Margaret Humphreys: Oranges and Sunshine (1994)

The truth which makes men free is, for the most part, the truth which men prefer not to hear. (Herbert Agar, S. 200)

Anlässlich Peggys Artikel Von Strafkolonien und Völkermord auf ihrem Blog Entdecke England möchte ich noch einmal eine eindrückliche Geschichtsstunde aus meinem Archiv holen.

Margaret Humphreys: Oranges and Sunshine (1994); Originaltitel: Empty Cradles

So fing alles an

Margaret Humphreys, 1944 in Nottingham geboren, arbeitete als Sozialarbeiterin und war zuständig für Familien, die damit überfordert waren, sich selbst um ihre Kinder zu kümmern.

1975 sorgte eine Gesetzesänderung dafür, dass erwachsene Adoptivkinder Zugang zu ihren Geburtsurkunden bekommen konnten. Daraufhin gründete Humphreys 1984 eine Selbsthilfegruppe, damit diese Erwachsenen sich über die Probleme, Ängste und Identitätsfragen austauschen konnten, die durch die Suche nach den leiblichen Eltern ausgelöst wurden.

Eine Australierin, 1986 zufällig auf Besuch in Nottingham, erfährt von dieser Gruppe und berichtet ihrer Freundin Madeleine in Australien davon. Kurze Zeit später bittet Madeleine Margaret in einem Brief um Hilfe bei der Suche nach ihren leiblichen Eltern, denn Madeleine war als englisches Waisenkind mit vier Jahren nach Australien verschickt worden.

Margaret kann das nicht so ganz glauben, doch auch eine ihrer Klientinnen in der Selbsthilfegruppe behauptet, dass ihr Bruder als kleiner Junge nach Australien verschickt worden sei. Sie beginnt nachzuforschen und bringt für sich und andere eine Lawine ins Rollen, die der Leser nun beeindruckt und entsetzt über die nächsten sieben Jahre mitverfolgt.

So geht es weiter

Humphreys schildert, wie sie, zunächst selbst völlig arg- und ahnungslos, mit Unterstützung ihres Mannes immer mehr Details über das sogenannte „child migration scheme“ in Erfahrung bringt: Die britische Regierung hatte schon im frühen 17. Jahrhundert Kinder nach Virginia verschickt, um die Kolonialisierung voranzutreiben (siehe auch den Wikipedia-Artikel zu Home Children). Doch noch im 20. Jahrhundert erfreute sich die Idee, missliebige Kinder aus Kinderheimen, die dem Steuerzahler ja ohnehin nur auf der Tasche lagen, in Gebiete des ehemaligen Empire zu schicken, großer Beliebtheit.

Between 1900 and the Depression of the 1930s, children were primarily sent to Canada, but after the Second World War the charities and agencies began to concentrate on Australia and, to a much lesser extent, Rhodesia and New Zealand. (S. 79)

Margaret kann das Interesse des Observer gewinnen und hat so die Möglichkeit, die Journalistin Annabel Ferriman auf der ersten Recherchereise nach Australien zu begleiten. Da wissen sie bereits, dass vor und nach dem Zweiten Weltkrieg ganze Schiffsladungen mit Kindern aus England nach Australien gebracht wurden. Beteiligt waren u. a. folgende Organisationen: die Heilsarmee, National Children’s Home, Children’s Society, die Church of England, die Presbyterian Church, die Church of Scotland, die Fairbridge Society, Dr Barnardo’s und der ebenfalls katholische Orden der sogenannten Christian Brothers.

Die Kinder kamen dann in (vorwiegend katholische) Kinderheime in Australien und mussten dort z. T. Sklavenarbeit verrichten. Viele begingen Diebstähle, weil sie nicht genug zu essen bekamen. In den überwiegend von Männern geführten Institutionen gab es keine Liebe, keine Fürsorge. Bettnässer wurden bestraft und gedemütigt, die Bettdecken waren zu dünn, die Matratzen schmutzig. Vor allem bei den Christian Brothers gab es zahlreiche Fälle von grauenhafter sexueller Gewalt. Doch auch in den von Nonnen geführten Mädchenheimen haben sich einzelne Sadistinnen oder völlig von ihrer Aufgabe überforderte Frauen ausgetobt.

Einige der Zöglinge waren anschließend für ihr Leben gezeichnet und nie wieder in der Lage, irgendjemandem zu vertrauen. Es gab zwar Angebote aus der australischen Bevölkerung, Kinder zu adoptieren, doch das wurde von der katholischen Kirche normalerweise verweigert. Die Kinder mussten in den Institutionen bleiben, denn sie waren nicht nur billige Arbeitskräfte, sondern auch eine gute Einnahmequelle, da sich die britische und die australische Regierung die Kosten pro Kind bis zum 14. Lebensjahr teilten.

Humphreys zeigt, dass es eine in vielen Fällen geradezu aberwitzige Verdrehung der Tatsachen ist, wenn behauptet wurde, dass den Waisenkindern in Australien tolle Möglichkeiten geboten wurden, die sie in Großbritannien nie gehabt hätten.

Es kommt aber noch schlimmer: Selbst die Kinder, die in ihrer neuen Heimat erträgliche Bedingungen vorfanden, sind um einen wesentlichen Teil ihrer Identität betrogen worden. Humphreys findet heraus, dass es sich bei den angeblichen Waisenkindern gar nicht um Waisenkinder gehandelt hat. Nahezu alle haben oder hatten in Großbritannien Mütter, Geschwister oder Verwandte, die sie nun – Jahrzehnte später – mit der von Humphreys gegründeten Stiftung „Child Migrants Trust“ versuchen, ausfindig zu machen. Doch Kinder, denen man erzählt hatte, dass sie Vollwaisen seien, waren natürlich leichter beeinflussbar und eher bereit, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen, ohne unbequeme Fragen zu stellen.

Den Müttern, die, oft aus einer Notlage heraus, ihre Kinder ins Heim gegeben hatten, hat man, wenn sie ihre Kinder wieder zu sich nehmen wollten, erzählt, dass ihre Kinder tot seien. Eine andere Variante lautete, sie würden inzwischen bei liebevollen englischen Adoptiveltern aufwachsen oder sie seien halt inzwischen in Australien. Dies sogar dann, wenn Mütter ausdrücklich eine Adoption verweigert hatten, weil sie immer vorhatten, ihr Kind irgendwann zurückzuholen.

Humphreys geht dabei auch der Frage nach, wie es politisch und juristisch überhaupt möglich war, Kinder einfach in ein anderes Land abzuschieben. Großbritannien hat lange jegliche Verantwortung für diese Zwangsverschickung abgestritten, obwohl die Dokumente in den Archiven eine andere Sprache sprechen. Die historischen Quellen belegen außerdem, dass Australien ein enormes Interesse an britischen Kindern hatte, weil die der „richtigen“ Rasse angehörten, noch formbar waren, finanziell günstiger waren als erwachsene Einwanderer und als Verstärkung gegen eine befürchtete asiatische Invasion die Bevölkerungsdichte nach oben treiben sollten. 1945 beispielsweise rief der australische Premierminister eine entsprechende Konferenz ein, um für die massenhafte Einwanderung von Kindern zu werben. Er dachte an mindestens 50.000 Kinder.

Das weitere Schicksal der Kinder hing dann auch davon ab, in welches Land sie verschickt wurden. Diejenigen, die nach Neuseeland kamen, wurden zwar überwiegend in Pflegefamilien gebracht, doch denen ging es vorrangig um billige Arbeitskräfte auf den Farmen. Die Kinder, die nach Simbabwe – damals Rhodesien – verschickt wurden, haben ihre Kindheit meist in guter Erinnerung. Ihre Auswanderung war oft die Entscheidung der gesamten Familie, die – zu Recht – vermutete, dass dem Kind als Mitglied der weißen „Herrenrasse“ in Afrika Möglichkeiten offen stehen würden, die in Großbritannien völlig illusorisch gewesen wären. Einige der ehemaligen child migrants sehen das selbst heute noch völlig unkritisch und bedauern höchstens, dass der Einfluss der Weißen schwindet. Humphreys befragt z. B. einen wohlhabenden weißen Anwalt, der als Kind nach Simbabwe gekommen war, nach den Lebensbedingungen seines Kochs:

  • ‚He lives at the end of the garden.‘
  • ‚And is he married?‘
  • ‚Oh yes – and he’s got children.‘
  • ‚Does his wife live here?‘
  • ‚No, we let him go and see her once a year.‘ (S. 153)

Humphreys schildet aber nicht nur die Einzelheiten des lange totgeschwiegenen child migration scheme, sondern zeigt auch die politischen und kirchlichen Reaktionen auf die Enthüllungen.

Die offiziellen Reaktionen der katholischen Kirche waren alles andere als christlich: Die Kirche versuchte lange, sich als Opfer einer medialen Hetzkampagne zu inszenieren und selbst Jahrzehnte später nur eine Pseudo-Aufarbeitung durch eigene Ordensleute zuzulassen. Dr Barry Coldrey, selbst ein Angehöriger der Christian Brothers und von der katholischen Kirche beauftragt, den Anschuldigungen nachzugehen, entblödete sich nicht, noch in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts den Kindern die Schuld an den sexuellen Abartigkeiten ihrer Priester zu geben.

Brother Gerald Faulkner verteidigte die in den fünfziger Jahren gängige Praxis, pädophile Priester einfach in ein anderes Jungenheim zu versetzen, da man es halt nicht besser gewusst habe.

People assumed that a new start in life at a new place would bring about a different sort of life. (S. 325)

Die ersten Forschungsarbeiten zu dem Thema gingen davon aus, dass ca. 20 % der Jungen in den Heimen der Christian Brothers missbraucht oder vergewaltigt wurden.

Auch die anderen Organisationen waren zunächst weder zu einer Aufarbeitung dieses Kapitels noch zu einer (finanziellen) Unterstützung des Child Migrants Trust bereit. Manche weigerten sich, Akteneinsicht zu gewähren.

Als der öffentliche Druck zu groß wurde, schickte z. B. die Fairbridge Society brisante Unterlagen den Betroffenen einfach per Post, die dann sehen konnten, wie sie damit zurechtkamen, auf einmal den Namen ihrer Mutter, ein anderes Geburtsdatum und vielleicht einen anderen Taufnamen schwarz auf weiß vor sich zu haben, obwohl sie bis dahin geglaubt hatten, Vollwaisen zu sein.

Als Leser ist man beschämt, wenn man von den Schwierigkeiten liest, genügend Geld für die Arbeit des Child Migrants Trust zusammenzubetteln, und man fragt sich, wer wohl hinter den Morddrohungen und dem nächtlichen Überfall in Australien gegen Margaret gesteckt hat, nach dem sie jahrelang Schlafprobleme hatte.

Fazit

Ein spannendes, informatives Buch mit vielen Zitaten aus historischen Dokumenten, Briefen und Gesprächen, das es einem nicht einfach macht, denn es zeigt, dass das „Böse“ oft ein kaum noch zu entwirrendes Gemisch aus Rassismus, Zeitgeist, guten Absichten, Bürokratie, Fanatismus, Heuchelei, fehlender Kontrolle, Selbstgerechtigkeit und banaler Ignoranz ist.

Als Humphreys sich irgendwann fragt, wie sie bloß in all das hineingeraten ist, lächelt ihr Mann sie an und meint:

It’s that well-known mixture of the right person, in the right place, at the right time, with a smashing family. (S. 329)

Sie hat persönliche Opfer für diese Arbeit gebracht, ihren Mann und ihre zwei Kinder oft über Wochen, manchmal Monate, allein gelassen und selbst gesundheitliche Beeinträchtigungen in Kauf genommen, nur um ihrem Ziel näher zu kommen: so viele child migrants wie möglich noch mit ihren Müttern in Großbritannien zusammenzubringen, bevor der Tod das unmöglich macht.

Sie erzählt ihre Geschichte mit sanftem Humor, Wehmut und einer nicht versiegenden Menschlichkeit.

No matter how many stories of abuse I hear, I am always shocked. You can’t be prepared. I’m not shocked by the knowledge that brothers or priests or others are capable of such brutality. It’s the total devastation of the victim that stuns me; the fact that he has held on to his pain for all these years. It humbles me. […] It’s no good sitting there saying I don’t want it. You take their baggage because you know it’s too heavy for one person to carry through a lifetime. (S. 298)

Die letzten Kinder wurden übrigens 1967 verschickt.

Sowohl die australische als auch die britische Regierung haben sich inzwischen offiziell bei den ehemaligen child migrants entschuldigt und Humphreys ist vielfach für ihr Engagement ausgezeichnet worden.

Anmerkungen

Das Buch zeigt, wie hilfreich die Medien sein können. Ohne die Arbeit engagierter Journalisten und Filmemacher wäre die Arbeit von Humphreys und ihren Mitstreitern wahrscheinlich im Sande verlaufen. Nur mit der Hilfe von Zeitungsartikeln, Radiointerviews und Dokumentationen konnte die nötige Breitenwirkung erreicht werden, die notwendig war, um politischen Druck auszuüben, Beratungsstellen in Großbritannien und Australien aufzubauen, die Frage nach finanzieller Entschädigung anzustoßen und die Suche nach vermissten Familienangehörigen zu finanzieren.

Folgende Dokumentationen und Filme haben besonders dazu beigetragen, dass das Thema öffentlich wahrgenommen und diskutiert wurde. Die Filme sorgten außerdem dafür, dass sich Tausende ehemaliger child migrants an die jeweils geschalteten Hotlines wendeten, ihre Geschichten erzählten und sich ebenfalls auf die Suche nach ihren Müttern begaben, von denen sie Jahrzehnte lang geglaubt hatten, dass sie tot seien.

Auf die Ähnlichkeiten mit dem Schicksal der australischen „Stolen Generation“ kann hier nur hingewiesen werden.

Übrigens ist auch Frankreich in der Vergangenheit ähnlich vorgegangen und hat von 1963 bis 1982 über 1600 Waisenkinder aus Réunion nach Frankreich gebracht, um der zahlenmäßig schwächelnden Landbevölkerung aufzuhelfen. Siehe dazu den Artikel im Guardian vom Februar 2014.

Trauriger Nachtrag: Noch immer werden unzählige Aborigenes-Kinder zwangsweise von ihren Familien getrennt. Siehe den Artikel im Guardian vom März 2014.

Margaret Powell: Below Stairs (1968)

I was born in 1907 in Hove, the second child of a family of seven. My earliest recollection is that other children seemed to be better off than we were. But our parents cared so much for us. One particular thing that I always remember was that every Sunday morning my father used to bring us a comic and a bag of sweets. […] Sometimes now when I look back at it, I wonder how he managed to do it when he was out of work and there was no money at all coming in.

So beginnt der autobiografische Rückblick der britischen Schriftstellerin auf ihre Jugend und die anschließende Zeit als „kitchen maid“ in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts:

Margaret Powell: Below Stairs (1968)

In den ersten leider völlig uninspiriert heruntergeschriebenen Kapiteln schildert Powell die Armut und die ständigen Geldsorgen ihrer Familie. Der Vater war als Anstreicher oft arbeitslos, die Mutter arbeitete den ganzen Tag als Putzfrau. Staatliche Unterstützung gab es nicht und dennoch war es der Mutter zuwider, Almosen ihrer Arbeitgeber anzunehmen. Besonders schwierig war die finanzielle Lage während des Ersten Weltkrieges, als Margarets Mutter sämtliche Regale und Teile der Treppe verfeuerte, um wenigstens ein bisschen Wärme zu haben.

Margaret und ihre Geschwister müssen schon früh Aufgaben übernehmen, sind ständig hungrig und doch auch findig, wenn es beispielsweise darum geht, das Geld für eine Stummfilmvorführung aufzutreiben. Sie schildert nicht nur die Spiele der Kinder, den nachhaltigen Eindruck, den ein Zirkusbesuch auf sie machte, sondern auch die Beengtheit der Arbeiterwohnungen, in denen die Eltern immer dann miteinander schliefen, wenn die Kinder in der Sonntagsschule waren.

Als Margaret 13 Jahre alt ist, gewinnt sie ein Stipendium fürs Gymnasium; ihr Traum ist, später Lehrerin zu werden. Doch ihr ist völlig klar, dass sie trotzdem die Schule verlassen muss, um ihren Eltern nicht länger finanziell zur Last zu fallen. Zwei Jahre arbeitet sie in einer Wäscherei, bevor sie dann mit 15 ihre erste Stelle als „kitchen maid“ antritt.

Ab diesem Moment liegt die geschichtliche Bedeutsamkeit dieser Memoiren auf der Hand. Die Arbeitsbedingungen, unter denen Margaret nun viele Jahren arbeiten muss, sind atemberaubend grässlich. Und wer schon einmal eines der prächtigen Herrenhäuser in Großbritannien besichtigt und sich gewundert hat, wieso man bei derlei Besichtigungen so wenig über das Heer der Hausangestellten erfährt, weiß spätestens nach diesem Buch den Grund dafür. Sie waren für die meisten Herrschaften buchstäblich unsichtbar, einfach extrem billige Arbeitskräfte, denen man jegliche „gehobenen“ Bedürfnisse nach Bildung, Büchern oder schlicht einem nett eingerichteten Zimmer absprach.

Als „kitchen maid“ ist Margaret in der Hierarchie der Hausangestellten auf der untersten Stufe angesiedelt. Sie wird den anderen nicht einmal vorgestellt:

… don’t think I was introduced to them. No one bothers to introduce a kitchen maid. You’re just looked at as if you’re something the cat brought in. (S. 46 der Taschenbuchausgabe)

Moderne Hilfsmittel wie effektive Reinigungsmittel, Staubsauger, Handschuhe etc. gibt es nicht, die Arbeitszeiten sind katastrophal. Während des Frühjahrsputzes arbeitet sie von morgens kurz nach fünf Uhr bis abends um acht. Die Haushalte der gehobenen Schicht oder des Adels waren groß, täglich mussten Treppenstufen, Türen, Schränke, Geschirr und eine Unzahl an Töpfen gereinigt werden, oft waren ihre Hände aufgesprungen oder blutig. Freie Tage waren selten und man hatte kaum Gelegenheit, andere junge Menschen oder gar Männer kennenzulernen. Selbst wenn die Arbeit erledigt war, durfte man abends nicht mehr das Haus verlassen.

Die Ausbeutung, denen die Hausangestellten ausgesetzt waren, erinnert teilweise an Leibeigenschaft. Im Winter friert das Waschwasser in Margarets spartanisch eingerichtetem Zimmer ein, das sie sich mit einer weiteren Hausangestellten teilen muss. An ihrer ersten Stelle muss sie beispielsweise die Schnürsenkel in sämtlichen Schuhen bügeln, während der Enkelin des Hauses, die nur zwei Jahre jünger ist als Margaret, sogar die Zahncreme auf die Zahnbürste aufgetragen wird. Gleichzeitig wird den Dienstboten immer wieder suggeriert, dass sie auf einer völlig anderen Stufe stehen und dies auch fraglos, ja dankbar hinzunehmen hätten.

Eines Morgens will sie gerade die Zeitungen auf den Tisch in der Eingangshalle legen, als ihre Arbeitgeberin die Treppe hinunterkommt.

I went to hand her the papers. She looked at me as if I were something subhuman. She didn’t speak a word, she just stood there looking at me as though she could hardly believe that someone like me could be walking and breathing. […] I couldn’t think what was wrong. Then at last she spoke. She said, ‚Langley, never, never on any occasion ever hand anything to me in your bare hands, always use a silver salver. Surely you know better than that. Your mother was in service, didn’t she teach you anything?‘ (S. 74)

Die Demütigungen, die harte und schmutzige Arbeit, die Heuchelei ihrer Arbeitgeber und die Kränkung, ihre Schullaufbahn nicht fortsetzen zu können, führen zu Aggressionen und Minderwertigkeitsgefühlen, die ihr noch Jahrzehnte später, als sie gar nicht mehr als Hausangestellte arbeitet, schwer zu schaffen machen.

Diese Verbitterung spiegelt sich auch in ihren Erinnerungen. Es kostet sie sichtlich Mühe, allen Beteiligten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Oft findet sich ein Schwarzweiß-Denken, ‚die da oben‘ sind automatisch die Feinde. Ihr Schreibstil ist weder subtil noch an psychologischen Nuancen interessiert, aber vielleicht erklärt gerade das die Wucht ihrer Schilderungen.

We always called them ‚Them‘. ‚Them‘ was the enemy. ‚Them‘ overworked us, and ‚Them‘ underpaid us, and to ‚Them‘ servants were a race apart, a necessary evil. (S. 94)

Wer allerdings könnte ihr ihren Zorn über die Heuchelei verdenken, den sie doch hinunterschlucken muss, wenn sie immer wieder beobachtet, wie ihre Arbeitgeber so besorgt um das Seelenheil und die moralische Integrität ihrer Bediensteten sind, sich aber einen feuchten Kehricht darum scheren, ob die Arbeits- und Schlafbedingungen eigentlich zumutbar oder gar dem Wohlbefinden förderlich sind.

Auch vor Nachstellungen und sexuellen Belästigungen sind die Hausangestellten nie hundertprozentig sicher. Die vornehmen Damen hingegen engagieren sich mit Begeisterung in diversen Wohltätigkeitsvereinen, z. B. für „fallen women“, doch sobald ein eigenes Zimmermädchen schwanger wird, wird ihm sofort gekündigt. Die Doppelmoral der herrschenden Schicht zeigt sich auch in den ‚love nests‘, die viele der vornehmen Herren irgendwo für ihre Geliebte eingerichtet haben.

Irgendwann erreicht sie ihr Ziel: Durch die Heirat kann sie dem ungeliebten Beruf enfliehen. Sie und ihr Mann Albert bekommen drei Söhne, für deren Schulbildung sie alles tut. Diesem Lebensabschnitt widmet sie gegen Ende des Buches nur wenige Seiten. Nach dem Zeiten Weltkrieg fängt Margaret an, Kurse zu besuchen und dem lange unterdrückten Wunsch nach Bildung Raum zu geben. Mit 58 besteht sie ihre ‚O-levels‘ und 1969 legt sie in Englisch ihre ‚A-levels‘ ab, was dem Buch dann noch eine versöhnlichere Note verleiht.

Und nach dem Erfolg ihres Buches geht es dann noch einmal richtig los:

… older people were clearly disturbed by the book’s anger. In the follow-up volume, published the next year, Powell explains how her memoir had prompted a storm of hurt letters from readers who had grown up in well-heeled households. They wrote to tell Powell that they knew for a fact that their parents had always tried hard to treat their servants as human beings. Some even went into detail about the bedrooms in which their maids had slept, anxious to prove how much effort had gone in to providing a comfortable home from home for the working-class girls in their care. Powell, though, was having none of it: while acknowledging that individual employers could be kind, the fundamental point remained that ’servants were not real people with minds and feelings. They were possessions.‘ (Kathryn Hughes, The Guardian, 19. August 2011)

Sie schrieb einige Romane und weitere Bücher über ihre Erfahrungen als „domestic worker“, z. B. Climbing the Stairs (1970).  Powell wurde ein gern gesehener Gast im Fernsehen. Bei ihrem Tod 1984 hinterließ sie ein Vermögen von 77.000 Pfund und ihre Bücher haben Serienklassiker wie „Das Haus am Eaton Place“ (auf Englisch „Upstairs, Downstairs“) inspiriert.

Also eine überaus interessante Lektüre, weil sie einen Einblick in eine Welt bietet, die spätestens im Zweiten Weltkrieg weitgehend untergegangen ist. Außerdem veranschaulicht das Buch sehr deutlich das Fazit, das Powell in der Einleitung zu ihrem zweiten Buch gezogen hat: Diese grenzenlose Ausbeutung war genau so lange möglich, wie den Heerscharen schlecht ausgebildeter Mädchen andere Verdienstmöglichkeiten gar nicht offen standen.

Hier geht’s lang zu einem (architektonischen) Blick auf die Arbeitsbedingungen der britischen Hausangestellten im 19. Jahrhundert.

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Ian Mortimer: Im Mittelalter – Handbuch für Zeitreisende (OA 2008)

Welche Bilder kommen Ihnen bei dem Wort ‚Mittelalter‘ in den Sinn? Ritter und Burgen? Mönche und Klöster? Endlose Wälder, in denen Vogelfreie leben, die sich über die Gesetze der Mächtigen hinwegsetzen? All das sind gängige Vorstellungen, die aber wenig über das Leben der großen Masse der Menschen verraten. Stellen Sie sich vor, Sie könnten in der Zeit reisen: Was würden Sie finden, wenn Sie ins 14. Jahrhundert zurückgingen? Sie stehen an einem Sommermorgen auf einer staubigen Londoner Straße. Ein Diener öffnet einen Fensterladen im Obergeschoss und beginnt, eine Decke auszuklopfen. Ein Hund, der die Packpferde eines Reisenden bewacht, verfällt in lautes Gebell. […] Die Balken der Häuser ragen in die Straße hinein. Gemalte Schilder über den Türen zeigen, was es in den Läden zu kaufen gibt. Plötzlich greift ein Dieb bei den Marktständen nach der Börse eines Kaufmanns, und der rennt laut rufend hinter ihm her. Alle drehen sich nach den beiden um. Und Sie, mitten in diesem Tohuwabohu, wo werden Sie heute Nacht unterkommen? Wie sieht Ihre Kleidung aus? Was werden Sie essen?

So beginnt eine Zeitreise ins 14. Jahrhundert mit dem wunderbaren Reiseführer des Historikers

Ian Mortimer: Im Mittelalter – Handbuch für Zeitreisende (2014)

Die englische Originalausgabe erschien 2008 unter dem Titel The Time Traveller’s Guide to Medieval England und wurde von Karin Schuler ins Deutsche übersetzt.

Inhalt

Werfen wir doch einfach einen Blick ins Inhaltsverzeichnis:

  1. Die Landschaft – von Feldern, Wäldern und Städten
  2. Die Menschen – von Kämpfern, Betern, Arbeitern und Frauen
  3. Das Wesen des mittelalterlichen Menschen
  4. Grundlegende Aspekte des Alltagslebens
  5. Wie man sich kleidet
  6. Wie Sie durch das Königreich reisen
  7. Wo Sie Unterkunft finden
  8. Was Sie essen und trinken
  9. Von Gesundheit und Hygiene
  10. Wie sich Recht und Gesetz gestalten
  11. Was sich zum Zeitvertreib unternehmen lässt

Wir lernen die zehn Orte kennen, die man in London des 14. Jahrhunderts gesehen haben muss, und werden aufgefordert, die wunderbaren Wandmalereien in der Kirche der Westminster Abbey zu beachten, „die sich leider nicht bis ins 21. Jahrhundert erhalten haben.“ (S. 41)

Als zehnte Sehenswürdigkeit ganz eigener Art werden die Badehäuser der Southwark Stews genannt.

Prostituierte werden in London nur in einer Straße, der Cock Lane, geduldet. Deshalb begeben sich Londoner wie Besucher in das ‚Rotlichtviertel‘ von Southwark auf der anderen Flussseite. Hier können Männer essen und trinken, ein heißes, parfümiertes Bad nehmen und ihre Zeit in weiblicher Gesellschaft verbringen. Im Jahr 1374 gibt es dort 18 einschlägige Etablissements, die alle von flämischen Frauen geführt werden. Anders, als man erwarten könnte, ist ein Besuch dort nicht mit einem Makel behaftet; es gibt nur wenige sexuell übertragbare Krankheiten, und die Ehegelübde verlangen nur die Treue der Ehefrau; der Mann kann tun, was er möchte. Natürlich wettern manche Geistliche gegen diese Unmoral, aber nur wenige nehmen Southwark direkt aufs Korn. Die meisten Badehäuser verpachtet der Bischof von Winchester. (S. 42)

Wir erfahren vom Klimawandel, der dafür sorgt, dass um 1400 alle Weingärten in England verschwunden sind, und lesen von Hungersnöten, während denen die Tiere auf ihren überfluteten Weiden ertrinken.

Zwischen den Jahren 1300 und 1400 verliert England ca. die Hälfte seiner Bevölkerung, die Pest sorgt in mehreren Wellen dafür, dass gegen 1400 nur noch ca. zweieinhalb Millionen Menschen leben. Eine für die Gesellschaft und die Menschen selbst traumatische Erfahrung, die natürlich auch Auswirkungen auf die Landwirtschaft hat.

Wenn aufgrund der geringen Lebenserwartung und hohen Sterblichkeitsrate ca. 35 bis 40 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre alt sind, hat das wiederum Folgen für das Zusammenleben.

Von siebenjährigen Jungen erwartet man […], dass sie arbeiten. Von diesem Alter an können sie auch wegen Diebstahls gehängt werden. Sie können mit 14 heiraten und sind ab ihrem 15. Geburtstag verpflichtet, im Heer zu dienen. […] Verlobt werden die Jungen und Mädchen als kleine Kinder, und eine Verheiratung zwölfjähriger Mädchen gilt als zulässig, während das Zusammenleben gewöhnlich erst mit 14 beginnt. (S. 61)

Die Gesellschaft ist gewalttätiger (auch in den Strafen), rauflustiger und risikofreudiger, was sich beispielsweise bei DEM „Spektakel des 14. Jahrhunderts“ (S. 335), dem Lanzenstechen, zeigt.

Das „mittelalterliche Verständnis der Leibeigenschaft oder Hörigkeit ist nicht weit von der Sklaverei entfernt“. (S. 59) Da konnte die Herrschaft sogar bestimmen, wer wen heiratet. Weigerungen konnten mit Bußgeld und Gefängnisstrafen geahndet werden.

Auch auf das Frauenbild, das von komplett irregeleiteten Vorstellungen zur weiblichen Sexualität und von rechtlichen und intellektuellen Vorurteilen geprägt war, geht der Autor ein.

Der Leser lernt nicht nur, worin der Unterschied zwischen Herzögen (dukes), Grafen (earls) und Baronen (barons) sowie zwischen Rittern, Esquires und Gentlemen liegt, sondern auch, warum 1363 Fußballspielen schließlich im gesamten Königreich verboten wird.

Wir erfahren, warum reiche Männer Arme dafür bezahlen, später an ihrem Begräbnis teilzunehmen, und erkunden, wie mobil die Gesellschaft war – schließlich gab es noch keine Landkarten – und über wie viel Weltwissen die Menschen verfügen.

Welches sind die beliebtesten Ziele der Pilger? Und vor allem: Welche Literatur wird gelesen?

Wieso waren Nahrungsmittel – verglichen mit heute – wesentlich teurer, Arbeitskraft und Land jedoch spottbillig?

Ungelernte Arbeiter müssen damit rechnen, dass sie zu Beginn des Jahrhunderts etwa zwei Drittel ihres Lohns für Essen und Trinken ausgeben. (S. 139)

Wie ist das mit Ablasshandel, Aberglaube und der Alphabetisierungsrate? Wie viele unterschiedliche Möglichkeiten gab es, den Anfang des Jahres zu datieren, und wie maß man damals eigentlich die Zeit?

Wie und wann verschob sich die Vorherrschaft des Französischen hin zum Englischen?

Wie hat man dem Recht Geltung verschafft in einer Zeit, in der es noch keine Polizei gab?

Dies und vieles mehr erfahren wir in diesem Kompendium, in dem es dem Autor gelingt, immer wieder die Brücke zur Gegenwart zu schlagen. Einer der wichtigsten Unterschied zu heute: Damals war es von entscheidender Bedeutung, Teil einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe zu sein, der man im Notfall auch seine Sicherheit und seinen Schutz verdankte. Individualität und Selbstverwirklichung waren gar nicht erstrebenswert.

Und dann sind wir plötzlich ganz nah an unserer Zeit: Erinnern wir uns noch an Pferdefleisch in der Lasagne oder die Gammelfleischskandale?

Sie glauben einfach nicht, wie vielen Tricks und Täuschungen ein argloser Kunde [auf dem Markt] ausgesetzt ist. Fragen Sie im Rathaus von London, wen Sie wollen; jeder wird Ihnen von Kochgeschirr aus weichem, billigen Metall mit Messingüberzug erzählen, von Brotlaiben mit Steinen oder Eisentücken darin, die für das gesetzlich geforderte Gewicht sorgen. […] Die Waren wird auf den Ständen so ausgelegt, dass man die Mängel nicht sieht. Wolle wird gezogen, bevor man sie webt, und läuft dann länger (schrumpft aber furchtbar ein). Tuch wird manchmal mit menschlichem Haar gestreckt. […] Verdorbenes Fleisch wird noch verkauft, ebenso wie saurer Wein und grünschimmeliges Brot, das den Käufer auch umbringen kann. […] Selbst mit Haferflocken kann man noch betrügen. Wie das, fragen Sie? Haferflocken sind doch Haferflocken, oder? Nicht, wenn ein Sack verschimmelter Flocken mit ein paar Handvoll guter, frisch gemahlener obendrauf angeboten wird. (S. 132)

Und als jemand, der auf dem Land wohnt, musste ich doch lächeln, als ich folgenden Artikel in den Stadtverordnungen von Worcester las:

Jeder muss die Straße vor seiner Behausung sauber halten. (S. 303)

Kurz zum Konzept des Autors

Bei Mortimer handelt es sich nicht um einen Hobby-Geschichtsfan, der mal eben für ein bisschen Unterhaltung ein paar Informationen zum Mittelalter verrührt und die massentauglich aufbereitet, sondern um einen der bekanntesten Historiker in Großbritannien. Er selbst nennt sein Konzept „free history“, das bedeutet verkürzt gesagt, dass der Historiker nicht nur Informationen finden und kennen, sondern sie auch für ein Publikum relevant machen muss. Wer sich näher damit beschäftigen möchte, dem sei sein Aufsatz What Isn’t History? empfohlen. Hier gibt es ein Interview (in Englisch) mit ihm und 2012 hat der Spiegel mit Mortimer gesprochen.

Unter dem Pseudonym James Forrester schreibt Mortimer auch historische Romane, etwas, das er am liebsten allen seinen gelehrten Kollegen empfehlen würde, warum, erklärt er in seinem Aufsatz „Why historians should write fiction„.

Fazit

So kann nur jemand schreiben, der

  1. viel weiß und enorme Recherchearbeit geleistet hat,
  2. hingerissen von seinem Forschungsgebiet ist,
  3. von der Wichtigkeit seiner Erkenntnisse überzeugt ist und
  4. diese uns so anschaulich nahe bringen möchte, dass niemand mehr sagen kann, Geschichte sei langweilig und ohne Bedeutung für unsere Gegenwart.

Man denke nur an die Diskussionen, ob deutsche Lehrerinnen ein Kopftuch tragen dürfen oder nicht.

Langes, offenes Haar gilt allgemein als verführerisch und wird deshalb wie auch nackte Arme und Beine versteckt, um Unschicklichkeit zu vermeiden. Nur zügellose und liederliche Frauen wagen sich mit offenem und unfrisiertem Haar nach draußen. (S. 157)

Die Lektüre hatte ganz eigentümliche Auswirkungen auf meine Assoziationen zum Begriff Mittelalter. War das Wort vorher einfach ein Wort, mit dem ich bestimmte und weniger fest umrissene Vorstellungen und Informationen verband, begann der Begriff sich zu bewegen, über seine Ränder zu wachsen, plötzlich sah ich Menschen, das Ganze kam mir näher, als ich das für möglich gehalten habe.

Faszinierend beispielsweise die diversen Kleiderordnungen, die regeln sollten, wer welche Stoffe tragen durfte. Hübsch auch, dass im Jahr 1300 sich der linke und der rechte Schuh noch gar nicht voneinander unterschieden. Und dann die bizarre Entwicklung hin zu den Schnabelschuhen der Männer, deren Spitzen eine Länge von bis zu 50 cm erreichen konnten. Treppensteigen wurde damit praktisch unmöglich.

Hin und wieder wurde die Grundidee, die Geschichte in Anlehnung an einen Reiseführer zu schreiben, zwar ein bisschen überstrapaziert. Auch was wie viel kostete, habe ich irgendwann einfach überflogen. Dafür entschädigen dann die dezent ironischen Stellen.

In der mittelalterlichen Vorstellung besteht die Gesellschaft aus drei Teilen oder ‚Ständen‘, die von Gott geschaffen sind: den ‚Kämpfern‘, den ‚Betern‘ und den ‚Arbeitern‘. Die Adligen sind die Kämpfer. Sie beschützen die Beter und die Arbeiter. Die Geistlichen übernehmen das Beten und setzen sich für die Seelen der Kämpfer und Arbeiter ein. Die Arbeiter ernähren den Adel und den Klerus durch Dienste, Pacht und Zehnten. So trägt jede Gruppe zum Wohlergehen der Gesellschaft als Ganzem bei. Dieses klare Konzept spricht besonders jene an, die das Kämpfen und das Beten übernehmen. (S. 62)

Einziger Kritikpunkt: Der Autor hätte für meinen Geschmack das Ganze durchaus noch stärker mit größeren Bezügen verknüpfen können. Zum Bauernaufstand und dem Hundertjährigen Krieg habe ich dann doch Wikipedia zu Rate ziehen müssen.

Nichtsdestotrotz bin ich hin und weg und ein Dankeschön an den Blog Mein Lesesessel, dem ich den Hinweis auf dieses Buch verdanke.

Anmerkungen

Nachdem er einen solchen Erfolg mit seiner Zeitreise ins Mittelalter hatte, hat Mortimer nachgelegt. Inzwischen kann man mit ihm auch ins Elizabethanische Zeitalter reisen.

Die Homepage des Autors ist gespickt mit interessanten und durchaus zu Widerspruch reizenden Aufsätzen, Texten und Interviews, nicht nur zur Geschichte. Schon gleich der Aufsatz, in dem er erläutert, warum er grundsätzlich nicht fliegt, hatte mich am Haken.

Hier geht’s lang zu Besprechungen im britischen Guardian:

Bei Sue Arnold heißt es: „After The Canterbury Tales this has to be the most entertaining book ever written about the middle ages.“

Kathryn Hughes schreibt:

In The Time Traveller’s Guide to Medieval England he sets out to re-enchant the 14th century, taking us by the hand through a landscape furnished with jousting knights, revolting peasants and beautiful ladies in wimples. It is Monty Python and the Holy Grail with footnotes and, my goodness, it is fun. Mortimer’s argument, spelled out in a thoughtful epilogue, is that these pleasures become possible not by laying critical sense to one side, but by embracing an altogether different approach. Statistics are all very well, but unless they come clothed in flesh it is hard to know them in your bones. […]. The result of this careful blend of scholarship and fancy is a jaunty journey through the 14th century, one that wriggles with the stuff of everyday life.

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