentlich bald wieder dazu komme, selbst eine Besprechung zu schreiben, schon mal ein Rückblick auf die Blogs der letzten Wochen. Wann wir das alles lesen sollen, ist allerdings eine andere Geschichte…

Beginnen möchte ich diesmal mit einem Foto, anhand dessen man überlegen kann, was Fortschritt bedeutet oder auch nicht. Aufgenommen von Dmitrii Lezine. Auf diesem Blog gibt’s übrigens viele sehenswerte Fotos, z. B. von einem Leuchtturm.

Filigran hingegen sind die Buchschnittmalereien, einen Link dazu hat der Blog Ansichtsexemplar für uns aufgestöbert.

Tiere

Nein, kein cat content, aber mindestens genauso niedlich: Schwein gehabt!

Wow, was für Fotos – diesmal Pferde – gefunden bei The World according to Dina.

Und beim Geldabheben habt ihr hoffentlich alle einen Wachhund dabei. Gefunden bei Straßenfotografien.

Für die unübersichtlich vor sich hin wuchernde Wunschliste

Beispielsweise habe ich den Blog einer Buchhändlerin aus Berlin entdeckt – mit interessanten Empfehlungen, leider bisher ohne Follow-Funktion und ohne alphabetisches Verzeichnis. Aber Die Buchhändlerin hat zum Beispiel folgende Bücher gelesen:

CON=LIBRI hat schon mal seine Auslese 2014 versammelt.

Auf Jargs Blog wird Der Körper meines Lebens von Pennac vorgestellt.

Birthes Lesezeit las Eis von Ulla-Lena Lundberg.

lustauflesen.de macht Lust auf So wird alles Schwere entweder leicht oder Leben von Heinz Hilpert. Klingt wunderbar.

Himmel und Hölle von Jón Kalman Stefánsson wird auf Drittgedanke empfohlen.

Leseschatz hat Frommes Elend von Frans Eemil Sillanpää gehoben.

Literaturen hingegen macht mich neugierig auf A Single Man von Christopher Isherwood.

Weiter geht es mit einigen Klassikern:

Der Durchleser hat entdeckt, dass Ein Liebesabenteuer von Alexandre Dumas nun erstmalig ins Deutsche übersetzt wurde.

Maren schmuggelt verlockend klingende Buchtitel inzwischen schon in ihre Kommentare, diesmal habe ich sie ertappt, wie sie auf Sätze und Schätze einen „Wälzer mit immerhin 750 Seiten“, nämlich Großer-Tiger und Christian von Fritz Mühlenweg anpries: „Eine Abenteuergeschichte quer durch die Wüste Gobi, eigentlich ein Jugendbuch, aber auch für abenteuerlustige Erwachsene ein Genuss. Mühlenweg war u.a. 1927 auf der letzten innerasiatischen Expedition von Sven Hedin dabei gewesen. Die Geschichten aus der Mongolei hatte er zunächst seinen Kindern erzählt, bevor ein dickes Buch draus wurde.“

Zeichen und Zeiten erinnert an Das alte Haus am Hudson River von Edith Wharton, während Muromez uns zu Recht Oblomow von Iwan Gontscharow auf die Leseliste setzt.

Die schönsten Worte über das Lesen fand ich diesmal unter dem Titel Langsames Lesen auf Hundstrüffel:

Ich möchte Bücher so lesen, wie ich sie finde. Flanierend, absichtslos. Langsam, als wäre die Zeit.

Empfehlungen auf englischsprachigen Blogs

Book around the Corner las Run River, das erste Buch von Joan Didion.

A life in books empfiehlt  The Guest Cat des japanischen Autors Takashi Hiraide und den neuesten Roman von Jane Smiley: Some Luck.

Schöne Orte

Die gibt es beispielsweise Aus der Vogelperspektive auf Von Orten und Menschen oder an der Ostsee im Gespensterwald.

Und sehr gern würde ich auch einmal das Nordlicht sehen, zum Beispiel in Island, gefunden auf Cornwall Photographic.

Die verschiedenen Seiten des Herbst zeigen uns die Autumn Leaves von Stefan und der Novembertag von Morgenstern, gefunden bei Birgit.

Ein verrücktes Video, das einen ganz schwindlig macht und doch zeigt, wie wunderschön die Welt ist, hat Cindy entdeckt: Touch von Jean-Baptiste Chandelier (notfalls einfach den Ton ausschalten…)

Und mein Fotoserienhighlight dieses Monats kommt ganz klar von Echoes of the Past. Da können dann alle Großbritannien-Fans schwelgen und schon mal vom nächsten Urlaub träumen. Ich freue mich jedenfalls schon auf ihren 2000. Beitrag.

Allen eine gute Woche mit einer Super Nova von alltagssplitter.

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Blogbummel – September 2014 – Teil 2

Auch heute ein kleiner Rückblick auf die Beiträge diverser Literatur- und Fotoblogs in den letzten Wochen.

Zunächst die musikalische Einstimmung mit der Sammlung Almost like the Blues von Stefan auf Freiraum.

Unter anderem lag mal wieder die Frage in der Luft, was denn nun als ‚große Literatur‘ anzusehen sei. Beiträge gab es sowohl beim Kaffeehaussitzer, bei Literaturen, Brasch und Buch als auch auf Buchpost.

Sehr gefreut habe ich mich, dass ich bei der schönen Serie Die liebsten Liebesgeschichten bei Dandelion mittun durfte. Die Reihe hat allerdings den Nachteil, dass ich da auch schon mehrere Titel entdeckt habe, die auf meine Liste wanderten.

Und wer lächelt nicht verständnisvollversonnen nach dem Artikel von Sophie über ungeordnete Bücherregale, in denen man ganz ungeplante Entdeckungen machen kann, und ihre zehn Buchempfehlungen für den Herbst?

Für die Wunschliste

Hier käme das Buch Die Obdachlosigkeit der Fische von Genazino in Frage. Birgit warnt auf Sätze&Schätze zwar vor „Melancholieansteckungsgefahr… Und dennoch: Sprachlich schön-eigenwilliger lässt sich Beobachtung von erdrückenden Alltagsnebensächlichkeiten kaum festhalten.“

Sabine von Binge Reading & More hat die Camus-Biografie von Radisch gelesen.

Das Friedrich-Schiller-Projekt macht nicht nur Lust, die Kulturgeschichte der Neuzeit von Friedell endlich zu lesen, sondern außerdem neugierig auf den Autoren.

Leseschatz schätzt Ein gutes Leben ist die beste Antwort von Friedrich Dönhoff, während Lesewelle Sie dreht sich um von Angelika Overath gelesen hat.

LiteraturZeit lenkte meinen Blick auf das Buch Der Besuch von Hila Blum.

Gazelleblockt verdanke ich den Hinweis auf die Tagebücher von Mihail Sebastian mit dem Titel Voller Entsetzen, aber nicht verzweifelt.

Für die Wunschliste auf Englisch

Booker Talk stellt uns Eric Faye und seinen Roman Nagasaki vor, in dem er die wahre Geschichte einer japanischen Obdachlosen verarbeitet, die nahezu ein Jahr lang unbemerkt ihr Quartier im Kleiderschrank eines alleinstehenden Mannes bezogen hatte.

Silver Threads hingegen empfiehlt Fidelity von Susan Glaspell, das 1915 veröffentlicht wurde. Auch die Beschäftigung mit der Autorin selbst dürfte interessant sein.

Zum Schauen und Staunen

Ein See, schön wie ein Gemälde, gefunden bei Lady Fi.

Muss man ja eigentlich gar nicht mehr erwähnen, weil ihr bestimmt schon jede/jeder folgt, dennoch: Die Zusammenstellung von Text und Bild zum Thema Hirschbrunft auf Von Orten und Menschen war mal wieder eine besondere Freude.

Und es gibt Neues von Steve McCurry: Diesmal trägt seine Fotoreihe den Titel Language of Hands.

Euch allen einen schönen Sonntag(abend), z. B. unter der Laterne von Stefan und einen klaren Blick aufs Wesentliche, z. B. bei MEERblick.

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