Fundstück von Bergsveinn Birgisson

Gedanke am Morgen

Auf die Bucht hinauszuschauen an einem Morgen, wenn die Wolkenkissen friedlich auf der gegenüberliegenden Küste ruhen, dort, wo alles besser zu sein scheint und irgendwelche unbekannten Versprechen im Licht wohnen.

aus: Bergsveinn Birgisson: Die Landschaft hat immer recht, Residenz Verlag 2018 (OA 2003), S. 232

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Anne Griffin: When All is Said (2019)

Der Debütroman When All is Said der irischen Autorin Anne Griffin soll irgendwann auch auf Deutsch erscheinen. Recht so!

Das Buch mit dem Untertitel Five Toasts – Five People – One Lifetime hätte sogar das Zeug zum Klassiker gehabt, hätte die Autorin bloß auf ein paar Mätzchen a la Wie-mache-ich- das-Buch-massenkompatibel verzichtet.

Doch noch mal von vorn. Um was geht es überhaupt?

Das Buch beginnt mit den Worten:

Is it me or are the barstools in this place getting lower? Perhaps it’s the shrinking. Eighty-four years can do that to a man, that and hairy ears.

Der 84-jährige Maurice Hannigan sitzt allein an der Bar des Rainsford Hotels in seiner kleinen Heimatstadt und wird im Laufe des Abends im Juni 2014 fünf Toasts auf die Menschen aussprechen, die ihm im Laufe seines Lebens besonders wichtig geworden sind.

Das wären zum einen sein älterer Bruder, seine Frau Sadie, sein Sohn und zum anderen seine Schwägerin und seine Tochter. Die Erinnerungen von der Kindheit bis zu den Geschichten aus der Gegenwart, die sich gegenseitig erhellen, aufeinander verweisen und letztlich alle von urmenschlichen Glücks- und Verlusterfahrungen handeln, springen einen als Leser förmlich an.

Man hört diesem alten Sturkopf, der es von einem einfachen Farmer zum reichen Mann gebracht hat und trotzdem seiner geliebten Sadie bei einem Restaurantbesuch nicht mal ein Eis zum Nachtisch gönnt, fasziniert zu und glaubt ihm jedes Wort. Genauso wie die Tatsache, dass er sich lieber die Zunge abgebissen hätte, als all das den ihm nahe stehenden Menschen zu sagen.

Auch der Schauplatz, die Bar dieses Hotels, ist von Hannigan bewusst gewählt worden, wie sich im Laufe der Geschichte herausstellt.

Hätte Griffin bloß mal auf ihren knorrigen Protagonisten, seinen unbändigen Wunsch nach Selbstbestimmtheit und seine tolle Erzählstimme vertraut, was hätte das für ein wuchtiges – und auch berührendes – Buch werden können. Aber nein, die an den Haaren herbeigezogene Geschichte rund um einen Münzdiebstahl und einige kleinere alberne Dramenmomente stutzen das Buch leider an vielen Stellen wieder auf Normalmaß zurück.

Das ändert allerdings nichts daran, dass sich, auch wenn ich Griffin ein bisschen böse bin, Maurice Hannigan in meine innere Bibliothek wohl dauerhaft einschreiben wird.

 

Fundstück von Angelika Overath

Kurz nach unserem Umzug brachte Matthias eine Schulkameradin mit, ein Mädchen mit blauen Augen und braunen Locken. Das Kind betrat unsere Wohnung und sah sich um. Langsam sah es über die hohen Wände mit den sehr vielen Büchern, und ich sah, daß es vielleicht noch nie so viele Bücher auf einmal gesehen hat. Aber das Mädchen sah, daß ich das sah. Da drehte es sich zu mir um, schlug die großen Augen auf und sagte: Und mein Vater hat 200 Schafe!

Aus: Angelika Overath: Alle Farben des Schnees: Senter Tagebuch, Luchterhand 2010, S. 35

Blogbummel Januar/Februar 2019

Heute geht’s tierisch los, und zwar mit Giraffen, gefunden auf Travel with Intent, und  Eichhörnchen in Kanada, fotografiert von Christopher Martin.

Außerdem gibt es bei Cindy Knoke Pumas und Papageientaucher bei Michael.

Deutschsprachige Blogs

Travel without Moving findet das Sachbuch Reisen in die Welt des Wahns von Achim Haug informativ und berührend.

Binge Reader verbrachte Zeit mit Heine. Hat sich anscheinend gelohnt.

Letteratura erinnert mich daran, dass das Buch von Wallace Stegner hier auch schon viel zu lange ungelesen herumsteht.

EXLIBRIS macht neugierig auf 64 von Yokoyama.

.Leselust stellt The Hills von Matias Faldbakken vor.

Der Mond und die Feuer von Cesare Pavese wird auf Zeichen & Zeiten besprochen.

schiefgelesen.net las Heiliges Dunkel von Lewan Berdsenischwilis.

LiteraturReich erinnert an Die allertraurigste Geschichte von Ford Maddox Ford.

Es macht Spaß, den Beitrag auf Lesen macht glücklich zu Hilmar Klutigs Roman Was dann nachher so schön fliegt mit dem dort verlinkten und ziemlich bissigen Artikel von Sigrid Löffler zu vergleichen.

Und auf KULTURTHEMEN.DE gibt es noch zwei Empfehlungen, einmal zu dem Band Dichterhäuser: Fotografien von Achim Bednorz von Bodo Plachta und zum anderen zu Wilfried Kautes The Boss don´t care: Kinderarbeit in den USA 1908-1917Fotografien von Lewis W. Hine.

Englischsprachige Blogs

Reading Matters war sehr angetan von Cold Spring Harbor von Richard Yates.

Aufmerksam auf The Baghdad Clock von Shahad Al Rawi machte Word by Word.

Ebenfalls interessant klang Fair stood the Wind for France (1944) von H. E. Bates, vorgestellt auf JacquiWine’s Journal.

Da wir ja alle noch dringend Tipps und Empfehlungen brauchen, hier noch die Stella Prize Longlist.

Zum Schauen, Staunen und Reisen

Auf eMORFES gibt es Fotos des Palace of the Winds.

Sanddünen sind unwiderstehlich, diesmal von wander.essence, aufgenommen in Colorado.

Und diese Chinatown-Fotos von Jane Lurie sind mal wieder einmalig.

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