Fundstück von Janice Galloway

Work is not a problem. I work in a school. I teach children. I teach them:

  1. routine
  2. when to keep their mouths shut
  3. how to put up with boredom and unfairness
  4. how to sublimate anger politely
  5. not to go into teaching

That isn’t true. And then again, it is. I am never sure what it is I do.

aus: Janice Galloway: The Trick is to Keep Breathing (1989)

Fundstücke von Martin Luther

Doktor Martinus Luther riet allen Studenten, gleich welcher Fakultät, bestimmte gute Autoren beständig zu lesen. Einen guten Schriftsteller aber solle man sich durch immer erneutes Lesen so vertraut machen, daß  man gleichsam in sein Fleisch und Blut verwandelt werde. Denn vielerlei Verschiedenes lesen bringt mehr Verwirrung, als daß man wirklich etwas daraus lernt. Denn wenn einer überall zu Hause ist, der erreicht damit nur, daß er nirgends richtig zu Hause ist. Und wie wir in der menschlichen Gesellschaft nicht an jedem Tag alle Freunde um uns zu haben brauchen, sondern nur einige wenige, dafür aber auserlesene, so soll man sich auch an die besten Bücher, und zwar an wenige und auserwählte halten.

aus: Martin Luther: Tischreden, Reclams Universalbibliothek Nr. 1222, 1981, S. 12/13

Und auf S. 13 heißt es außerdem:

Luther beklagte einmal die Menge der Bücher und Schriftsteller, weil uns ein unendliches Meer von Büchern bevorstehe. Denn jeder beliebige schreibe seiner Anmaßung entsprechend ein Buch, andere förderten solch Übel um der Gewinnsucht willen.

Das ist also kein neues Phänomen …

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Fundstück von Robert Seethaler

Er malte sich aus, wie es wäre, wenn jede der Stimmen noch einmal Gelegenheit bekäme, gehört zu werden. Natürlich würden sie vom Leben sprechen. Er dachte, dass der Mensch vielleicht erst dann endgültig über sein Leben urteilen konnte, wenn er sein Sterben hinter sich gebracht hatte.

Aber vielleicht hatten die Toten gar kein Interesse an den Dingen, die hinter ihnen lagen. Vielleicht erzählten sie von drüben. Davon, wie es sich anfühlt, auf der anderen Seite zu stehen. Abberufen. Eingegangen. Aufgenommen. Verwandelt.

aus: Robert Seethaler: Das Feld (2018), S. 9/10

Abgesehen von diesem Zitat habe ich mich bei diesem Buch arg gelangweilt, deswegen Lektüre vorzeitig abgebrochen, obwohl ich die zugrunde liegende Idee reizvoll fand.

 

 

 

 

Fundstück von Siegfried Lenz

Beim Wiederlesen ging mir auf, wie viele Einzelheiten ich bereits vergessen hatte, etwas löscht die Zeit ja immer, etwas ebnet sie immer ein, aber allmählich stellte ich fest, daß es auch manches gibt, für das die Zeit nicht vergeht, ein einziges Wort kann schon ausreichen, um zurückzuholen, was verblaßt und entschwunden schien.

aus: Siegfried Lenz: Arnes Nachlaß (1999), S. 130

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Fundstück von Johan Bargum

Ihm war klar geworden, dass auch er selbst, wenn es einmal so weit wäre, denselben Schrecken empfinden würde, dieselbe unvernünftige, paradoxe Angst vor dem Verschwinden. Es gab keinen guten Tod; das erfüllte ihn mit Wut und Verzweiflung und mit einem Gefühl, dass sein ganzes, langes Ärzteleben umsonst gewesen war, weil es ihn nichts anderes gelehrt hattte, als dass sich am Ende keiner aufs Sterben verstand und infolgedessen auch nicht aufs Leben.

aus: John Bargum: Nachsommer, mare Verlag 2018, S. 52

Die schwedische Originalausgabe erschien 1993.