Fundstück von Ken Bruen

Ich gehe nicht in die Sonne.

Ich bin entzückt, wenn es nicht regnet, und alles, was darüber geht, ist Verhätschelung. Ich traue dem nicht. Führt nur zu Sehnsucht. Nach Dingen, die keine Dauer haben können. (S. 271)

aus: Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus, Atrium Verlag 2009, übersetzt von Harry Rowohlt

Im Original klingt das so:

I don’t do sun.

I’m delighted with the lack of rain and anything over is over-indulgence. I don’t trust it. Makes you yearn. For things that cannot last. (S. 263)

aus: Ken Bruen: The Guards, 2001

IMG_2186

Fundstück von Ruby Ferguson

Leider war Ruby Ferguson (1899 – 1966) ihrer eigenen Romanidee in Lady Rose and Mrs Memmary (1937) nicht durchgehend gewachsen. Es gab einfach zu viel Süßlichkeit, besonders in der oberidyllischen Kindheit der adligen Lady Rose – was von wohlmeinenden Geistern gern als „Märchenhaftigkeit“ verbrämt wird -, eine eiskalte Mutter, ein Hauch von Effie Briest und die wirklich albernste und unglaubwürdigste Szene einer Liebe auf den ersten Blick, die mir je untergekommen ist.

Anscheinend konnte sich Ferguson nicht so recht entscheiden, was für eine Art von Geschichte sie denn nun eigentlich erzählen wollte. Schade eigentlich, denn das Buch hätte durchaus das Potential gehabt, ein netter Schmöker zu werden.

Da konnte auch die Verschränkung zweier Zeitebenen, die ich hier ganz gelungen fand, nicht mehr viel retten: Drei Touristen entdecken Mitte der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts auf einer Spazierfahrt durch Schottland das einsam gelegene Herrenhaus Keepsfield, das zu vermieten wäre, und lassen sich von der alten Mrs Memmary, die sich um das Haus kümmert, die Geschichte der einstigen Besitzer erzählen.

So hätte ich das Buch gar nicht weiter erwähnt, aber Stellen wie die folgende zeigen, dass die Autorin durchaus schreiben konnte und was für ein Buch es hätte werden können:

Rose indulged in the most romantic dreams about marriage. Of course they were all delightfully vague and abstract, and for all practical purposes they began and ended with white satin and pearls and sheaves of flowers at St. George’s, and red carpet in front of Aunt Violet’s house in Belgrave Square, and tears, and hundreds of presents. After that came a kind of ideal and undefined state in which you lived blissfully under a new name, and had your own carriage, and didn’t have to ask permission from Mamma when you wanted to go out. Floating airily through all this, of course, was a man. He was not like any man you had ever seen; they were just men. This man – your husband, queer, mysterious word – was hardly human at all. He was dreadfully handsome, and a little frightening, but of course you didn’t see very much of him. When you did see him there were love scenes. He always called you „my darling“ in a deep, tender voice; and he gave you jewels and flowers, and sometimes went down on his knees to kiss your hand. All this came out of the books you had read. Some day, almost any time after you were presented and began to go about with Mamma, you would suddenly meet this marvellous being. You would be in love. You would be married. And that was the end, except that, of course, you would live happily ever after. (S. 112)

 

Fundstück von Sei Shōnagon

Unausstehliches

Ein Besucher, der genau dann kommt, wenn ich dringende Dinge zu erledigen habe, und dann endlos daherschwatzt. …

Langweiler, die unter widerwärtigem Lachen viel leeres Geplapper von sich geben. …

Unausstehlich sind Leute, die immerzu auf andere neidisch sind und sich über ihre eigene Lage beklagen, die über andere tratschen, jede noch so winzige Neuigkeit begierig aufsaugen und alles in Erfahrung bringen wollen, die jedem grollen, der sie nicht mit neuem Klatsch versorgt, und das Wenige, das sie aus zweiter Hand gehört haben, gleich aufblasen und wildfremden Leuten weitererzählen.

Säuglinge, die losplärren, wenn ich mich mit jemandem unterhalten möchte.

Eine Ansammlung von Krähen, die unentwegt hin- und herflattern und dabei laut krächzen.

Hunde, die laut losbellen, wenn der Geliebte nachts heimlich zu Besuch kommt. …

Ich bin todmüde und habe mich gerade zum Schlafen niedergelegt. Da meldet sich mit feinem Sirren eine einsame Schnake und summt mir immer wieder ums Gesicht herum. …

Jemand, der mir ins Wort fällt, wenn ich etwas erzähle, und dann dreist den Schluss vorwegnimmt. Jegliches Dreinreden, ob von Kindern oder von Erwachsenen, ist unausstehlich. …

Hunde, die im Verein mit anderen endlos heulen. …

Unausstehlich sind Leute, die beim Hereinkommen die Tür zwar öffnen, sie aber nicht wieder schließen.

(aus dem Kopfkissenbuch der japanischen Hofdame Sei Shōnagon, entstanden um 1000, zitiert nach der erstmals vollständig von Michael Stein aus dem Japanischen übersetzten Fassung, Manesse Verlag 2015, S. 33 – 36)