Bill Bryson: Shakespeare (2007)

Before he came into a lot of money in 1839, Richard Plantagenet Temple Nugent Brydges Chandos Grenville, second Duke of Buckingham and Chandos, led a largely uneventful life. He sired an illegitimate child in Italy, spoke occasionally in the House of Commons against the repeal of the Corn Laws, and developed an early interest in plumbing (his house at Stowe […] had nine of the first flush toilets in England), but otherwise was distinguished by nothing more than his glorious prospects and many names. But after inheriting his titles and one of England’s great estates, he astonished his associates, and no doubt himself, by managing to lose every penny of his inheritance in just nine years through a series of spectacularly unsound investments.

Mit diesen Sätzen beginnt die fröhliche Suche des Erfolgsautors Bill Bryson nach dem, was wir nachweislich über Shakespeare wissen oder eben auch nicht. Die deutsche Übersetzung Shakespeare – wie ich ihn sehe stammt von Sigrid Ruschmeier.

Bekanntermaßen ist fürchterlich wenig Biografisches über Shakespeare bekannt, und Margret Fetzer  fragt in ihrer Besprechung in der Frankfurter Allgemeinen denn auch etwas bissig, „warum ausgerechnet Bill Bryson, alles andere als ein Literaturexperte, sich jetzt in die Legendenschreiberei einreiht.“

Nun, die Antwort ist klar: Weil er’s kann und ihn das Thema interessiert. Oder in Brysons Worten:

To answer the obvious question, this book was written not so much because the world needs another book on Shakespeare as because this series does [gemeint ist die Serie Eminent Lives]. The idea is a simple one: to see how much of Shakespeare we can know, really know, from the record. (S. 21)

Unter anderem geht Bryson auf folgende Fragen ein:

  • Wissen wir wirklich, wie Shakespeare ausgesehen hat? Und was weiß man über seine Erziehung und seinen Bildungsgrad?
  • Welche gesicherten Informationen gibt es zu seiner Familie und seiner Ehe? Weshalb hat er in seinem Testament seiner Frau das zweitbeste Bett vermacht?
  • Mit was haben sich die Forscher schon alles in Bezug auf Shakespeare beschäftigt? (Zum Beispiel mit der Frage, wie viele Kommas und Fragezeichen seine Texte enthalten.)

Shakespeare, it seems, is not so much a historical figure as an academic obsession. A glance through the indexes of the many scholarly journals devoted to him and his age reveal  such dogged investigations as ‚Linguistic and Informational Entropy in Othello‘, ‚Ear Disease and Murder in Hamlet‘, ‚Poisson Distributions in Shakespeare’s Sonnets‘, ‚Shakespeare and the Quebec Nation‘, ‚Was Hamlet a Man or a Woman?‘ and others of similarly inventive cast. (S. 20)

  • Wie waren die gesellschaftlichen und religiösen Rahmenbedingungen unter Elizabeth I und später unter ihrem Nachfolger James I? (Man denke nur an den Sieg über die spanische Armada oder den Gunpowder-Plot.)

It was also an age that gave rise to the Puritans, a people so averse to sensual pleasure that they would rather live in a distant wilderness in the New World than embrace tolerance. Puritans detested the theatre and tended to blame every natural calamity, including a rare but startling earthquake in 1580, on the playhouses. (S. 71)

  • Wie sahen die Lebensbedingungen damals aus? Wie sah London aus?
  • Wie war die Gesellschaft strukturiert und wie war das Zusammenleben geregelt?
  • Wie sahen die Theater der damaligen Zeit aus?
  • Wie war die Aufführungspraxis in den Theatern?
  • Weshalb hatten die meisten Theatertruppen einen adligen Gönner?
  • Wem verdanken wir, dass wir heute überhaupt so viele von Shakespeares Stücken kennen?
  • Welchen Beitrag hat Shakespeare zur Entwicklung des Theaters und der englischen Sprache geleistet?
  • Worüber rätselt man bei den Sonetten bis heute?
  • Welche „Verbesserungen“ nahmen spätere Schriftsteller und Theaterdirektoren an seinen Werken vor?
  • Wie hat sich sein Ruhm im Laufe der Jahrhunderte entwickelt?
  • Was hat es mit der Folger Shakespeare Library in Washington, DC, auf sich?
  • Und warum können sich Touristen und Literaturfans glücklich schätzen, dass Shakespeares Geburtshaus heute nicht in Amerika steht?

Fazit

Wenn man bedenkt, dass allein über die Frage, ob wirklich Shakespeare die Stücke geschrieben hat, die ihm zugeschrieben werden, mehr als 5000 Bücher geschrieben wurden und dass pro Jahr ca. 4000 neue Texte über Shakespeare veröffentlicht werden, dann ist offensichtlich, dass ein einzelner die komplette Forschungslage zu Shakespeare ohnehin nicht mehr überblicken kann.

Muss Bryson aber auch nicht, denn er ist ein kluger Kopf, kann lesen, recherchieren und seine Reputation (man lese nur mal in der englischsprachigen Wikipedia, welche universitären Ehren er bisher eingeheimst hat) erlaubt ihm, diverse Koryphäen zu interviewen und Einblick in Archive zu erhalten, die normalen Lesern wohl auf immer verschlossen bleiben.

Dass dabei auf 195 Seiten nicht unendlich in die Tiefe gegangen werden kann, dürfte sich von selbst verstehen, und natürlich wird der Leser an der ein oder anderen Stelle das Bedürfnis haben, etwas nachzuschlagen und zu vertiefen.

Das Buch ist eine Einführung – nicht mehr und nicht weniger – und in seinen persönlichen Wertungen völlig unakademisch. Mit Brysons Blick für die interessante und manchmal einfach skurrile Anekdote, seinem Humor und seiner Informationsfülle ist es aber genau deshalb wunderbar lesbar.

Mir persönlich hat das neunte Kapitel am besten gefallen. Dort geht Bryson kopfschüttelnd und bestimmt leise kichernd der Frage nach, wo die Theorien, dass auf keinem Fall Shakespeare seine Stücke geschrieben haben könne, herkommen und was von ihnen zu halten ist.

Even ‚Scientific American‘ entered the fray with an article proposing that the person portrayed in the famous Martin Droeshout engraving might actually be – I weep to say it – Elizabeth I. […]

Shakespeare ’never owned a book‘, a writer for the ‚New York Times‘ gravely informed readers in one doubting article in 2002. The statement cannot actually be refuted, for we know nothing about his incidental possessions. But the writer might just as well have suggested that Shakespeare never owned a pair of shoes or pants.  (S. 180)

Besonders interessant dabei die Rolle von Delia Bacon, die nachweisen wollte, dass u. a. Francis Bacon der wahre Urheber der Stücke sei. Eine Theorie, die auch heute noch ihre Anhänger hat.

Bacon’s research methods were singular to say the least. She spent ten months in St Albans, Francis Bacon’s home town, but claimed not to have spoken to anyone during the whole of that time. She sought no information from museums or archives, and politely declined Carlyle’s offers of introduction to the leading scholars. Instead she sought out locations where Bacon had spent time and silently ‚absorbed atmospheres‘, refining her theories by a kind of intellectual osmosis. (S. 183)

One obvious objection to any Baconian theory is that Bacon had a very full life already, without taking on responsibility for the Shakespearean canon as well, never mind the works of Montaigne, Spenser and the others. (S. 186)

A third – and for a brief time comparatively popular – candidate for Shakespearean authorship was Christopher Marlowe. He was the right age […] had the requisite talent and would certainly have had ample leisure after 1593, assuming he wasn’t too dead to work. (S. 189)

Rezensionen

Irritiert hat mich hingegen die Kritik in der FAZ: Fast enttäuscht konstatiert Fetzer: Der „Vorwurf mangelnder historischer Informiertheit [ist] einer der wenigen, den man Bryson nicht machen kann.“, dafür missfällt ihr etwas anderes: Sie bezieht sich auf den Untertitel der deutschen Ausgabe „Shakespeare – Wie ich ihn sehe“ und moniert dann

dass man hier vergeblich auf Anflüge von Selbsterkenntnis wartet. […]. Davon abgesehen lässt der Titel eine programmatische These erwarten, aber leider fällt Bryson so gar nichts Eigenes ein. Am Ende weiß man nicht nur immer noch nicht, wie er Shakespeare sieht, sondern auch nicht, warum er dieses Buch überhaupt geschrieben hat. Bryson ist bemüht, sich das Faszinosum Shakespeare zu erschließen – doch immer wieder ertappt man ihn dabei, wie er ungläubig und kopfschüttelnd davorsteht und nicht die leiseste Ahnung hat, warum sich alle Welt für den Sohn eines Handschuhmachers begeistert.

Ist es nicht verblüffend, dass Fetzer den Untertitel der deutschen Ausgabe Bryson zum Vorwurf macht?

Und dass Bryson nicht wüsste, warum sich alle Welt für Shakespeare begeistert, ist schlicht Unsinn. Zum einen geht es ihm in diesem Buch gar nicht um die einzelnen Werke. Zum anderen erklärt er, nachdem er beschrieben hat, wie groß vermutlich Shakespeares Wortschatz war und welche Wörter und Redewendungen die englische Sprache dem Barden aus Stratford-upon-Avon verdankt:

Anyway, and obiously, it wasn’t so much a matter of how many words he used, but what he did with them – and no one has ever done more. It is often said that what sets Shakespeare apart is his ability to illuminate the workings of the soul and so on, and he does that superbly, goodness knows, but what really characterizes his work […] is a positive and palpable appreciation of the transfixing power of language. (S. 109)

We thrill at these plays now. But what must it have been like when they were brand new, when all their references were timely and sharply apt, and all the words never before heard? Imagine what it must have been like to watch Macbeth without knowing the outcome, to be part of a hushed audience hearing Hamlet’s soliloquy for the first time, to witness Shakespeare speaking his own lines. There cannot have been, anywhere in history, many more favoured places than this [gemeint ist das Globe Theatre]. (S. 125)

Anmerkungen

Abgesehen von der Besprechung in der FAZ hüllt sich das deutsche Feuilleton in vornehmes Schweigen. Im englischsprachigen Raum liest man derlei Flott-Intelligentes einfach lieber.

If a trio of witches were cooking up this book in a cauldron, there’d be a pinch of P.G. Wodehouse, a soupçon of Sir Osbert Lancaster and a cup of Sir Arthur Conan Doyle. One can be firm of purpose and blithe at the same time, it turns out; one can write a seriously entertaining book. Shakespeare: The World as Stage is aimed at general readers, not Shakespeare scholars, though the latter do make appearances now and then, not always is a flattering light, but always entertainingly. […]

Mr. Bryson goes off at times on amusing tangents […] and is otherwise completely charming and conversational, like a good host. The pleasure of his company cannot, to borrow a phase from him, “be emphasized too strenuously.” (Nancy Dalva, The New York Observer)

Hier geht es lang zu einer Besprechung von Tom Payne im Telegraph.

Fundstück von Bill Bryson zu Shakespeare

Über die Pest-Epidemie im Jahr 1564

The outbreak of 1564 was a vicious one. At least two hundred people died in Stratford, about ten times the normal rate. Even in non-plague years, 16 per cent of infants perished in England; in this year, nearly two-thirds did. One neighbour of the Shakespeares lost four children. In a sense William Shakespeare’s greatest achievement in life wasn’t writing Hamlet or the sonnets but just surviving his first year.

Bill Bryson: Shakespeare: The World as a Stage, 2007, S. 24

Emily St. John Mandel: Station Eleven (2014)

The king stood in a pool of blue light, unmoored. This was act 4 of King Lear, a winter night at the Elgon Theatre in Toronto. Earlier in the evening, three little girls had played a clapping game onstage as the audience entered, childhood versions of Lear’s daughters, and now they’d returned as hallucinations in the mad scene. The king stumbled and reached for them as they flitted here and there in the shadows. His name was Arthur Leander.

So beginnt der Endzeitroman der kanadischen Autorin

Emily St. John Mandel: Station Eleven (2014)

Das Buch wurde von Wibke Kuhn ins Deutsche übersetzt und erschien unter dem Titel Das Licht der letzten Tage.

Ein dickes Dankeschön an Deep Read, ohne deren verlockende Besprechung das Buch hier nicht eingezogen wäre.

Zum Inhalt

Bei einer Theateraufführung in Toronto erleidet der Hauptdarsteller Arthur Leander einen Herzinfarkt. Auch die sofort eingeleiteten Erste-Hilfe-Maßnahmen können ihn nicht retten. Später unterhalten sich noch einige Kollegen an der Theaterbar über Arthur und überlegen, wer nun benachrichtigt werden muss.

Of all of them there at the bar that night, the bartender was the one who survived the longest. He died three weeks later on the road out of the city. (S. 15)

Es ist der letzte Abend, an dem unsere Welt noch so ist, wie wir sie kennen. Flugzeugpassagiere aus Georgien haben eine tödliche Seuche mit nach Kanada gebracht. Schon im Laufe des Nachmittags sterben die ersten Opfer in den Krankenhäusern, die Inkubationszeit ist so kurz, dass am Abend alle Krankenhäuser der Stadt überfüllt sind.

Jeevan Chaudhary, der noch versucht hatte, den Schauspieler auf der Bühne wiederzubeleben, verbarrikadiert sich mit seinem Bruder in dessen Wohnung. Dort verfolgen sie das Geschehen im Fernsehen, bis ein Sender nach dem anderen die Arbeit einstellt. Das Undenkbare ist passiert. Die Zivilisation ist am Ende. Man geht davon aus, dass maximal ein Prozent der Menschheit überlebt hat. Als einige Wochen später die Vorräte zur Neige gehen, beschließt Jeevan, die Wohnung zu verlassen und herauszufinden, ob er weitere Überlebende findet.

Neben dieser Zeitebene, die während des Zusammenbruchs spielt, gibt es die Ebene ca. zwanzig Jahre später. Wir folgen der Travelling Symphony, einer Wandertruppe, die mit von Pferden gezogenen Wagen die weit auseinanderliegenden kleinen Siedlungen ansteuert und dort klassische Konzerte gibt und außerdem Shakespeare-Stücke im Repertoire hat.

Dieter was learning the part of Lear, although he wasn’t really old enough. Dieter walked a little ahead of the other actors, murmuring to his favourite horse. The horse, Bernstein, was missing half his tail, because the first cello had just restrung his bow last week. (S. 36)

Auf den langen Wanderungen treffen die ca. 20 Mitglieder der Truppe auf Überreste der ehemaligen Welt, z. B. auf Tankstellen und auf Autowracks, in denen noch die Skelette sitzen. In längst schon geplünderten Häusern finden sie manchmal etwas Brauchbares, noch etwas Kleidung oder eine alte Zeitschrift.

Schließlich haben zwei Mitglieder der Travelling Symphony nicht, wie vereinbart, an einem bestimmten Ort auf die anderen gewartet. Stattdessen treffen sie auf einen offensichtlich durchgeknallten Sektenführer, der diesen Ort vollständig unter Kontrolle hat. Und dann verschwinden während einer Nachtwache plötzlich noch zwei weitere Mitglieder der Truppe.

Immer wieder wechseln die Zeitebenen. Mal sind wir in der Vergangenheit, wo wir u. a. die Ehefrauen von Arthur Leander kennenlernen und erfahren, was es mit einem Comic mit dem Titel „Station Eleven“ auf sich hat. Dann wiederum bewegen wir uns in der Ebene, während der die Welt, wie wir sie kennen, zusammenbricht.

Schließlich gibt es noch die gefährliche und immer auch gefährdete Gegenwart, in der täglich neu verhandelt werden muss, welche Werte gelten sollen. Für was lohnt sich zu leben, wenn das Motto der Travelling Symphony, das sie einer Star Trek-Episode entlehnt haben, gelten soll: Survival is insufficient.

Fazit

Wir haben hier keine feinen Charakterzeichnungen a la Tolstoi, das Grauen, der Schock, die Trauer, sind sicherlich nicht immer in denkbarer Tiefe dargestellt, aber um ehrlich zu sein, das war mir irgendwann völlig egal. Ich bin schon lange nicht mehr in einem Buch so abgetaucht.

Und normalerweise habe ich nicht so viel für Zeitsprünge und Wechsel der Erzählerstimmen übrig, weil ich dann rasch den Verdacht habe, dass der Autor damit über fehlende Substanz hinwegtäuschen will. Doch hier habe ich allen Wechseln und Sprüngen vertraut, wollte immer wissen, wie es weitergeht, und war fasziniert, wie sich Motive und Linien immer weiter ineinander verschränken. Ich fand diese ausgedachte Welt unglaublich und sie verfolgt mich geradezu visuell. Kein Wunder, dass die Verfilmung bereits beschlossene Sache ist.

Die Autorin setzt – im Gegensatz zu Cormac Mc Carthy beispielsweise – weder auf die explizite Schilderung von Horror und Gewalttaten noch auf die Frage des reinen Überlebenskampfes, sondern eher darauf, unsere Weltsicht ins Wanken zu bringen. Wie sähe eine Welt aus, in der das, was wir überhaupt nicht mehr als etwas Besonderes wahrnehmen, wie Elektrizität, Autos, Flugzeuge, Internet, ausfällt? Wenn plötzlich 99 Prozent der Bevölkerung nicht mehr da wären – und damit auch ihr Know-How fehlen würde? Was gibt, auch nach dem „Ende der Welt“ dem Leben Bedeutung? Welche Rolle kommt der Kultur, dem Theater, der Musik, einem Buch, noch zu?

Unglaublich tolles Buch, und spannend sowieso. Ein Schmöker im besten Sinne. Deep Read hat es so schön auf den Punkt gebracht: „Und so klappt man diesen Roman nach 400 Seiten zu und ist unglaublich einverstanden, zuversichtlich, getröstet. Und dass, obwohl gerade die alte Welt untergegangen ist.“

Ach, und Shakespeare möchte man danach auch gleich wieder lesen.

An incomplete list:

No more diving into pools of chlorinated water lit green from below. No more ball games played out under floodlights. No more porch lights with moths fluttering on summer nights. No more trains running under the surface of cities on the dazzling power of the electric third rail. No more cities. No more films […] No more screens shining in the half-light as people raise their phones above the crowd to take photographs of concert stages. Nor more concert stages lit by candy-coloured halogens, no more electronica, punk, electric guitars.
No more pharmaceuticals. No more certainty of surviving a scratch on one’s hand, a cut on a finger while chopping vegetables for dinner, a dog bite.
No more flight. No more towns glimpsed from the sky through airplane windows, points of glimmering light; no more looking down from thirty thousand feet and imagining the lives lit up by those lights at that moment. […]
No more countries, all borders unmanned. No more fire departments, no more police. No more road maintenance or garbage pickup. […]
No more Internet. No more social media, no more scrolling through litanies of dreams and nervous hopes and photographs of lunches, cries for help and expressions of contentment and relationship-status updates with heart icons whole or broken, plans to meet up later, pleas, complaints, desires, pictures of babies dressed as bears or peppers for Halloween. No more reading and commenting on the lives of others, and in doing so, feeling slightly less alone in the room. No more avatars. (S. 36/37)

Anmerkungen

Inzwischen habe ich noch folgendes Zitat von Agatha Christie in ihrer Autobiografie (1977) gefunden, das hier erstaunlich gut passt:

What will it all end in? Further triumphs? Or possibly the destruction of man by his own ambition? I think not. Man will survive, though possibly only in pockets here and there. There may be some great catastrophe – but not all mankind will perish. Some primitive community, rooted in simplicity, knowing of past doings only by hearsay, will slowly build up a civilisation once more. (S. 222)

Auch wenn St. Mandel nicht müde wird zu betonen, dass Station Eleven kein Science Fiction Roman sei, hat sie 2015 für ihr Buch den Arthur C. Clarke Award verliehen bekommen.

Außerdem schaffte sie es 2014 auf die Shortlist des National Book Award, 2015 auf die Shortlist des PEN/Faulkner Award for Fiction und sie gewann den Toronto Book Award.

Ein Interview mit der Autorin gibt es auf Literary Hub.

Hier geht’s lang zu einigen Rezensionen.

Und Justine Jordan schreibt im Guardian:

Mandel isn’t interested in how apocalypse might act upon art: this is very much a novel about individual rather than collective destiny. The glacial calm of her prose extends to the characters, so that while the book is visually stunning, dreamily atmospheric and impressively gripping, we never feel the urgency and panic of global disaster, let alone its moral weight.

But perhaps that is beside the point. Station Eleven is not so much about apocalypse as about memory and loss, nostalgia and yearning; the effort of art to deepen our fleeting impressions of the world and bolster our solitude. Mandel evokes the weary feeling of life slipping away, for Arthur as an individual and then writ large upon the entire world. In Year Twenty, Kirsten, who was eight when the flu hit, is interviewed about her memories, and says that the new reality is hardest to bear for those old enough to remember how the world was before. „The more you remember, the more you’ve lost,“ she explains – a sentiment that could apply to any of us, here and now.