Fundstück von Christopher St. John Sprigg

Nichts Neues unter der Sonne.

In der ansonsten ausgesprochen überflüssigen Neuauflage des Krimis Crime in Kensington (1933) von Christopher St. John Sprigg denkt die Hauptfigur Charles Venables, Hobby-Detektiv und Schmierenjournalist, über seinen eigenen Arbeitgeber, die Zeitung Mercury nach.

A paper that by pandering to the basest sensationalism of the common people climbed on stepping stones of discarded ethics to higher things. A paper whose public had brains with linings so corroded and crusted by jazz, sentimental films and cheap literature that the most earth-shaking events of the world had to be predigested and peptonized before they could be absorbed. A paper whose political policy had been invariably allied with the most reactionary and antisocial elements of English life. (S. 109)

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Fundstück von Walter Kappacher

Nach dem Frühstück hatte er sich aufs Bett gelegt und die Erzählung „The Lesson of the Master“ zu lesen begonnen: „He had been informed that the ladies were at church …“ Es hatte ihm wohlgetan, an der sicheren Hand des Autors in die Geschichte hineingezogen zu werden.

aus: Walter Kappacher: Der Fliegenpalast, Residenz Verlag, 2009, S. 20

Fundstück von Eva Sternheim-Peters

Bei diesen Sätzen aus Eva Sternheim-Peters Buch Habe ich denn allein gejubelt? frage ich mich, wann wir denn die unverhüllten Drohungen, (sexuellen) Gewaltfantasien, die verrohte Sprache und Denkweise, das Verschwörungsgeschwurbele, die Selbststilisierung als Opfer, die Machtdemonstrationen, das Aufrichten von Feindbildern, die Größenwahnwahnsinnsideen und das Einschüchterungsgehabe der Neunazis ernst nehmen und politisch, gesellschaftlich sowie strafrechtlich dagegen vorgehen? Statt diese unselige Suppe zu verharmlosen, zu ignorieren oder ihr gar das Mäntelchen der Meinungsfreiheit umzuhängen.

Der Paderborner SA-Sturm pflegte regelmäßig vor der Krankenkasse das Lied vom Sturmsoldaten anzustimmen, wenn die Marschkolonne bei Dienstschluss ihre Standarte heimbrachte. So musse E.s Familie viele Male den auf die jüdischen Nachbarn gemünzten Refrain mit anhören und ebenso oft das ärgerliche Zischen der Mutter: ‚Ach, das heißt ja nichts‘, wenn es von draußen klar und überdeutlich hereinschallte: ‚Ja, wenn das Judenblut vom Messer spritzt, dann geht’s noch mal so gut. Soldaten, Kameraden, hängt die Juden, stellt die Bonzen an die Wand.‘ (S. 369)

Fundstück von Olga Tokarczuk

‚Hast du keine Taschenlampe?, fragte er. Natürlich hatte ich eine, aber wo? Das würde ich erst am nächsten Morgen sagen können. So ist es mit Taschenlampen: Am besten man sucht sie, wenn es hell ist.

aus: Olga Tokarczek: Gesang der Fledermäuse, übersetzt von Doreen Daume, S. 9

‚Don’t you have a flashlight?‘ he asked. Of course I had one, but I wouldn’t be able to tell where it was until morning. It’s a feature of flashlights that they’re only visible in the daytime.

aus: Olga Tokarczek: Drive your Plow over the Bones of the Dead, übersetzt von Antonia Lloyd-Jones, S. 3