Rückblick auf das Lesejahr 2020

In der Hoffnung, dass ihr alle wohlbehalten in 2021 angekommen seid, möchte ich, wenn auch etwas verspätet, auch diesmal einen Blick auf das vergangene Lesejahr werfen, bevor ich mir dann die immerneue Frage stelle, was ich als nächstes aus dem Regal ziehe.

Nachdem wir in den letzten Jahren hellhöriger geworden sind bezüglich der Frage, wie viele Autorinnen wir denn eigentlich lesen, kann ich vermelden, dass ich – wenn auch nur mit kleinem Vorsprung – mehr Bücher von Frauen als von Männern gelesen habe. Ein entscheidendes Auswahlkriterium ist das allerdings nach wie vor nicht für mich.

Und die einzigen Bücher, die ich allesamt mit Begeisterung wiedergelesen habe, stammen diesmal ausschließlich von Männern:

Die güldene Himbeere für die hässlichsten Cover teilen sich

  • Sigrid Nunez: The Friend (2018)
  • Colin Cotterill: The Coroner’s Lunch (2004)

Enttäuschend fand ich

  • Susanna Clarke: Piranesi (2020) Zwar hatte ich das Gefühl, zusammen mit der Hauptfigur durch diese labyrinthisch-seltsame Welt zu laufen, allerdings empfand ich diese Welt als beklemmend, ja, als alptraumartig. Ich habe mich beim Lesen unwohl gefühlt. Doch vor allem erschien mir die Auflösung nicht überzeugend, nicht tragfähig genug.
  • Thomas Hettche: Herzfaden (2020) – Die Kritiker schrieben ja geradezu verzweifelt herbei, wie genial dieses Buch sei. Ich hielt es für grandios überschätzt.

Folgende Krimis fand ich prima, d. h. eher unterhaltsam, nicht zu brutal, mit deutlichen Anzeichen von Humor:

Freundliche Bücher

Es wird Zeit für eine neue Kategorie, die nenne ich jetzt einfach mal freundliche Bücher, Bücher, die Menschenzugewandtheit ausstrahlen, mögen zwar minimale Spuren von Nostalgie enthalten, aber die Grundhaltung ist vor allem eine Mischung von Freundlichkeit, Warmherzigkeit, Anständigkeit, Bescheidenheit (keinesfalls zu verwechseln mit Sentimentalität oder Plattheit), also hier einige freundliche Bücher:

Es gibt Bücher, die gefielen mir, und doch waren sie nur wenige Tage später schon fast nicht mehr abrufbar und verflüchtigten sich,  diese Romane jedoch blieben mir im Gedächnis:

Frauenleben

Krankheit

  • Werner Schneyder: Krebs (2008)

Kultur

Natur und Reisen

Nationalsozialismus

Und den tiefsten Eindruck hinterlassen haben

  • Natsume Sōseki: The Gate (OA 1910)
  • Caradog Prichard: one moonlit night (OA 1961). Ein Monolith in der Landschaft der Literatur.

Bleibt in diesem Jahr alle wohlauf und habt immer ein gutes Buch anbei.

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Rückblick auf das Lesejahr 2019

Auch in diesem Jahr möchte ich noch einmal auf das vergangene Lesejahr schauen, bevor ich mir dann die ewigneue Frage stelle, was ich wohl als nächstes lese.

Wie im vergangenen Jahr greife ich die Anregung von Kerstin Herbert von Frauenleserin auf, die schon 2018 dazu eingeladen hatte, sich einmal die „Frauenquote“ auf unseren Blogs genauer anzuschauen. Das Thema wird uns noch eine Weile beschäftigen, wie Nicole Seifert in ihrem Beitrag auf ihrem Blog Nacht und Tag gezeigt hat. Ich empfehle dazu auch das von Auffermann, Kübler, März und Schmitter herausgegebene Werk Leidenschaften: 99 Autorinnen der Weltliteratur (2009).

Wie hoch ist Deine „Frauenquote“? Wie viele Bücher hast Du in diesem Jahr gelesen und/oder rezensiert? Wie viele davon wurden von Autorinnen verfasst?

Dieses Jahr las ich 23 Bücher von Frauen und 22 Bücher von Männern. Das bedeutet für mich, dass ich weiterhin nach Lust und Laune auswählen werde, was mir lesenswert und interessant erscheint.

Welches Buch möchtest Du 2019 unbedingt lesen?

Da ich eine hoffnungslose Spontanleserin bin, lässt sich das schwerlich sagen, aber zwei Bücher liegen hier tatsächlich, die ich unbedingt lesen möchte, nämlich Habe ich denn allein gejubelt von Eva Sternheim-Peters. Und immer noch wartet The Lonely Passion of Judith Hearne von Brian Moore darauf, wiedergelesen zu werden.

Welches war das optisch ansprechendste Buch?

Das war nicht nur optisch das ansprechendste, sondern auch gleich das „gewichtigste“ Buch: Little Women von Luisa May Alcott.

Welches Buch hat dich enttäuscht?

War ich zunächst noch guter Dinge, was Gesang der Fledermäuse der Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk anging, so beschlich mich je länger, je deutlicher das Gefühl, dass mich die Ich-Erzählerin Janina kein bisschen interessiert. Diese hat sich den Tierschutz und die Lyrik Blakes auf ihre Fahnen geschrieben. Der Originaltitel des Romans, den auch die englische Übersetzung beibehalten hat, stammt aus einem Gedicht William Blakes (1757-1827): „Lenke deinen Wagen und Pflug über die Gebeine der Toten“.

Die ältere Janina, ehemalige Brückenbauingenieurin, lebt in der polnischen Provinz nahe der tschechischen Grenze eigenbrötlerisch vor sich hin. Ihre wenigen Freunde sind mindestens solche Einzelgänger wie sie selbst. Janinas große Leidenschaft gilt der Astrologie. Sie berechnet Horoskope, wobei ihr die Leser leider manchmal seitenlang folgen müssen. Als es zu unerklärlichen Todesfällen unter den Jägern und Wilderern in der Nachbarschaft kommt, versucht Janina alle davon zu überzeugen, dass sich hier die Tiere für die Jagd, die Wilderei, den menschlichen Fleischkonsum und die qualvollen Fallen im Wald am Menschen rächen. Als sie das auch der Polizei mitteilt, zeigt sich diese jedoch nicht besonders offen für Janinas Sichtweise.

Plötzlich war mir klar, warum die Hochsitze, die doch mehr an die Wachtürme eines Konzentrationslagers erinnern, Kanzeln genannt werden. Auf einer Kanzel stellt sich ein Mensch über die anderen Lebewesen und erteilt sich selbst die Macht über ihr Leben und ihren Tod. (S. 273)

Ich wollte die Aufklärung der Mordfälle da schon gar nicht mehr wissen. Schade, denn den ruhigen, manchmal kauzigen Erzählstil mochte ich sehr, obwohl auch der nicht vor Klischees zurückschreckt.

Welches war deine persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Eine Neu-Entdeckung ist für mich jede Autorin, jeder Autor, deren/dessen Buch mir so gut gefallen hat, dass ich mich auf weitere Bücher einlassen würde. Christopher Huang, David Park und Anne Griffin waren solche Entdeckungen.

Gab es Entdeckungen im Krimi-Bereich?

Der Pokal geht ohne Frage an Barbara Neely und ihre vier Bände um die hinreißende Blanche White. Krimis, bei denen man etwas lernen kann.

Welche Bücher haben den tiefsten Eindruck hinterlassen?

Dazu gehören sicherlich A Different Drummer von William Melvin Kelley.

Aber auch die Autobiografie Benjamin Zephaniahs und Alec Guinness mit seinen Tagebüchern werden mir in Erinnerung bleiben.

Welches Buch willst du unbedingt 2019 lesen und warum?

Das wird grundsätzlich spontan und situativ wendig entschieden.

Gibt es eine Schmökerempfehlung für das nächste verrregnete Wochenende?

Jane Harris hat mit ihrem 2011 erschienenen Roman Gillespie and I, der 1888 in Glasgow und 1933 in London spielt, eine Ich-Erzählerin geschaffen, die einem noch nach der Lektüre beunruhigend im Kopf herumgeistert.

Rückblick auf das Lesejahr 2018

Auch in diesem Jahr soll es wieder einen kleinen Rückblick auf das vergangene Lesejahr geben. Die Fragen, an denen ich mich dabei entlanghangele, ändern sich von Jahr zu Jahr; diesmal greife ich gern die Anregungen von Kerstin Herbert von Frauenleserin auf, die dazu einlädt, sich einmal die „Frauenquote“ auf unseren Blogs genauer anzuschauen.

Gleich die ersten vier Fragen stammen von ihr:

Wie hoch ist Deine „Frauenquote“? Wie viele Bücher hast Du in diesem Jahr gelesen und/oder rezensiert? Wie viele davon wurden von Autorinnen verfasst?

Auf den ersten Blick wäre die Antwort wohl erschreckend. Von den 22 Büchern, die ich dieses Jahr gelesen habe,  stammen nur fünf von Frauen. Doch wenn ich auf 2017 schaue, stellt sich das schon wieder anders da: Von den 31 gelesenen Büchern wurden 19 von Frauen geschrieben und 12 von Männern. Das bedeutet für mich, dass ich nach wie vor rein nach Lust und Laune auswählen werde, was mir lesenswert und interessant erscheint.

Welches Buch einer Autorin ist Dein diesjähriges Lesehighlight? (Warum?)

Molly Keane hat mich mit ihrer großartigen und psychologisch packenden Darstellung einer beschädigten Frau in ihrem Buch Good Behaviour sehr beeindruckt.

Welche  weibliche Lebensgeschichte bzw. Biografie hat Dich in diesem Jahr besonders beeindruckt (und warum?)

Das dürfte wohl zum einen die Autobiografie von Claire Tomalin sein, die in ihrem Leben mehr Bälle jongliert hat als andere in drei Leben und sich außerdem einen Namen in einer damals von Männern dominierten Welt erarbeitet hat. Und zum anderen wäre hier Alma M. Karlin zu nennen, eine der ersten erfolgreichen deutschsprachigen Reiseschriftstellerinnen mit ganz eigenem Sound.

Aber beim Stichwort Biografie muss unbedingt auch die zu Vincent van Gogh erwähnt werden. Naifeh und White Smith zeigen mit ihrem Werk von 2011, was eine Biografie sein kann. Überbordend informativ und spannend bis zur letzten Seite.

Welches Buch einer Autorin möchtest Du 2019 unbedingt lesen?

Da ich eine hoffnungslose Spontanleserin bin, lässt sich das schwerlich sagen, aber zwei Bücher liegen hier tatsächlich, die ich unbedingt wiederlesen möchte, nämlich the sea, the sea von Iris Murdoch und The Lonely Passion of Judith Hearne, das wurde allerdings von einem Mann geschrieben, nämlich Brian Moore.

Welches war das optisch ansprechendste Buch?

Das war nicht nur optisch das ansprechendste, sondern auch gleich das „gewichtigste“ Buch: Codices illustres: Die schönsten illuminierten Handschriften der Welt von Ingo F. Walther und Norbert Wolf.

Welches Buch hat dich enttäuscht?

Hilde & Gretl von Leitner und Coeln bot leider doch keinen Erkenntnisgewinn und die Biografie zu Graham Greene von Ulrich Greiwe habe ich vorzeitig abgebrochen.

Welches war deine persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Eine Neu-Entdeckung ist für mich jede Autorin, jeder Autor, deren/dessen Buch mir so gut gefallen hat, dass ich mich auf weitere Bücher einlassen würde. Jim Powell war eine solche Entdeckung.

Gab es Entdeckungen im Krimi-Bereich?

Oh, Mick Herron hat mich mit Slow Horses total begeistert, ansonsten habe ich nach wie vor Spaß mit Alan Bradleys Krimi-Geschichten um die intelligente, elfjährige Hobby-Chemikerin Flavia de Luce, die davon träumt, es ihren fürchterlichen Schwestern irgendwann einmal so richtig heimzuzahlen. Doch immer kommt ein Mordfall dazwischen.

Gab es lohnende Bücher, die raus aus deiner Lesekomfortzone führten?

The Sun Does Shine von Anthony Ray Hinton ist so ein Buch, das einem auf der einen Seite die Ungerechtigkeit des amerikanischen Rechtssystems vor Augen führt und gleichzeitig von Würde und menschlicher Größe erzählt.

Welche Bücher haben den tiefsten Eindruck hinterlassen?

Dazu gehören sicherlich Good Behaviour von Molly Keane und Things we nearly knew von Jim Powell.

Trotz bestimmter Vorbehalte wird mir auch das sperrige Solsbüll von Jochen Missfeldt in Erinnerung bleiben.

Außerdem wären No Great Mischief von Alistair MacLeod und das menschenfreundliche Buch über einen ganz normalen Familienurlaub von Robert Cedric Sherriff von 1931 zu nennen.

Welches Buch willst du unbedingt 2019 lesen und warum?

Von Kai habe ich vor Jahren den schönen Begriff “sprunghafter Lustleser” gelernt; also, ich weiß noch nicht einmal, was ich nächste Woche lesen werde, geschweige denn nächstes Jahr.

Mit welcher Lektüre beschließt du das Lesejahr 2018?

Zurzeit lese ich Sibirische Sommer mit Dostojewski von Jan Brokken und William Shakespeare in seiner Zeit von Hans-Dieter Gelfert.

Welche Leseanregungen stammen von anderen Blogs?

Oh, das wird jedes Jahr schlimmer. Da kann ich nur einen großen Mantel des Schweigens drüber breiten. Mein Mann behauptet gar, wir hätten inzwischen ein ernsthaftes Problem …

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Rückblick auf das Lesejahr 2017

Auch dieses Jahr möchte ich mich an den Fragen entlanghangeln, die ursprünglich Katrin von Buchsaiten ins Spiel gebracht hat, um das Lesejahr abzuschließen. Dabei lasse ich einige Fragen weg, andere sind hinzugekommen.

1. Welches war das optisch ansprechendste Buch?

Das war ohne Frage das Kopfkissenbuch der japanischen Hofdame Sei Shōnagon, entstanden um 1000; und zwar in der Übersetzung von Michael Stein aus dem Manesse Verlag.

2. Welches Buch hat dich enttäuscht?

Diese Auszeichnung geht an Nathaniel Hawthornes Klassiker Das Haus mit den sieben Giebeln.

3. Welches war deine persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Eine Neu-Entdeckung ist für mich jede Autorin, jeder Autor, deren/dessen Buch mir  so gut gefallen hat, dass ich mich auf weitere Bücher einlassen würde. Das war in diesem Jahr unter anderem Dorothy Whipple, von der ich gleich drei Romane gelesen habe.

4. Gab es Entdeckungen im Krimi-Bereich?

Ich staune immer wieder, wie viel es im Bereich des Cozy Crime aus dem letzten Jahrhundert noch zu entdecken gibt. Besonders gern habe ich dieses Jahr The Draycott Murder Mystery (1928) von Molly Thynne gelesen. Allein schon diese Einleitung:

The wind swept down the crooked main street of the little village of Keys with a shriek that made those fortunate inhabitants who had nothing to tempt them from their warm firesides draw their chairs closer and speculated as to the number of trees that would be found blown on the morrow.

Aber Absent in the Spring (1944) von Agatha Christie war auch großes Kino.

5. Welcher Einstiegssatz hat sofort funktioniert?

After two miles of walking he came to a town.

Da hatte mich Walter Tevis mit seinem The Man Who Fell to Earth sofort am Haken. Schuld daran war übrigens The Binge Reader.

6. Gab es lohnende Bücher, die raus aus deiner Lesekomfortzone führten?

Nun, Hillbilly-Elegie von J. D. Vance und Der Spaziergänger von Aleppo von Niroz Malik gehören vermutlich dazu.

Auch dement von Lioba Happel habe ich gern gelesen.

7. Welche Bücher haben den tiefsten Eindruck hinterlassen?

Beschäftigt hat mich Zeithain von Michael Roes (2017).

Aber besonders bewegt haben mich Der Sinn des Lesens (2015) von Pieter Steinz und Das Haus, das Glück und der Tod (1998) von Herrad Schenk.

Doch am deutlichsten vor Augen geführt, warum wir (auch) lesen, hat mir sicherlich das unvergleichliche The Return von Hisham Matar, das inzwischen auch auf Deutsch erschienen ist.

8. Welches Buch willst du unbedingt 2018 lesen und warum?

Von Kai habe ich vor Jahren den schönen Begriff “sprunghafter Lustleser” gelernt; also, ich weiß noch nicht einmal, was ich nächste Woche lesen werde, geschweige denn nächstes Jahr.

Aber der Vorsatz, meine Buchkaufgeschwindigkeit massiv zu drosseln, hat nichts von seiner Dringlichkeit verloren, denn es sind immer noch keine Anbaumaßnahmen geplant.

Außerdem ist es Zeit, sich dem Phänomen zu stellen, dass es manchmal reizvoller zu sein scheint, Bücher zu kaufen, als diejenigen auch zu lesen, die bereits hier rumstehen.

9. Welche Bücher wären spurlos an dir vorbei gegangen, wenn nicht andere BloggerInnen dich darauf aufmerksam gemacht hätten?

Über diese Frage möchte ich auch dieses Jahr einen besonders großen Mantel des Schweigens breiten, denn fast alle meine Anregungen stammen inzwischen von anderen LiteraturbloggerInnen.

10. Mit welcher Lektüre beschließt du das Lesejahr 2017?

Das kann zum Zeitpunkt des Schreibens noch nicht abschließend geklärt werden.

Als vorletztes las ich jedenfalls Thrones, Dominations (1998). Jill Paton Walsh hat mit dem Buch fast 60 Jahre später einen von Dorothy Sayers begonnenen Kriminalroman um Lord Peter Wimsey fertiggestellt. Aber auch wenn die Grundidee interessant ist, fehlt dem Buch eine innere Balance. In den ersten hundert Seiten werden uns die Protagonisten vorgestellt, während die eigentliche Auflösung dann wiederum nur eine halbe Seite beansprucht. Insgesamt kommt es ein wenig schwerfällig daher.

Beendet habe ich gerade die Biografie zu Theodor Storm von Jochen Missfeldt. Ein Pageturner war Du graue Stadt am Meer für mich jetzt nicht. Zwischendurch passte der Stil des Autors nicht unbedingt zum Stoff. Aber geradezu minutiös recherchiert. Zum Glück war Storm ein eifriger Briefeschreiber. Und es ist toll, dass Missfeldt häufig zitiert, man hört vieles quasi aus erster Hand. Als Vater und Ehemann möchte man Storm allerdings nicht geschenkt haben.

Interessant schon der zeitgeschichtliche Hintergrund um die Auseinandersetzung zwischen Dänemark und Preußen, der die Storms ins Exil trieb, und natürlich die vielen Freundschaften mit Dichterkollegen, die aber auch nie völlig unproblematisch verliefen. Jedenfalls ist es nun Zeit, mal wieder den Schimmelreiter und Novellen von Storm aus dem Regal zu holen. Und Gottfried Keller und Fontane gleich mit.

Allen einen behüteten Jahreswechsel, Gesundheit und ein gutes neues Jahr.

Und natürlich immer genügend Bücher anbei.

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Rückblick auf das Lesejahr 2016

Auch dieses Jahr möchte ich mich u. a. an den Fragen entlanghangeln, die ursprünglich Katrin vom ehemaligen Blog Buchsaiten ins Spiel gebracht hatte, um das Lesejahr abzuschließen.

1. Von welchem Buch habe ich mir zunächst gar nicht so viel versprochen?

Das war Winifred Watsons wunderbares Buch Miss Pettigrew lives for a day (1938), das viel mehr als nur die erwartete leichte Unterhaltung bot.

2. Welches war das optisch ansprechendste Buch?

Das ist einfach: Stefan Zweig: Buchmendel/Die Unsichtbare Sammlung (2016) aus dem Topalian & Milani Verlag.

3. Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Eine Neu-Entdeckung ist für mich jede Autorin, jeder Autor, deren/dessen Buch mir so gut gefallen hat, dass ich mich auf weitere Bücher einlassen würde. Das waren in diesem Jahr unter anderem Autoren, die mich aus meiner eher angelsächsisch geprägten Lesewelt herausgeführt haben:

4. Gab es Entdeckungen im Krimi-Bereich?

Unbedingt, ich bin momentan süchtig nach den Abenteuern von Mary Russell, der Ehefrau von Sherlock Holmes, von Laurie R. King.

5. Gab es eine Gattung, die sich 2016 überraschend häufig auf dem Blog tummelte?

Mir war zunächst gar nicht aufgefallen, dass ich doch mehrere Autobiografien/Biografien gelesen habe.

Und dazu die schönste Autobiografie überhaupt, nämlich die von Agatha Christie.

6. Welche Bücher haben den tiefsten Eindruck hinterlassen?

Das waren zum einen sicherlich die Brautbriefe Zelle 92 von Dietrich Bonhoeffer und Maria von Wedemeyer.

Und auf ganz andere Art und Weise die Reiseerinnerungen von Oss Kröher: Das Morgenland ist weit.

7. Welches Buch wollt ihr unbedingt 2017 lesen und warum?

Von Kai habe ich vor Jahren den schönen Begriff “sprunghafter Lustleser” gelernt; also, ich weiß noch nicht einmal, was ich nächste Woche lesen werde, geschweige denn nächstes Jahr.

Aber der Vorsatz, meine Buchkaufgeschwindigkeit massiv zu drosseln und den SUB abzubauen,  wird immer dringlicher. Die Statik des Hauses verlangt nach drastischen Maßnahmen, da Anbaumaßnahmen zur Zeit nicht geplant sind.

8. Welche Bücher hast du 2016 wiedergelesen? 

Sollte man viel öfter machen, Bücher wiederzulesen. Klassiker lesen.

9.  Welche Bücher wären spurlos an dir vorbei gegangen, wenn nicht andere BloggerInnen dich darauf aufmerksam gemacht hätten?

Über diese Frage breiten wir einen besonders großen Mantel des Schweigens.

10. Mit welcher Lektüre beschließt du das Lesejahr 2016?

Fast beendet habe ich Der Himmel meines Großvaters von Stefan Hertmans. Ein beeindruckendes Buch, ursprünglich 2013 erschienen und von Ira Wilhelm aus dem Niederländischen übersetzt. Hier spürt der Autor der Lebensgeschichte seines Großvaters, dem Helden seiner Kindheit, anhand von Erinnerungen, Familienerzählungen und den vom Großvater selbst hinterlassenen Aufzeichnungen nach.

Wir folgen dem Leben eines einfachen Mannes, das in ärmlichen Verhältnissen begann, der Vater war Kirchenmaler, doch nie war genug Geld zum Sattessen da. Der Dreizehnjährige tritt seine erste Arbeitsstelle in einer Eisengießerei an. Eine grausame Maloche, bei der es zu Szenen kommt, die so fürchterlich sind, dass sie sich dem Leser auf die Netzhaut brennen. Schließlich der Wunsch des Jungen, beruflich in die Fußstapfen des Vaters zu treten und ebenfalls Maler zu werden. Und so wird die Malerei zu einem Trost und zu einer Leidenschaft, der er bis ins hohe Alter nachgehen wird.

Anschließend erlebt der junge Mann in den belgischen Schützengräben die Grausamkeiten und den geballten Irrsinn des Ersten Weltkrieges. Eine Liebesgeschichte deutet sich an und dann der dritte Teil, in dem die restlichen Jahrzehnte – für meinen Geschmack viel zu stark gerafft – gebündelt werden.

Das Ganze wird mit der Gegenwart verschränkt, der Spurensuche des Enkels, mit Betrachtungen zu den Bildern des Großvaters, Reflexionen über das Vergessen, das Erinnern und das unerbittliche Hinwegschreiten der Zeit über die Orte, die in einem Leben einstmals eine wichtige Rolle gespielt haben, doch heute nur noch Schnellstraßen, Wohnblocks oder Brachland sind.

In drei Worten: leise, bewegend und erhellend.

Siehe dazu auch den Beitrag von Volkmar Mühleis auf der Seite des Deutschlandfunk.

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Rückblick auf das Lesejahr 2015

Katrin, die den ehemaligen Blog BuchSaiten betrieben hat, lud wieder zu ihrer Jahresabschlussparade ein, die immer eine schöne Gelegenheit bietet, anhand ihrer Fragen das Lesejahr Revue passieren zu lassen.

1. Welches war das Buch, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?

Im Nachhinein würde ich Mit dem letzten Schiff (2013) von Eveline Hasler als miesen und ärgerlichen Flop bezeichnen, hat hier doch die Autorin – ohne das kenntlich zu machen – im Wesentlichen nur eine simplifizierende Nacherzählung des umso viel dichteren Originals Auslieferung auf Verlangen von Varian Fry abgeliefert.

Die Erinnerungen Varian Frys an die 13 Monate, in denen er in Marseille die Arbeit des Emergency Rescue Committee koordinierte, das von den Nazis verfolgten Intellektuellen und Künstlern zur Flucht verhelfen sollte, erschienen bereits 1945 unter dem Titel Surrender on Demand. Die deutsche Erstausgabe Auslieferung auf Verlangen wurde von Jan Hans und Anja Lazarowicz übersetzt und 1986 im Hanser Verlag veröffentlicht.

Außerdem mochte ich die allgemeine Begeisterung zu Applaus für Bronikowski von Kai Weyand nicht teilen; mir schien das Buch gnadenlos überschätzt. Wirklich kein Vergleich zu dem so viel komischeren und tiefsinnigeren Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke von Meyerhoff.

Auch von dem neuen Roman von Friedrich Ani war ich enttäuscht.

2. Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Eine Neu-Entdeckung ist für mich jede Autorin, jeder Autor, deren/dessen Buch mir so gut gefallen hat, dass ich mich auf weitere Bücher einlassen würde. Das waren in diesem Jahr unter anderem:

3. Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2015 lesen und warum?

Von Kai habe ich den schönen Begriff “sprunghafter Lustleser” gelernt, also, ich weiß noch nicht einmal, was ich nächste Woche lesen werde, geschweige denn nächstes Jahr. Aber es wäre schon mal gut, wenn ich meine Buchkaufgeschwindigkeit massiv drosseln und den SUB ein bisschen abbauen würde. Noch bin ich fest entschlossen, im neuen Jahr maximal ein neues Buch pro Monat zu kaufen.

4. Außerdem: Welches Sachbuch war dir in den letzten zwölf Monaten wichtig?

5. Welches Buch hast du 2015 wiedergelesen?

Johann Amos Comenius: Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens (1631)

6. Welche Klassiker hast du außerdem gelesen?

7.  Welche Bücher wären spurlos an dir vorbei gegangen, wenn nicht andere BloggerInnen dich darauf aufmerksam gemacht hätten?

Das lässt sich leider schon gar nicht mehr sauber nachvollziehen, weil ich so viele meiner Lektüreideen euren Blogs verdanke, und inzwischen ist es so arg, dass ich mich schon selbst damit überrasche, was ich so alles in meinen Regalen finde.

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Rückblick auf das Lesejahr 2014

Das Ende des Jahres ist immer auch eine schöne Gelegenheit,  die Bücher, die man gelesen hat, noch einmal Revue passieren zu lassen.

Unerwartete Überraschung

Dass mich das Selbstporträt der Beltracchis so begeistern würde, das hätte ich dann vorher doch nicht erwartet.

Negative Überraschung

Grandios gescheitert bin ich an Kruso von Lutz Seiler. Fand schon die ersten vierzig Seiten sprachlich so dermaßen dröge, dass ich aufgegeben habe. Schade, denn die Geschichte selbst klang interessant.

AutorInnen-Neuentdeckung

Sehr gern gelesen habe ich die Auseinandersetzung Bartholomäus Grills mit Tod und Sterben und die feine und urkomische Geschichte eines Auslandsjahres von Joachim Meyerhoff. Auch die wahnsinnig gut geschriebene, gesellschaftskritische Hollywood-Geschichte von Alfred Hayes (1958) war eine tolle Entdeckung. Aber ich war auch gern am Baikalsee mit Sylvain Tesson.

Unbedingt muss aber auch das durchgeknallt-spannend-kafkaeske Krimi-Fantasy-Science-Fiction The Manual for Detection von Jedediah Berry erwähnt werden.

Bei den Autorinnen haben mich besonders Vera Caspary mit ihrem Kriminalroman Laura (1943), Elizabeth Taylor mit ihrer Geschichte um eine ältere und einsame Dame und Elizabeth Jenkins mit ihrer Geschichte um einen Ehebruch (1954) beeindruckt. Allesamt ältere Werke.

Lieblingscover

Cover waren mir bisher meist nicht so wichtig, positiv aufgefallen ist mir allerdings die zurückhaltend elegante Covergestaltung von Alfred Hayes schmalem Roman My Face for the World to See. Aber auch das Design von Florence Broadhurst zu The Tortoise and the Hare passt gut zur Hauptfigur in Jenkins Roman. Nach dem TED-Vortrag von Chip Kidd, einem amerikanischen Grafikdesigner, ist mein Interesse an der Covergestaltung gerade rasant gestiegen. Brillant vorgetragen, humorvoll, mit diversen Beispielen illustriert.

Sachbuch

Obwohl Ian Mortimer wohl einige sachliche Fehler unterlaufen sind, habe ich sein Handbuch für Zeitreisende über das Mittelalter mit großem Vergnügen gelesen. Auch Bonellis Selber Schuld war aufschlussreich.

Noch einmal gelesen

Leider gar keins, das ist schade und hätte eigentlich anders laufen sollen.

Empfehlungen anderer BloggerInnen

Oh weia, inzwischen kommen fast alle Bücher auf meiner Wunschliste aus den Empfehlungen der Literaturblogs. Peggy hat das in ihrem Post „Mein Jahr in Büchern“ schön auf den Punkt gebracht:

Als ich 2012 mit dem Bloggen anfing, hat WordPress vermisst, mich über die Risiken und Nebenwirkungen aufzuklären, die mit dem Eintritt ins Bloggerleben einhergehen. In meinem Falle gehörten berstende Bücherregale und vermisste Personen zu den auffälligsten Symptomen.

Hier ist es inzwischen so arg, dass ich mich schon selbst damit überrasche, was ich so alles in meinen Regalen finde.

Rückblick auf das Lesejahr 2013

Katrin, Betreiberin des ehemaligen Blogs BuchSaiten, veranstaltete auch 2013 ihre Blogparade. Los geht’s.

1.  Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat?
Warum sollte ich ein Buch lesen, von dem ich mir wenig verspreche?

2.  Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?           
Sowohl mit dem hochgelobten Blumenberg von S. Lewitscharoff als auch mit Vogelweide von Uwe Timm konnte ich leider gar nichts anfangen.

3.  Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?        
Erich Hackl ist keine echte Neuentdeckung, weil mir schon Familie Salzmann sehr gut gefallen  hatte, aber Dieses Buch gehört meiner Mutter ist trotzdem für mich eines der beeindruckendsten Bücher des Jahres 2013.
Tatsächliche Autoren-Neuentdeckungen waren für mich der Autor Sam Selvon mit seinem The Lonely Londoners (1956) und der Schweizer Markus Werner mit Am Hang.

4.  Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?  
Normalerweise sind mir Cover relativ egal, allerdings schrecken mich quitschbunte Cover eher ab. Aber die Penguin-Ausgabe von Susan Cains Bestseller „Quiet“ über introvertierte Menschen war auf der Vorderseite komplett weiß, und auch Titel und Autorenname waren weiß und nur anhand der Prägung zu lesen. Das war eine tolle grafische Umsetzung des Inhalts. Ansonsten könnten meinetwegen alle Bücher einen edel-schlichten Leineneinband haben.

5.  Welches Buch wollt ihr unbedingt im nächsten Jahr lesen und warum?                                             
Alle Bücher meines SUBs, also völlig unrealistisch. Außerdem plane ich nie, welches Buch ich als nächstes lese. Das ist ja gerade das Schöne daran.

6.  Außerdem: Welches Buch oder welche Bücher hast du dieses Jahr wiedergelesen?
Dieses Jahr hatte ich viel Freude beim Wiederlesen der englischen Klassiker Emma und Pride and Prejudice.

7.  Und wenn wir schon dabei sind: Welches Sachbuch war dir in den letzten zwölf Monaten wichtig?
Der Hauslehrer von Michael Hagner über Erziehungsvorstellungen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts
Oranges and Sunshine von Margaret Humphreys über die Jahrzehnte andauernde Kinderverschickung nach Australien
Herr K. schaut mir über die Schulter und ist entrüstet, er meint, das wichtigste Sachbuch sei ganz klar Überwachtes Deutschland: Post- und Telefonüberwachung in der alten Bundesrepublik (Februar 2013) von Josef Foschepoth.

8.  Ach, und da fällt mir noch eine Frage ein, die mir niemand gestellt hat, die ich aber witzig finde. Welche Bücher wären spurlos an dir vorbei gegangen, wenn nicht andere BloggerInnen dich darauf aufmerksam gemacht hätten?
Claudia vom Grauen Sofa sorgte für folgenden Bücherzuwachs bei mir:

  • Reise an den Rand des Universums von Urs Widmer
  • Firmin. Ein Rattenleben von Sam Savage
  • Idylle mit ertrinkendem Hund von Michael Köhlmeier
  • Alle Farben des Schnees von Angelika Overath

Linus von Buzzaldrins Bücher hat mit seinen Besprechungen dafür gesorgt, dass

  • Blasmusikpop von Vea Kaiser bei mir eingezogen ist und
  • Wohllebengasse von Tim Bonyhady nun auf der Wunschliste steht.

Und Philea’s Blog ist „schuld“ an folgenden Neuerwerbungen:

  • Reisen mit meiner Tante von Graham Greene
  • Die Entdeckung der Natur von Jürgen Goldstein

Rückblick auf das Lesejahr 2012

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat?

  • Heinrich Böll: Irisches Tagebuch (1957): Es war sehr feinfühlig beobachtet, wunderschön zu lesen und dürfte inzwischen schon dokumentarischen Charakter haben.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?

  • Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe (2011): Von der Kritik hochgelobt, der bissige Erzählton wird brav durchgehalten, doch es war mir schleierhaft, warum man das lesen soll.

Welches war meine persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Eine Neu-Entdeckung ist für mich jede Autorin, jeder Autor, deren/dessen Buch mir so gut gefallen hat, dass ich mich auf weitere Bücher einlassen würde. Das waren in diesem Jahr unter anderem: Jakob Wassermann: Mein Weg als Deutscher und Jude (1921); Wolfgang Büscher mit seinem Reisebericht Hartland – Zu Fuß durch Amerika (2011); Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein (1947) und Carsten Jensen: Wir Ertrunkenen (ein unglaubliches Seemannsgarn, aus vielen Geschichten gewebt) und Julie Otsuka: The Buddha in the Attic, deren Perspektivenwahl sehr ungewöhnlich und absolut gelungen ist.

Welches Buch habe ich wiedergelesen?

Ich habe nach ca. 20 Jahren mal wieder To Kill a Mockingbird von Harper Lee gelesen (auf Deutsch: Wer die Nachtigall stört), wow! Das war eines meiner Lesehighlights.