Jackie Kay: Red Dust Road (2010)

Nicon Hilton Hotel, Abuja

Jonathan is suddenly there in the hotel corridor leading to the swimming-pool area. He’s sitting on a white plastic chair in a sad cafe. There’s a small counter with a coffee machine and some depressed-looking buns. He’s dressed all in white, a long white African dress, very ornately embroidered, like lace, and white trousers. He’s wearing black shoes. He’s wired up. My heart is racing. ‘Jonathan?’ I say.

So beginnt die autobiografische Rückschau der schottischen Lyrikerin und Schriftstellerin:

Jackie Kay: Red Dust Road (2010)

Zum Inhalt

Erstaunlich, wie viele Parallelen ihre Lebensgeschichte zu der von Jeanette Winterson aufweist. Auch Kay wurde als Baby adoptiert, wurde Schriftstellerin, ist lesbisch und begibt sich als Erwachsene auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern und verarbeitet dies in einem autobiografischen Roman.

Doch der Grundtenor ist ein ganz anderer als bei Winterson. Während Winterson um ihr seelisches Überleben in einem freudlosen Haushalt kämpfen muss, bei dem die Religion als Krücke und Schild gegen echte Gefühle herhalten muss, wächst Kay bei einem schottischen Kommunistenpaar auf, das keine Bedenken hat, 1959 und 1962 zwei Kinder zu adoptieren, die farbig sind.

Ihre leibliche Mutter Elizabeth, eine schottische Krankenschwester, lernt in Aberdeen einen postgraduate-Studenten aus Nigeria kennen, der dann später als Professor Karriere machen wird. Eine allein erziehende Mutter Anfang der sechziger Jahre in Schottland mit einem farbigen Kind – undenkbar, also wird das Baby zur Adoption freigegeben. Und Jackie, auf deren Geburtsurkunde eigentlich der Name Joy steht, kommt zu Eltern, die man sich nicht liebevoller, lebenslustiger und engagierter denken kann. Jackie Kays Geschichte veranschaulicht auf sehr warmherzige und humorvolle Art, wie viel Widerstandskraft und Kraft einem eine Familie geben kann, auf die man sich hundertprozentig verlassen kann, in der gern gesungen wird, in der das Materielle nicht an erster Stelle steht, in der viel gelacht wird, in der die Eltern sich auch nach 50 Jahren Ehe noch liebhaben und in der ein Fundament an Geborgenheit gelegt worden ist,  das Jackie auch in schwierigen Zeiten einen enormen Rückhalt bietet.

Ihr Buch ist nicht so theoretisch grundiert wie das von Winterson, sie ist gefühlsorientierter und steht dazu. Sie versteht selbst nicht genau, weshalb es ihr so wichtig ist, ihre leiblichen Eltern zu finden, da sie bei ihren Adoptiveltern wirklich zu Hause ist und nie etwas vermisst hat. Doch ihre Umwelt signalisiert ihr aufgrund ihrer Hautfarbe ja immer wieder, “that she doesn’t belong”. So ist diese Suche sicherlich auch eine Suche nach einem wichtigen Teil der eigenen Identität, der äußere Anlass ist hingegen ihre eigene Schwangerschaft.

Auf einer Reise durch Nigeria, auf der Fahrt in ihr väterliches Heimatdorf, wo sie sich niemandem zu erkennen gibt, wirkt sie zunächst fast ein wenig naiv und nimmt die alltäglichen Bedrohungen und Gefahren des dortigen Alltags nur sehr allmählich war.

Die Suche nach den leiblichen Eltern und die Bemühungen, anschließend so etwas wie einen Kontakt zu diesen völlig fremden Menschen aufzubauen, bilden den roten Faden des Buches. Besonders begeistert sind allerdings weder die Mutter noch der Vater in Nigeria, von ihrer leiblichen Tochter ausfindig gemacht zu werden. Beide haben ihren späteren Familien verschwiegen, dass es da noch eine erstgeborene Tochter gibt.

Und eine der Stellen, an denen es den Leser dann schüttelt, ist, als Jackie bei der einzigen Begegnung mit ihrem Vater Jonathan – sie ist da bereits 42 – ihm eine Frage stellt:

I ask him if he had ever thought about me at all over the years. ‘No,’ he says. ‘No, of course not, not once. Why would I? It was a long time ago. It was in the past.’ (S. 98)

Ihr Vater gehört inzwischen einer der zahlreichen fundamentalistischen evangelikalen Gruppierungen an, die es in Nigeria gibt, und die Begrüßung seiner erwachsenen Tochter im Hotel besteht darin, zwei Stunden über ihr zu beten, sie anzupredigen und anschließend von ihr zu erwarten, dass sie sich sofort bekehrt. Natürlich könne er niemandem von ihr erzählen, seine Gemeindemitglieder würden dann ihren Glauben verlieren.

Mit dem ihr eigenen sehr liebevollen Humor schreibt Kay, dass sie gar nicht gewusst habe, welche Macht sie besitze. Sie verurteilt ihren leiblichen Vater nicht, sondern schreibt:

Meeting  a birth parent stirs up such a strange mix of emotions; I wanted to fling my arms round Jonathan and run away from him at top speed.” (S. 99)

Auch ihre leibliche Mutter hat Zuflucht in der Religion gesucht. Sie gehört inzwischen einer mormonischen Glaubensgemeinschaft an und ist überzeugt, dass Babys schon im Mutterleib danach riefen, adoptiert zu werden. Doch sind die wenigen Begegnungen mit ihr vor allem bedrückend.  Sie leidet an Alzheimer und es ist traurig, wie die alte Dame eines Sonntags noch nicht einmal mehr den Weg zu ihrer Kirche findet und sowohl einen Friseur als auch einen Polizisten nach dem Weg fragt.

Fazit

Für den Aufbau des Buches sind die ständigen Wechsel der Zeitebenen typisch, die mir ziemlich auf die Nerven gingen. Und ich habe dann mühsam genug versucht, eine Chronologie der Ereignisse herzustellen. Allerdings hat dieses Mosaikstein-Prinzip zur Folge, dass sich das Thema Rassismus eben nicht kontinuierlich durch das Buch zieht, sondern seinen klar zugewiesenen Platz bekommt.

Das wiederum finde ich sehr souverän. Kay hat da einiges, schon als Kind, durchmachen müssen. Die für sie schlimmste Erfahrung war, als sie als junge Studentin in London zum ersten Mal von ihren schottischen Freunden besucht wurde und sie abends an einer U-Bahn-Station warteten und von einer Gruppe jugendlicher Idioten  angepöbelt und angegriffen wurden:

Rowena, my friend, and the youngest of us, only sixteen, intervenes, and one of them smashes her face. Her face is pouring with blood. I shout to the people on the platform. ‘Isn’t anyone going to help us?’ A businessman, well dressed in a smart raincoat and with a leather case, standing next to another businessman, turns to me calmly and says: ‘No, we support them.’ And his calm sentence is more chilling than the yobs breaking bottles on the platform. (S. 189)

Glücklicherweise kommen ihnen dann doch vier Männer zur Hilfe, die Schlimmeres verhindern. Bis die Polizei eintrifft, können die Täter jedoch unerkannt entkommen.

Das Buch hat ein wunderbares Ende, ein geradezu furios-fröhliches Ende. Doch was mich am meisten beeindruckt hat, ist, wie sie die Beziehung zu ihren alten Adoptiveltern feiert, egal ob sie mit ihnen durch das völlig verregnete Glen Coe fährt, mit ihnen in alten Urlaubserinnerungen schwelgt oder ihnen einfach nur zuhört. Ein Tochter-Eltern-Verhältnis, das sich kaum schöner denken und schon ein bisschen Panik durchscheinen lässt, weil sie sich irgendwann von ihnen wird verabschieden müssen.

I love hearing these stories, partly because they are familiar to me, and partly because I love the way they tell them in tandem, and both remember slightly different things. I envy the rare thing that my parents have, that they have shared over 50 years together and can keep each other’s memories; tend to them, like a lovely garden with freshly blooming broom. (S. 117)

Jackie Kay sagt selbst in einem Interview im Telegraph am 5. Juni 2010:

Red Dust Road, she says, ‘is a love letter to my parents’.

Anmerkung

The Scotsman bringt es am 5. Juni 2010 auf den Punkt:

… the key to Kay is empathy. A story about an adopted person’s quest to find their birth parents could, I guess, easily veer into uninvolving self-obsession: in Red Dust Road, the opposite happens. It’s engrossing. Whether she’s dealing with her parents’ easy comic banter as they remember past holidays with their children, or the desperately sad unravelling of Elizabeth’s mind, Kay follows the classic writer’s “show, don’t tell” mantra to near-perfection. Red Dust Road may read as intimately as a friend talking to you in a cafe, but that’s only because, as one of Scotland’s finest short story writers, she knows exactly how to tell a tale to make it so involving in the first place.

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Rosemary McLoughlin: Tyringham Park (2012)

Tyringham Park 1917

The mother wasn’t seen to lose her composure and the father didn’t return from London when Victoria Blackshaw, the pretty one, went missing at the age of twenty-two months.

So beginnt die mit leichten Gothic Novel-Zügen versehene Variante des Herrenhaus-Trivialromans der bereits seit Jahrzehnten in Irland lebenden australischen Schriftstellerin

Rosemary McLoughlin: Tyringham Park (2012)

2014 erschien das Debüt der Autorin in Deutsch unter dem Titel Die Frauen von Tyringham Park.

Zum Inhalt

Das hübsche zweijährige Töchterchen der reichen Blackshaws verschwindet in der kurzen Zeitspanne, als ihr Kinderwagen neben dem Pferdestall steht, derweil sich ihre Mutter mit dem Pferdetrainer Manus vergnügt.

Ein paar Tage zuvor hatte das Kindermädchen Teresa Kelly gekündigt, das sehr an der kleinen Victoria gehangen hat. Teresa gerät natürlich als erste in Verdacht, ist jedoch unauffindbar und vermutlich bereits auf dem Weg nach Australien, um dort zu heiraten.

Alsdann wären da noch die eher unscheinbare Schwester der verschwundenen Victoria, die achtjährige Charlotte, die nach dem Unglück zunächst völlig verstummt, und das grässliche und sadistische Kindermädchen Dixon, das von den Dämonen der eigenen Kindheit gehetzt wird.

Außerdem spielen noch die warmherzige und aufrechte Haushälterin Miss East und die komplett narzisstische Mutter der beiden Mädchen namens Edwina nebst einer Vielzahl weiterer Figuren mit.

Das Unglück bleibt für Jahrzehnte unaufgeklärt und wirft seinen Schatten auf die Lebenswege der Hauptfiguren, die nun vor dem Leser bzw. wohl eher vor der Leserin ausgebreitet werden. Dabei steht vor allem Charlottes Weg vom ungeliebten und vernachlässigten Kind hin zu einer reifen Frau im Mittelpunkt, die genau weiß, was sie will.

Fazit

Das Beste an diesem Buch sind die ersten beiden Sätze, die wecken noch Neugier und Hoffnung auf einen schönen Urlaubsleseschmöker. Danach sollte man dann einfach aufhören und zum nächsten Buch greifen.

Es passiert zugegebenermaßen ganz fürchterlich viel in diesem Buch, aber das soll vermutlich von den Schwächen in der Charakterschilderung und den Löchern in der Logik ablenken.

Es gibt zu viele an den Haaren herbeigezogene Wendungen und Charaktere, deren Handlungsweisen eher vom Plot als von ihrer eigenen Psychologie motiviert sind. Die Bösewichtin beispielsweise mutiert immer mehr zu einer Figur, die einem mittelmäßigen Schauerroman gut zu Gesicht gestanden hätte.

Die Auflösung ahnt man lange vorher und das Ende ist nur dann glaubwürdig, wenn man vorher seinen Verstand ausgeknipst hat, weil es eben psychologisch nicht vorbereitet wurde. Es musste halt noch ein richtiger Showdown her.

Der von den Werbetextern bemühte Vergleich mit Rebecca von Daphne du Maurier: Hochstapelei.

 

 

 

Elizabeth Taylor: Mrs Palfrey at the Claremont (1971)

Mrs Palefrey first came to the Claremont Hotel on a Sunday afternoon in January. Rain had closed in over London, and her taxi sloshed along the almost deserted Cromwell Road, past one cavernous porch after another, the driver going slowly and poking his head out into the wet, for the hotel was not known to him. This discovery, that he did not know, had a little disconcerted Mrs Palefrey, for she did not know it either, and began to wonder what she was coming to. She tried to banish terror from her heart. She was alarmed at the threat of her own depression.

So beginnt der elfte und damit letzte Roman der britischen Autorin, der noch zu ihren Lebzeiten veröffentlicht wurde.

Elizabeth Taylor: Mrs Palefrey at the Claremont (1971)

Zum Inhalt

Da Mrs Palefrey, Witwe eines kolonialen Verwaltungsbeamten, nicht mehr gut zu Fuß ist und immer ihren Gehstock benötigt, überlegt sie, ob es nicht vernünftiger wäre, ihr Haus Rottingdean aufzugeben, in dem sie mit ihrem Mann Arthur nach dessen Pensionierung noch glückliche Jahre verbracht hat.

Und so beschließt sie, für ihre letzte Lebensetappe, die sie noch bei halbwegs guter Gesundheit verbringen kann, ein Hotel zu ihrem Wohnsitz zu machen. Ihre Wahl fällt auf das Londoner Claremont Hotel, das mit verbilligten Wintertarifen wirbt.

Dieser Wechsel ist schmerzhaft und die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit ihrem Mann tun immer noch weh.

She thought of Rottingdean, imagined it, with the leaves coming down – or down already – on the lawns, and this softness in the air; but at the very idea of ever going back there, her heart heeled over in pain. (S. 189)

Doch mit einer “stiff upper lip”-Haltung versucht sie vom ersten Tag an, ihre Traurigkeit über die neue Situation unter Kontrolle zu halten, was ihr nicht so recht gelingt.

The silence was strange – a Sunday-afternoon silence and strangeness; and for the moment her heart lurched, staggered in appalled despair, as it had done once before when she had suddenly realised, or suddenly could no longer not realise that her husband at death’s door was surely going through it. Against all hope, in the face of all her prayers. (S. 4)

Der Kontakt zu ihrer in Schottland lebenden Tochter beschränkt sich auf die Wahrung der Form, man schreibt sich regelmäßig nichtssagende Briefe. Ihr Enkel lebt zwar in London, besucht sie aber nur zweimal voller Widerwille, und auch nur, weil ihn seine Mutter dazu genötigt hat.

Wir lernen auch die anderen Dauergäste kennen, einsame alte Menschen, nach Kontakten und Neuigkeiten dürstend, nahezu vergessen von der Welt, abhängig von den Launen der Verwandtschaft, die ab und an zur Gewissensberuhigung ihre Pflichtbesuche absolviert.

So kämpfen alle einen Kampf gegen die Verengung des eigenen Handlungsspielraums und gegen die Langeweile, in der sogar das Studieren des eintönigen Speiseplans eine willkommene Abwechslung darstellt.

… Mrs Palefrey considered the day ahead. The morning was to be filled in quite nicely; but the afternoon and evening made a long stretch. I must not wish my life away, she told herself; but she knew that, as she got older, she looked at her watch more often, and that it was always earlier than she had thought it would be. When she was young, it had always been later.

I could go to the Victoria and Albert Museum, she thought – yet had a feeling that this would be somehow deferred until another day. (S. 8)

Ein weiterer Feind ist die drohende körperliche Hinfälligkeit, denn alle wissen, dass sie das Hotel verlassen müssen, sobald sie gebrechlich oder gar inkontinent werden. Schon das Überqueren der Straße kann dabei ein Angst auslösender Vorgang sein, weil da kein Arm ist, der einen stützen könnte.

Eines Tages stürzt Mrs Palefrey auf einem ihrer Spaziergänge und lernt so den jungen mittellosen Schriftsteller Ludo kennen. Da sie sich schämt, dass ihr eigener Enkelsohn sie noch nicht besucht hat, gibt sie Ludo den anderen Mitbewohnern kurzerhand als ihren Enkel Desmond aus. Ludo spielt das Spiel in einer Mischung aus Langeweile und Mitleid mit, zumal er immer wieder Zitate und Situationen aus dieser Bekanntschaft als Material für sein Romanprojekt verwenden möchte.

Für Mrs Palefrey ist Ludo allerdings unwahrscheinlich wichtig, da er außerhalb der Hotelwelt der einzige ist, mit dem sie ab und an Kontakt hat.

Fazit

Sprachlich superb. Als Ludo ihr ein Küsschen auf die Wange gibt, heißt es:

At the same time, he registered the strange, tired petal-softness of her skin, stored that away for future usefulness. And the old smell, which was too complex to describe yet. (S. 35)

Falls meine Notizen zum Inhalt ein bisschen dröge wirken, täuscht das, denn auch wenn der Roman natürlich kein Action-Thriller ist, lebt das Buch von einer inneren Spannung. Es ist fast unmöglich, sich der Einsamkeit des Alters, die hier ganz kühl und scheinbar beiläufig seziert wird, zu entziehen.

When she was young, she had had an image of herself to present to her new husband, whom she admired; then to herself, thirdly to the natives (I am an Englishwoman). Now, no one reflected the image of herself, and it seemed diminished … (S. 3)

Symptomatisch ist, dass nur an einer Stelle der Vorname der Hauptfigur genannt wird. Es gibt einfach niemanden mehr, der so vertraut mit Mrs. Palefrey ist, dass er sie mit ihrem Vornamen anreden könnte.

Auch die Mitbewohner, mit denen Mrs Palefrey nun ihre Tage verbringt, werden ja nicht deshalb zu Freunden, nur weil man ihnen dauernd nahe ist. Im Gegenteil, spitze Bemerkungen werden ausgetauscht, Denkweisen und Temperamente, die früher nicht kompatibel gewesen wären, sind es auch jetzt nicht.

Manche kommen besser mit der Situation zurecht – dabei ist es hilfreich, wenn man geistig eher schlicht gestrickt ist -, andere schlechter. Der eine sieht einen Ausweg in der Illusion einer späten Ehe, der andere im Trinken. Die dritte in einer unablässigen Neugier.

Der ganze Handlungsstrang um Ludo, der ebenfalls einsam ist, hat mich persönlich weniger angesprochen. Viel interessanter fand ich die kühlen und genauen Beobachtungen, mit denen uns der Erzähler Mrs Palefrey nahebringt.

Although she felt too old to do so, she knew that she must soldier on, as Arthur might have put it, with this new life of her own. She would never again have anyone to turn to for help, to take her arm crossing a road, to comfort her; to listen to any news of hers, good or bad. She was helplessly exposed – to the idiosyncrasies of other old people, the winter coming on, her aches and pains and loneliness … (S. 189)

Aber wir sehen auch ihre Sehnsucht nach Gesehenwerden und ihre Herzlichkeit, mit der sie Ludo beschenkt. Ihr so menschlicher Wunsch nach Zuwendung. Manchmal finde ich ihre Fähigkeit zur Selbstreflektion und ihre – seltenen – Anflüge von Heiterkeit, in denen sie sich völlig unsentimental Rechenschaft über ihre Situation gibt, geradezu altersweise.

Als sie überlegt, dass sie – als ihr Mann noch lebte – das Glück ihrer langen Ehe als selbstverständlich ansah, ohne damals überhaupt verstanden zu haben, dass sie glücklich war, heißt es am Ende:

People are sorry for brides who lose their husbands early, from some accident, or war. And they should be sorry, Mrs Palefrey thought. But the other thing is worse. (S. 64)

Und am Ende habe ich auch verstanden, warum sie dann tatsächlich nie das Victoria and Albert Museum besucht hat.

Ein Roman, der sich unerschrocken, kühl, manchmal ironisch und immer unsentimental den Themen Alter und Einsamkeit stellt.

Sehr gern gelesen. Das Buch zwickt und zwackt auch dann noch, wenn man es längst ausgelesen hat.

Fazit

Wer sich nun fragt, wer Elizabeth Taylor war und ob man noch mehr von ihr lesen sollte, der möge hier weiterlesen.

In a Summer Season (1961)

Taylors achter Roman um die wohlhabende Kate Heron, die einen zehn Jahre jüngeren, attraktiven, aber haltlosen Mann heiratet, hat mich dagegen enttäuscht.

Hier versuchte die Autorin, gleich eine ganze Reihe an Figuren, Kate, ihre zwei fast erwachsenen Kinder, ihren Mann Dermot, den verwitweten Nachbarn Charles und dessen alle Männer betörende Tochter sowie eine unverheiratete Tante dem Leser nahezubringen.

Wieder wird jede der Personen “seziert” und noch die feinsten Nuancen der Gedanken und Gefühle werden wunderbar vermittelt (bis auf Aramintha, die lebende Schaufensterpuppe), aber im Grunde fand ich den Motor der Handlung, dass eine Ehe, die nur auf sexueller Anziehung basiert, wohl kaum gegen Gefährdungen gewappnet ist, einfach zu dünn.

Eine weitere, sehr positive Besprechung, die allerdings einige Spoiler enthält, findet sich auf dem Blog book word.

Sommerpause

Buchpost möchte bei dem Wetter eher im Garten sitzen oder – falls die Temperaturen über 30 Grad klettern – im Keller, deswegen wird heute mit einer kleinen Donnerstagsleserei die Sommerpause ausgerufen.

Gern gelesen

Ich freue mich immer, wenn es etwas Neues auf dem Blog LandGlück gibt, diesmal lautet das Thema Kleinbürger? Kleingeister? Kleingarten?

Glück gehabt – schon gelesen

Alles mit Links hat sich mal wieder das Irische Tagebuch von Böll vorgeknöpft. Auch ich habe das sehr, sehr gern gelesen. Bei Interesse hier lang.

Für die Wunschliste – bald passt da nichts mehr drauf …

Elementares Lesen setzt mir gleich zwei Titel auf die Liste, nämlich Der Mann, der alles wusste von John Glassie und – bestimmt geschenktauglich – What if? Was wäre wenn?

Flattersatz hat Etty Hillesums Tagebücher gelesen.

Aber das Buch Amerika-Plakate von Richard Lorenz klingt auch sehr vielversprechend. Vorgestellt von Frank auf dandelion. abseitige Literatur.

Zum Reisen und Staunen

Zwar wird das Nichtleser nicht überzeugen, aber eine hübsche Idee sind diese Bänke in London trotzdem.

Es soll ja Menschen geben, die mit Kirchen und ihrer Architektur nichts anfangen können, für alle anderen zwei wunderbare Fotos (Foto Nr. 1 – Ely Cathedral – und Foto Nr. 2) von Echoes of the Past.

Bis zum Wiederlesen.

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Fundstück

Heute ein Zitat – mit freundlicher Erlaubnis der Blogbetreiberin – aus dem schönen Blog Tales from the Reading Room.

Victoria hat zwar einen wunderbaren Ehemann, der ihr sogar Bücherregale zimmert, aber hin und wieder äußert er doch Bedenken, was die sich ansammelnde Büchermenge im Haushalt angeht.

Victoria schreibt:

For the last couple of months, Mr Litlove has been busy making me new bookcases. It will probably not surprise you to know that we have been experiencing a bit of a book crisis once again. Mr Litlove has been rumbling darkly to the effect that rather than live in a house with a lot of books, we have now veered into the territory of hoarders and eccentrics, and are living in a library that happens to have beds in it. I’m not sure why this should be an issue, but he seems to think it is.

Manches kann man nur auf Englisch so nett ausdrücken. Thanks, Victoria!